| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |
Nigeria
|
|
Geschichte
![]() Lage der NOK-Kultur im Norden Nigerias © Metropolitan Museum of Art |
Geschichte Nigerias vor Ankunft der EuropäerDas heutige Nigeria ist - wie die meisten afrikanischen Staaten - ein Kolonialprodukt. Archäologische
Funde aus der Mittleren Steinzeit belegen, dass vor der Ankunft der Europäer im Gebiet des heutigen Nigeria
die ältesten und am weitesten entwickelten Kulturen Westafrikas beheimatet waren.
Besiedlung Südnigerias durch die EuropäerEnde des 15. Jahrhunderts entdeckten die Portugiesen das Königreich Benin und entwickelten einen regen Handel mit der einheimischen Bevölkerung. Im 17. und 18. Jahrhundert blühte im Nigerdelta das Geschäft mit den Sklaven. Unter portugiesischer Herrschaft galten Warri, Bonny und Calabar im Niger-Gebiet sowie Lagos als wichtige Sklavenhäfen. Nigeria unter britischer HerrschaftEnde des 19. Jahrhunderts festigten die Briten nach mehreren kriegerischen Operationen ihren Einfluss in den
Küstengebieten Südnigerias. Der Anfang wurde 1851 mit der Eroberung Lagos` von der portugiesischen
Herrschaft gemacht. 1861 wurde Lagos britisches Protektorat. 1885 erfolgte auf der Berliner Kongo-Konferenz die
Anerkennung des Niger-Gebiets als britische Einflüsssphäre. Mit der Eroberung des Königreichs
von Benin um 1897 beendeten die Briten ihre Besitzergreifung des gesamten südlichen Teils von Nigeria. |
![]() Dr. Nnamdi Azikiwe © nigerianmuse.com ![]() Chief Obafemi Awolowo © nigerianmuse.com ![]() Alhaji Ahmadu Bello © nigerianmuse.com |
Weg zur UnabhängigkeitDie Zeit bis zur Unabhängigkeit am 1.10.1960 wurde von drei
großen nigerianischen Politikern,
Dr. Nnamdi Azikiwe, Chief Obafemi Awolowo und Alhaji Ahmadu Bello, die als wichtige Figuren der Unabhängigkeitsbewegung
galten, geprägt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Forderungen der einheimischen Bevölkerung
nach einer Beteiligung an der Verwaltung der Kolonialregierung laut. UnabhängigkeitNach seiner Unabhängigkeit im Oktober 1960 wurde Nigeria 1963 eine föderative Republik. Die erlangte Unabhängigkeit führte nicht zur inneren Einheit unter den Volksgruppen. Im Gegenteil: Aufgrund regionaler Spannungen, die durch ethnische Differenzen hervorgerufen wurden, übernahm 1966 das Militär die Macht. Versuche, die Spannungen zu beseitigen, schlugen fehl, und von 1967 bis 1970 herrschte in Nigeria Bürgerkrieg (Biafra-Krieg, bekannt in Nigeria als "Civil War"). Von 1966 bis 1999 regierten in Nigeria sechs Militär- und nur drei demokratisch gewählte Regierungen (die sog. Erste, Zweite und Dritte Republik). Demokratisierung seit 1999Nach 29 Jahren Militärherrschaft (1966 - 1979 und 1984 - 1999) kehrte Nigeria zur Demokratie zurück. Bei den demokratischen Wahlen im Februar 1999 wurde Olusegun Obasanjo zum Präsidenten gewählt. Mit Obasanjos Amtseinführung im Mai 1999 wurde eine neue Demokratie, die sog. Vierte Republik, aus der Taufe gehoben. Bei der Präsidentschaftswahl vom 19. April 2003 wurde Obasanjo für eine zweite Amtszeit gewählt. Mit den Präsidentschaftswahlen im April 2007 endeten die acht Jahre Amtszeit von Präsident Obasanjo, der nach der Verfassung nicht mehr antreten durfte. Einen kurzen chronologischen Abriss der jüngeren Geschichte Nigerias hat das Auswärtige Amt zusammengestellt. |
Staat |
Staatsform, Verfassung und GewaltenteilungGemäß der Verfassung vom Mai 1999 ist Nigeria ein föderaler Staat. Er hat ein Präsidiales Regierungssystem nach dem Vorbild der USA mit einem Präsidenten, der als Chef der Exekutive die Funktion des Staatsoberhauptes, Regierungschefs und Oberbefehlshabers der Streitkräfte wahrnimmt. Dazu kommt eine zweigeteilte Nationalversammlung "National Assembly", bestehend aus Senat "Senate" und Repräsentantenhaus "House of Representatives", die als gesetzgebende Institutionen fungieren. Der Präsident wird für vier Jahre direkt vom Volk gewählt und maximal für zwei Amtszeiten. Formaler StaatsaufbauNigeria ist in 36 Bundesstaaten mit 774 kommunalen Verwaltungseinheiten "Local Government Areas (LGAs)" und dem Bundesterritorium Abuja - "Federal Capital Territory (FCT)" - gegliedert. Jeder der 36 Bundesstaaten verfügt über eine Regierung unter der Leitung eines Gouverneurs "State Governor" und über ein Landesparlament "State House of Assembly". Recht, Ordnung und staatliche SicherheitNach der Verfassung ist die
Justiz
in Nigeria unabhängig. Neben dem nationalen Recht "State Law", das im
Wesentlichen vom britischen Recht geprägt ist, galt bereits seit 1999 in insgesamt zwölf Bundesstaaten
Nordnigerias das islamische Recht -
"die Scharia".
Die höchste Instanz der nationalen Rechtsprechung
"Judicature"
ist der Oberste Gerichtshof "Supreme Court", gefolgt von dem Bundesberufungsgericht "Federal Court of Appeal" und
dem Bundesgerichtshof "Federal High Court". In den ländlichen Regionen ist die Anwendung des dritten Rechtssystems,
der traditionellen Rechtsprechung "Customary Law", von zentraler Bedeutung. Die Todesstrafe wird in Nigeria nach wie vor
verhängt. Die Sicherheitslage in Nigeria ist sehr angespannt. Sie ist vor allem in der Ölförderregion im Nigerdelta prekär. Militante Gruppen, die für eine Beteiligung an den hohen Einnahmen aus dem Ölgeschäft kämpfen, geben sich nicht nur mit Erpressungen, Entführungen und Geiselnahmen ausländischer Ölmitarbeiter zufrieden, sondern bekämpfen sich ständig gegenseitig. Die nigerianischen Sicherheitskräfte antworten oft mit Gewalt. Dass Folterungen von Verdächtigen durch die Polizei zur Routine gehören, zeigt, wie eingeschränkt die staatliche Sicherheit im Land ist. |
Innenpolitische Themen![]() President Umaru Musa Yar`Adua © BBC NEWS, 2007 ![]() Vizepresident Goodluck Jonathan © biafranigeriaworld.com ![]() Umaru Yar`Adua, Atiku Abubaka, Muhamadu Buhari © BBC NEWS, 2007 |
Machthaber und MachtgruppenSeit den Wahlen (Präsident, Gouverneure, Parlamente) im April 2007 sind fünf Parteien - "Peoples
Democratic Party (PDP)", "All Nigeria Peoples Party (ANPP)", "Action Congress (AC)", "Peoples Party Alliance (PPA)",
"Labour Party (LP)" - im nigerianischen Bundesparlament vertreten. Die Mehrheitsfraktion stellt die Peoples Democratic
Party, die Partei des Präsidenten. WahlenBei den Präsidentschaftswahlen im April 2007 ging Umaru Musa Yar`Adua mit 70% der abgegebenen Stimmen, nach der Entscheidung der Unabhängigen
Nigerianischen Wahlkommission
"Independent National Electoral Commission (INEC)", als Sieger hervor.
Damit löste er den bisherigen Amtsinhaber Olusegun Obasanjo ab, der laut Verfassung nach der zweiten Amtszeit
nicht mehr antreten durfte. Der gewählte Vizepräsident ist
Goodluck Ebele Jonathan,
ehemaliger Vizegouverneur des Bundesstaats Bayelsa. Wichtige politische EntscheidungenDer neue Präsident verspricht, die politischen und wirtschaftlichen Reformen seines Vorgängers fortzusetzen. Darüber hinaus will er die Unruhen im Nigerdelta durch verstärkte Kriminalitätsbekämpfung eindämmen. Als Prioritäten seiner Reformpolitik nennt Präsident Yar `Adua in seiner Sieben-Punkte-Agenda "Seven-Point Agenda" Energieversorgung, Ernährungssicherung und Landwirtschaft, Beschäftigungsförderung, Förderung des Transportwesens, Durchführung einer Bodenreform, die Sicherheitslage im Land und die Förderung des Bildungssektors. Politische Auseinandersetzungen und MachtkämpfeSo stark Nigeria nach außen erscheinen mag, so fragil und chaotisch ist es im Innern. Durch die
Kolonialmacht Großbritannien willkürlich zusammengefügt, wird dieser seit 1960
unabhängige Staat von heftigen ethnischen, religiösen, regionalen, sozialen und politischen
Auseinandersetzungen geplagt. Über 400 Ethnien konkurrieren um die politische Macht und damit
um die Kontrolle über die Erdöleinnahmen. Presse und andere MedienDie Medienlandschaft in Nigeria ist vielfältig und umfasst zahlreiche staatliche und private Anbieter in Presse, Hörfunk und Fernsehen. Seit dem Amtsantritt der Zivilregierung im Mai 1999 hat sich die Pressefreiheit in Nigeria erheblich verbessert, weil die Regierung sich im Einklang mit der Verfassung zur Garantie der Presse- und Meinungsfreiheit bekennt. In den Global Press Freedom Rankings 2006 ist Nigeria unter 194 Staaten auf Platz 114 als teilweise frei eingestuft. Einen Überblick über einige Printmedien in Nigeria liefert die Universität Stanford in einer Zusammenstellung. MenschenrechteDie Menschenrechtssituation in Nigeria hat sich seit 1999 verbessert - Freilassung
politischer Gefangener, Presse- und Meinungsfreiheit, keine Vollstreckung der Todesstrafe.
Trotzdem bleiben viele Menschenrechtsfragen wie die Praxis des Scharia-Rechts (Tod durch
Steinigung), Entführungen und Geiselnahmen im Nigerdelta,
Verletzungen durch Angehörige der
Sicherheitskräfte,
Verhaftungen von Angehörigen militanter ethnischer Organisationen und vor allem das Problem des
Frauen- und Kinderhandels
"Women and
Child Trafficking" trotz eingeleiter
Maßnahme
der Regierung ungelöst. |
Außenpolitische Themen |
Nigeria im regionalen und internationalen KontextAls das weitaus bevölkerungsreichste Land Afrikas und Dank seines großen wirtschaftlichen Potenzials ist
Nigeria einer der "main players" im politischen Geschehen Afrikas. Nigeria ist die regionale Macht in Westafrika
und strebt einen Sitz im UN-Sicherheitsrat an, in dem Afrika bisher nicht vertreten ist. |
|
|
|
zurück zur vorherigen Seite
|
weiter zur nächsten Seite

| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |