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Wirtschaft und EntwicklungNEPAL
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Wirtschaftliche Grundinformationen: Nepal ist ein Binnenstaat ohne eigene Bodenschätze. Die wirtschaftliche Lage ist schwierig und wurde durch die Fortdauer des maoistischen Aufstands und zuletzt auch noch durch den Putsch König Gyanendras weiter verschlimmert. Rund 90% der Bevölkerung leben von Subsistenz-Landwirtschaft. Industrie gibt es nur im Kathmandutal und im Flachlandgürtel (Tarai) entlang der indischen Grenze. Einen ersten Einblick in die Wirtschaftslage Nepals vermittelt das Munzinger-Archiv. Einen Überblick über den wirtschafts- und sozialpolitischen Entwicklungsstand vermittelt auch das vom Autor dieser Internetseite erstellte Ländergutachten zum Bertelsmann Transformation Index 2003. Angesichts der sich seit Jahren zuspitzenden Staatskrise sind zuverlässige aktuelle Daten zur nepalischen Wirtschaft Mangelware. Ständig wechselne Regierungen und die eigenwilligen und destruktiven Machenschaften der Monarchie erschweren eine konstruktive längerfristige Wirtschaftsplanung. Staatliche Wirtschaftspolitik: Die längerfristige Wirtschafts- und Entwicklungsplanung wird in Fünfjahresplänen festgelegt. Sorgen bereitet ferner die zunehmend ausufernde Staatsverschuldung. Angesichts der Bekämpfung des maoistischen Aufstands und des politischen Chaos sind die Ausgaben für Entwicklungsmaßnahmen seit Jahren prozentual immer weiter zurückgegangen. Die inzwischen abgesetzte königliche Regierung hatte einen Dreijahresplan ins Auge gefaßt. Die derzeitige Übergangsregierung hat erst gerade mit einer Evaluierung der Lage begonnen. Einen ersten Einblick in dringend erforderliche Maßnahmen vermittelt ein Grundlagenartikel von Surendra Devkota. Der Mitte Juli 2006 vom Finanzminister präsentierte Haushaltsplan hat die Etats für die Monarchie und die Armee drastisch zusammengestrichen und 45 Prozent der geplanten Ausgaben für Entwicklungsmaßnahmen reserviert, was aber bei weitem nicht ausreichen dürfte. Zugang zu weiteren Beiträgen zur Wirtschaftspolitik eröffnet die entsprechende Internetseite von Nepal Research. Steuern: Neben einer völligen Reform der Einkommensteuer hat die Regierung 1998 trotz heftigen Widerstandes aus Kreisen der Unternehmer eine Mehrwertsteuer eingeführt (siehe auch kritischen Beitrag). In jüngster Zeit erhofft man sich ein verbessertes Steueraufkommen mittels eines freiwilligen Erklärungssystems. Nepal Research bietet eine reichhaltige Auswahl weiterer Pressebeiträge zum Steuerwesen. Privatisierung: Seit Anfang der 1990er Jahre hat die nepalische Regierung eine umfangreiche Privatisierung der staatlichen Unternehmen in Angriff genommen. Hierzu hat sie sogar eine besondere Internetseite eingerichtet. Der Verlauf der Privatisierung erfolgt jedoch recht langsam. Landwirtschaft: Die Landwirtschaft stellt nach wie vor das Hauptbetätigungsfeld der Bevölkerung dar. Traditionell vorherrschend ist Regenfeldbau. Bewässerungsfeldbau findet vor allem im Tarai und in den Flußniederungen Verwendung. Bei zunehmendem Bevölkerungsdruck sieht die Bevölkerung immer größere Probleme, auf der Basis der Landwirtschaft zu überleben. Eine besondere Bedeutung bei der landwirtschaftlichen Entwicklungsplanung kommt der stärkeren Einbeziehung der Frauen zu, da diese die herausragende Rolle in der landwirtschaftlichen Produktion spielen. Links zu weiteren Berichten und Analysen zum Bereich Landwirtschaft finden Sie über eine entsprechende Unterseite von Nepal Research. Forstwirtschaft: Angesichts des wachsenden Bevölkerungsdrucks und der immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen bemüht man sich, den Wert der Wälder verständlich zu machen. Hoffnungen setzt man in jüngster Zeit insbesondere auf Erfolge im Bereich von Community Forestry. Bei Forstprodukten denkt man als erstes an Holz. Über die zahlreichen Forstprodukte, die Nepals Wälder neben dem Holz zu bieten haben, informiert die Biodiversity Unit der nepalischen Regierung. Die sogenannte Agroforestry beschäftigt sich mit dem Anbau von Nutzbäumen auf Farmland. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Nutzung traditioneller indigener Kenntnisse. Links zu weiteren Berichten und Analysen zum Bereich Forstwirtschaft finden Sie über eine entsprechende Unterseite von Nepal Research. Nahrungslage: Nepal sieht sich einem ständig wachsenden Problem der Nahrungsmittelknappheit ausgesetzt. Dies gilt sicherlich nicht für das Kathmandutal, wohl aber für die zahlreichen entlegenen Distrikte des Landes, vor allem in Westnepal, wo es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Hungersnöten gekommen ist und der maoistische Konflikt das Problem noch verschärft. Ein Beispiel war die Nahrungsmittelkrise in Humla im Jahre 1998. Auch im Jahre 2004 ist das Problem wieder besonders deutlich zu Tage getreten, noch verstärkt durch den maoistischen Konflikt. Im laufenden Jahr 2006 haben die westlichen Distrikte Nepals einmal mehr besonders stark unter den Folgen einer großen Dürre zu leiden und sind auf Lebensmittellieferungen angewiesen. Siehe auch die diesbezügliche Linksammlung von Nepal Research. Armut: Nepal ist eines der ärmsten Länder der Erde. 50-60% der Bevölkerung werden als absolut arm eingestuft. Abgesehen von einigen wenigen tausend Familien leben die meisten anderen nur unwesentlich oberhalb der absoluten Armutsgrenze. Eine Übersicht über Prozesse und Handelnde bei der Armutsbekämpfung vermittelt ein Beitrag von Jagat Basnet. Das Armutsproblem gilt auch immer stärker für die städtischen Bereiche. Weitere Links finden Sie über eine Unterseite von Nepal Research. Handel: Informationen über die staatliche Handelspolitik sind über die Internetseite des Trade Promotion Centre erhältlich. Eine besondere Bedeutung kommt dem Handel mit Indien zu. Der Handel mit dem chinesisch besetzten Tibet spielt nur eine untergeordnete Rolle. Seit 1990 hat sich das Investitionsklima stark verbessert. Kleinkrediten kommt dabei eine besondere Rolle zu. Auch in diesem Bereich wird eine stärkere Beteiligung der Frauen angestrebt. Leider hat auch hier die politische Krise der letzten Jahre einen großen Rückschlag bedeutet. Allein während des letzten Jahres der absoluten königlichen Herrschaft ist das Handelsdefizit Nepals um 25 Prozent gestiegen. Ende Mai 2006, also kurz nach der Entmachtung des Königs, hat die GTZ einen Investitionsführer vorgestellt, um den Prozeß wieder zu beleben. Im September 2003 wurde Nepal Mitglied der Welthandelsorganisation. Dies bedeutet eine große Herausforderung für Nepal; Experten warnen vor negativen Auswirkungen. Weitere Links zum Thema Handel finden Sie über eine Unterseite von Nepal Research. Arbeit und Beschäftigung: Die festgesetzten Mindestlöhne reichen kaum zum Überleben. Konfliktpotential liefert der Tatbestand, daß gleichzeitig viele ausländische Arbeitskräfte in Nepal arbeiten, insbesondere solche aus Indien. Der Mangel an Arbeitsplätzen in Nepal treibt immer mehr Nepali zur Annahme von Auslandsjobs. Verstärkt wird dieser Prozeß durch die zunehmenden Sicherheitsprobleme im eigenen Land angesichts des maoistischen Konflikts. Neben Indien und einigen Ländern Ost- und Südostasiens lockt seit einigen Jahren die Golfregion trotz der dortigen politischen Unsicherheit. 2004 hat die Ermordung von 12 nepalischen Gastarbeitern [der Link führt zu einer umfangreichen Artikelsammlung zu dieser Problematik und den Folgewirkungen] im Irak durch militante Islamisten in Nepal eine Schockwelle ausgelöst. Dennoch hält der Trend unvermindert an. Im Juli-August 2006 ist die Zahl der Arbeitsmigranten erneut um 25 Prozent gestiegen. Die Regierung bemüht sich um eine Regelung dieses für Nepal so wichtigen Wirtschaftszweigs durch bilaterale Verträge mit den Hauptzielländern. Gewerkschaften: Die nepalischen Gewerkschaften sind in Verbänden organisiert, die sich an diversen politischen Parteien orientieren. Die bedeutendsten sind die General Federation of Nepalese Trade Unions (GEFONT, ca. 210.000 Mitglieder), welche der CPN-UML nahesteht, der Nepal Trade Union Congress (NTUC, ca. 160.000 Mitglieder), der am Nepali Congress orientierte Gewerkschaftsverband, sowie die Democratic Confederation of Nepalese Trade Unions (DECONT). Die starke Zersplitterung der Gewerkschaftsbewegung behindert ihre Effizienz. Weitere Links zum Thema Gewerkschaften finden Sie über eine Unterseite von Nepal Research. Weltbank in Nepal: Die eigene Internetseite des Weltbankbüros in Nepal mit zahlreichen Dokumenten ist jetzt in überarbeiteter Form wieder zugänglich. Die Weltbank hat im Februar 2006 zwei Dokumente zur wirtschaftlichen Lage Nepals veröffentlicht, welche die aktuelle Lage und die Kooperation der Weltbank mit Nepal umfassend analysieren: Nepal: Selected Issues and Statistical Appendix und Staff Report for the 2005 Article IV Consultation. Energieerzeugung: Nepal verfügt über ein reichhaltiges Wasserkraftpotentials. Großprojekte, die neben der Eigenversorgung dank der Exportmöglichkeit nach Indien auch eine Devisenquelle darstellen würden, sind zunehmend in Kritik geraten. Inzwischen setzt man jedoch verstärkt auf Kleinwasserkraftwerke, die auch für ländliche Transportwege genutzt werden können. Für den Privatsektor eröffnen sich dabei neue Möglichkeiten. Doch der Einsatz erneuerbarer Energietechnologien sucht auch noch andere Wege, wie z.B. die Nutzung von Biogas oder Solarenergie. Nutznießer solcher Projekte sind nicht nur ausgewiesene ländliche Touristengebiete mit ihrem besonders hohen Energiebedarf, sondern auch städtische Ballungszentren, wo durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen der Abgasausstoß wesentlich reduziert werden kann. Ohne eine Beilegung der politische Krise des Landes, bleibt das Energiepotential des Landes jedoch auf längere Sicht ungenutzt. Hatte Nepal nach der Demokratisierung zu Beginn der 1990er Jahre erstmals ausreichend Energie produziert, um zumindest den Eigenbedarf in den städtischen Gebieten weitgehend zu decken, so driftete das Land nach der königlichen Machtübernahme unaufhaltsam wieder in Verhältnisse, die es seit dem Ende des königlichen Panchayat-Systems nicht mehr gekannt hatte. Äußeres Symbol sind regelmäßige systematische Stromabschaltungen. Weitere Links zum Thema Energie finden Sie über eine Unterseite von Nepal Research. Tourismus: Der Tourismus ist der bedeutendste Wirtschaftszweig Nepals. Um seine Entwicklung voranzutreiben, hatte die nepalische Regierung 1998 zum Visit Nepal Year erklärt, allerdings mit mäßigem Erfolg. Im Vordergrund stand dabei in Nepal neben dem Kathmandutal mit seiner faszinierenden kulturellen Fülle der Hochgebirgstourismus mit Treckingangebot und Bergsteigerei, die alljährlich im Frühjahr die Aufmerksamkeit der Weltzöffentlichkeit auf sich zieht. Das Annapurna Area Conservation Project (ACAP) ist ein Beispiel für praktizierten Ökotourismus. Ein schlechtes Management, Probleme mit der staatlichen Fluggesellschaft RNAC (Royal Nepal Airlines Corporation, jetzt nur noch NAC), der maoistische Konflikt, das Massaker im Königspalast und die Anschläge auf das World Trade Center in New York und seine Folgen haben der nepalischen Tourismusindustrie stark zugesetzt. Der erneute Zusammenbruch des Friedensprozesses Ende 2003 gerade zu Beginn der Hauptreisesaison hat Nepals besonders hart getroffen. Trotz der weiterhin widrigen Umstände zeichnete sich in der ersten Jahreshälfte 2004 eine Verbesserung ab, doch waren nachfolgende Zahlen wieder ernüchternd. Der viermonatige einseitige Waffenstillstand seitens der Maoisten hatte in der Hauptreisesaison September-Dezember 2005 zu einer seit Jahren nicht mehr gekannten Wiederbelebung des Tourismus beigetragen. Seit der König und seine Armee die Maoisten jedoch Anfang Januar 2006 zur Wiederaufnahme ihrer militanten Aktionen nötigten, gehörte auch diese kurze Episode wieder der Vergangenheit an. Selbst im ersten Monat nach der Entmachtung des Königs, der gleichzeitig auch einen Waffenstillstand brachte, waren die Touristenzahlen weitere rückläufig. In der Hauptreisezeit ab Oktober 2006 bahnt sich erstmals wieder eine sehr positive Entwicklung an. Die gängigsten Fluglinien sind bis Ende des Jahres ausgebucht. Artikel zum Thema Tourismus haben seit 1998 in der nepalischen Internetpresse deutlich zugenommen. Zugang zu einer reichhaltigen Auswahl dieser Artikel bietet die Internetseite von Nepal Research. Teppichindustrie: Die Teppichindustrie ist nach dem Tourismus zum zweitbedeutendsten Industriezweig aufgestiegen. Kinderarbeit, Qualitätsrückgang und Überproduktion haben in den letzten Jahren jedoch auch diesen Industriezweig in eine Krise geführt; allerdings gibt es auch Hoffnungsschimmer. Die sich verschärfende politische Krise hinterläßt jedoch auch beim Teppichexport ihre Spuren. Lesen Sie hierzu auch aktuelle Artikel. Umweltprobleme: Die Umweltprobleme des Landes sind gravierend. Der Rückgang natürlicher Ressourcen und seine Folgewirkungen sowie Luft- und Wasserverschmutzung stehen dabei im Vordergrund. In den letzten Jahren hat man sich verstärkt dem Risikomanagement zugewandt. Zum Thema Umwelt und Natur finden Sie weitere Links über Unterseiten von Nepal Research. Infrastruktur: Die Infrastruktur läßt selbst in den städtischen Zentren sehr zu Wünschen übrig. In den ländlichen Regionen ist die Elekrifizierung unbedeutend und die Versorgung mit sauberem Trinkwasser nur sehr eingeschränkt realisiert und hat unter dem maoistischen Konflikt weiter gelitten. Im Telekommunikationsbereich hat Nepal eine enorme Entwicklung durchlaufen, doch gilt auch dies in erster Linie für die städtischen Ballungszentren. Mobiltelefone wurden 1999 erstmals eingeführt; ihre Verbreitung hat stark zugenommen, vor allem nach der Privatisierung der Nepal Telecom, doch drohen die technischen Einrichtungen überfordert zu werden. Die Nutzung des Internets ist sehr teuer und auf die städtischen Regionen beschränkt. Die staatlichen Rundfunk und Fernsehsender haben seit einigen Jahren eine enorme Konkurrenz bekommen. Dies gilt nicht nur für das Kathmandutal sondern auch für eine immer größere Zahl ländlicher Regionen. Unterdessen wird die Trinkwasserversorgung in Kathmandu immer dramatischer. Die seit Jahren geplante Trinkwassertalsperre am Melamchi Khola kommt nicht von der Stelle (siehe Kommentar), auch wenn die derzeitige Übergangsregierung dies anders interpretiert. Überhaupt läßt die Städteplanung sehr zu wünschen übrig. Ein besonderes Problem der Städte stellt die Abfallbeseitigung dar. Zugang zu einer reichhaltigen Auswahl weiterer Artikel zum Thema Infrastruktur bietet ferner die Internetseite von Nepal Research. Entwicklungszusammenarbeit: Nepal ist seit 1952 Empfängerland auswärtiger Hilfe. Die Frage der Endogenisierung der Entwicklungspolitik und ihre Orientierung an Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bevölkerungsmehrheit wird in Nepal inzwischen ebenfalls verstärkt angesprochen. Wichtig sind dabei auch die Auswirkungen der Globalisierung auf das Land. Mary Des Chene setzt sich kritisch mit den Problemen von bikas (Entwicklung) und dem Umgang damit auseinander. Der Beitrag verdeutlicht die Differenz von Erwartungen und Realitäten und spricht auch die gesellschaftlichen Machtstrukturen an. Die Kritik an der bisherigen Entwicklungspolitik nimmt immer deutlichere Formen an. Bisweilen wird gar die völlige Einstellung westlicher Entwicklungshilfe gefordert. Unterdessen haben die Geberländer auf ihrer Tagung in Pokhara Anfang Februar 2002 das Regierungsprogramm der Armutsbekämpfung erneut mit hohen Zuwendungen bedacht. Gleichzeitig wurde aber auch deutliche Kritik an der starken Korruption und der chaotischen Politik geübt. Das Schlüsseldokument ist der Nepal Human Development Report 2004 (ca. 200 Seiten) sowie der Millennium Development Goals Progress Report 2005 (128 Seiten) des UNDP. Zugang zu zahlreichen weiteren weiteren Beiträgen eröffnet die Internetseite von Nepal Research. Landesaktivitäten einzelner Institutionen: Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen: |