alle Länder Homepage
Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches

P h i l i p p i n e n
Seite 2: Geschichte, Staat & Politik


Geschichte


Besonderheiten der Landesgeschichte

Fremdbestimmung durch Kolonialisierung und Diktatur einerseits, Streben nach Unabhängigkeit und Teilhabe andererseits - so können die letzten fünf Jahrhunderte philippinischer Wirklichkeit mangelnder Selbstbestimmung aus der Sicht eines Großteils der philippinischen Bevölkerung - im Gegensatz zur westlichen Wahrnehmung - beschrieben werden.

Frühgeschichtlich mischen sich in den Philippinen verschiedene Einflüsse aus benachbarten Kulturen, ohne dass sich jedoch aus dieser Vielfalt eine gemeinsame Hochkultur bilden konnte. So treffen die spanischen Kolonialherren auf keinen einheitlich organisierten Widerstand. Der seit dem 14.Jahrhundert von Süd nach Nord bis Manila Einfluß nehmende Islam kann von den Spaniern in den Süden des Landes zurückgedrängt werden. Auf drei Jahrhunderte spanischer Fremdherrschaft folgen dann 50 Jahre US-amerikanischer Kolonialisierung. Nach dem Zweiten Weltkrieg, und zwischenzeitlicher japanischer Besetzung, wird die Republik der Philippinen von den USA formal in die Unabhängigkeit entlassen. Dies geschieht nicht ohne dass die USA sich Einfluß und Rechte einbehalten, die die Philippinen in mancherlei wirtschaftlichen Aspekten zu einer Art "amerikanischem Inland" machen.

Die Republik wird dann wieder durch eine Diktatur abgelöst, ehe mit neuer Verfassung von 1987 die derzeitige Republik ins Leben gerufen wurde. So kommt der Frage nach wirklicher politischer Unabhängigkeit angesichts des andauernden amerikanischen Einflusses in der philippinischen Politik immer wieder eine große Bedeutung zu. Ebenso wird andauernd um Fragen innerer politischer Partizipation gerungen - dies nicht nur parlamentarisch und außerparlamentarisch, sondern auch in bewaffneten Auseinandersetzungen.

Die Auseinandersetzung mit den mentalen Folgen dieser politischen Vergangenheit und der Suche nach dem, was nach vielfältiger Frühgeschichte und Fremdbestimmtheit wirklich eigen und in der Tiefe philippinisch ist, zieht sich durch viele Facetten des Lebens. So finden sich für den Reisenden unter der Oberfläche eines westlich und katholisch geprägten ersten Eindruckes, faszinierende und so gar nicht westliche Wurzeln wirklich philippinischer Werte und Normen, die Denken, Fühlen und soziales Handeln leiten.

Doch noch ein Drittes gibt es, denn was Fremdes und was Eigenes ist, lässt sich nach derart langen Zeiträumen der Fremdbestimmtheit gelegentlich gar nicht mehr so einfach feststellen. Dies zeigen eindrückliche Synthesen, wie beispielsweise in der Religion: ursprüngliche animistische östliche Glaubenswurzeln und kolonial oktroierter westlicher Katholizismus verbinden sich unnachahmlich - das kolonial Aufgezwungene wurde zwar (verzeihen Sie bitte dieses Bild) erzwungenermaßen "geschluckt", aber eben auch ganz philippinisch "verdaut", so dass als Ergebnis eine ganz "eigene" Synthese geschaffen wird.



Wesentliche geschichtliche Epochen

Wesentliche Epochen in der philippinischen Geschichte stellen sich stichwortartig beispielsweise wie folgt dar:



Historische Persönlichkeiten

José Rizal war die schillerndste, herausragendste Person des beginnenden Widerstands, der sog. Propaganda-Bewegung sowie der Liga Filipina im 19. Jahrhundert unter der spanischen Kolonialisation.

Andres Bonifacio wurde nach Rizals Exekution zum Vorkämpfer und Protagonisten des Widerstandes gegen die Spanier in der Katipunan

Emilio Aguinaldo, Widerstandskämpfer, Führer der Katipunan und Präsident der ersten philippinischen Republik

Viele heute unbekannte Widerstandskämpfern gegen die spanische Kolonialisierung wurden zur Hundert-Jahr-Feier der Revolution geehrt.




Staat


Staatsform

Die Philippinen sind ein republikanisches Staatswesen, ein Präsidialsystem mit zwei Kammern,

  • dem Repräsentantenhaus, max. 261 Abgeordnete, davon 212 direkt und max. 52 über das "party-list system" (siehe unten), für drei Jahre gewählt, und


  • dem Senat, 24 Mitglieder, gewählt für sechs Jahre (Teilwahl von zwölf Mitgliedern alle drei Jahre).


  • Verfassung und Gewaltenteilung

    Die Verfassung der ersten philippinischen Republik wurde 1899, mit dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft, erkämpft. Weitere Verfassungen folgten, u.a. im Jahr 1946, als die Republik der Philippinen von den U.S.A in die Unabhängigkeit entlassen wurde.

    Die gegenwärtige Verfassung der präsidentialen Demokratie wurde am 2. Februar 1987, zwei Jahre nach dem Ende der Marcos-Diktatur, verabschiedet und ähnelt sehr der Verfassung der U.S.A..

    Die Regierung basiert auf der Gewaltenteilung zwischen Exekutive: Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der/die auf sechs Jahre direkt gewählte Präsident/in. Für ihn/sie ist keine Wiederwahl möglich. Er/Sie ernennt die Mitglieder des Kabinetts und hat ein Vetorecht gegen Gesetzesbeschlüsse des Kongresses.

    Legislative: Die Legislative besteht aus dem Kongress der Philippinen, einem Zweikammerparlament, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus.

    Judikative: Die philippinische Judikative basiert auf US-amerikanischen bürgerlichen Recht. Die Verfassung von 1987 enthält eine Bill of Rights.

    Die Bill of Rights sind die ersten zehn Amendments zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie gewähren den Einwohnern im Rahmen einer freien und demokratischen Gesellschaft bestimmte unveräußerliche Rechte.

    Die Besonderheit der Bill of Rights liegt vor allem im Grundsatz der Verfassungsgerichtsbarkeit, d. h. die Rechte sind für jeden Bürger am Supreme Court, dem Obersten Gericht, einklagbar, sogar gegenüber staatlichen Gesetzen, die nicht verfassungskonform sind.

    Formaler Staatsaufbau

    Der Staat ist in 17 Regionen, einschließlich zweier autonomer Gebiete mit beschränkter Selbstverwaltung (Cordillera Autonomous Region / CAR und Autonomous Region of Muslim Mindanao / ARMM), gegliedert. Die Regionen unterteilen sich wiederum in 81 Provinzen.

    Unter dieser Ebene befinden sich zunächst die Städte, dann die Gemeinden. Die unterste und kleinste Verwaltungseinheit der Verwaltungsgliederung ist der "barangay", etwa Stadt- oder Ortsteil.

    Mit einer institutionellen Reform versuchte die Regierung des damaligen Präsidenten Ramos im Jahr 1991 eine größere Teilhabe der Bevölkerung in der Politik zu erreichen. Mit dem Local Government Code (LGC) sollte ein Prozess der Dezentralisierung und Regionalisierung von Macht begonnen werden. Das Innenministerium bietet Zugang zu einzelnen Local Government Units.

    Doch nicht nur der wachsende Partizipationsdruck der Bevölkerung und der in den Philippinen besonders stark und vielfältig ausgeprägten sozialen Bewegungen, die an der politischen und administrativen Entscheidungsfindung teilhaben wollten, forderten dies. Die Grenzen zentraler Planung und Verwaltung waren seit Jahrzehnten mehr als offensichtlich geworden. Besonders ins Blickfeld rücken in diesem Zusammenhang Finanzierungsfragen, u.a. solche der Mittelverteilung von oben nach unten sowie kommunaler Kredite.

    Der LGC institutionalisierte die Beteiligung von Nicht-Regierungsorganisationen (Non-Governmental Organizations / NGOs) sowie Volksorganisationen (People´s Organizations / POs) in der lokalen Verwaltung, der Planung und Implementierung von Entwicklungsprogrammen und suchte damit sogenannte ´checks and balances´ im Gebrauch politischer Macht auf lokaler Ebene zu schaffen.

    Probleme in der Umsetzung des LGC entstanden zunächst, weil die schwerfällige Regierungsbürokratie auf solch einen radikalen Wandel im Demokratisierungsprozess unvorbereitet war und sich auch heute noch schwer darin tut, Macht zu teilen. Aber auch die lokalen NGOs und POs waren zunächst unvorbereitet auf die Möglichkeiten der Mitbestimmung und konnten die neuen dezentralen Räume nicht nutzen.

    Rechtstaatlichkeit

    Das Funktionieren der Rechtsstaatlichkeit in der philippinischen Republik wird unterschiedlich und oft sehr kritisch eingeschätzt. Häufig gibt es ausgezeichnete Gesetze, doch ist ihre Umsetzung mit offensichtlichen Mängeln behaftet. Die eigentliche Macht im Land liegt in den Händen nur weniger äußerst reicher, landbesitzender Familien, sowie Großunternehmen und Besitzern von Massenmedien, die insgesamt das politische System finanzieren und von ihm leben.


    Innenpolitische Themen


    Machthaber und Machtgruppen

    Die Präsidentschaft
    Die letzten Präsidentschaftswahlen vom 10. Mai 2004 gewann die Amtsinhaberin, Frau Gloria Macapagal-Arroyo, mit 40 % knapp vor ihrem Rivalen, Filmstar Fernando Poe jr., der 37 % der Stimmen erhalten konnte.

    Präsidentin Arroyos Gegenkandidat, Fernando Poe jr., der das Wahlergebnis nicht anerkannt hatte, verstarb am 14. Dezember 2004 an einem Herzanfall.

    Die damaligen Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zum halben Senat wurden gleichzeitig abgehalten. Das Lager der Präsidentin erhielt hier eine klare Mehrheit. Das Kabinett wurde neu zusammengesetzt.

    Dieses Kapitel "Präsidentschaft" setzt sich angesichts der innenpolitischen Kontroversen intensiver mit der Frage der Legitimität der Präsidentschaft Frau Arroyos auseinander.

    Die Amtsübernmahme der damaligen Vizepräsidentin Arroyo vom Präsidenten Estrada im Jahr 2001 ist durch das Verfassungsgericht als rechtlich einwandfrei geklärt. Ungeklärt sind Vorgänge um die Wiederwahl in 2004, die die Legitimität der Präsidentschaft seitdem in Frage stellen. Zudem steht die Präsidentin aufgrund der unzureichenden Umsetzung selbst gesetzter Ziele in Frage.

    Die Präsidentin stellte bei ihrer erneuten Amtseinführung ein 10-Punkte-Programm vor, das unter anderem
    • die Schaffung von sechs Millionen neuen Arbeitsplätzen,
    • die Verbesserung der Schulausbildung,
    • den Abbau des Haushaltsdefizits,
    • die Verbesserung der Strom- und Wasserversorgung im ganzen Land,



    • © - terre des hommes Deutschland e.V.

    • die Entwicklung von Subic und Clark, früheren US-Militärbasen, zu Logistikzentren,
    • die Vorbereitung computerunterstützter Wahlen im Jahr 2010,
    • den Abschluss des Friedensprozesses,
    • die nationale Versöhnung
    beinhaltete. Mittlerweile scheint mehr als zweifelhaft, ob diese Ziele mehr als Rhetorik darstellen, auch wenn sich Wirtschaftsdaten teilweise verbesserten. Seit Präsidentin Arroyo im Januar 2001 - im Anschluss an die Amtsenthebung von Präsident Estrada - die Präsidentschaft übernommen hatte, waren ihre weitreichenden Ziele, zu denen u.a.
    • die Bekämpfung von Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit,
    • die Einführung einer Landreform,
    • die Verbesserung des Investitionsklimas

    • © - terre des hommes Deutschland e.V.
    zählten, wiederholt an den Widerständen der Interessengruppen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft gescheitert. Mittlerweile wird angesichts ihrer Politik und der Daten der eigenen Verwaltung grundsätzlich bezweifelt, ob die Präsidentin diese Ziele überhaupt verfolgt. In dieser Gemengelage fehlt auch die Sicht USA nicht. Vor dem Hintergrund ihrer Interessenlagen werden Herausforderungen für die Philippinen in der Zeit nach den Wahlen benannt.

    Mehr noch als durch die Frage der Zielerreichung wird die innenpolitischen Diskussion seit den letzten Wahlen kontinuierlich beherscht von der Frage der Legitimität der Wiederwahl der Präsidentin, der massiver Wahlbetrug vorgeworfen wird. Die Zustimmungsraten zur Person der Präsidentin und ihrer Politik sind auf ein Rekordtief gefallen. Nach Überzeugung der Opposition und großer Teile der Bevölkerung sind die damaligen Wahlergebnisse sowie die aktuellen Wahlergebnisse zum Abgeordnetenhaus zum Vorteil der Präsidentin manipuliert manipuliert worden.

    Ein Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin wurde im Sommer 2005 formal angestrebt, nachdem das Abhörprotokoll eines Telefonates bekannt worden war in dem die Präsidentin sich bei einem Beamten (Virgilio Garcillano = "Garci") der Wahlkommission erkundigt hatte, ob sie - wie mit ihm besprochen - ihren Stimmenvorsprung von einer Million Stimmen vor ihrem Herausforderer, Fernando Poe jr., halte. Der Beamte versichtert der Präsidentin, alles dafür zu tun. Frau Arroyo hat den Anruf zugegeben und sich dafür entschuldigt. Dem Vorwurf, sie habe damit das Wahlergebnis beinflussen wollen, widersprach sie.

    Der Justizausschuss des Parlaments, mit der Mehrheit an Mitgliedern der Regierungsparteien, erklärte die Anträge auf ein Amtsenthebungsverfahren für unzulässig bzw. lehnte sie ab. Daraufhin wurden sie im September 2005 auch vom Parlament nach 23-stündiger Debatte mit Regierungsmehrheit abgelehnt.

    Oppositionspolitiker kritisierten damals, das Verfahren sei verfrüht und mit unfairen Mitteln aus purer Machtpolitik eingestellt worden. In der Folgezeit - seitdem das Abhörprotokoll ("Hello, Garci") an die Öffentlichkeit gelangte - protestierten Zehntausende auf den Straßen und zwölf Minister und Regierungsmitarbeiter aus Präsidentin Arroyos Kabinett traten zurück.

    Auch ein zweites Amtsenthebungsverfahren konnte die Präsidentin dank der Stimmenmehrheit der Regierungskoalition im Abgeordnetenhaus abblocken. Die Verfolgung eines dritten Amtsenthebungsverfahrens 2007 konnte nach den Ergebnissen der Zwischenwahlen und den je erreichten Mehrheiten in Senat und Kongress nicht mit Aussicht auf Erfolg weiterverfolgt werden. (Sehen Sie hierzu weiter unten "Wahlen".).

    Die Präsidentschaft Frau Macapagal-Arroyos ist zusätzlich begleitet von heftiger Kritik an ihrer Amtsführung, der von ihr eingestandenen schweren Finanzkrise des Landes und Vorwürfen der Involviertheit ihrer Familie in illegales Glückspiel. Auch Korruptionsvorwürfe wurden gegen die Präsidentin und ihre Familienmitglieder erhoben. Ihr Ehemann hatte zwischenzeitlich das Land verlassen, ist aber mittlerweile zurückgekehrt.

    Äusserst kontrovers wurde die Verhängung eines einwöchigen Ausnahmezustands Ende Februar 2006 diskutiert, mit dem die Regierung angeblich einem Umsturzversuch im Zusammenhang mit den 20-Jahr-Feiern anläßlich der Beendigung der Marcos-Diktatur(1972-86)entgegengetrat. Das philippinische Oberste Verfassungsgericht urteilt über Arroyos Vorgehen kritisch: The Philippine Supreme Court has ruled February's brief state of emergency was lawful but has severely criticised some of the measures taken."

    Coup-Versuche, Schattenspiele und wechselnde Allianzen spiegeln die andauernden Machtkämpfe unterschiedlicher Interessengruppen wider.

    Bereits kurz nach ihrer umstrittenen Wiederwahl hatte Präsidentin Arroyo im Urteil vieler Analysten jegliche Glaubwürdigkeit verspielt und der philippinischen Demokratie damit einen Todesstoß versetzt - einer Demokratie, die sich zwischen Putsch und Kriegsrecht befindet:

    "20 Jahre nach dem Sturz des Diktators Marcos durch die friedliche People Power Revolution ist der demokratische Geist der Philippinen lebendig, aber eingesperrt in den verfallenden Körper einer real existierenden Elitendemokratie" , formuliert Mirko Herberg für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Manila.

    "Ein Schauer erschüttert die demokratisch orientierten politischen Kräfte. Präsidentin Arroyos absoluter Wille zum Machterhalt bei gleichzeitiger Bereitschaft, die Verfassung und demokratische Prinzipien zu umgehen sowie die ungelösten Spannungen im Militär lassen eine Rückkehr zu diktatorischen Regierungsformen oder einen Militärputsch nicht ausschließen"(ebda).

    Machtgruppen
    Politische Parteien gründen sich in den Philippinen mehr auf einzelne Persönlichkeiten als auf Programme oder Ideologien. Vor Wahlen fragmentieren Parteien oft, Loyalitäten wechseln, Unterstützungen werden neu ausgehandelt. Patronage, Vetternwirtschaft, Korruption gelten auf allen Ebenen politischer Verwaltung, beim Militär wie bei der Polizei, als weit verbreitet. Unter diesen traditionellen politischen Parteien gibt es einen breiten Konsensus bezüglich der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen innerhalb der Philippinen.

    Ein - im Gegensatz zu den traditionellen Parteien - besonders innovativer Mechanismus ist das "Party-List-System". In der Verfassung von 1987 ist die Möglichkeit für außerparlamentarische Gruppen verschiedener Sektoren niedergelegt, sich an Wahlen zum Kongress zu beteiligen. Gemäß Republic Act 7941 sind 20 Prozent der Sitze im Kongress für die party-list reserviert.

    Bei den Wahlen von 2004 entschieden sich 45 % bzw. 13 Millionen Filipinos für Repräsentanten der party-list Gruppierungen. So saßen 24 Vertreter aus 16 Gruppen im letzten Parlament. Zwar ist der Anstieg der party-list Repräsentanten nicht überwältigend (von 20 im Wahljahr 2001 auf 24 bei den Wahlen 2004), eindrucksvoll aber ist, dass sich im Jahr 2001 etwa 6,5 Millionen Wähler für Gruppen der party-list entschieden und sich diese Zahl in 2004 mit bereits 13 Millionen verdoppelte - ohne dass dieser Mechnismus der Bevölkerung durch Medien oder Werbung breit bekannt gemacht worden wäre.

    Dies verdeutlicht die wachsende Popularität des party-list Systems. Dieses System gibt marginalisierten Gruppen, oft der sogenannten Linken zugehörig, eine Chance von nicht-traditionellen politischen Gruppierungen/Parteien im Parlament vertreten zu werden. Gruppierungen und Parteien also, die sich ausserhalb der etablierten traditionellen  - durch wenige reiche Familienclans bestimmten - Politik befinden.

    Allerdings zeigte sich bei den jüngsten Wahlen in 2007, dass die etablierten traditionellen politischen Lager begannen, parallel zu ihren Parteien, eigens zu diesem Zweck gegründete Gruppierungen auf der party-list zu platzieren, um diesen Mechanismus ebenfalls für sich zu nutzen.

    Zudem erhielten die party list-Gruppierungen besondere, zweifelhafte Aufmerksamkeit dadurch, dass die Regierung führende und angesehene Mitglieder wie den 67-jährigen Satur Ocampo (Bayan Muna - Das Volk zuerst) und den 75-jährigen Crispin Beltran (Anakpawis - Kinder des Schweißes) - neben anderen party-list-Mitgliedern - unter Vorwürfen der Rebellion bzw. der Anstiftung zum Mord inhaftieren ließ. Der Supreme Court veranlasste schließlich ihre Freilassung.

    Diese Aktionen stehen in Zusammenhang mit einer "Todesschwadronenpolitik" in einer "Todesschwadronendemokratie", wie sie von verschiedenen Autoren genannt wird. In den vergangenen fünf Jahren kostete diese Politik über 850 Menschen das Leben, über 200 Personen verschwanden.

    Unter dem Thema "Menschenrechte" finden Sie hierzu weitere, vertiefende Informationen.

    Wahlen

    Wahlen zum Kongress und zur Hälfte des Senats, sowie in Regionen und Kommunen, vom 14. Mai 2007
    Die letzten Wahlen vom 14. Mai 2007 wurden gemeinhin als Abstimmung über Präsidentin Arroyo verstanden. Sie konnte ihre Mehrheit im Kongress mit ihrem Team Unity (TU) vergrößern und ihr Verbleiben im Amt bis 2010 damit sichern.

    Die Opposition ( Genuine Opposition - GU) hat hingegen im Senat sieben von zwölf Sitzen hinzugewonnen, während die Regierungseite nur drei Sitze erringen konnte. Zwei Sitze gingen an unabhängige Kandidaten. Insgesamt erhält die Opposition im Senat dadurch nun eine knappe Mehrheit.

    Dadurch wird Präsidentin Arroyo es in den kommenden Jahren schwerer haben, gegen den Senat zu regieren und ihre Gesetzesvorschläge zu verwirklichen. Ihre Position bleibt damit bis zu den nächsten Wahlen 2010 fragil.

    Ein besonderer Aspekt von Wahlen in den Philippinen ist grundsätzlich die Gewalt. Sie erklärt sich u.a. aus dem Wahlsystem und der Durchführungsbestimmungen. Wahlen auf den Philippinen können tatsächlich ein "Drama" sein.

    Wichtige politische Entscheidungen und Auseinandersetzungen

    Gegenwärtig stellt - nicht nur in den Philippinen - die Ernährungskrise eine der größten Sorgen des größten Teils der Bevölkerung dar. Neben globalen Ursachen spielen auch lokale Ursachen, wie die Vernichtung von Reisanbauflächen bspw. durch Bergbau eine Rolle. Die Regierung bemüht sich um Maßnahmen, die das Reis-Dilemma verringern sollen.


    © - terre des hommes Deutschland e.V.

    Ansonsten ist die Erosion der demokratischen Institutionen durch Präsidentin Arroyos geschicktes Bemühen um Machterhalt weiterhin das wesentlichste Thema in der öffentlichen Diskussion. Untrennbar verbunden mit ihrer Präsidentschaft ist das Thema der Korruption.

    Die Regierung ist seit Ende vergangenen Jahres unter massivem Druck für einen äußerst fragwürdigen Telekommunikationsvertrag mit China. Entlegene Dorfrathäuser sollten per Breitband mit Ministerien in Manila verbunden werden. Bestechung in Höhe von etwa 130 Millionen Dollar von einer Gesamtinvestitionssumme von 329 Dollar spielt hier ebenso eine Rolle, wie in anderen Vorgängen, beispielsweise undurchsichtigen Geldgeschenken, in die die Regierung involviert - und Korruptionsvorwürfen ausgesetzt - ist. Nach Ansicht ehemaliger Regierungsmitglieder stehe die Präsidentin im Mittelpunkt dieses NBN-ZTE-Korruptionsskandals.

    Nicht nur im Zusammenhang mit dem Breitband-Vertrag wird die Rolle des zurückgetretenen Vorsitzenden Abalos der Wahlkommission Comelec als Serie von Skandalen gesehen. Die "Hello-Garci"-Bänder sind ebenso in Erinnerung, wie dubiose Wahlergebnisse.

    Transparency International bestätigt im Index 2007 die Anfälligkeit der Philippinen für Korruption. Die Philippinen liegen in der Wahrnehmung von Korruption weltweit auf dem 131. von 179 Plätzen.

    Asiatische Geschäftsleute beurteilen die Philippinen als korruptestes unter 13 asiatischen Ländern.

    Dies sind wahrlich nicht die ersten kritischen Berichte. Die äußerst bedrohliche fiskalische Krise, chronische Arbeitslosigkeit, nicht eingezogene Steuern sowie neue Steuervorhaben, sich deutlich beschleunigendes Bevölkerungswachstum, sinkendes Pro-Kopf-Einkommen, wachsende Armut und unermesslich reiche Familien - Themen, die den Philippinen eine mehrteilige Serie (Der erbärmliche Staat - The Disgraceful State) in der Asia Times einbrachte:

  • The Philippines: Disgraceful State, Teil 1 -
    The sick man of Asia
  • The Philippines: Disgraceful State, Teil 2 -
    Goodfellas
    , with Tagalog subtitles
  • The Philippines: Disgraceful State, Teil 3 -
    Poverty, corruption: The ties that bind
  • The Philippines: Disgraceful State, Teil 4 -
    Will the last one leaving please turn off the lights
  • The Philippines: Disgraceful State, Teil 5 -
    All quiet on the second front


  • Weitere wichtige Themen in der politischen Auseinandersetzung sind:
    • die Rolle der Präsidentin und der weit verbreiteten Korruption in der zunehmenden Armut,
    • die Regierungspolitik zu den von verschiedenen Anrainern beanspruchten Spratly-Inseln, zu denen die Regierung offenbar Verträge mit China zu schließen bereit ist, einschließlich Verwirrung stiftender und Kritik hervorrufender Geheimhaltungsklauseln,
    • Eine europaweite Stellungnahme (pdf-Datei) von 80 kirchlichen und bürgerschaftlichen Organisationen, sowie einzelnenPersönlichkeitenzu, wurde zu der aktuellen politischen Mordwelle in der wichtigsten philippinischen Tageszeitung, dem Philippinen Daily Inquirer, veröffentlicht. Ebenfalls wurden kirchlicherseits u.a durch den eed die deutsche Botschaft in Manila und das Bundesministerium für Entwicklungshilfe gebeten, die philippinische Regierung zu drängen, dieses Morden zu stoppen und die Mörder zur Verantwortung zu ziehen.

    • Durch diese Aktion wurde nicht nur eine Vielzahl von NRO und kirchlichen Organisationen in Deutschland und Europa über die Menschenrechtslage in den Philippinen informiert, es wurde auch die breiteste Allianz seit vielen Jahren von zivilgesellschaftlichen Trägern in Bezug auf philippinenbezogene Aktionen in Europa mobilisiert, wie das Asienhaus bewertet. Ergebnis ist das Aktionsbündnis Menschenrechte - Philippinen.
    • die Gefährdung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten durch die neue - angesichts der zunehmenden Terroranschläge verabschiedeten - Anti-Terror Gesetzgebung (RA 9372 - Human Security Act), die am 15.Juli 2007 in Kraft trat:
        »Wenn Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo nach etlichen, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit beschneidenden, Erlassen nunmehr auch noch ihr Antiterrorgesetz im Kongreß durchbringt«, schrieb Girlie T. Padilla, Generalsekretärin der bereits 1979 gegründeten ökumenischen Bewegung für Gerechtigkeit und Frieden, in einer Erklärung am 16. Dezember 2005, »dann sind wir auf dem besten Wege zurück in die dunkle Zeit des Kriegsrechts.« »Die Ähnlichkeiten (zum Jahr 1972, als Marcos das Kriegsrecht verhängte; R.W.) sind frappierend«, kritisierte die engagierte Bürgerrechtlerin, »wirtschaftlich ist die Lage katastrophal, die politische Krise wird von Woche zu Woche tiefer, soziale Unruhen wachsen, und die Präsidentin ist einzig damit beschäftigt, unbedingt an der Macht zu bleiben. Wer heute ein Verbrechen begeht, kann bereits als Terrorist abgestempelt werden. Wer gegen die Regierung protestiert, kann ebenfalls unter Terrorverdacht festgenommen und auf unbestimmte Zeit inhaftiert werden.« »Die Menschenrechtslage unter Präsidentin Arroyo«, so Padilla, »ist mit Abstand die schlechteste in der Post-Marcos-Ära. Allein in diesem Jahr (2005; R.W.) wurden 152 Menschen einfach erschossen - von Einheiten der nationalen Streitkräfte und der Nationalpolizei. Wie wird sich die Situation entwickeln, wenn erst einmal das Antiterrorpaket in Kraft ist? Alle diese Morde gehen auf das Konto des Staatsapparates und geschahen im rechtsfreien Raum; weder wurden Anklagen erhoben, noch Verdächtige in Gewahrsam genommen.«
        (Quelle:Rainer Werning "Marcos, Arroyo und retour"; junge welt, 24.02 2006)
    • Präsidentin Arroyos Forderung nach einer Verfassungsänderung (Charter Change/ChaCha), die die repräsentative durch eine parlamentarische Form des Regierens erlauben würde.

      Argumente für und gegen Charter Change enthalten auch die Sorge der Opposition, ChaCha könne Präsidentin Arroyo erlauben, über das Ende ihrer Amtszeit hinaus Regierungschefin zu bleiben und so ihre Macht über ihre eigentliche Amtszeit, die 2010 endet, hinaus zu behalten.

      Dieses Interesse an der eigenen Machterhaltung gilt in den Augen von Kritikern von beiden Enden des politischen Spektrums nicht nur für die Präsidentin:

      "The biggest flaw" in den Vorschlägen zur Verfassungsänderung, schreibt der konservative Kolumnist Antonio Abaya/The Manila Standard Today, "is the fact that the constitutional amendments will be drafted by a constituent assembly made up of trapos and political dynasts who now control the present Congress and who will do everything to retain their positions, power and privileges in the new parliament."

      Satur Ocampo, als Repräsentant der linken Bayan Muna party-list-Gruppe am anderen Ende des politischen Spektrums, sagt, die Verfassungsänderung "will not solve but even make matters even worse as they only promote cosmetic change, keep the status quo, and offer no new solutions. At the core of these proposals is the undemocratic idea of keeping Filipinos farthest away from instituting political, electoral, economic, and social reforms."

      Neben einer grundlegenden, oft auch sehr sachlichen Diskussion wird das Thema heute von Vielen als politisch instrumentalisiert und als Ablenkungsmanöver von den aktuellen Skandalen der Präsidentin angesehen.


    Die in den aufgeführten Kontroversen dieses Abschnittes deutlich gewordenen Problembereiche charakterisieren einen Stand der Demokratisierung, wie er vom bertelsmann transformation index Philippinen analytisch und systematisch dargestellt wird.

    Bedeutung der Zivilgesellschaft

    Sehen Sie hierzu bitte auf Seite 3: "Entwicklung und Entwicklungspolitik" den Unterpunkt: "Inländische Entwicklungsanstrengungen".

    Presse und andere öffentliche Medien

    Aktuelle Informationen zu den oben genannten Themen und dem weiteren aktuellen tagespolitischen Geschehen in den Philippinen können Sie den Internet-Ausgaben philippinischer Zeitungen entnehmen. Der unabhängige Philippine Daily Inquirer (PDI) ist dazu besonders gut geeignet. Der PDI bietet auch tiefer gehenden Informationen zu Spezialthemen.

    Auch das regierungsnähere Manila Bulletin bringt ausgewählte Tagesmeldungen, geordnet nach aktuellen Nachrichten, Meinungen, Wirtschaft, Sport und Unterhaltung.

    Der Asia Observer  bietet einen Überblick aktueller Nachrichten verschiedener Tageszeitungen.

    Eher an den südlichen Regionen der Visayas und Mindanao ausgerichtete Nachrichten und Informationen bringen das in Cebu beheimatete Sun Star Network und das Mindanao Network mit Zugang zu verschiedenen Nachrichtenquellen.

    Kritische Berichterstattung mit ausführlichen Hintergrundberichten und fundierten Recherchen finden Sie beim Philippine Center for Investigative Journalism (PCIJ).

    Aktuelle Informationen stellt Ihnen ebenfalls die Nachrichtenabteilung des Fernsehsenders ABS-CBN zu Verfügung.

    Zugang zu einer Vielfalt weiterer philippinischen Medien (Zeitungen,Radio, Fernsehen) finden Sie bei philnews.



    Menschenrechte, Terrorismus und Interne bewaffnete Konflikte

    Politische Morde
    Nach dem Sturz von Präsident Marcos im Jahr 1986 und der Beendigung seiner Diktatur hatte sich die Menschenrechtslage auf den Philippinen zwischenzeitlich zunächst zweifellos gebessert. Heute jedoch sind politische Morde wieder an der Tagesordnung.

    Mit der Amtsübernahme Präsidentin Arroyos stieg die Anzahl erheblicher Menschenrechtsverletzungen durch Polizei und Militär bei der Verbrechens- und Terrorismusbekämpfung (illegale Durchsuchungen und Festnahmen, Körperverletzungen, Entführungen, Folter, sexueller Missbrauch und Tötungen, Wiederaufleben von Todesschwadronen) jedoch deutlich und drastisch an.

    Die derzeitige politische Kultur wurde insbesondere durch eine Attentatserie mit Morden an engagierten Pfarrer, kritischen Journalisten, Studenten, linken Aktivisten, verändert, die seit dem Amtsantritt Präsidentin Arroyos im Jahr 2001 bereits - nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen - fast 1000 Opfer gefordert hat. . Mittlerweile machen nicht mehr nur philippinische Organisationen Teile des Militärs dafür verantwortlich, dass - so die Vermutung - mit Rückendeckung der Regierung mordet. Täter wurden bisher nur sehr selten ermittelt und verurteilt.

    Doch die Stimmung verändert sich: im Frühjahr 2007 haben sowohl eine US Senatsuntersuchung durch Prof. Philipp Alston,(Special Rapporteur of the United Nations Human Rights Council on extrajudicial, summary or arbitrary executions), der frühere Verfassungsrichter Jose A.R Melo mit seinem Report sowie G.E. Martin mit seiner Aussage vor dem US-Senatskomitee, philippinische Regierung und Militär kritisch beurteilt.
    Die USA ließen zudem durchklingen, dass 360 Millionen Dollar an Militärhilfe gefährdet seien, wenn Präsidentin Arroyo nicht die Kontrolle über ihr Militär erlange und Verantwortwortliche an den politischen Morden zur Rechenschaft zöge:
    Strukturelle Schwächen staatlicher Polizei und Armee, die nicht fähig oder Willens seien, Zeugenschutz zu gewähren, die Straffreiheit von Tätern aufzuheben und Verbrecher zu ergreifen, seien zu beheben.

    Auch das Ständige Tribunal der Völker, das Fälle von Menschenrechtsverletzungen untersucht, fällte einen Schuldspruch:
  • Grobe und systematische Verletzung der bürgerlichen Rechte, außergerichtliche und willkürliche Hinrichtungen, Entführungen, und Verschwindenlassen, Massaker und Folter.
  • Grobe und systematische Verletzung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte des philippinischen Volkes.
  • Grobe und systematische Verletzung des Rechts auf Selbstbestimmung und Befreiung.


  • Wie das U.S. Department of State in seinem jüngst erschienenen Jahresbericht 2007 zu Menschenrechtsverletzungen in den Philippinen differenziert schildert, scheint Präsidentin Arroyo auf die genannte Kritik zumindest oberflächlich zu reagieren und erste Maßnahmen anzuordnen.

    Besonders interessant und herausfordernd ist die Menschenrechtssituationen von Kindern in den Philippinen,



    © - terre des hommes Deutschland e.V.

    In Forschung, Ausbildung, Advocacy, Netzwerken und Materialerstellung zur Unterstützung von Kindern und ihren Rechten engagiert sich das das Psychosocial Support and Children´s Rights Ressource Center (PST CRRC).

    Judicative
    Das überlastete, ineffektive, unterfinanzierte Justizsystem ist offen für Korruption. Die Gerichtsverfahren leiden nicht nur an langer Dauer, sie erfolgen teilweise auch unter Umkehr der Beweislast.

    Die überfüllten Gefängnisse erlauben nur schlechte bis menschenunwürdige Haftbedingungen, wobei es zusätzlich an sauberem Wasser, Nahrung und Gesundheitsvorsorge fehlt.

    Bereits im Jahr 2003 wies AI in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das hartnäckige Festhalten an Folter im Justizsystem auch nach der Wiedereinführung der Demokratie nach Marcos weiterhin eine ernste Diskrepanz zwischen den Gesetzen und ihrer Anwendung innerhalb des verbesserten Rechtssystems bedeutet. Auch der komplette Bericht "Torture persists" ist verfügbar.

    Mit Blick auf das Justizwesen widmet sich AI ebenfalls der Situation von Kindern und Jugendlichen:

    Todesstrafe
    Das im Jahr 2000 unter dem damaligen Präsidenten Estrada beschlossene Moratorium bei der Vollstreckung von Todesstrafen wurde von Präsidentin Arroyo im November 2003 aufgehoben. Zunächst wurden alle Vollstreckungen im Einzelfall aufgeschoben oder in Freiheitsstrafen umgewandelt. Im Juni 2006 unterzeichnete die Präsidentin ein Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe.

    Jochen Range,Philippinen-Experte der deutschen Sektion von amnesty international (ai), begrüßte die Abschaffung der Todesstrafe auf den Philippinen ausdrücklich: "Damit machen die Philippinen einen großen und wichtigen Schritt in Richtung Achtung der Menschenrechte. Weltweit geht der Trend gegen die Todesstrafe unaufhaltsam weiter."

    Islamistische, sezessionistische und revolutionäre Konflikte
    Nach dem 11.9.2001 rückten die Verbindungen zu externen Konflikten verstärkt ins Blickfeld. Der Council of Foreign Affairs in den USA befasste sich mit dem Terrorismus und u.a. mit der Frage der Aktivitäten Al Qaidas in den Philippinen. Die USA unterstützten das philippinische Militär in den vergangenen Jahren vor allem in den südlichen Philippinen intensiv sowohl finanziell, personell als auch logistisch.

    Menschenrechtsverletzungen in den Philippinen finden jedoch häufig im Kontext der bereits Jahrzehnte andauernden internen bewaffneten Konflikte statt. Hierbei sind weniger ideologische Gründe ursächlich, sondern lokale Realitäten: Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit. Mehr als 40 Prozent der Filipinos leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. Zehn Prozent der Bevölkerung von 85 Millionen arbeitet im Ausland.

    Selbst das offizielle Manila anerkennt, dass der ungebeugte bewaffnete Widerstand einen Teil seiner Wurzeln im jahrzehntelangen Unwillen oder der Unfähigkeit der Regierenden hat, den Alltag und das Leben unterprivilegierter Menschen zu verbessern.

    So befindet sich die Regierung der Philippinien in der Auseinandersetzung mit verschiedenen bewaffneten Kräften:
    • Die National Democratic Front (NDF) ist ein Zusammenschluß der Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP), ihres militärischen Arms, der National People`s Army (NPA), sowie etwa zwei Dutzend weiterer Organisationen, die eine grundlegende revolutionäre Veränderung im Land anstreben.
      Mit der Spaltung in, im wesentlichen, drei ideologische Fraktionen, hatte der kommunistische Widerstand gegen die Regierung der Philippinen in den 90´er Jahren an Bedeutung und an Kampfkraft verloren. Die Zahl der bewaffneten Kämpfer der NPA ging von etwa 27.000 im Jahr 1987 auf zurzeit etwa 6.000 bis 8.000 Mitte der 90´er Jahre zurück. Der inzwischen wiedererstarkte kommunistische Untergrundkampf mit derzeit geschätzten 12.000 Kämpfern dauert bereits seit über 35 Jahren an.


    • Nach dem 11.9.2001 hatten die USA die CPP und die NPA, als terroristische Organisation eingestuft. Die USA erhöhten damals im Rahmen ihres Antiterror-Kampfes den Druck auf die NDF/CPP und ihren vermutlichen Führer José Maria Sison. Die Regierung der Philippinen hatte zudem gefordert, keine politischen Exekutionen während der Verhandlungen durchzuführen. CPP/NPA hatten dies mit der Begründung abgelehnt, diese Tötungen seien Bestandteil des revolutionären Rechtssystems.

      Die bisher erreichten Friedensabkommen sind Objekt eines ständigen Wechselspiels von Gesprächsaufnahme und -abbruch unter gegenseitigen Vorwürfen. Es bräuchte neue Ansätze um den Friedensprozessin dieser Phase wieder in Gang zu setzen.

    Die Aufmerksamkeit hinsichtlich bewaffneter Auseinandersetzungen galt in der jüngeren Vergangenheit vor allem den muslimischen Sezessionsbestrebungen in Mindanao. Dies war nach dem 11. September 2001 besonders so, weil die USA sich nach Afghanistan nun gezielt den Verbindungen Osama bin Ladens und der AL Qaida zu muslimischen Gruppierungen (MNLF, MILF, Abu Sayyaf), hier vor allem aber Abu Sayyaf, im Süden der Philippinen zuwandten. Besondere Aufmerksamkeit galt und gilt dabei den vermuteten Verbindungen des Netzwerkes von " Jemaah Islamiyah" (JI) und der separatistischen Moro Islamic Liberation Front (MILF) zueinander, weil diese den Friedensprozess zwischen philippinischer Regierung und MILF direkt berühren.

    • Die Moro National Liberation Front (MNLF) ist die Gruppe, die den muslimischen separatistischen Aufstand im Süden des vorwiegend christlichen Landes in den 70´er Jahren begann - unterstützt aus Libyen, Saudi Arabien und Malaysia.

      Die MNLF unterzeichnete ein erstes - gescheitertes - Friedensabkommen (das Tripoli-Abkommen)im Jahr 1976. Ein zweites Friedensabkommen folgte am 2.September 1996 nach mehr als zwei Jahrzehnten des Sezessionskampfes und der mehrjährigen Verhandlungen unter Beteiligung der OIC. In diesem Abkommen wurde die Schaffung einer "Zone für Frieden und Entwicklung" ("Zone of Peace and Development", ZOPAD) mit einem gewissen Grad an Selbstbestimmung im südlichen Mindanao vereinbart.

      Die Autonomous Region in Muslim Mindanao (ARMM) ist halb-autonom und bestand ursprünglich aus vier verarmten muslimischen Provinzen - zwei von ihnen liegen auf dem Festland, zwei sind Inseln. In einer Volksabstimmung vom August 2001 schlossen sich je eine weitere Provinz sowie eine Stadt der ARMM an.

      Die Mehrheit der Provinzen auf Mindanao und Palawan lehnten muslimische Selbstbestimmung ab. Die zugehörigen Provinzen sind Lanao del Sur (Bevölkerung: 571.000), Maguindanao (Bevölkerung: 662.000), Tawi-Tawi (Bevölkerung:250.000), die Sulu-Inseln, einschließlich Jolo (Bevölkerung: 540.000), Basilan (Bevölkerung:295.000), sowie die Stadt Marawi mit 115.000 Einwohnern. ARMM hat begrenzte Selbstbestimmungsrechte, hauptsächlich die wirtschaftliche Entwicklung betreffend. Die Zentralregierung kontrolliert weiterhin Verteidigung, Finanzen und Außenbeziehungen.

      Es wurde ein fünfköpfiger Rat für "Frieden und Entwicklung" (Southern Philippine Council for Peace and Development, SPCPD) geschaffen, der vom damaligen Präsidenten Ramos ernannt wurde und diesen beraten sollte. Der langjährige Führer der MNLF, Nur Misuari, der dem Südphilippinischen Rat für Frieden und Entwicklung fünf Jahre lang vorstand, wurde im November 2001 nicht zum Gouverneur der Autonomen Region Muslim Mindanao ( ARMM) wiedergewählt. Nach von ihm initierten bewaffneten Auseinandersetzungen floh er ins benachbarte Ausland, wurde kurze Zeit später ausgeliefert und steht in Manila unter Hausarrest. Am 2. April 2008 wurde Nur Misuari als Chef der MNLF abgesetzt. Als Gouverneure der ARMM folgten ihm Alvarez Isnaj (kommissarisch), Parouk S. Hussin und - seit 2005 - Zaldy Ampatuan.

      Die veränderte militärische Strategie der Regierung auf Aufstandsbekämpfung zu setzen und auch wieder Kampfhandlungen mit der MNLF aufzunehmen , führe - nach Meinung von Analysten - zu einer Regionalisierung vorher lokaler Konflikte und damit zu einer Ausweitung bewaffneter Auseinandersetzungen in den südlichen Philippinen. Friedensprozesse würden so zweifellos be- oder verhindert, was als taktischer Fehler seitens der Regierung bewertet wird.


    • Die Moro Islamic Liberation Front (MILF) trennte sich 1977 von der MNLF und führt den Sezessionskrieg nach dem 1996´er Friedensabkommen von MNLF und Regierung - das die MILF ablehnte - fort. Der Kampf um politische und administrative Unabhängigkeit wurde durch Tausende von der MNLF übergelaufene Kämpfer, die mit dem Friedensabkommen unzufrieden waren, verstärkt fortgeführt.

      Friedensgespräche zur Lösung der Konflikte in Mindanao waren in den vergangenen Jahren selbst aus Sicht der USA als erfolgversprechend bewertet worden. Einen Abschluß verhinderten bisher ungelöste territoriale Fragen vom Herbst 2006 zu den sogenannten "ancestral land rights".

      Der Kampf um die Rechte am Land der Vorfahren hat seinen Hintergrund in der Gesamtheit der Erfahrungen, die Mindanao als Insel mit reicher kultureller Geschichte mit den übrigen Philippinen gemacht hat.

      Über sechs Jahrhunderte hatte der Islam das Leben bestimmt und die Mujaheddin haben ihre Heimat gegen koloniale Eindringlinge wie Spanier, Amerikaner oder Japaner verteidigt. Nicht verteidigen konnten sie sich gegen die eigene Regierung, die die reichen Bodenschätze ausbeutete, Christen vor allem aus den Visayas in muslimisches Land umsiedelte und ethnische Minderheiten unter unwürdigen Umständen eingrenzte. Muslimisches Land der Ahnen wurde durch Gerichtsurteile im fernen Manila in öffentliches Land umgewandelt, Christen wuchsen zur dominierenden Mehrheit, einer wohlhabenden zudem, während die ursprünglich einheimischen Menschen nun als Vertriebene in Armut leben. Hier liegt die Wurzel des Empfindens von Ungerechtigkeit gegenüber der eigenen Identität als Moros, das Gefühl,in einer Tyrannei zu leben. Dies Gefühl ist aus der Sicht der MILF die Wurzel der andauernden Konflikte, die sich im heutigen Moro Jihad, dem andauernden Kampf um islamische Unabhängigkeit und Gerechtigkeit, ausdrücken.



    • Die Abu Sayyaf Group ( ASG) ist durch wiederholte Entführungen - auch deutscher Touristen - als terroristische Gruppierung überregional bekannt geworden. Sie ist die kleinste und radikalste der islamischen Separatistengruppen. Ein unabhängiger islamischer Staat ist ihr Ziel. Abu Sayyaf spaltete sich 1991 von der MNLF ab. Sowohl MNLF als auch MILF haben sich offiziell von Abu Sayyaf distanziert. Die Regierung der Philippinen sieht dies in der jüngsten Vergangenheit jedoch anders (vgl. oben angeführte links).

      Die zwischenzeitlich neue Führung Abu Sayyafs hat das alte Konzept des Entführens, das Millionen  an Lösegeld eingebracht hat, nicht mehr verfolgt. Die Rückkehr zu islamischen Wurzeln, verbunden mit den vertrauten Waffen des Terrors, Bombardements und Mordanschläge, kennzeichnen die gegenwärtige Strategie der ASG, um eine unabhängige islamische Republik im Süden der Philippinen zu schaffen. Dabei betont die Abu Sayyaf Group ihre Verbindungen zu Al Qaida. Diese Führung wurde im Januar 2007 durch das Militär getötet.



    Menschenrechte und Religion
    Die Verfassung garantiert die freie Religionsausübung, die Regierung setzt dies im Allgemeinen um. Einschränkungen gibt es jedoch durch kulturelle, ethnische und religiöse Diskriminierung von Muslimen und ethnischen Minderheiten durch Christen.


    Außenpolitische Themen


    Die Philippinen im regionalen und internationalen Kontext

    Im Unterschied zur Marcos-Ära ist die philippinische Aussenpolitik unter den letzten Präsidenten deutlich proaktiver und selbstbewusster geworden. Die veränderte Dynamik der Beziehung zwischen den USA und den Philippinen trug wesentlich zu diesem Wandel bei. Bis 1996 hatten die USA Militärstützpunkte auf den Philippinen. Nach deren Abzug stellt der US-amerikanische Einfluss zwar noch immer die wesentlichste Determinante philippinischer Außenpolitik dar, jedoch ist dieser Einfluß im Vergleich zu früheren Zeiten rücklaüfig. Die außenpolitischen Beziehungen der Republik der Philippinen sind heute regionaler orientiert, darauf ausgerichtet, ausländische Investoren anzuziehen und wirtschaftliche Interessen zu verfolgen.

    Multilaterale Organisationen spielen in der philippinischen Wirtschaft und Gesellschaft eine einflußreiche Rolle. Die Philippinen sind seit Bestehen von Weltbank und Internationalem Währungsfond an diese beiden Organisationen gebunden.

    Die europäisch-philippinischen außenpolischen und wirtschaftlichen Beziehungen sind im Vergleich zu den oben erwähnten Schwerpunkten lange Zeit eher nachrangig gewesen. Seit dem Ende der Marcos-Diktatur sind beide Seiten bemüht dies zu ändern. Besonders intensiviert wurde der gegenseitige Austausch im Jahr 2005, seitdem findet ein regelmäßiger Dialog zwischen EU und der philippinischen Regierung statt. Unter den europäischen Ländern spiele Deutschland nach Ansicht des Auswärtigen Amtes mit seinen bilateralen Beziehungen eine hervorgehobene Rolle.

    Die Europäischen Union, hat eine ständige Kommission in den Philippinen eingerichtet. Auch exisitiert mittlerweile eine Europäisch-Philippinische Handelskammer, die Einblick in die europäisch-philippinischen Wirtschaftsbeziehungen verschafft.

    Das mit sicherheitspolitischen Fragen befasste ASEAN Regional Forum (ARF, seit 1994) ist ein wichtiges Forum für die philippinische Außenpolitik. Über den südostasiatischen Raum hinausgehend engagiert sich die Republik der Philippinen in der APEC (Asia Pacific Economic Cooperation). Darüberhinaus hat Präsidentin Arroyo wiederholt die Beziehungen zu China, Japan, den USA und den Ländern der islamischen Welt als vorrangig bezeichnet.

    Allerdings gibt es einen Konflikt in der Region, der fast alle Nachbarn betrifft: den Wettlauf um die Spratly Inseln.

    Da sich die philippinische Regierung sehr auf innenpolitische Konflikte konzentrieren musste, verstand sich Nationale Sicherheit lange Jahrzehnte - auch unter dem Schutz der USA - als Innere Sicherheit. Mehr Aufmerksamkeit hat den vergangenen Jahren die Verteidigungspolitik der Nachbarstaaten in der Region erfahren und zu einer Modernisierung des Verteidigungssektors geführt. Einerseits sollten Ungleichgewichte in der Region vermieden werden, andererseits spielte das US-Engagement gegenden Terror eine große Rolle. Finanziert werden konnte dieses Verteidigungspolitische Engagement nur dadurch, dass Geld von anderen Programmen, wie Infrastrukturmaßnahmen, abgezogen wurde.

    Die Philippinen sind Mitglied bei den folgenden Organisationen bzw. Zusammenschlüssen (im Folgenden finden Sie sowohl Verweise auf die Hauptseiten der betreffenden Organisationen,

    pfeil-l    zurück zur vorherigen Seite    |   weiter zur nächsten Seite     pfeil-r
     

    alle Länder Homepage
    Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches