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Nigeria
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaft

Das Wirtschaftssystem und seine Sektoren

Die nigerianische Wirtschaft wird von der Erdöl- und Erdgasförderung dominiert. Das Land ist der sechstgrößte Erdölexporteur der Welt und der größte Erdölproduzent Afrikas. Das Erdöl wurde 1958 im Nigerdelta entdeckt und ist seit den 1970er Jahren das wichtigste Exportgut des Landes. Über 80% der gesamten Bundeseinahmen und 90% der Exporterlöse generieren sich aus den Erdölgeschäften. Die nigerianische Wirtschaft ist also in einem besonders hohen Maße vom Erdöl abhängig und reagiert deshalb empfindlich auf die negativen Entwicklungen des Erdöl-Weltmarktes. Seit 2004 befindet sich das Land aufgrund der sprunghaft gestiegenen Erdölpreise in einer Nutznießerfunktion. Sogar die Verluste, die in den letzten Jahren durch die Unruhen in der Förderregion entstanden sind, konnte Nigeria zum größten Teil durch die hohen Preise ausgleichen.



Erdöl- und Erdgasförderung im Nigerdelta
© waado.org


Wirtschaftsindikatoren, Analysen, Statistiken

Aktuelle Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung Nigerias finden Sie in Nigeria Data Profile der Weltbank. Allgemeine Grunddaten der Wirtschaft liefern das CIA World Factbook von 2007 und die Länderanalyse der US-Regierung.

Einen aktuellen Bericht hat die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) im Mai 2007 veröffentlicht. Weitere Wirtschaftsdaten, Analysen und Informationen über die nigerianische Wirtschaftsentwicklung bieten das Auswärtige Amt, das National Bureau of Statistics und die OECD. Wirtschaftliche Daten können Sie auch den Länderinformationen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Empfehlenswert ist auch der 2006 Index of Economic Freedom.


Wirtschaftspolitik

Unter der Regierung Obasanjo wurde eine Reihe von Wirtschaftsreformen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation und der Lebensverhältnisse der breiten Bevölkerung in Angriff genommen wie die Privatisierung von Staatsbetrieben und die Eindämmung der Inflation. Aufschluss über die eingeleitete Wirtschaftsreformpolitik gibt die regierungseigene Webseite. Zur Umsetzung der Reformprogramme präsentierte die Regierung 2004 die Nigeria Economic Empowerment Development Strategy (NEEDS I/ 2004 - 2007). Es sollte 2007 ein Anschlussprogramm (NEEDS II/2007-2010) folgen. Die bisherigen Erfolge der Reformmaßnahmen u.a. der Schuldenerlass durch die Mitgliedstaaten des Pariser Clubs lesen Sie in dem Bericht der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) von 2005 zur Wirtschaftsentwicklung Nigerias. Dazu die Länderinformationen des Auswärtigen Amtes.


Produkte und Produktionsweisen

Nigerias Wirtschaft basiert fast ausschließlich auf Erdöl- und Erdgasexport. Beide trugen 2006 ca. 99% der Exporterlöse, 87% der Staatseinnahmen und 50% des Bruttoinlandprodukts (BIP) bei. Gefördert wird das Erdöl in Joint Ventures mit der Nigeria National Petroleum Corporation (NNPC) im Nigerdelta vor allem von Shell, ExxonMobil, Chevron Texaco, ENI/Agip und TotalFinaElf. Durch das Land zieht sich zudem ein kilometerweites Pipelinenetz für den Transport von Erdöl und Erdgas von den Fördergebieten im Nigerdelta zu den vier Raffinerien - Port Harcourt I und II (im Südosten), Warri (im Südwesten) sowie Kaduna (im Norden), im Landesinneren. In den letzten Jahren ist es durch das illegale Abzweigen von Öl aus den Pipelines zu schweren Unglücksfällen mit zahlreichen Toten gekommen.


Pipelinenetz mit Raffinerien
© nigeriaoil-gas.com


Das nigerianische Erdgas ist für den afrikanischen Markt von zentraler Bedeutung. Eine Westafrika-Pipeline "West African Gas Pipeline" von Nigeria nach Benin, Togo und Ghana wurde 2007 fertiggestellt.


Westafrika-Pipeline
© West African Pipeline Company Ltd.


Nigeria ist ein vorwiegend agrarisches Land, aber die Konzentration auf Erdöl und Erdgas hat zur Vernachlässigung der Landwirtschaft geführt. Über 70% der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Der Sektor erwirtschaftet 2006 nur 30% des Bruttoinlandprodukts (BIP). Produziert werden Nahrungsmittel für den Eigenbedarf und Cash Crops für den Export. Die Wiederbelebung der Landwirtschaft stand im Mittelpunkt der Wirtschaftsreformen der Regierung Obasanjo mit finanziellen und technischen Anreizen.

Der Industriesektor trug 2006 mit ca. 2,8% zur wirtschaftlichen Leistung Nigerias bei. Neben der Verarbeitung von Erdölprodukten werden Nahrungs- und Genussmittel, Farben, Reinigungsmittel, Textilien, Brennstoffe, Metalle und Baumaterial produziert. Haupthindernis für die industrielle Entfaltung ist unzureichende Infrastrukturversorgung (Energie und Transport). Im Reformenprogramm "NEEDS" ist neben den Privatisierungsmaßnahmen der Bau von Produktionsstätten vorgesehen.

Während der Industriesektor erheblichen Krisen ausgesetzt ist, boomt nach wie vor der Telekommunikationssektor der Wirtschaft. Dank der Privatisierungspolitik der Obasanjo-Administration besitzt Nigeria heute einen der dynamischsten Telekommunikationsmärkte der Welt. Vorreiter ist der Mobiltelefonmarkt.

Im Bereich der Energieversorgung lassen die wirtschaftlichen Erfolge seit der Privatisierung der nigerianischen Stromversorgung "National Electric Power Authority (NEPA)" im Jahr 2005 auf sich warten. Mit ständigen Stromausfällen haben Millionen von Haushalten sowie die Behörden zu kämpfen. Grund ist die niedrige Produktionskapazität der Gas- und Wasserkraftwerke. Für den Ausbau der Kapazität baut Nigeria auf chinesische Hilfe. Die Regierung bemüht sich, einen Teil des Strombedarfs durch Erneuerbare Energien zu decken.


Handel: Binnen- und Außenhandel, Handelsbilanz

Aufgrund der hohen Rohölpreise verfügt Nigeria seit 2004 über eine positive Handelsbilanz. Denn über 90% der Exporterlöse stammen aus dem Erdölsektor. Wichtige Hauptabnehmerländer sind die U.S.A., China, Frankreich, Brasilien, Spanien und Deutschland. Der Handel mit der Bundesrepublik Deutschland ist seit 2005 ebenfalls positiv. Detaillierte Informationen bietet das Auswärtige Amt.

Alle nigerianischen Staatsbudgets fußen auf den Einnahmen aus der Erdölförderung. Aufgrund der hohen Ölpreise gelang es Nigeria erstmals seit Jahren, beträchliche Devisenreserven aufzubauen. Einen umfassenden Überblick bieten der Jahresbericht 2006 der Nigerianischen Zentralbank "Central Bank of Nigeria (CBN)" und die Webseite des Nigerianischen Finanzministeriums. Ausführliche Informationen zu Investitionsmöglichkeiten und zur nigerianischen Wirtschaftspolitik bietet der Afrika-Verein in Hamburg.


Staatsverschuldung

Nigeria nutzte den Ölgewinn, um seine Schulden zu bezahlen. Im Rahmen der wirtschaftlichen Reformen der Regierung Obasanjo konnte das Land 2005 mit dem Pariser Club der internationalen Gläubiger einen Schuldenerlass von 18 Mrd. US-Dollar von insgesamt 30 Mrd. USD aushandeln. Im Gegenzug zahlte die nigerianische Regierung 12 Mrd. USD zurück. Damit ist Nigeria das erste afrikanische Land, das gegenüber dem Pariser Club schuldenfrei geworden ist.


Entwicklung und Entwicklungs- politik

Millennium Development Goals (MDGs)

Trotz des Ölreichtums leben ca. 70% der Nigerianer unter dem Existenzminimum und müssen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag überleben. Beim Kampf gegen die Armut bemüht sich die nigerianische Regierung im Rahmen der UN-Millenniumziele mit dem "National Poverty Eradication Programm (NAPEP)" und dem Armutsreduzierungsstrategiepapier "Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP) - National Economic Empowerment Development Strategy (NEEDS)" voranzukommen. Darüber hinaus wurde von der Weltbank ein Bericht veröffentlicht, in dem die acht Millenniumziele und ihre Umsetzung in Nigeria zwischen 1990 und 2005 festgehalten wurden.


Inländische Entwicklungsanstrengungen

Programme zur Armutsbekämpfung sind sowohl auf der Länderebene die "State Economic Empowerment Strategy (SEEDS)" als auch auf der lokaler Ebene die "Local Economic Empowerment Strategy (LEEDS)".

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen im Land sind in den Bereichen Armutsbekämpfung und Nachhaltige Entwicklung aktiv tätig. Frauenorganisationen, von denen "Women In Nigeria (WIN)" die bekannteste ist, haben im traditionellen Leben Nigerias immer eine wichtige Rolle gespielt. "Gemeinsam sind wir stark" lautet ihr Motto, wenn es um die Belange der Familie geht wie 2002 bei dem Protest im Nigerdelta.

Auch die Nigerianer in der Diaspora "NIDO-Germany" organisieren sich für die Entwicklung in ihrer Heimat.


Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Zu den größten ausländischen Gebernationen und Geberorganisationen gehören die Weltbank, die Europäische Union, die USA und Großbritannien.

Andere internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfond, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) und der Commonwealth of Nations leisten durch die Zusammenarbeit einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung des Landes. Eine intensive Zusammenarbeit besteht auch zwischen Nigeria und den regionalen Organisationen wie der "African Union (AU)", der "New Partnership for Africa`s Development (NEPAD)" und der "Economic Community of West African States (ECOWAS)". Vergleiche dazu das Verzeichnis der EZ-Organisationen tätig in Nigeria
.


Deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen

Nigeria wurde außerdem dank seiner demokratischen Entwicklung (seit dem Amtsantritt von Präsident Obasanjo im Mai 1999) erneut Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Die staatliche Hilfe konzentriert sich auf die beschäftigungsorientierte Wirtschaftsförderung. Informationen über die technische Zusammenarbeit finden Sie auf der Webseite der GTZ. Die deutschen politischen Stiftungen und kirchlichen Organisationen sind im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in Nigeria aktiv tätig. Auch die Bundeswehr ist in Entwicklungsprojekten engagiert. Neben Beratungstätigkeiten im militärischen Bereich übernehmen die Soldaten Aufgaben in Berufsausbildungszentren. Auch im universitären Bereich existiert eine Zusammenarbeit. Bei den Medien gibt es eine Kooperation mit der Deutschen Welle. Dazu bietet das Auswärtige Amt Informationen.

Eine ungenannte Zahl von anderen Organisationen z.B. aus dem Wirtschaftsbereich, von Nichtregierungsorganisationen und privaten Vereinigungen wie der Zusammenschluss von Vereinen und Krankenhausärzten, der u.a. das Noma-Hospital in Sokoto (im Norden Nigerias) finanziert hat, ist ebenfalls zu nennen.

Der Standort Lagos der Deutschen Auslandshandelskammern (DHKs), liefert die nötigen Auskünfte über deutsche Wirtschaftsinteressen in Nigeria.

Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen: Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Heinrich-Böll-Stiftung (HBS), Christian Blind Mission (CBM), Human Help Network , Misereor, Noma (Facing Africa), Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, SOS-Kinderdorf.

Zur Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria lesen Sie das Diskussionspapier 13/2007 des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE).

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