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Togo
Seite 4: Gesellschaft, Kultur & Religion

Gesellschaft

 


Tanzende Tem-Frauen bei Kamaka, einem Volksfest in Bafilo © Otto Frick

Regionalismus

Die Bevölkerung setzt sich aus etwa 40 verschiedenen Ethnien zusammen, mit z. T. sehr unterschiedlichen Lebensgewohnheiten, Glaubensbekenntnissen und Sprachen. Infolge der von europäischen Regierungen um 1900 endgültig festgelegten Kolonialgrenzen in Togo sind heute viele dieser Ethnien auf zwei Staaten verteilt. Durch die unterschiedlichen Entwicklungen in Südtogo und in Nordtogo resultiert ein Konflikpotential, das sowohl die Kolonialregierungen wie auch die des unabhängigen Togo für ihre Politik nutzten. Von Bürgerkriegen und größeren interethnischen Konflikten wie in manchen Staaten Westafrikas ist Togo verschont geblieben.
Die Menschen in Südtogo unterhalten seit über 500 Jahren Kontakte und Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika. Missionare, Kaufleute und Kolonialverwaltung ließen sich im Süden nieder, gründeten Schulen, förderten Handwerk, Handel und Infrastruktur, während der Norden bis in die 1960er Jahre mehr oder weniger sich selbst überlassen blieb. Erst in der Ära Eyadéma wurde der Norden, speziell dessen Heimatregion, gezielt gefördert. Wichtige Schlüsselpositionen in Politik, Militär, Wirtschaft und Verwaltung wurden mit Kabyé, der Ethnie Eyadémas besetzt, was in anderen Landesteilen kritisch aufgenommen wurde. Der Autor Toulabor beschreibt im Artikel Der Dinosaurier von Lomé die "Ethnopolitik" Eyadémas und die inszenierte "Togolité", den Schöpfungsmythos der Kabyé. Ein Artikel von icilomé widmet sich dem Tribalismus während der Autor G. Tété in Letogolais die richtige falsche Nord-Süd Frage dialektisch betrachtet.
Zwischen einigen Ethnien werden spezielle Umgangsformen gepflegt, die Scherzbeziehungen, eine Art ritualisierter Sticheleien oder verbalen Provokationen mit ethnischen Stereotypen, die helfen können, latente Spannungen abzubauen. Auch innerhalb der Familie, zwischen Schwägerin und Schwager gibt es diese Form von Kommunikation.


Teilnehmer bei Adossa, dem "Messerfest" der Tem in Didaouré/ Sokodé © Otto Frick

Ethnische Struktur und Sprachenvielfalt

Die Karte gibt einen Überblick über die Verteilung der verschiedenen Sprachen in Togo und den Nachbarländern. Die Sprachen der Adja-Ewé-Gruppe werden von etwa 45 % der Gesamtbevölkerung als Muttersprache gesprochen, die Sprachen der Tem-Kabyé-Gruppe von etwa 30% und die Para-Gourma-Sprachen von 15%. Hier sei noch erwähnt, dass viele Togoerinnen und Togoer zweisprachig, bzw. mehrsprachig sind. Amtssprache ist Französisch, Nationalsprachen sind Ewé und Kabyé.
Einen sehr guten Überblick über die afrikanischen Sprachfamilien und afrikanischen Sprachen bieten die Seiten von Wikipedia. Knappe Informationen zu den Sprachen Togos geben die Seiten der amerikanischen Missionen SIL Ethnologue-org und des Joshua Projects, das auch Informationen zu den Eigenheiten der Sprecher bereithält, während das von "weltlichen" Linguisten betriebene Rosetta Project auch Informationen wie Wörterbücher, Alpahabete zu den einzelnen Sprachen anzeigt. Fachliteratur zu einigen der Sprachen und ihren Sprechern hat der Koeppe Verlag in seinem Programm.
Einige der Missionare (Westermann, Spieth), die vor über hundert Jahren ins Land kamen, erwiesen sich als ausgezeichnete Sprachwissenschaftler und so ist Ewé eine der am besten erforschten Sprachen Westafrikas. Einen Online Ewe-Sprachkurs mit Alphabet, Grammatik und Sprichwörtern bietet Ewegbe.net an und die Universität Köln hat einen Basic Ewe-Sprachkurs. Mina (auch: Guin/Gen) ist der Ewé-Dialekt der Region von Aného, der sich sehr schnell auf den Märkten Südtogos verbreitete und dort zur Lingua Franca wurde. Eine komplette Mina-Grammatik (118 Seiten) ist Ergebnis der Zusammenarbeit von L. Ako und Ph. de Barros. Einen Tem-SprachkursLire et Ecrire en TEM gibt es auf dem Tem-Kulturportal der FIPAT. Informationen zum Kabyé bietet die Panafrican localisation wiki.

Eine Sonderstellung nehmen die Afro-Brasilianer ein, ehemalige Sklaven aus Brasilien, die im 19. Jh. nach Westafrika zurückkehrten und die wirtschaftlich eine privilegierte Position einnahmen. Ein Aufsatz beschreibt die Afro-Brasilianer in Togo am Beispiel der Familie Olympio 1882–1945, deren bekanntester Vertreter Sylvanus Olympio, der erste Präsident Togos war. Eine weitere Gruppe, zahlenmäßig zwar gering, jedoch wirtschaftlich von Bedeutung, sind die in den letzten 120 Jahren eingewanderten Libanesen.

Soziale Lage

Nach dem Human Development Index - HDI von 2005 liegt Togo an 152. Stelle von 177 Staaten, zählt somit zu den ärmsten Staaten der Welt. Faktoren wie Armut, unzureichende Gesundheitsversorgung und geringe Bildung sind immer noch für etwa zwei Drittel der Bevölkerung kennzeichnend, vor allem im ländlichen Milieu. 46% der Erwachsenen über 15 Jahren sind des Lesens und Schreibens unkundig. Die Lebenserwartung bei der Geburt liegt bei 57,8 Jahren. 48% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 3,2% der erwachsenen Bevölkerung ist HIV-positiv. Das jährliche Pro-Kopf Einkommen lag 2007 bei 370 $. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag. Rund zwei Drittel der Bevölkerung finden ihr Auskommen in der Landwirtschaft, geschätzte 20% sind im Kleinhandel und im informellen Sektor aktiv und weniger als 10% im modernen Sektor. Leider gibt es keine verlässlichen Statistiken zum Arbeitsmarkt. Für viele Togoer gilt eine Laufbahn als Angestellte im Öffentlichen Dienst als erstrebenswert. Weitere Zahlen und Statistiken zur sozialen Situation finden Sie auf der Website der Weltbank und themenspezifische Berichte auf dem Portal der UNDP - Human Development Reports.

Migrationsbewegungen

Schon seit der Kolonialzeit gibt es Migrationsbewegungen innerhalb Togos. Ab 1955 erfolgte die gezielte Ansiedlung von Bauern aus dem Norden (Kabyé, Nawdem) in die dünn besiedelten Est-Mono-Gebiete nordöstlich von Atakpamé. Unfreiwillig waren Umsiedlungsaktionen beim Bau des Nangbeto-Staudamms sowie bei der Anlage des Keran-Nationalparks 1971. Eine Sudie der Migirationsbewegungen von 1960 - 1981 veröffentlichte die Universität in Lomé. Es gibt eine beträchtliche temporäre Migration nach Ghana, wo u. a. Saisonarbeiter in den Kakao-Plantagen Arbeit finden. Ferner emigrieren Togoer auf Suche nach Arbeit auch in die Elfenbeinküste, Nigeria, Gabun oder Libyen. Größter Magnet für die Landflucht ist die Hauptstadt Lomé, daneben auch die anderen größeren Städte Togos. Vor allem die junge Landbevölkerung, die in der Landwirtschaft keine Perspektive mehr sieht, lässt sich im Ballungsraum von Lomé nieder, in der Hoffnung Arbeit zu finden.
Die städtische Bevölkerung in Togo lag 2007 bei 42%. Allein im Großraum Lomé leben mehr als 20% der Gesamtbevölkerung. Mehrere Artikel zum Thema Migration in Westafrika finden Sie im Online-Atlas der CEDEAO und der CSAO.

Geschlechterverhältnis

Nach der Verfassung der IV. Republik von 1992 gibt es Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern, jedoch sieht die Praxis oft anders aus. Brot für die Welt berichtet über Frau sein in Togo und dass es mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau noch ein weiter Weg ist. So kämpfen Laienjuristinnen für die Rechte der Frauen. Frauen in armen ländlichen Gebieten werden mit Mikro-Krediten unterstützt, um sich selbstständig machen zu können, wie ein Filmbeitrag von Unicef zeigt. Ein Artikel berichtet von der Rolle der togoischen Frauen beim Erreichen der Milleniumsziele.
Die Polygamie ist in Togo, je nach Region, ethnischer Herkunft, Konfession und den finanziellen Möglichkeiten eines Mannes mehr oder weniger verbreitet. In dem Filmausschnitt Vom Nutzen der Vielehe schildern togoische Frauen ihre Erfahrungen mit der Polygamie. Zwangsheirat und Zwangsbeschneidung sind die bestimmenden Themen in dem Buch Niemand sieht dich, wenn du weinst. Es beschreibt den authentischen Fall einer jungen Togoerin, der es als erster Frau gelang, die Anerkennung der drohenden genitalen Verstümmelung als Asylgrund in den USA zu erwirken. Bei AFROL Gender Profiles gibt es Daten und Artikel zu diesem Themenkomplex. In dem Artikel Initiationsriten der Mädchen bei den Kabyé werden diese traditionellen Bräuche kurz beschrieben.
In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, vor allem im Handel sind die togoischen Frauen sehr präsent, in politischen Gremien aber völlig unterrepräsentiert.
Von Teenagerschwangerschaften und den Konsequenzen berichtet die Organisation Lebenschancen International. Eine Untersuchung des Prostituiertenmilieus in Lomé war das Thema einer Magisterarbeit. Homosexualität unterliegt einem strengen Tabu, das eine sachliche Diskussion verhindert: homosexuelle Handlungen sind strafbar. Manche junge städtische Togoerinnen und Togoer suchen ihre Online-Bekanntschaften via Togorencontre.

Glück und Erfolg

Auf dem Weltranking der glücklichsten Länder (insgesamt 178 Staaten) steht Togo an 126. Stelle, noch vor Frankreich, den USA und Russland. Ein Who's Who From Togo bietet die tabellarische Aufzählung von Personen aus Politik, Wirtschaft und Medien.

 


Blick in ein Klassenzimmer
© Erik Kristensen, School furniture in Togo, licensed under the terms of the cc-by-2.0.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Bildung

Das togoische Schulsystem orientiert sich am französischen Schulsystem. Es besteht aus der sechsjährigen Grundschule (mit Schulpflicht), der zweistufigen Sekundarschule und den Hochschulen. Leider ist die derzeitige Schulsitation äußerst unzureichend. Vor allem die staatlichen Schulen sind schlecht ausgestattet und eine fehlende Bildungsstrategie führt zu der paradoxen Situation von gleichzeitigem Lehrermangel und Lehrerarbeitslosigkeit. Die Eindrücke einer Schulstunde sowie den Schulanfang 2006 schildert sehr anschaulich ein katholischer Religionslehrer. Die Schulen der katholischen und evangelischen Kirche, aber auch des Islam, ergänzen das staatliche Angebot. In Lomé entstanden in den letzten Jahren vermehrt private Schulen, da viele Eltern für ihre Kinder keine Zukunftschancen in den staatlichen Schulen sehen. Mangelnde Bildungschancen beim Schulbesuch in Togo schildert die Deutsche Welle in einem Beitrag und der NDR berichtet über einen ganz normalen Schultag in einer Schule in Togo. Trotz gegenteiliger Gesetzteslage werden auch an den privaten Schulen Kinder körperlich misshandelt. Neueste Zahlen und Fakten zum Bildungswesen und weiteren Themen bietet die Weltbank in mehreren Tabellen und Statistiken.

Die Universität in Lomé (früher Université du Bénin) wurde 1970 gegründet und hat heute etwa 30 000 Studenten. Sie hat auch einen Lehrstuhl für Germanistik und unterhält eine Partnerschaft mit der Universität Bayreuth. Auch außerhalb der Schulen ist Deutsch beliebt, wie der Club der Germanophilen zeigt. 2004 wurde eine zweite Universität in Kara errichtet. Nachrichten aus dem Bildungsbereich veröffentlichte die Regierungsseite unter der Rubrik Education. Das Auswärtige Amt wirft ein Schlaglicht auf die Kultur- und Bildungspolitik Togos.

Gesundheitswesen

Das Gesundsheitswesen in Togo ist unzureichend, vor allem in den ländlichen und nördlichen Regionen. Generell gilt, wer kein Geld hat, hat auch keinen Zugang zur medizinischen Versorgung. So wundert es kaum, dass traditionelle Medizin und Heiler nach wie vor eine wichtige Rolle einnehmen. Der 1986 verstorbene Schriftsteller Hubert Fichte beschäftigte sich mit der traditionellen Medizin und Psychiatrie in Togo und veröffentlichte mehrere Essays und Hörspiele darüber. Einen kritischen Artkel über die traditionelle Medizin und neue Verkaufspraktiken publizierte AEDEV.
Einen kurzen Überblick über die Milleniumsziele im sozialen Bereich finden Sie auf der interaktiven Tabelle. Zahlen zur Gesundheit u. a. Bereichen der Gesellschaft veröffentlichte das World Factbook und die Deutsche Stiftung für Weltbevölkerung in einer Tabelle zu den Indikatoren der reproduktiven Gesundheit.
Zu den großen Problemen im Gesundheitsbereich zählen immer noch Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria. Die CDC - Centers for Desease Control and Prevention berichten über eine großangelegte Kampagne im Kampf gegen Malaria und die WHO zum Kampf gegen Gelbfieber. Der den VN nahestehende Global Fund, der weltweit im Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose aktiv ist, bietet auf seinen interaktiven Seiten tabellarische Informationen zu Togo.
Heute ist vor allem HIV/Aids eine große gesellschaftliche Herausforderung, wie der DED-Togo in einem Situationsbericht schreibt. Die gtz berichtet in der Zeitschrift Akzente über die westafrikanischen Fernfahrer, die zu Sextouristen werden.
Das Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen unterstützt seit 30 Jahren ein Forschungsprojekt in der Zentralregion zur Onchozerkose (Flußblindheit) während die Christoffel-Blindenmission sich in mehren Projekten im Süden Togos engagiert.
In einem Artikel wird über gefälschte Medikamente berichtet. Erst vor kurzem legalisierte Togo die Abtreibung, allerdings nur wenn die Schwangerschaft durch Vergewaltigung oder Inzest entstanden ist. Über Genitalverstümmelung in Togo berichtet die deutsche Organisation Intact.

 


Kinder; der Junge zeigt einen Fruchtstand der Ölpalme
© Keith Lindsey

 

 

Kinder und Jugendliche

Nach wie vor ist es in Togo üblich, dass Kinder und Jugendliche im Haushalt, auf den Feldern, auf den Märkten oder in den Werkstätten mitarbeiten. Vor allem Mädchen sind davon betroffen da sie oft gar nicht erst eingeschult werden. Kinder aus großen und armen Familien werden häufig zur Verwandtschaft zur Arbeit auf den Feldern oder im Haushalt geschickt. Das entspricht der traditionellen Solidargemeinschaft und beinhaltet durchaus positive Aspekte. Doch leider werden immer wieder Fälle bekannt, in welchen Kinder ausgebeutet wurden. Vor diesem Hintergrund ist auch der Kinderhandel zu sehen, der Togo in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen brachte. In Lomé arbeiten junge Mädchen und Frauen zum Teil unter schlimmsten Bedingungen als Lastenträgerinnen.

Bei der Namensgebung der Kinder werden häufig die Namen der Wochentage, an denen die Kinder geboren sind, gewählt. Diese Sitte ist bei den Ewé, Kabyé und den Tem (hier nur bei den Mädchen) sehr beliebt.

Kultur


Sokey Edorh LA FAUNE
© Courtesy ARTCO Galerie GmbH

Kultur

Togo gehört wirtschaftlich gesehen zu den ärmeren Ländern Afrikas, verfügt jedoch über einen außerordentlichen Reichtum an kultureller Vielfalt. Es seien hier an erster Stelle die Schriftsteller und Theatermacher genannt, die Musiker und Tänzer und die Vertreter der Bildenden Kunst, die weit über die Grenzen Togos hinaus internationale Reputation erlangten. Für den ersten Überblick empfiehlt sich das Kunst- und Kulturportal Togoculture, das von namhaften togoischen Autoren und Journalisten zusammengestellt wurde.
Die Region Koutammakou, das Land der Batammariba (auch Tamberma genannt) im Norden Togos (und Bénins) mit den festungsartigen Lehmburgen wurde in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen und weitere Kulturdenkmäler und Naturschutzzonen sind für eine Aufnahme vorgeschlagen. Das erst vor kurzem eröffnete private Musée International du Golfe de Guinée in Lomé stellt erlesene klassische Kunstwerke aus verschiedenen Regionen Westafrikas aus.


EL Loko, Letter To Myself
© Courtesy ARTCO Galerie GmbH

Literatur
In einem Zeitraum von etwa 50 Jahren traten an die Hundert togoische Autorinnen und Autoren mit literarischen Publikationen an die Öffentlichkeit. Bei den über 200 Veröffentlichungen handelt es sich um Romane, Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Autobiographien, sowie einige Werke der Literaturkritik und Dissertationen zu literarischen Themen. Togoische Märchen und Sagen wurden von Leo Frobenius (Bassar und Tem), Komla Agbetiafa und Yao Nambou, Fusseini Mamah (Tem) und Gerhard Prilop (Kabyé und Ewé) gesammelt und herausgegeben.
Einige der heutigen togoischen Autoren sind weit über die Landesgrenzen hinaus, vor allem in Frankreich, bekannt geworden. Eine gute Übersicht der heutigen togoischen Autoren bietet Togocultures. Einige von ihnen unterhalten eigene Seiten oder Blogs wie Kangni Alem, der hier aus seinen Werken liest. Sein Roman Jazz Cola Jazz wurde auch in Deutsch herausgegeben. Kossi Efoui, dessen wichtigster Roman La fabrique des cérémonies ist, kommt hier in einem Video-Interview zu Wort. Vom Romancier und Essayist Sami Tchak liegt eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Scheiß Leben vor. Edem, ein 1975 geborener Togoer, der inzwischen in Kanada lebt, hatte mit seinem Roman Port-Melo (= Verlan) internationalen Erfolg. Der in Bremen lebende Théo Ananissoh veröffentlichte in Frankreich die Romane Lisahoé, Territoires du Nord und Un reptile par habitand.


Sokey Edorh LE MONDE EN ÉCRITURE © Courtesy ARTCO Galerie GmbH

 

Kunst
Es gibt in Togo weder eine Kunstakademie noch irgendeine staatliche Förderung von Künstlern. Abgesehen von einigen privaten Initiativen waren es vor allem das Centre Culturel Français und auch das Goethe-Institut, die den Künstlern Unterstützung und ein Forum boten. Einer der heute wichtigsten und international erfolgreichsten Künstler ist der in Lomé lebende Sokey Edorh. EL Loko studierte bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie und lebt in Köln. Amouzou Glikpa studierte Bildhauerei an der Kunstakademie in Peking und lebt heute in Wuppertal. Kossi Assou veranstaltete dieses Jahr zum achten Mal das internationale Kunstfestival Ewolé. In diesem Rahmen zeigte der Bildhauer Kossi Agbodo im Goethe-Institut seine Skulpturen. Die Künstlerin Prisca Hollemaert-Awadé pendelt zwischen Frankreich und Afrika und gehört zu den wenigen Künstlerinnen, die internationale Beachtung fanden. Gustave Akpéhou Djonda ist Maler und Performancekünstler und profilierte sich in jüngster Zeit auch als Fotograf. Über viele Jahre hinweg war der Architekt Paul Ahyi der offizielle Staatskünstler Togos, der in der Ära Gnassingbé Eyadéma viele öffentliche Aufträge (Flagge, Denkmäler, "Kunst am Bau") bekam.


Amouzo Glikpa, 6 Figuren
© Courtesy ARTCO Galerie GmbH

Theater und Tanztheater
In erster Linie in Lomé, hat sich eine lebendige und interessante Theater- und Tanztheaterszene entwickelt. Die Gruppe Ayigafrik präsentiert sich hier mit Videoclips und Fotostrecken. Ein erfolgreicher Tänzer und Choreograph ist Abdou-Rauf Tchakondo. Einer der herausragenden Theaterregisseure ist Koriko Amoussa. Der Schauspieler und Regisseur Banissa Méwé wird hier als die Seele des togoischen Theaters betitelt. Eine beliebte Form des volkstümlichen Theaters sind die von Ghana und Nigeria aus inspirierten Concert Parties. Das deutsch-französische Magazin recontres publizierte mehrere Artikel zum Theater des Widerstands und Interviews mit dem ehemaligen Leiter des togoischen Nationaltheaters Sénouvo Agbota Zinsou, der heute in Bayreuth lebt.

 

Bella Bellow
Bella Bellow
© Foto Otto Frick

Jimi Hope
Jimi Hope © Otto Frick

Musik
Am Anfang einer vielversprechenden Weltkarriere verstarb die erst 28-jährige Bella Bellow 1973 bei einem Verkehrsunfall und wurde so zu einer Ikone der togoischen Musik. Ihr Bild zierte den 10 000 Francs CFA Geldschein und eine Briefmarke. Der zur Zeit wohl populärste togoische Musiker ist King Mensah. Hier können Sie Kostproben aus seinem dritten Album Mensah, Mensah hören und ein Interview mit ihm lesen. Ein sehr charismatischer und schon seit langem erfolgreicher Rockmusiker ist Jimi Hope, der gerade als bester afrikanischer Rockmusiker ausgezeichnet wurde. Die beliebte Sängerin Julie Akoussa verstarb 2007. In der senegalesischen Band Orchestra Baobab spielt der togoische Musiker Barthélemy Attiso, der mit seinen Guitarrenklängen wesentlich zum Sound dieser erfolgreichen Band beitrug. Die Sängerin Afia Mala wird auch als die togoische Diva bezeichnet. Die Musiker Oro Below und Inouss Landozz leben in Deutschland. Im Handel ist auch traditionelle Musik aus Togo zu finden; wobei eine Besonderheit Klangsteine sind, mit denen im Milieu Kabyé musiziert wird: Kabye Orchestras and Lithophones (Hörproben davon sind die Nummern 10, 13, 14, 15 und 18).

 

Modedesign
Lomé ist nicht nur einer der größten Märkte Westafrikas für Stoffe, sondern bietet auch den Käuferinnen und Käufern in zahlreichen Schneiderateliers die Dienstleistungen der Couture an. Einige wenige haben den Aufstieg in die Haute Couture geschafft, wie in dem Filmclip Mode Africaine zu bewundern ist.

Fufu
Beim Fufu-Stampfen
© E. Mewes
Esskultur
Zu den Besonderheiten der togoischen Küche gehört Fufu, ein Püree aus gekochten und gestampften Jamsstücken und Pâte oder Akoumé, ein fester Brei aus Maismehl. Zu diesen Plats de résistance werden verschiedene leckere Soßen serviert. Der WDR hat auf der Lokalzeit-Seite ein leckeres Rezept aus Togo mit gebratenen Kochbananen vorgestellt.
An Getränken gibt es im Süden Palmwein, aus dem auch der Schnaps Sodabi destilliert wird, während im Norden eher Hirsebier (angeblich werden 60% des Ernteertrags zu Bier verarbeitet) angeboten wird. Auf den Seiten eines Online Kochbuchs der togoischen Küche lernen Sie einige Rezepte kennen und bekommen Informationen zur Kultur der Mina. Ein kleiner Film zeigt eine Familie am Stadtrand von Lomé bei diversen morgenlichen Aktivitäten und beim Frühstücken. Auf der Seite eines Entwicklungshelfers werden subjektive Eindrücke über togoische Essgewohnheiten beschrieben.

Traditionelle Kultur


Evala-Ringkämpfe © Erik Cleves Kristensen, Festival of Evala, licensed under Creative Commons Attribution 2.0
Volkskunst, Traditionen und Bräuche
Das Nationalmuseum in Lomé zeigt Musikinstrumente und Objekte der Volkskunst aus Togo. Regionalmuseen mit ethnographischen Objekten, bzw. Sammlungen sind in Aného, Kpalimé, Atakpamé, Sokodé, Kara und Dapaong. Ein sehr beliebtes Spiel in Togo ist Adidada oder Awélé, bei dem zwei Spieler Spielsteine in Holzmulden legen.
In jeder Region, in allen größeren Ortschaften Togos finden jährlich beeindruckende traditionelle Volksfeste statt. Als Teil der Initiationsriten bei den jungen Kabyé-Männern der Kara-Region finden jährlich die Evala-Ringer-Wettkämpfe statt. In einem Radiobeitrag erfahren Sie Wissenswertes über die Beerdigungszeremonien und Tänze der Kabyé im Norden Togos. Im Süden Togos spielen Beerdigungen mit höchst aufwändigen mehrtägigen Begleitzeremonien eine außerordentlich wichtige Rolle, bei denen sich die Familien häufig verschulden müssen.

Religion


Friedhof der Moba bei Dapaong
© Otto Frick


Moschee in Mango © Otto Frick


Mann mit besonderen magischen Fähigkeiten bei Habyé, einem spirituellen Fest in den Bergen der Kara-Region © Otto Frick


Kathedrale in Sokodé © Otto Frick

Religion

Es ist schwierig konkrete Zahlen über Religionszugehörigkeiten anzugeben. Das liegt u. a. auch daran, dass viele Togoerinnen und Togoer diese Frage nicht so sehr mit der für uns so selbstverständlichen eindeutigen Ausschließlichkeit sehen. Für manche der Gläubigen ist es kein Widerspruch, sich in bestimmten kritischen Situationen der traditionellen Mächte zu vergewissern. Eine Faustregel besagt, dass etwa 50% der Bevölkerung den traditionellen afrikanischen Religionen und Kulten angehören, etwa 20% Muslime und etwa 30% Christen sind. Von denen sind etwa 20% der katholischen Kirche zuzurechnen und die 10% der Evangelisch-Presbyterianische Kirche in Togo, den Methodisten und auch verschiedenen Pfingstkirchen (z.B. Assemblée de Dieu, Eglise Pentacoste). Seit 1954 gibt es eine kleine Gemeinde der Bahai. Der Islam tritt in Westafrika in einer anderen Erscheinungsform auf als in den in den arabischen Ländern. Die togoischen Muslime (Sunniten) treffen wir bei den Anoufo, Tem und Akaselem (Tchamba) an, ferner bei den Fulbe, Haussa und Libanesen.
Der Artikel über das Zusammenleben von Christen und Muslimen Afrikas erschien zum Ev. Kirchentag 2005 in Hannover. Togo ist auch Mitgliedsland der Organisation der islamischen Konferenz.Während der wirtschaftlichen Rezession der letzten 15 Jahre haben sich offensichtlich viele Togoerinnen und Togoer verstärkt im religiösen Leben engagiert und es wurden auffallend viele neue Kirchen und Moscheen (oft von arabischen Staaten finanziert) gebaut. Neue Pfingst- und Charismatische Kirchen und Sekten verzeichnen entsprechende Erfolge.
Die katholische Kirche in Togo und die Evangelisch-Presbyterianische Kirche und das Engagement der Norddeutschen Mission werden hier in Fakten und Zahlen dargestellt.


Fetische © Goethe-Institut Lomé

Der Germanistikprofessor A. Y. Ahadji trägt in seinem Aufsatz über die Naturreligionen zum Verständnis der Togoer zu ihren Religionen bei. Eine sehr gute Kurzinformation über Voodoo und die afroamerikanischen Religionen bietet REMID. Auf dem afro-amerikanischen Religionsportal gibt es eine Reihe von Informationen zu Voudou und anderen Kulten. Die amerikanische National Geographic zeigt einen Videoclip über das Neujahrsfest in Glidji. (Es dauert etwa eine Minute bis der eigentliche Filmbeitrag anfängt!) Über Religionsfreiheit berichtet der International Religious Freedom Report 2006, freigegeben vom Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des U.S. Department of State.

 


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