| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |
Niger
|
|||||
Wirtschaft
|
Wirtschaftssystem und seine SektorenDas Einkommen der Landbevölkerung hängt wesentlich von den klimatischen Bedingungen (Regen) ab, die ausschlaggebend für die zu erwartenden Ernten, aber auch die Qualität der Viehzucht sind. Nach einem sehr guten Erntejahr 2003 fiel die Ernte 2004 wegen geringem Niederschlag und Heuschreckenbefall deutlich hinter die Vorjahre zurück, so dass in einigen Regionen die Gefahr einer Notlage bestand. Die Regenzeit und die Ernte im Jahr 2008 ist vielversprechender. Die Informationsseite des Wirtschaftsdienstes der französischen Botschaft bietet einen guten Überblick über die sektorielle Entwicklung. Über 85% der Bevölkerung lebt im ländlichen Raum und die landwirtschaftliche Produktion trägt ca. 40% zum Bruttosozialprodukt bei. In den südlichen Landesteilen wird vor allem Regenfeldbau betrieben (Hirse, Sorghum, Mais) und der Anbau von Cash-Crops wie Erdnuss und Baumwolle.Nördlich der agronomischen Trockengrenze herrscht extensive Rinderzucht vor. Der Export von Lebendvieh in die Nachbarländer (Nigeria, Libyen, Algerien) ist für die Bevölkerung die wichtigste Form des Exports. Der informelle Sektor macht etwa zwei Drittel der wirtschaftlichen Aktivitäten aus. Ein industrieller Sektor ist kaum vorhanden bis auf den Abbau von Uranerz im Norden des Landes (Arlit). Niger ist drittgrößter Produzent von Uran. Das Uranerz wird im Tagebau unter Federführung von internationalen Konsortien gewonnen und für den Export angereichert. Aufgrund der Initiative mehrerer nigrischer Nicht-Regierungsorganisationen untersucht derzeit die Kommission "Commission nationale des droits de l'homme du Niger" (CNDH) mit den Auswirkungen und Folgen des Abbaus von Uran im Norden des Landes. 700.000 Menschen sind von den bedenklichen Abbaukonditionen der stark kritisierten Uranbergbaustelle in Arlit betroffen. In den letzten Jahren wurden einige Staatsbetriebe privatisiert; als wichtigste Privatisierung ist die der Wasserversorgungsgesellschaft zu nennen. Die Elektrizitäts- und Telekommunikationsgesellschaft sollen in naher Zukunft ebenfalls privatisiert werden. Schon jetzt gibt es in den meisten großen Städten private Anbieter von Mobiltelefondiensten. Der Tourismus stellt für die lokale Bevölkerung eine der wichtigsten Einnahmequellen dar und hat trotz der Wiedereröffnung der Landepiste in Agadez 2004 immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen. Über die Vertretbarkeit von Ethnotourismusam Beispiel der Tuareg im Air-Gebirge wird deutlich gemacht, inwieweit der Tourismus als potentieller Wirtschaftssektor gesehen werden kann. Gegenwärtig ist die Tourismusbranche durch die wieder aufflammende Tuaregkrise bedroht. Alle Charterflüge nach Agadez wurden für die Saison 2007/2008 annuliert.
- Agadez, Mai 2003, WirtschaftsindikatorenNiger steht gemäß des Human Development Index seit dem 7.9.2005 auf Rang 177 und gehört mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 200 US-Dollar zu den ärmsten Ländern der Welt (LLDC). Ein positives Element ist die durch die Zugehörigkeit zur CFA-Franc-Zone garantierte relative Preisstabilität. Aber eben aufgrund dieser Zugehörigkeit kann der Niger keine eigenständige Inflations- und Wechselkurspolitik betreiben. Insgesamt ist Niger weiterhin noch weit von einer Transformation zu einer sozialen Marktwirtschaft entfernt. Das Jahr 2005 war mit der großen Hungersnot ein besonders drastisches Jahr für die nigrische Bevölkerung. Der Niger weist eine weitgehend agrarisch geprägte Wirtschaftsstruktur auf. Der Großteil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft und der Viehzucht. Die Wirtschaftslage des Niger bleibt schwierig. Das Wirtschaftswachstum wird im Jahr 2006 auf 3,5% geschätzt, hält aber einem Bevölkerungsanstieg von 3,3% noch nicht genug entgegen, um als Wachstum erkennbar zu sein. Die nigrische Wirtschaft leidet darunter, ein Binnenland zu sein (der nächste Hafen, Cotonou, ist 700 Km entfernt). Wenig Bodenschätze, der Verfall des Uranpreises, Streik und die politische Instabilität verschlechtern die Wirtschaftslage. Ca. 35% der nigrischen Bevölkerung leben vom Schwarzhandel mit Nigeria (Benzin, Hirse). Der industrielle Wirtschaftsektor trägt mit knapp 20% zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.WirtschaftspolitikDie Abhängigkeit Nigers von ausländischen und externen Finanzierungen ist nach wie vor groß. Insgesamt ist Niger jedoch weit von der Transformation zu einer sozialen Marktwirtschaft entfernt. 2001 wurde Niger in die HIPC-Schuldeninitiative (zur Entschuldung der hochverschuldeten Entwicklungsländer) aufgenommen; die durch entfallende Schuldenrückzahlungen entstehenden Rücklagen werden in ein Spezialprogramm des Präsidenten zur Verbesserung der Bildungs-, Gesundheits- und ländlichen Wasserversorgung investiert. Bei dem G8-Treffen der sieben führenden Finanzminister und Russland im Jahr 2005 einigten sich die Finanzminister darauf, 18 Ländern, darunter auch Niger, die Schulden der Weltbank, dem Internationalen Währungsfond und der Afrikanischen Entwicklungsbank in einer Höhe von insgesamt 40 Milliarden Dollar zu erlassen. Der Schuldenerlass wird allgemein begrüßt, dennoch warnen Politologen davor, sich mit diesem Schritt aus der "Armutsfalle" zu schnell zufrieden zu geben, und den Stellenwert der politischen "good Governance" zu vernachlässigen. Niger zählt sicherlich aufgrund verschiedener Faktoren zu den Ländern in Afrika mit schwierigen Voraussetzungen für gesellschaftliche Partizipation. Präsident Tandja hat seit 2003 den Vorsitz der Konferenz der Staats- und Regierungschefs der UEMOA, seit Januar 2005 zusätzlich die Präsidentschaft der ECOWAS inne. Die nigrischen Aktivitäten im Rahmen beider Regionalorganisationen konnten das außenpolitische Profil des Niger verbessern.
Niger ist Mitglied der westafrikanischen FCFA-Zone. Vor der Einführung des Euro war der FCFA durch einen festen Umtauschkurs von 1:100 an den französischen Franc gebunden. Diese Bindung ist bei Einführung des EURO beibehalten und entsprechend dem für den FF geltenden Umtauschkurs von 1:6,559 angepasst worden. Damit beträgt der Umtauschkurs 1 Euro = 655,9 FCFA. Produkte und ProduktionsweisenNur 15% ca. der landwirtschaftlichen Fläche können genutzt werden. Für den Eigenbedarf wird Baumwolle, Sesam, Hirse, Zwiebeln, Maniok und in Flussnähe auch Reis angebaut. In den Oasengärten des Air-Gebirges auch Datteln, Zitrusfrüchte und Gemüse. Bergbau liefert Uran, Braunkohle, Eisenerz und Salz. Der industrielle Sektor trug 2003 mit nur ca. 18,7% (1999: 17%) zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. In diesem Bereich wie auch im Dienstleistungssektor hat die Regierung die im Rahmen der strukturellen Anpassungsbemühungen begonnene Privatisierung, die allerdings nicht in allen Fällen reibungslos verlief, fortgesetzt. Mit dem Verfall des Uran-Preises auf dem Weltmarkt, ist die Handelsbilanz Nigers nun negativ und die Staatsverschuldung in die Höhe geschlagen. Niger ist an dritter Stelle der Uran-Exporteure. Der französische Uranbergbaukonzern AREVA musste sich den Forderungen Nigers beugen. Der Ankaufspreis von Uran wurde rückwirkend für dieses Jahr um knapp um die Hälfte (ca. 60 Euro pro Kilo) angehoben. Dem Niger gehören 9% des Weltmarktanteils. Seit mehreren Jahren steht Niger auch wegen seiner Erdölresssourcen im Zentrum des internationalen Interesses. Besonders China baut seine Beziehungen mit der nigrischen Regierung aus. Die chinesische Firma CNBC plant zur Zeit ebenfalls den Einstieg in die nigrische Uranmine. Desweiteren plant man im Rahmen des wirtschaftlichen Entwicklungsprogrammes der Afrikanischen Union NEPAD eine Gaspipeline von Nigeria durch Niger nach Algerien, um Gas nach Europa zu transportieren. Am 27.10.2008 beginnen offiziell die Arbeiten einer Erdöl-Pipeline im Osten des Landes. Es handelt sich um ein Abkommen zwischen der nigrischen Regierung und CNODC (China National Oil and Gas Développement and Exploration Corporation). Die bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen haben sich in den 1990 Jahren intensiviert. Kritische Stimmen sprechen von einer "Verfolgung des ökonomischen Neokolonialismus in Afrika". Als großes Entwicklungsland mit einer riesigen Bevölkerung und einem Mangel an Erdöl, ist China auf den Import von Erdöl angewiesen, um die wachsende inländische Nachfrage zu befriedigen. Im Vergleich zu vielen anderen westafrikanischen Ländern steht der Niger für eine extensive, mobile Viehhaltung, die - trotz des Kommunaisierungsprozesses - grenzüberschreitend aufrecht erhalten wird. Diese ist jedoch stark bedroht, da der Uranabbau verherrende Konsequenzen in der Pastoralzone mit sich bringt. |
||||
|
|
|||||
HandelDie Handelsbilanz ist negativ und die Staatsverschuldung um ein Vielfaches höher als der jährliche Staatshaushalt. Die wichtigsten Handelspartner sind Frankreich, die Elfenbeinküste, Nigeria und China. Der Warenverkehr zwischen Deutschland und dem Niger wies 2004 ein Volumen von 1,8 Mio. EUR für deutsche Einfuhren aus dem Niger und von 34,1 Mio. EUR für deutsche Ausfuhren in den Niger auf. Wichtigste Einfuhrprodukte waren dabei für Deutschland Mineralölerzeugnisse, wichtigste Ausfuhrprodukte Fahrzeuge (85,7%), mit großem Abstand gefolgt von Maschinen und Produkten der Ernährungswirtschaft. |
|||||
Entwicklung und Entwicklungs- politik |
Millenium Development GoalsDer Niger ist einer der am wenigsten entwickelten
Staaten. Das
Land ist von externen Hilfsleistungen abhängig. Im September
2000 haben 189 Staaten, darunter auch Niger, die Milleniumsziele
unterschrieben, die sie bis zum Jahr 2015 umsetzen wollen. Niger hat
die
Umsetzung des PRSP
(Armutsbekämpfungs- Inländische AnstrengungenIm Niger wurden verschiedene Programme verabschiedet, die sich der Bekämpfung der Armut widmen wie bspw. das Strategiepapier zur Ländlichen Entwicklung. Darin hat sich die Regierung auf 4 Achsen festgelegt (nachhaltiges, wirtschaftliches Wachstum; Entwicklung der produktiven Sektoren; gesichterter Zugang der Armen zu sozialen Basisdienstleistungen; Good Governance). Der Dezentralisierungsprozess ist für die Umsetzung dieser Strategie von hoher Bedeutung. Der Verein Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.v. (VENRO) bewertet in seinem Monitoringprofil das Engagement der nigrischen Regierung durchaus als positiv. Gleichzeitig sollten aber zivilgesellschaftliche Kräfte unbedingt stärker beteilligt werden. Im Niger gibt es zahlreiche Forschungsinstitutionen, die sich mit spezifischen Fragen zur Umwelt, Gesellschaft, Entwicklung beschäftigen. viele Wege führen zum Ziel © Bettina Haasen Auch einige der nigrischen Nicht-Regierungsorganisationen wie PADL oder RENSE haben sich die Armutsbekämpfung zum Ziel gemacht. In Niger wird häufig folgendes Djerma-Sprichwort zitiert: "Boro si koira bare no ga boro bare" - On ne change pas tout un pays, c’est lui qui vous change". |
||||
zurück
zur vorherigen Seite
| weiter zur nächsten Seite

| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |