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Tunesien
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Wirtschafts- system
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Tunesien verfügt - abgesehen von Phosphat -
im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern nur in geringem Maße
über Bodenschätze
wie Erdöl und Erdgas, wenn auch in letzter Zeit einige
Entdeckungen
gemacht wurden, die die Abhängigkeit von den arabischen Nachbarn verringern.
Die vermuteten Reserven
sind jedoch noch beträchtlich. Dieser Mangel an natürlichem Reichtum und Bodenschätzen hat sich aber eher positiv auf die Entwicklung der tunesischen Volkswirtschaft ausgewirkt; das Land konnte jedenfalls nicht, wie die jüngsten Ölfunde es offenbar auch für die Zukunft nicht ermöglichen, "durch Öl arm" im Sinne einer Rentenökonomie werden und hat relativ früh eine differenzierte Wirtschaft einschließlich einer interessanten Handwerkskomponente entwickelt. So gibt es in der gesamten Küstenregion, besonders im Raum Nabeul, zahlreiche Keramikwerkstätten, die für den internen Bedarf, aber auch für höhere Ansprüche, kaum Wünsche übrig lassen.
Bunter Keramikladen für alle Ansprüche in Nabeul (eigenes Foto)
Keramikladen (oberes Preissegment, "haute de gamme") in Nabeul (eigenes Foto) Strukturell ist die tunesiche Wirtschaft gekennzeichnet von der abnehmenden Bedeutung der Landwirtschaft, einem starken Dienstleistungssektor, der mit Hilfe der staatlichen Technologiepolitik um Callcenter und Internetfirmen ergänzt wurde, und industriellen Enklaven, die Zulieferprodukte für die Chemie-, Textil-, Auto- und Elektroindustrie herstellen und sich auf die industriellen Exportmärkte hin orientieren. Kritisch beurteilt wird das tunesische Bankenwesen, dem eine unzureichende Kapitalausstattung sowie der hohe Zahl der notleidenden Kredite bescheinigt wird, so daß in der Konsequenz eine Konsolidierung erfolgen muß, die dem Wirtschaftssystem die notwendigen Kreditmittel eher entzieht als zur Verfügung stellt. Politische Stabilität, Investitionen im Bildungssektor, eine funktionsfähige Verwaltung sowie Verbesserungen der Infrastruktur, der Verkehrs- und Kommunikationswege sind Schlüsselfaktoren, die neben der günstigen Lage des Landes einen Wettbewerbsvorteil ausmachen; hier sollen massiv verwertbare Qualifikationen entstehen. Die ausländischen Direktinvestitionen in Tunesien, sei es aus Europa oder den Golfstaaten, sollen zunehmend qualifizierte Jobs schaffen und qualifiziertes Personal vor Ort rekrutieren können. Aber auch für weniger qualifizierte Tätigkeiten wird nach unseren Informationen auf Rekrutierung am tunesischen Arbeitsmarkt insistiert: Der Import asiatischer Arbeitskräfte wird generell abgelehnt und gegenüber den Investoren aus Dubai und den Golfstaaten auf einheimischer Beschäftigung bestanden. Die existierenden Projekte allein in Tunis lassen manche bereits vom "Dubai des Mittelmeerraums" schwärmen. "Tunis, the new Dubai of the Mahgreb?" "In 12 months a tsunami of new projects emerged. With an astronomical investments comming from the Emirates, Tunis will be within the next 20 years one of the biggest and important cities in all the mediterranean and african region as a business and financial platform" Quellen: www.skyscrapercity.com - Forum Tunisie. Jedenfalls fallen die ehrgeizigen Entwicklungs- und Bauprojekte rings um das neue Stadtviertel Berge du Lac, aber auch anderswo, stark ins Auge:
"Le Bac", ein Wahrzeichen von La Goulette, eigenes Foto
Im Bau befindliche neue Brücke zur Ablösung der Autofähre, Juni 2008 (eigenes Foto) |
Einzelne Sektoren |
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Entwicklung,
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Die
Assoziierung an Europa und die 2008 angelaufene Zollunion mit der EU bestimmen die tunesische
Wirtschaftspolitik
und sind die Ursachen für große Reformen, allen voran das Programm
"Mise à Niveau" zur
Modernisierung der tunesischen Unternehmen, sowie weitere Sektorreformprogramme wie
"Manforme"
(Modernisierung der Berufsbildung, sowie die Restrukturierung und Dynamisierung des
Bildungswesens). Tunesien ist in ein Geflecht internationaler Abkommen eingebunden und arbeitet mit allen wichtigen internationalen Organisationen zusammen. Das Land versucht auf diese Weise, alle international verfügbaren Ressourcen für sich zu mobilisieren, u.a. durch umfassende Kooperationen mit der Weltbank und der Europäischen Union im Rahmen des sog. Barcelona-Prozesses der EU, die in ihrem MEDA-Programm in Zusammenarbeit mit der tunesischen Seite ein Reihe von konkreten Maßnahmen entwickelt hat und finanziert. Die regelmäßig erstellten Fortschrittsberichte und die Partnerländer Tunesiens in Europa attestieren dem tunesischen Staat Reformfähigkeit und -bereitschaft auf den Gebieten der Wirtschaftsreform und der Entwicklung der Humanressourcen. Da das Land auf Produktdiversifizierung und die Weiterentwicklung von Dienstleistungen angewiesen ist, die lokal hergestellt und international vermarket werden, sind Investitionen in die "ressources humaines", insbes. im Berufsbildungssektor, von zentraler Bedeutung für die zukünftige Entwicklung und werden von deutscher Seite gefördert. Im Hinblick auf die Effizienz des Regierungs- und Verwaltungshandelns stellt auch die Weltbank Tunesien ein gutes Zeugnis aus, insbes. was die Erreichung der 8 Millenniumsziele angeht, die demnach bis zum Jahr 2015 überwiegend erreicht werden könnten. Die Modernisierung der tunesischen Wirtschaft ist jedoch ein Wettlauf mit der Zeit, auch wenn schon über 2.500 Unternehmen an dem Modernisierungsprogramm der tunesischen Wirtschaft (Restrukturierung und Zertifizierung nach ISO-Normen) teilgenommen und damit Maßnahmen zur Erhöhung ihrer Wettbewerbsfähigkeit getroffen haben. Der zollfreie, unbeschränkte Warenhandel mit Europa birgt für Tunesien neben Chancen auch nicht unbeträchtliche Risiken, da zahlreiche mittlere Industriebetriebe veraltete Produktionsanlagen haben und das Land mit besseren und billigeren Erzeugnissen von außerhalb der Landesgrenzen versorgt werden könnte, z.B. in der Automobilzulieferindustrie. Hinzukommende Billiganbieter aus Osteuropa oder Asien, z.B. China, könnten auch den Vorteil des tunesischen Produktionsstandortes hinsichtlich der niedrigen Löhne zunichte machen oder relativieren. Beobachter halten daher die Schließung von bis zu 30% der tunesischen Industriebetriebe im Zuge der Marktöffnung und eine zumindest vorläufige Steigerung der Arbeitslosigkeit für wahrscheinlich. Außerdem ist auf die starke Arbeitsmigration, auch illegalerweise, aus Tunesien in die europäischen und andere Länder zu verweisen, die durch wirtschaftliche und soziale Spannungen möglicherweise noch zunehmen wird. Tunesien ist ein Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, die mit folgenden Schwerpunkten engagiert ist: Näheres hierzu auf der Tunesien-Seite der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) und in dem Info der Kreditanstalt für Wiederaufbau über die deutsche finanzielle Kooperation mit Tunesien . Die Zusammenarbeit in den zwei Schwerpunkten wird auch mittels der Entsendung qualifizierter Einzelexperten, die in die lokalen tunesischen Arbeitsstrukturen integriert sind, durch CIM durchgeführt. |
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