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Togo
Seite 2: Geschichte, Staat & Politik

Geschichte

 

 

Besonderheiten

Togo, das künstliche Segment eines geografischen Großraumes, verdankt seine Form und seine Grenzen kolonialer Willkür: an der Küste gut 50 km breit, erstreckt es sich als schmaler Streifen etwa 550 km nach Norden, mit einer Breite, die zwischen 45 und 140 km variiert. Von 1884 - 1914 war Togo deutsche Kolonie und wurde in seiner kurzen Geschichte nacheinander von drei Kolonialmächten regiert.

Vorkoloniale Zeit

Archäologische Funde belegen, dass Teile von Togo schon vor über 3000 Jahren besiedelt waren. Erst relativ spät, gegen Ende des 17. Jhs. entstanden auf dem Gebiet des heutigen Staates ein paar kleine regionale Reiche, wie das "Königreich" der Guin (Glidji/Aného), das Tschaoudjo-Reich der Tem (Kparatao/Sokodé) und das Reich der Anoufo von Sansanné-Mango. Sie lagen in einer Pufferzone zwischen den mächtigen Königreichen der Ashanti, der Mossi und von Dahomé.
Viele der heute in Togo ansässigen Völker und Volksgruppen sind in den vergangenen Jahrhunderten aus verschiedenen Nachbarregionen in das heutige Territorium eingewandert. Die Ewé kamen aus der Region von Oyo im heutigen Nigeria über die historischen Stationen Ketou (Bénin), Tado, Notsé, um sich dann zwischen den Flüssen Volta und Mono anzusiedeln. Die Fante und Ga (Mina/Guin) kamen aus dem heutigen Ghana, die Tem aus Burkina Faso u. a. Sahelländern, die Anoufo aus der Elfenbeinküste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der atlantische Handel

Ab 1471 landeten portugiesische Seefahrer, später auch andere Europäer an der Küste Oberguineas und der Handel zwischen Westafrika und Europa nahm seinen Anfang, der im transatlantischen Sklavenhandel einen traurigen Höhepunkt finden sollte. Das Küstengebiet Togos ist Teil eines von den Europäern Sklavenküste genannten Gebietes, das sich von der Voltamündung bis zum Nigerdelta erstreckte. Der einzige Handelsplatz zu jener Zeit war Popovi (Kleinpopo, 1905 in Anecho umbenannt). Die aus Elmina zugewanderten afrikanischen Händler zeichneten sich nicht nur durch den Besitz von Feuerwaffen aus (deshalb Poupou = Bumbum), sie waren auch im Umgang mit Europäern erfahrene Händler. Die europäischen Sklavenkäufer zogen deshalb von Popovi nach Ouidah weiter, wo sie die dortigen unerfahrenen Afrikaner im Handel leichter übervorteilen konnten. Von Ouidah, dem Hafen des Reiches Dahomey, exportierten sie Menschen nach Amerika en gros; in Popovi kauften Europäer nach ihren individuellen Wünschen Menschen bestimmten Alters und Geschlechts, die ihnen die afrikanischen Zwischenhändler in Popovi im "stillen Sklavenhandel" aus dem Landesinnern beschafften. 1807 verbot die britische Regierung den transatlantischen Sklavenhandel. Aber da die Sklaverei in Amerika noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fortbestand, wurden weiterhin Menschen - nunmehr illegal - dorthin verschifft. 1835 wurde an der Togoküste der zweite Platz des atlantischen Handels gegründet: Porto Seguro (heute Agbodrafo) mit den fünf Ursprungsdörfern auf dem Plateau über der Lagune, das so den Sammelnamen Togo (siehe Seite 1) erhielt.
Filmregisseure wie Werner Herzog, mit seinem Film Cobra Verde (nach der Romanvorlage Der Vizekönig von Ouidah von Bruce Chatwin), Stephen Spielberg und Guy Deslauriers haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und sehr unterschiedliche, aber auch eindrucksvolle Filme gedreht. Einen Aufsatz zum Sklavenhandel mit einer kritischen Einschätzung der Moderne und der gesamten postkolonialen Entwicklung publizierte der Historiker Steven Hahn. Eine Karte zum Transatlantischen Sklavenhandel stellte die UNESCO als PDF-Datei bereit.


Zwei Clerks, Angestellte einer Handelsgesellschaft
© Sammlung Otto Frick


Polizeitruppe © Sammlung Otto Frick


Strafgefangene beim
Straßenbau in Atakpamé
© Sammlung Otto Frick


Baumwolltransport © Sammlung Otto Frick

Kolonialzeit

Ab 1847 begannen die ersten Missionsaktivitäten der Bremer Mission im Ewé-Gebiet. Später ließen sich Kaufleute mehrerer europäischer Nationen in den Küstenorten nieder, darunter der Hamburger Reeder Woermann und das Bremer Handelshaus Vietor. Am 2. Juli 1884 landete Gustav Nachtigal mit dem Kanonenboot Möwe an der Küste und ging auf das Angebot der Vertreter von mehreren Dörfern an der Lagune ein, mit dem Deutschen Reich Verträge abzuschliessen, um sich dadurch Handelsvorteile vor der einheimischen Konkurrenz in Popovi zu sichern. Nachtigal unterzeichnete am 5. Juli in Bagida eigenmächtig und entgegen den Instruktionen von Reichskanzler Bismarck mit mehreren Dorfvorstehern einen Schutzvertrag. Da das spirituelle Oberhaupt der Togo-Dörfer, Mlapa, bereits verstorben war, unterzeichneten Stabträger Plakko sowie die beiden Enkel Mlapas, Kudertschi und Oklu, den Protektoratsvertrag mit Nachtigal, in dem posthum Mlapa zum "König", nicht nur von Togo[ville], sondern eines fiktiven regionalen Reiches an der Küste erhoben wurde, um die Bedeutung der Verträge international zu unterstreichen. Da der Küstenstreifen, der noch nicht von anderen Kolonialmächten besetzt war, sehr schmal war, versuchten die Deutschen dies durch das Vordringen tief ins Landesinnere zu kompensieren. In den beiden Nordbezirken Togos wohnte die Mehrheit der auf fast eine Million geschätzten Einwohner. Die Kolonialverwaltung nutzte die Nordbezirke als Reservoir zur Rekrutierung von Arbeitskräften für den Süden und Soldaten und suchte den Norden von europäischen Einflüssen wie Missionaren abzuschotten.
Eine sehr gute Sammlung von Aufsätzen und Dokumenten über die Geschichte Westafrikas (und Togos) bietet eine Website, die auf Initiative des 10. Gipfels der Frankophonie 2004 erstellt wurde. Einige Texte sind auch in Deutsch, wie z.B. die Anfänge regionaler Verwaltung im deutschen "Schutzgebiet" Togo von A. Ahadji. Einen kurzen Blick in den Schulalltag in den Kolonien bietet die Seite der Universität Bochum. Die wirtschaftlichen Interessen bei der Gründung der Kolonien Togo und Kamerun werden in dem Essay von H. Paul dargestellt.


Die schottische Version einer Karte von Hugo Zöller, der bereits 1884 Togo bereiste und darüber ein Buch veröffentlichte. © Wikipedia Commons - PD-old-100.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Historische Persönlichkeiten

Zu den historischen Persönlichkeiten Togos gehört Foli Bébé, der etwa 1680 aus Accra kommend, die Stadt Glidji und das Königreich der Guin begründete. König Agokoli von Notsé verpflichtete seine Untertanen zu grausamer Zwangsarbeit um eine Stadtmauer zu errichten. Bruce Chatwin setzte Felix Francisco de Souza ein literarisches Denkmal als Vizekönig von Ouidah und sein Enkelsohn Pa Augustino de Souza war Präsident der ersten politischen Partei, dem CUT, Comité d'Unité Togolais. Ouro Djabo Boukari (gestorben 1898), das Oberhaupt der Tem aus Kparatao/Sokodé verstand geschickt mit den Deutschen zu paktieren und war durch seine Reiterarmee, den Sémassi, bekannt geworden. Octaviano Olympio, Spross einer afro-brasilianischen Familie, war erfolgreicher Kaufmann und Unternehmer, aktiv am wirtschaftlichen Aufschwung Lomés beteiligt und einer der einflussreichsten Bürger der Stadt während der deutschen Kolonialzeit. Pastor Andreas Aku war der erste Afrikaner, der in der presbyterianischen Ewé-Kirche ein führendes Amt bekleidete. Agbanon II, König von Glidji (1929-1972) schrieb 1934 eine Geschichte von Pétit-Popo und des Volkes der Guin, die eine der ersten Monographien eines Togoers über Togo war. Persönlichkeiten, die im Kampf um die Unabhängigkeit hervortraten, werden von Togocity zum 50 jährigen Jubiläum in einer Folge von Biografien gewürdigt.


Der 1927 erbaute Justizpalast
© Goethe-Institut Lomé

Entstehung und Entwicklung des heutigen Staates

Die Mandatszeit
Der Erste Weltkrieg wurde auch in den Kolonien Afrikas ausgetragen, so auch in Togo. Schon nach wenigen Tagen mussten die Deutschen kapitulieren und Togo wurde von der britischen und französischen Administration in zwei „Okkupationszonen“ der Länge nach zu etwa gleichen Teilen geteilt. Die deutschen Kolonien wurden 1919 als Mandatsgebiete dem Völkerbund übertragen, der seinerseits Kolonialmächte als Verwalter einsetzte. 1920 wurde erneut geteilt: etwa ein Drittel für England und zwei Drittel entfielen an Frankreich. Diese zwei Drittel bilden den heutigen Staat Togo. Nach 1946 wurden die beiden Teile Togos als Treuhandgebiete der VN von beiden Mächten verwaltet mit dem Ziel, das Gebiet der jeweiligen Nachbarkolonie anzugliedern. Unter Aufsicht der VN entschied die Bevölkerung des britischen Treuhandgebietes am 9. Mai 1956 für eine Union mit dem 1957 unabhängig werdenden Ghana. Im französischen Treuhandgebiet brachte die von den VN überwachten Wahlen am 27. April 1958 Sylvanus Olympio an die Macht als Ministerpräsident des sich selbstverwaltenden Togo. Sein Verdienst war zweifelsohne die Gründung eines selbständigen Staates, indem er sich weitgehend auf die Bundesrepublik und die USA stützte. Am 27. April 1960 konnte er als Präsident die Parole Ablode - Freiheit verkünden und Togo war unabhängig.

 

Die Unabhängigkeit
Präsident Sylvanus Olympio, ein Vertreter der Handelsbourgeoisie des Südens, erließ 1962 ein Verbot der Oppositionsparteien. Unzufriedenheit im Volk, hervorgerufen durch unpopuläre Wirtschaftsmaßnahmen, die Vernachlässigung des Nordens und die Weigerung, die von der französischen Kolonialarmee entlassenen Soldaten in das togoische Heer zu integrieren, trugen zu seinem gewaltsamen Sturz am 13. Januar 1963 bei. Es war der erste blutige Staatsstreich in den gerade unabhängig gewordenen Staaten Afrikas. Die putschenden Militärs setzten eine Zivilregierung unter Nicolas Grunitzky ein. Die verbotenen Parteien wurden wieder zugelassen. Das Magazin Jeune Afrique berichtet über den Sturz von Grunitzky. Am 13. Januar 1967 übernahm die Armee definitiv die Macht. Unter dem neuen Präsidenten Eyadéma wurden die bestehenden Parteien wieder verboten und 1969 wurde die Einheitspartei RPTRassemblement du Peuple Togolais gegründet.


Comic-Heft, das den Lebensweg des Präsidenten schildert
© Sammlung Otto Frick
Die jüngere Geschichte Togos ist geprägt durch die 38-jährige Herrschaft (1967-2005) von Präsident Eyadéma.
Wie in anderen afrikanischen Ländern auch, geriet das autoritäre Regime Togos unter dem Eindruck von Mitterrands Discours de la Baule und dem Zusammenbruch der Diktaturen des Ostblocks zu Beginn der 1990er Jahre ins Wanken. Massenproteste, die auf eine Demokratisierung zielten, führten zur Bildung einer Nationalkonferenz, der Aufgabe des Einparteiensystems, dem Referendum über eine neue Verfassung und Parlaments- wie Präsidentschaftswahlen. Diese Schritte in Richtung Demokratisierung wurden mit Unterstützung des Eyadema untergebenen Militärs systematisch hintertrieben. Begründet mit der desolaten Menschenrechtslage kam es 1993 zu einem Bruch zwischen dem togoischen Staat und den internationalen Gebern, die - bis auf wenige Ausnahmen - ihre Unterstützung bis zum Ende der Amtszeit Eyadémas (und teilweise darüber hinaus) aussetzten. Die ökonomischen Folgen dieser Entwicklung waren für das Land außerordentlich schwer und sind bis heute nicht überwunden.
Der Übernahme der Macht durch Eyadémas Sohn Faure Gnassingbé im Zuge der umstrittenen Wahl von 2005 war mit schweren Unruhen verbunden. Inzwischen hat sich die Lage durch die Öffnung Faures zur traditionellen Opposition entspannt. Die letzten Parlamentswahlen 2007 waren die ersten, deren Ergebnisse international ohne größere Einschränkungen akzeptiert wurden. Die Entwicklungszusammenarbeit seitens der westlichen Länder ist durchweg wieder aufgenommen.
Der ivorische Schriftsteller Ahmadou Kourouma schilderte in seinem preisgekrönten Roman Die Nächte des großen Jägers eine Innenansicht der teilweise sehr okkulten Machtverhältnisse des Regimes von Eyadéma. Der Essay Togo: Ein Lehrstück fehlgeleiteteter Demokratie analysiert die Herrschaft Eyademas und beschreibt die Übergangsphase nach seinem Tod. Der Autor D. Kohnert nimmt dabei auch die Geberländer, die dieses Regime unterstützten, kritisch in ihre Verantwortung. Speziell Bayern betonte stets die besonderen Beziehungen zu Togo. Eine ausführliche Geschichte der Gewalt in der Politik von der Kolonialzeit bis in die heutigen Tage publizierte Letogolais.

Staat

 

Innenpolitische Themen


Präsident Faure Gnassingbé
© Licensed under a Creative Commons Attribution 2.5 Brazil

Der Staat

Togo hat ein präsidiales Mehrparteiensystem mit Staatspräsident Faure Essozimna Gnassingbé (RPT) an der Spitze des Staates. Er wurde am 24. April 2005 für fünf Jahre gewählt.

Verfassung und Gewaltenteilung
Mit der Verfassung vom 14. Oktober 1992 wurde der rechtliche Rahmen für eine Demokratie mit Gewaltenteilung, Mehrparteiensystem (bereits 1991) und allgemeinen Bürger- und Menschenrechten installiert. Der Staatspräsident hat die exekutive Gewalt inne und ist zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird für fünf Jahre gewählt und kann sich unbegrenzt wiederwählen lassen, nachdem am 30. Dezember 2002 eine Verfassungsnovelle für den Präsidenten maßgeschneidert wurde, bei der u. a. das Mindestalter für einen Präsidentschaftskandidaten auf 35 Jahre herabgesetzt wurde. Premierminister und Regierung werden vom Präsidenten eingesetzt, der Premierminister wird von der Mehrheitsfraktion der Assemblée Nationale gestellt, deren 81 Abgeordnete ebenfalls für fünf Jahre gewählt werden.

Verwaltungsstruktur und Dezentralisierung
Nach französischem Vorbild ist die Verwaltungsstruktur Togos zentralistisch auf die Regierung ausgerichtet. Togo ist in fünf Regionen, 30 Präfekturen und in eine Kommune (Lomé) gegliedert. Die Präfekten werden von der Regierung eingesetzt. Ein Dezentralisierungsprozess ist in der Agenda der Regierung vorgesehen und ist Bestandteil der 22 Engagements, einem Fahrplan der Regierung in Form von 22 Selbstverpflichtungen, die bei den Verhandlungen mit der EU zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen führten. Reformen sind im Gange oder werden diskutiert.

Recht und Justiz
Durch die Verfassung ist die Unabhängigkeit der Justiz garantiert, faktisch war die Rechtssprechung jedoch auch politischem Einfluss unterworfen. Das Rechtssystem wurde durch französisches (Code Civile/Napoléon) und afrikanisches Recht geprägt. Höchste Instanz ist der Cour Constitutionelle (Verfassungsgericht), schärfste Sanktion ist die Todesstrafe. Wichtige Gerichtsinstanzen für Zivil- und Strafverfahren sind der Cour Suprême (Oberster Gerichtshof), zwei Berufungsgerichte, Gerichte erster Instanz und der Cour de Sûreté de l'Etat (Gericht für Staatssicherheit). Gesetzestexte finden Sie auf den Seiten der amerikanischen Law Library of Congress. Im ländlichen Milieu existiert weiterhin die traditionelle Rechtsprechung, bei der der Dorfchef oder Ältestenrat befugt ist, über kleinere strafrechtliche oder zivilrechtliche Fälle zu urteilen. Auch Fälle von Selbstjustiz können vorkommen, wenn z. B. Marktdiebe auf frischer Tat ertappt werden. Nach französischem Vorbild gibt es zwei Exekutivorgane, die dem Innenministerium zugeordnete Polizei und die Gendarmerie unter Hoheit des Verteidigungsministeriums.

 

Parteien
Die Regierungspartei Rassemblement du Peuple Togolais (RPT) mit Präsident Faure Gnassingbé ist mit 50 Sitzen im Parlament vertreten. Die oppositionelle Union des Forces de Changement (UFC) mit Gilchrist Olympio ist mit 27 Sitzen und das Comité d’Action pour le Renouveau (CAR) unter Vorsitz von RA Yaovi Agboyibo ist mit vier Sitzen ins Parlament eingezogen.
Andere Oppositionsparteien, die nicht im Parlament vertreten sind: Convention Démocratique des Peuples Africains – CDPA (Léopold M. Gnininvi), Alliance des Démocrates pour le Développement Intégral – ADDI, Parti des Forces du Changement (PFC), Union Démocrates Socialistes du Togo – U.D.S.-Togo. Weitere Parteien sind auf der Regierungs-Website aufgelistet; die Konrad-Adenauer-Stiftung hat eine Charakterisierung der togoischen Parteienlandschaft veröffentlicht.

Militär
Das Militär hatte in der Vergangenheit – wie schon während der deutschen Kolonialära – keine Gefahren von Außen abzuwehren, wurde aber wiederholt zur "Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit" vom Regime Eyadémas eingesetzt. Der etwa 13 000 Mann umfassende Militärapparat wird von Kabyé dominiert und die ranghöheren Offiziere und Entscheidungsträger stammen zum großen Teil aus Pya, dem Heimatort von Gnassingbé Eyadéma. Das Heer besteht aus ca. 12 000 Mann, die Marine aus 200 Personen und die Luftwaffe zählt etwa 600 Mann. Dazu kommen paramilitärische Verbände, wie die etwa 750 Mann starke Gendarmerie und Milizen, die sich aus Soldaten und Zivilpersonen zusammensetzen. Einige Informationen zum Militär enthält der Bericht über einen Deserteur der FAT - Force Armée Togolaise, der in der Schweiz Asyl ersuchte. Die Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltete mehrere Seminare über Staatsbürgerkunde mit höheren Offizieren der FAT. Im Januar 2008 verabschiedete der Conseil des ministres mehrere Dekrete zu einer Reform der Armee und der Gendarmerie.

 

Wahlen

Alles über Wahlen in Togo, Wahlergebnisse und beteiligte Parteien bietet das Portal African Elections Database in einer tabellarischen Übersicht von 1956 bis heute. Die Präsidentschaftswahlen 2005 verliefen sehr gewalttätig und kosteten in den Tagen vor und nach der Wahl über 500 Personen das Leben, forderten 4 500 Verletzte und lösten einen Massenexodus aus, bei dem circa 30 - 40 000 Bürger nach Ghana und Bénin flohen. Bei diesen Präsidentschaftswahlen 2005 gelangten Berichte an die Öffentlichkeit, bei denen von rund 900 000 fiktiven Wahlberechtigten die Rede war, so u. a. durch die französische NRO Survie. Auch die oppositionelle Partei UFC hat die Mechanismen des Wahlbetrugs untersucht. Im Oktober 2006 wurde eine unabhängige Wahlkommission (CENI) aus Regierungspartei und verschiedenen Oppositionsparteien und Vertretern der Zivilgesellschaft eingesetzt, die die Parlamentswahlen 2007 vorbereiten sollte. "Wahlen in Togo schwierig, aber "insgesamt gut" – so lautete der Bericht von zwei deutschen Wahlbeobachterinnen. Verschiedene NRO schlossen sich zu einer Koalition für die Beobachtung der Parlamentswahlen (CODEL) zusammen und legten ihren Bericht vor. Der Sender rfi berichtete über die Parlamentswahlen 2007 in einem Text- und einem Hörbeitrag. Eine demokratische Wahl macht noch kein demokratisches Land, so kommentierte die Friedrich Ebert Stiftung kurz die Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 14. Oktober 2007.

Wichtige politische Entscheidungen

Nach mehreren Gesprächen und Verhandlungsrunden in Rom und in Ougadougou konnte unter Vermittlung von Blaise Compaoré am 20. August 2006 zwischen Regierung, Oppositionsparteien – jedoch ohne die wichtigste Oppositionspartei UFC! – und einigen Organisationen der Zivilgesellschaft ein Accord Politique Global abgeschlossen werden. Am 16. September ernannte Präsident Faure Gnassingbé den oppositionellen Rechtsanwalt Yawowi Agboyibo zum Premierminister und beauftragte ihn mit der Bildung einer Übergangsregierung der Nationalen Einheit. Das waren die notwendigen Voraussetzungen, die der Wiederaufnahme der suspendierten Beziehungen mit der EU den Weg ebneten.
Der Bertelsmann-Transformations-Index (BTI) informiert über den Demokratisierungsprozess und die marktwirtschaftlichen Reformen. In dem vom amerikanischen Freedom House veröffentlichten Ranking Freiheit in der Welt von 2007 nimmt Togo den Platz 5.5 ein (auf einer Skala von 1.0 - 7.0) und fällt in die Kategorie der unfreien Länder.


Auch die Brauerei feierte das 20-jährige Regierungsjubiläum
© Sammlung Otto Frick

Politische Auseinandersetzungen und Machtkämpfe

Auf den ersten Blick scheinen sich bei den politischen Auseinandersetzungen und Machtkämpfen seit Beginn der 1990er Jahre zwei unversöhnliche Machtblöcke gegenüberzustehen: Norden versus Süden, die RPT und die UFC, das Militär und die Kaufleute, zwei Familien und ihre Söhne im Dauerclinch. Der verstorbene Präsident versuchte die traditionelle Oppositionspartei UFC mit ihrem Vorsitzenden Gilchrist Olympio mit allen Mitteln von einer Regierungsbeteiligung fernzuhalten. Erst unter der Regierung von Faure konnte ein Konsens gefunden werden und das Verhältnis zwischen diesen beiden Politikern scheint sich zu entkrampfen, wie auf der Regierungs-Website zu lesen ist.
Die Polarität Nord - Süd stimmt heute so nicht mehr; andere Parameter sind hinzugekommen. Arm - reich ist nicht mehr wie 1960 identisch mit Nord - Süd, sondern die Verarmung ist im ganzen Land zu spüren. Herausforderungen, wie beispielsweise der Wirtschaft zum Aufschwung zu verhelfen, können nur gemeinsam mit allen Parteien und Gruppen der Gesellschaft gemeistert werden.
Kurz vor den Parlamentswahlen 2007 skizzierte die Konrad-Adenauer-Stiftung eine Einschätzung der Machtverhältnisse. Ein Journalist der in Ouagadougou erscheinenden Zeitung Le Pays nimmt den Unabhängigkeitstag am 27. April als Anlass für eine Beschreibung der Machtverhältnisse in Togo im Jahr 2008.

Zivilgesellschaft

Erst im Zuge der Demokratisierungswelle zu Beginn der 1990er Jahre wurde es möglich, zivilgesellschaftliche Organisationen in größerem Umfang aufzubauen. Zuvor gab es allein die nationalen Vertretungen internationaler Verbände (wie Pfadfinder, CVJM, etc.) und kirchlicher Strukturen. Danach kam es zu einer Vielzahl von Vereins- und Verbandsgründungen, deren wichtigste Repräsentanten sich in der Fédération des ONG au Togo - FONGTO zusammenschlossen. In den Jahren der offiziell suspendierten Zusammenarbeit mit dem togoischen Staat waren es fast ausschließlich zivilgesellschaftliche Organisationen, mit denen der vor Ort gebliebene DED kooperierte, der auf seiner Togo-Landesseite einen kurzen Überblick über die Akteure der Zivilgesellschaft gibt. Den Civil Society Index – Country report for Togo und weitere Informationen zur Zivilgesellschaft bietet die südafrikanisch-amerikanische CIVICUS, ein internationales Netzwerk von Gruppen und Institutionen der Zivilgesellschaft.

 

Medien

Presse
Zwar wurde 2004 ein neues Pressegesetz eingeführt, doch bleibt die unabhängige Berichterstattung laut BTI 2008 weiterhin von staatlichen Repressalien bedroht. Auf der von Reporter ohne Grenzen veröffentlichten Weltrangliste für Pressefreiheit konnte sich Togo nach dem Tod von Eyadéma in einem Jahr gleich um 29 Plätze verbessern und steht auf Platz 66 von 168. Das amerikanische Freedomhouse sieht das jedoch anders und im 2007 Freedom of the Press World Ranking steht Togo nur auf Platz 162 von 195.
Die Presselandschaft bietet ein vielfältiges Angebot von Printmedien, die alle in Französisch erscheinen. Sie zeichnen sich jedoch durch geringe Auflagen aus und finden außerhalb von Lomé und einigen anderen Städten, vorwiegend im Süden, kaum Verbreitung. Die staatliche Togo-Presse, die einzige Tageszeitung, hat auch je eine Seite mit Nachrichten in Ewé und Kabyé. Daneben gibt es die ebenfalls staatliche Presseagentur Atop. Der Minister für Kommunikation möchte den Beruf des Journalisten "sanieren" und einen Presseausweis einführen und stellte weitere Erneuerungen im Bereich der Medien in Aussicht.

TV und Radio
Neben dem staatlichen Fernsehsender TVT mit Stationen in Lomé und Kara gibt es mehrere kleine private Sender und das südafrikanische Pay-TV DStv mit Multichoice Togo. Radio Lomé ist auch im Internet mit Nachrichten präsent und einen Überblick über die Radiosender Togos gibt es bei Radio World.

Online Nachrichten-Magazine
Das kanadische Medienportal ABYZ bietet Links zu Magazinen an, die regelmäßig über Togo berichten. Die staatliche Republicoftogo.com hat sich zu einem professionell gemachten und durchaus interessanten Magazin entwickelt. Neben dem der Oppositionspartei UFC, gibt es mehrere Online-Magazine, die sich selber als oppositionell und/oder unabhängig bezeichnen. Einige davon sind letogolais, die von in Kanada lebenden Togoern produzierte Diastode, icilome, Togocity, tultogo und Etiame.

  Menschenrechte

Bis vor Kurzem zeichnete sich Togo eher durch Negativschlagzeilen aus, was die Menschenrechte betrifft. Der Jahresbericht von 2007 von Amnesty International kritisiert ein Klima der Straflosigkeit, insbesondere für die Gewalttaten, die während der Wahl von Faure Gnassingbé zum Staatspräsidenten im Jahr 2005 verübt worden waren. Einen eindringlichen Filmbeitrag über Menschenrechtsverletzungen 2005 im Zusammenhang mit den Wahlen und mit Frankreichs neokolonialem Engagement - so die Interviewten - produzierte arte. Die unabhängige togoische Liga für Menschenrechte LTDH veröffentlichte ihren Bericht über die Menschenrechtsverletzungen während des Staatsstreichs vom 5. Februar 2005. Über die Arbeit der vom Staat eingesetzten Menschenrechtskommission in Togo sowie weitere Berichte und Nachrichten finden Sie auf den Seiten von Human Rights Watch. Der neueste Bericht der United Nations Commission on Human Rights von 2008 über Togo liegt vor (Sie finden ihn auf der 2. Spalte von links unter Most recent Special Procedures' reports: Report of the special Rapporteur...).

Korruption

Auf dem von Transparency International veröffentlichten tabellarischen Korruptionswahrnehmungsindex 2007 steht Togo an 143. Stelle von 179 Ländern. Selbst von der Staatsspitze wurde der Korruption den Kampf angesagt. Le Monde berichtete über die Absahner in Togo.

Außenpolitik

Togos außenpolitische Beziehungen

Die außenpolitischen Beziehungen Togos richteten sich in der Vergangenheit auf die EU, die VN und die verschiedenen afrikanischen Organisationen und Bündnisse. Nachdem die westlichen Geberländer 1993 ihre Zusammenarbeit aufgekündigt hatten, suchte Togo nach neuen Partnern und intensivierte die Beziehungen zur arabisch-islamischen Welt und auch zur VR China. Togo ist Mitglied der Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen, der UA - Union Africaine, der CEDEAO/ECOWAS und der UEMOA (siehe Wirtschaftsteil), ANAD - Accord de Non-Agression et d'Assistance en matière de Défence, OHADA - Organisation pour l’Harmonisation en Afrique du Droit des Affaires, OIC - Organization of the Islamic Conference, ist durch die Lomé und Cotonou-Abkommen mit der EU assoziiert und Mitglied der Frankophonie. Neben Frankreich ist Deutschland wichtigster Partner Togos in Europa. Bei seinem Besuch am 11./12. Februar 2008 in Togo verkündete Außenminister Frank Steinmeier das Ende der Sanktionen.

Togo trat immer wieder bei innerafrikanischen Konflikten als Schlichter und Vermittler auf und wie es scheint, so möchte auch der jetzige Präsident Faure Gnassingbé diese Rolle fortführen. Auf der Website der Regierung werden Togos außenpolitische Beziehungen skizziert: zur EU, zu Frankreich und Deutschland, aber auch zur arabischen Welt, zu Israel und dem Iran, zu Asien und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie zu diversen internationalen Organisationen, wie den Vereinten Nationen. Togos diplomatische Missionen sind hier in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet und ebenso die ausländischen diplomatischen Missionen in Togo.

 

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