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Mosambik
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

3.1
Wirtschaft

Wirtschaftssystem und Sektoren

Gemessen am jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 364 US-Dollar zählt Mosambik weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach dem Human Development Report nimmt es hier derzeit Rang 154 ein. Makro-ökonomisch gehört Mosambiks Wirtschaft zu einer der am schnellsten wachsenden in Afrika südlich der Sahara (jährlich etwa 8 Prozent). Durch die Reichhaltigkeit an Bodenschätzen besitzt es ein gutes Wirtschaftspotenzial.

Etwa 80% der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Marktprodukte sind Cashewnüsse, Zucker, Baumwolle, Sisal, Kopra und Tee sowie Garnelen und Langusten. Weil die Kleinbauern überwiegend Subsistenzwirtschaft betreiben, um ihren Bedarf an Grundnahrungsmitteln wie Maniok, Mais und Hirse abzudecken, trägt der Agrarsektor mit 13,1% weniger zum BSP bei als die Industrie (22,2%). Den größten Anteil am BSP hält immer noch der Dienstleistungssektor (55%). Der Industriesektor profitiert allerdings von nur wenigen Großprojekten vorwiegend im Süden des Landes. Das Wirtschaftswachstum geht also an dem größten Teil der Bevölkerung vorbei. Deshalb ist die Bekämpfung der Armut - über die Hälfte der Bevölkerung lebt in absoluter Armut - eine der großen Herausforderung für Regierung wie Geber, die immer noch einen großen Teil der Entwicklungsausgaben tragen.

Einen Überblick über die Wirtschaft verschafft der Länderbericht des Auswärtigen Amtes. Auf der Seite der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) lassen sich die aktuellen Wirtschaftstrends herunterladen. Neuste Wirtschaftsstatistiken liefert das Statistikamt Mosambiks.

Wirtschaftspolitik

© Santos Finiosse, AIM/issa

Von der Plan- zur Marktwirtschaft

Mosambik hat aus der Kolonialzeit eine Wirtschaftsstruktur ererbt, die das Land ökonomisch eng mit dem Südlichen Afrika verflochten hat. Bis zur Unabhängigkeit hatte es eine ausgeprägte Dienstleistungsfunktion gegenüber Südafrika: Die Einkünfte aus dem internationalen Transitverkehr über seine Häfen und Eisenbahnen sowie die Transferzahlungen der Wanderarbeiter, die in den Kohle- und Erzminen Südafrikas arbeiteten, waren zur tragenden Säule des Devisenaufkommens Mosambiks geworden.

Nach der Unabhängigkeit erlebte Mosambik eine Entwicklung von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft, der sich in drei Phasen vollzog:

  • Planwirtschaft: Mit der Verstaalichung der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, dem Aufbau einer Schwerindustrie und der Kollektivierung der Landwirtschaft in Staatsfarmen, Kooperativen und Gemeinschaftsdörfern wollte die Frelimo-Regierung die von den Portugiesen geerbte Unterentwicklung überwinden. Die ambitionierten Ziele eines 1981 verabschiedeten Zehnjahresplanes wurden nicht annähernd erreicht, weil Mosambik mit dem Antrag auf Mitgliedschaft im "Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe" (RGW) scheiterte, die Regierung die starke Verflechtung mit den Nachbarländern ignorierte und vor allem, weil die Renamo mit Hilfe Südafrikas die wirtschaftliche Infrastruktur zerstörte. Die Dominanz des Staates, Überzentralisierung und ausufernder Bürokratismus führten zur krassen Ressourcenverschwendung und zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen.

  • Nach einem deutlichen Wirtschaftsrückgang folgte Mitte der 1980er Jahre eine Übergangsphase, in der erste Ansätze zur Liberalisierung, marktwirtschaftlichen Öffnung und Dezentralisierung unternommen wurden. Mit dem Beitritt zu IWF und Weltbank hatte sich Mosambik noch vor der Wende in den Ostblockstaaten von der sozialistischen Planwirtschaft verabschiedet.

  • Unter der Regierung Chissano schloss Mosambik 1987 ein Strukturanpassungsabkommen. Das Programa de Reablitação Económica (PRE) leitete die Restrukturierung der Wirtschaft nach dem standarisierten Muster ein: Deregulierung, Abwertung, Privatisierung, Einsparungen im öffentlichen Haushalt.

Eine wirtschaftliche Erholung war allerdings erst nach dem Ende des Bürgerkrieges möglich. Die Regierung hat seitdem ein stringentes Wirtschaftsreformprogramm (über 1200 überwiegend kleine Staatsunternehmen sind bislang privatisiert worden) durchgeführt, das Mosambik zu einem "Musterschüler" von IWF und Weltbank auf Kosten eines hohen Anteils an Selbstständigkeit gemacht hat.

Im Mai 2005 legte Premierministerin Luisa Diogo den Wirtschafts- und Sozialplan der Regierung vor. Eine kritische Bewertung der Privatisierungspolitik liefert ein Diskussionspapier des UN-Wirtschaftsforschungsinstituts WIDER. Den gegenwärtigen Stand der Wirtschaftspolitik bewertet der Transformationsindex der Bertelsmannstiftung (Kapitel 2).

Agrarland Mosambik

Getrockneter Maniok in Mieze, Cabo Delgado. © L. Berger/issa

Mosambik ist ein Agrarland, 55 Prozent der Gesamtfläche sind landwirtschaftlich nutzbar, doch 88 Prozent dieser Nutzfläche sind noch nicht kultiviert. Da liegt also noch viel Investitionspotenzial, denn die Landwirtschaft zählt in Mosambik zu den Schlüsselsektoren. Ein Problem sind aber die schlechte Infrastruktur, unzureichende Handelsnetze und die Abhängigkeit von sinkende Weltmarktpreisen.

Einen Überblick über Landwirtschaft, Ernährungslage und Wasserressourcen liefert die FAO.

Die Kornkammer Mosambiks ist das Sambesigebiet. Im feuchtwarmen Sambesi-Delta gedeihen neben den Getreidearten auch Zuckerrohr, Sisal, Ölssaten und Kokospalmen. Baumwolle findet man in den Provinzen Cabo Delgado, Nampula, Zambezia und Inhambane, die besten Cashewnüsse kommen aus Nampula und die Bergregion Gurué im Nordwesten Zambezias ist wegen ihres Teeanbaus berühmt. Das größte agrarische Potenzial bietet das Gebirgsland der an Simbabwe angrenzenden Provinz Chimoio.

Wegen immer wieder vorkommenden Dürreperioden ist die Ernährungssituation in einigen Regionen oftmals prekär. Deswegen bereitet sich auch Mosambik auf gentechnisch veränderte Pflanzen vor, um die Erträge zu steigern. Der Beitrag "Teuer und Anspruchsvoll" zeigt allerdings, dass Grüne Gentechnik keine Lösung für die Kleinbauern ist. Lesen Sie dazu auch den Beitrag von Andrea Queiroz de Souza "Gemahlene Hilfe" aus dem Mosambik-Rundbrief Nr. 68 (unter "letzte Ausgaben").

Landreform

Land ist in Mosambik Staatseigentum, doch man konnte auch nach der Unabhängigkeit Nutzungsrechte auf Boden beanspruchen. In den ländlichen Dorfgemeinschaften gilt eher das traditionelle Recht der Landzuweisung durch den Dorfchef oder das religiöse Oberhaupt. Anders als in Simbabwe gibt es durch das reichhaltige Land in Mosambik keinen Landdruck. Erst nach dem Friedensschluss von 1992 haben ausländische Investoren, vor allem südafrikanische Farmer und Portugiesen, Mosambiks landwirtschaftliche Vorzüge entdeckt und Boden in guterschlossenen Regionen beansprucht. Das hat zu vermehrten Landkonflikten mit der ansässigen Bevölkerung geführt, nicht zuletzt, weil korrupte Administratoren und Gouverneure ihnen illegal Land vermachten.

Westliche Geldgeber, allen voran die USA und der IWF, drängten auf eine Privatisierung von Landeigentum. Das mosambikanische Parlament hat dem Druck mit Hilfe einer breit angelegten Kampagne von Kleinbauernverbänden und Nichtregierungsorganisationen widerstanden - ein Stück gelebte Demokratie.

Das 1997 novellierte Landgesetz belässt allen Grund und Boden in staatlicher Hand, beteiligt aber Gemeinden und Dorfälteste an der Verteilung von Landtiteln. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft bei der Erstellung des Landgesetzes gilt als vorbildhaft für einen innovativen Landreformprozess in Afrika. Seither sind die illegalen Landenteignungen, die vor allen in den Südprovinzen an der Tagesordnung waren, zurückgegangen. Die Bauernorganisation ORAM (Associação Rural de Ajuda Mútua) unterstützt Bauerngenossenschaften bei der Registrierung und dem Erwerb von Landtiteln. Der 1993 gegründete ländliche Verband ist in fünf Provinzen vertreten. Auch der Bauernverband União Nacional de Camponeses UNAC, Mitglied beim internationalen Verband Via Campesina, stärkt die Stimme der Kleinbauern.

Das Landgesetz gab den Kleinbäuerinnen mehr Rechte.
© Santos Finiosse, AIM/issa

Die Landreform ist ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung. Über die Bedeutung der mosambikanischen Landkampagne für die Zivilgesellschaft berichtet ihr Koordinator José Negrão. Der 2005 verstorbene Landaktivist und Ökonom ist 2006 posthum für die Arbeit seines Bündnisses von 20 Zivilgruppen zur Armutsbekämpfung mit dem Southern Africa Trust´s Drivers of Change Award ausgezeichnet worden. Detailliert können Sie sich auch in einem Bericht der Land Tenure in Development Cooperation der GTZ über Bodenrecht und Landnutzung am Beispiel der Manica-Provinz informieren.

In jüngster Zeit kommen vermehrt Farmer aus Simbabwe nach Mosambik. Die Krise in ihrem Land hat 90 Prozent der weißen Großfarmer vertrieben. In Mosambik bekommen sie neues Land zugewiesen. Doch der mit ihnen erhoffte Boom in der landwirtschaftlichen Entwicklung war nur von kurzer Dauer, wie der Beitrag "Das Wunder von Manica ist vorbei" zeigt. Ohne staatliche Unterstützung können auch willige Farmer wenig bewirken. Siehe dazu auch die Manica-Beiträge auf der Seite von Hanlon.

Je weiter die Globalisierung voran schreitet, desto mehr bedarf die Landwirtschaft gezielter Investitionen und Anreize, um die Produktion zu stimulieren und den Zugang zum Markt zu erleichtern. Die Kleinbauern sehen die geringe und kostspielige Versorgung mit Saatgut als ihr Hauptproblem an, neue Technologie akzeptieren sie aber, wenn sie billig ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Econ Policy Research Group von September 2006, die auf diesem Gebiet durchaus gute Ansätze sieht. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie zur Auswirkung der Armut auf die Baumwollproduktion im Zambezi-Tal, die bei entsprechender Produktivitätsförderung große Wachstumspotenziale aufweist.

Abhängigkeiten: Cashew und Zucker

Als im wahrsten Sinne des Worts "harte Nuss" zeigte sich die von der Weltbank verordnete Cashew-Liberalisierung und Aufhebung der Exportbeschränkungen für rohe Cashewnüsse, was die gerade erst privatisierte Cashew verarbeitende Industrie ruinierte. Von 18 Betrieben, die immerhin 10.000 Arbeitskräfte beschäftigten, mussten 11 ihren Betrieb einstellen. Schuld daran ist die Privatisierungs- und Liberalisierungspolitik von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, die ein Beitrag in der E+Z "Gelenkte Privatwirtschaft" nennt. Bilder zu Cashew-Nüssen zeigt die Seite von ERlebt, ein Projekt der Adventisten zur Unterstützung der Cashew-Nuss-Förderung.

Mosambik gehört zu den Staaten, die von der Zuckermarktordnung der EU betroffen sind: Während die EU ihre Zuckerexporte subventioniert, hält sie Importe durch hohe Handelsbarrieren fern. Die Oxfamstudie Überzuckert kommt zu dem Ergebnis, dass die Einbußen Mosambiks im laufenden Jahr der Höhe der gesamten Staatsausgaben für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung entsprechen. Nach Aussage von Oxfam-Chef Bendix könnte Mosambik "mit seiner effizienten Produktion das Zehnfache produzieren. Doch das können sie nicht verkaufen, weil die Europäer fünfmal mehr auf den Weltmarkt werfen, als die WTO erlaubt." Eher positv bewertet Rudolf Buntzel die Auswirkungen der EU-Zuckermarktreform auf Mosambik.

Die Cashew-Industrie gab früher tausenden von Frauen Arbeit.
© L. Berger/issa

Informeller Sektor und Kleingewerbe

Der Anteil des so genannten informellen Sektors an der Wirtschaft Mosambiks wird auf ca. ein Drittel ihres Gesamtvolumens geschätzt. Seit der Einführung der Strukturanpassungsprogramme Ende der 1980er Jahre ist dieser Sektor der Kleingewerbeproduktion wegen fehlender unselbständiger Erwerbstätigkeit stetig gestiegen. Vor allem in den Städten und semiurbanen Regionen des Landes bietet der informelle Sektor die einzige Überlebensstrategie für Tausende von Menschen, denn die wenigen Megaprojekte und hauptsächlich um den Großraum Maputo angesiedelten Produktionsbetriebe bieten noch keine wirtschaftliche Basis für die Etablierung von Zulieferproduktion durch Klein- und Mittelbetriebe oder Dienstleistungsbetriebe durch Auslagerung.

Der informelle Sektor bezeichnet die am formellen Sektor vorbeigehende Mikro- und Kleingewerbeproduktion und zeichnet sich in Mosambik durch folgende Merkmale aus:
überwiegender Einsatz von Kindern und Frauen; Nicht-Einrichtung von Steuern; Fehlen von Gewerbelizenzen; spunghaftes Entstehen und Anwachsen des Sektors; arbeitskraftintensive Produktion; starke Vernetzung von Stadt und Land.

Eine Studie zur Dezentralisierung und ländlichen Entwicklung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit fast zusammen: "Bisherige Fördermaßnahmen, meist über gescheiterte (politisch motivierte) Kreditförderprogramme, haben in den letzten Jahren keine Verbesserung gebracht. Armutsbekämpfung wird (realistisch) in ländlichen Gebieten auf landwirtschaftliche Potenziale ausgerichtet. Es gibt derzeit weder eine Politik noch eine klare Strategie für einen konkreten Aufbau einer nationalen Klein- und Mittelunternehmerschicht (Formeller Sektor) noch zur Förderung von Mikro- und Kleingewerbeproduktion (Informeller Sektor). Einzig die internationale Mikrokreditszene hat zwischenzeitlich Fuß gefasst und zeigt erste Erfolge in städtischen Zentren bei der Einführung von Kleinstkreditmodellen." Solche Projekte zur Stärkung des Mikrofinanzwesens unterhält beispielsweise die GTZ. Am Beispiel der Rollstuhlwerkstatt "Savepla" in Chimoio erläutert ein Infoblatt des Werkhof Darmstadt, welch wichtgen Beitrag zur Armutsbekämpfung wie Kleingewerbeförderung leisten kann.

Rohstoffe und Industrie

Mosambik hat ein reiches Potenzial an natürlichen und seltenen Rohstoffen, das nur teilweise ausgeschöpft ist. Die Portugiesen hatten zwar Wanderarbeiter in die Bergwerke der Nachbarländer geschickt, selbst aber wenig Interesse an den Bodenschätzen gezeigt. Eine Ausnahme bildet der Kohlebergbau in Moatize bei Tete, der jetzt wiederbelebt werden soll. Die meisten bekannten Mineralvorkommen wie Kupfer, Eisenerz, Bauxit, Betonit und Titan beherbergt die Zambezia-Provinz. Außerdem existieren kleinere Vorkommen an Diamanten, Bauxit, Gold, Mangan und Erdgas. Auch in der Erzeugung von Wasserkraft und im Tourismusbereich gibt es noch viel Potenzial.

Wichtigster Industriestandort ist Maputo. Dort befindet sich rund die Hälfte aller Industrieanlagen. Während die Portugiesen erst in den letzten Jahren ihrer Kolonialherrschaft ausländisches Kapital nach Mosambik holten, spielte der Industriesektor nach der Unabhängikeit eine untergeordnete Rolle, weil es an Fachpersonal, modernen Maschinen und Ersatzteilen fehlte und der Krieg Neuinvestitionen verhinderte. Im Vordergrund steht die Verarbeitung heimischer Agrarprodukte (Cashew, Baumwolle etc.) und Rohstoffe. Seit einigen Jahren boomt der Industriezweig - freilich schwerpunktmäßig im Süden, was den Rest des Landes vom ökonomischen Fortschritt abzunabeln droht.

Einseitiger Boom

Spektakulärste Großinvestition ist die mit südafrikanischem Kapital aufgebaute Aluminiumschmelze MOZAL, die im September 2000 ihre Produktion aufgenommen und 2003 ihre Kapazität auf das Doppelte (500.000 Jahrestonnen) ausgebaut hat. Die mosambikanischen Klein- und Mittelbetriebe haben von dem Megaprojekt bislang wenig profitiert.

Nach Fertigstellen einer 865 km langen Gaspipeline strömt seit Februar 2004 das in den Gasfeldern von Pande und Temane in der Provinz Inhambane geförderte Erdgas nach Südafrika. Die Regierung setzt auf Energieexporte.

Ein Symbol des Kolonialismus war der "weiße Elefant", das Wasserkraftwerk Cahora Bassa, das an den gestauten Stromschnellen des Sambesi in Tete errichtet wurde. Nach langen Verhandlungen hat Mosambik am 31. Oktober 2006 mit Portugal einen Vertrag unterzeichnet, nach dem es jetzt 85 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft HCB hält. "Cahora gehört jetzt uns!", sagte Staatspräsident Guebuza, der die Übernahme des Staudamms als "zweite Unabhängigkeit" feierte.

Unterhalb des Cahora Bassa-Damms plant die Regierung ein weiteres Wasserkraftwerk, den Mphanda Nkuwa Damm, dessen Strom vorwiegend an Südafrika geliefert werden soll. Das Projekt ist umstritten, die betroffene Bevölkerung wehrt sich, weil sie das Ökosystem des Sambesitales und damit ihre Lebensgrundlage gefährdet sieht. Ungeachtet der Bedenken von Umweltgruppen, die auch schon auf die ökologischen Folgen von Cahora Bassa hingewiesen haben, hat China seine Unterstützung des Zwei-Milliarden-Dollar-Projektes zugesagt. Über die Kampagne zu dem Staudammvorhaben können Sie sich auf der Seite des International Rivers Network informieren.

Wie ein Gemälde: Der Sambesi bei Boroma, Tete. © DWH Bielefeld

Tourismussektor

Mosambik hat aufgrund seiner langen Sandstrände ein immenses touristisches Potenzial. Der Toursismussektor zählt zu den Hoffnungsträgern der Konjunktur. Zuständig auf Ebene der Regierung ist das Ministério do Turismo. Mit der Eröffnung des Great Limpopo Transfrontier Park erhofft sich Mosambik einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Landes. Ein Besuch in dem Park lässt einen "Wildnis pur" erleben. Über den aktuellen Entwicklungsstand des Parkprojekts informiert die Homepage des Parks. Neben den grenzüberschreitenden Parkprojekten gibt es neun weitere Nationalparks.

"Wem nutzt der Tourismus?" ist allerdings eine berechtigte Frage, der sich etwa auch eine Hörfunksendung der Deutschen Welle widmet. Bislang profitieren nur wenige Menschen vom Tourismus.

Zu dem Schönsten, was Mosambik landschaftlich zu bieten hat, gehören die Chimanimani-Berge. In dieser abgelegenen Region an der Grenze zu Simbabwe gibt es eine organisierte Wandertour. Einen gut recherchierten Reiseführer Mosambik bietet der Hupe-Verlag. Er dient vielen Reisenden als Orientierung, ebenso wie Reisetagebücher, die etwa die übliche Route von Süden aus Südafrika kommend nach Norden Richtung Tansania oder Malawi beschreiben.


Investitionen in Mosambik:
Investment Promotion Centre

Investitionsgesetz

Mosambik-Forum in Berlin von SAFRI (Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft)

Außenwirtschaft

Die Handelsbilanz Mosambiks ist traditionell negativ, 2005 betrug das Defizit 351 Mio. US-Dollar. Allein die Inbetriebnahme von MOZAL ließ 2001 die Exporte im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln. Seither ist der Export um jährlich durchschnittlich 10 % gestiegen. Die Abhängigkeit von wenigen Exportgütern - außer Aluminium (53%) und Treibstoffen (17,8%) im Wesentlichen nur vier weitere, nicht verarbeitete Produkte: Meerestiere (9,4%), Baumwolle (2,8%), Zucker (2,3%) sowie Granit (1,8%) - zeigt, wie wenig differenziert die Wirtschaft ist. Die Hauptlieferländer Mosambiks sind Südafrika, Australien, die EU, China, Indien und die USA. Hauptexportländer sind nach der EU Südafrika, China, Malawi, Simbabwe und Indien. Insgesamt ist die EU mit 1,2 Mrd. Euro Handelsvolumen 2005 der wichtigste Handelspartner Mosambiks.

Rekolonisierung Mosambiks?

Südafrika ist Mosambiks wichtigster außenpolitischer Partner und vor Großbritannien Hauptinvestor. Zu den südafrikanischen Investitionen seit 1994 gehören neben MOZAL die SA Breweries, die Standard Bank, Anglo American, die Supermarktkette Shoprite Checkers, die Industrial Development Corporation, Ilovo Sugar, der Baukonzern Basil Read, Stocks and Stocks, der Energiekonzern Eskom und Southern Sun Hotels. Die Investitionen konzentrieren sich im Wesentlichen auf den Maputo Development Corridor.

Ist Mosambik also "ein neuer Star im Südlichen Afrika", wie ein Beitrag im "Afrika-Kurier" einmal meinte, oder profitiert nur Südafrika von dem Sog eines Geldsegens? Eine Frage, die sich auch ein BBC-Artikel stellt.

Als südafrikanische Farmer Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal wieder Land in Mosambik bekamen und südafrikanische Firmen ihre Interessen am Reichtum Mosambiks offenbarten, wurde in intellektuellen Kreisen vor einer "Rekolonisierung" Mosambiks oder, wie von Michel Chossudovsky, vor dem Export der Apartheid gewarnt. Zumindest die Arbeitsbedingungen bei dem Shoprite-Supermarkt in Maputo zeigen, dass es sich für die dortigen Arbeitskräfte um ein "Privileg zu niedrigem Standard" handelt. Der mosambikanische Ökonom Carlos Nuno Castel-Branco warnt indes vor allzu einfachen Schlüssen bei einem genaueren Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen mit Südafrika.

In jüngster Zeit wird die Gefahr einer "erneuten Kolonisierung" auch im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse Chinas an Afrika bemüht. Mosambiks Wirtschaftsverbindungen zu China sind noch jung, doch die bisherigen Investitionen, etwa in den illegalen Holzhandel ("Chinese Takeaway") und bei der Staudammfinanzierung, zeigen eine Tendenz zu Ausbeutung und Ausnutzung. China hat 2001 ein Handels- und Investitionsabkommen mit Mosambik geschlossen und ist auch an seiner Bauindustrie interessiert. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern ist laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua von 165 Mio. US-Dollar 2005 auf 210 Mio. US-Dollar 2006 gestiegen. Damit liegt der Handel mit China längst vor dem Handel mit den USA (87,2 Mio. US-Dollar 2004). Mit Washington wurde im Juni 2005 ein Rahmenabkommen für Handel und Investitionen vereinbart. Die Auswirkung des Africa Growth Opportunity Act (Agoa) der USA auf die mosambikanischen Exporte lässt sich noch nicht genau quantifizieren.

3.2
Entwicklung und Entwicklungs- politik



Das Southern African Regional Poverty Network hat eine Reihe von Studien zur Auswirkung der Armut auf die Entwicklung Mosambiks ins Netz gestellt.

Mosambiks Strategie zur Armutsbekämpfung (PRSP)

Erfolgreich gegen Armut?: Dokumentation einer Veranstaltung vom 24. Juni 2005 in Berlin.

Armutsbekämpfung und Millenniumsziele

Einer der Faktoren, der Mosambik im HDR-Report weiterhin auf einen hinteren Platz lässt, sind die gesunkene Lebenserwartung infolge von HIV/Aids, von der 15% der Bevölkerung betroffen sind, häufige Dürreperioden und Ernteausfälle. Bei der letzten Dürre sprach das Welternährungsprogramm der UNO von einem Bedarf an 19 Mio. US-Dollar, um 430.000 Menschen in Mosambik ernähren zu können. Die immer wiederkehrenden Naturkatastrophen - auf die letzten Überschwemmungen von Februar 2007 hatte sich Mosambik immerhin besser vorbereitet - können das Land auf seinem Weg zur Erreichung der Milleniums-Entwicklungsziele zurückwerfen. Der Mosambik-Rundbrief hat seine Ausgabe 69 den MDG in Mosambik (unter "letzte Ausgaben") gewidmet und einige Beiträge wie "Raus aus der Armut?" und "2015 konkret - MDG im Dorf" ins Netz gestellt.

Den Second MDG Report der Regierung finden Sie auf der Seite der United Nations Development Group UNDG. Dort können Sie auch eine Analyse von Armutsbekämpfung und lokaler Entwicklung herunterladen.

Mosambik hat als eines der ersten Länder mit dem PRSP-Prozess begonnen. PRSP steht für Poverty Reduction Strategy Papers. Die Regierung hat im November 2005 ihren zweiten Bericht PARPA II vorgelegt. Ausgangsdokument ist der Action Plan for the Reduction of Absolut Poverty PARPA von 2001, dem 2003 der Evaluationsbericht folgte. Zur Erstellung von PARPA III hat die Regierung im Februar 2007 95 Mio. Euro von der EU zugesagt bekommen.

Ohne eine Beteiligung der Zivilgesellschaft kann Armutsbekämpfung kaum von Erfolg gekrönt sein, auch wenn die Entwicklung, wie Elísio Macamo kommentiert, die armen Bauern auf dem Lande als Opfer der guten Absichten oft überfordert. UNAC-Vertreter Diamantino Nhampossa hat auf dem Europäischen Forum für Nachhaltige Entwicklung, das im Juni 2007 in Berlin stattfand, darauf hingewiesen, dass die von der EU angestrebten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) der Armutsbekämpfung zuwieder laufen, weil sie mit Preisdumping die Märkte zu Gunsten der EU öffnen, statt die Kleinbauern zu unterstützen.

Über den Stand der Armutsbekämfung berichtet PRSP Watch. Die im April 2003 von der Regierung eingesetzte Observatório da Pobreza als hochrangiges Dialogfourm war in diesem Sinne ein erster institutioneller Schritt zur Beteiligung der Zivilgesellschaft. Doch laut einer im Mai 2007 erschienenen Studie für die Weltbank und internationale Zusammenarbeit des schweizerischen Außenministeriums ist Poverty Observatory "reine Augenwischerei". Das Gremium sei ein "Ritual, bei dem die Menschen lediglich eine Rolle haben, an der Partizipation zu partizipieren." Die Regierung wie ihre internationalen Partner könnten das Alibi vorweisen, die so genannten Adressaten der Armutbekämpfung mit im Boot zu haben.

Trotz insgesamt sinkender Armut wächst die Zahl der Unterernährten. Joseph Hanlon erklärt dieses Paradoxum u.a. damit, dass nur die oberen 20 Prozent der Gesellschaft vom Wirtschaftswachstum profitieren, während der Anteil der ländlichen Bevölkerung unterhalb der Armustgrenze wächst, und die offiziellen Angaben insofern übertrieben seien, als sie auf Grundlage des Cassava-Konsums an Stelle von Mais erhoben seien, was Unterernährung womöglich fördere. Neuere Studien zum Zusammenhang von Wachstum, Armut und Ungleichheit empfehlen daher auch eine gezielte Kanalisierung von Entwicklungshilfe in die Förderung landwirtschaftlicher Produktion und Infrastuktur.

Verschuldung

Südafrika hat Mosambik knapp 7,5 Mrd. US-Dollar durch Apartheid verursachte Schulden hinterlassen. Die Zivilbewegung fordert im Rahmen der "Internationalen Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika", an der sich auch medico international beteiligt, eine entsprechende Entschädigung und Schuldenstreichung. Mit diesen Geldern könnte Mosambik sein ambitioniertes Armutsbekämpfungsprogramm wirkungsvoll durchsetzen. Aktuelles zum Schuldenerlass trägt der KKM auf seiner Seite zusammen.

Die von den G8-Ländern 2005 beschlossene Schuldenstreichung wurde von Premierministerin Luisa Diogo begrüßt, doch Skepsis bleibt, weil das Land immer wieder neue Anleihen aufnehmen muss. Ein Erfolg ist immerhin, dass Mosambik nach dem Schuldenerlass allen Kindern kostenfreie Impfungen anbieten konnte. Im Januar 2006 gewährte der Internationale Währungsfonds Mosambik im Rahmen der Multilateralen Entschuldungsinitiative einen vollständigen Erlass seiner Schulden in Höhe von 119 Millionen US-Dollar. Insgesamt belaufen sich die mosambikanischen Schulden 2007 noch auf 2 Mrd. US-Dollar. Die Schuldenbedienung beträgt dabei immer noch 1 Mio. US-Dollar pro Woche.

Armando Guebuza bei Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul.
© FES Mosambik




Studie von Paolo de Renzio und Joseph Hanlon zur Geberabhängigkeit:
Contestet Sovereignty in Mozambique: The Dilemmas of Aid Dependence

Abhängig von ausländischer Hilfe

Mosambik ist nach wie vor in hohem Maße von ausländischer Hilfe abhängig. Gut die Hälfte des Staatshaushaltes werden durch Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) finanziert. Zeitweise traten sich die Geber gegenseitig auf die Füße. Die Geberdatenbank zu Mosambik listet über 30 Geber, darunter die EU, viele Mitgliedstaaten der EU, die Weltbank, zahlreiche UN-Organisationen, Japan und die USA mit insgesamt über 1000 Projekten auf. 15 der Geber, darunter Deutschland, gehören zur Programme Aid Partnership (PAP). Diese als G-19 bekannte Gruppe von Geberinstitutionen unterstützt Mosambiks Umsetzung der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie PARPA II und leistet Haushalts- und Zahlungsbilanzhilfe in Höhe von 34 Mio. Euro. Damit wird mehr als ein Drittel der EZ als Budgethilfe gewährt. Auf der PAP-Homepage sind die wichtigsten Dokumente der Geberhilfe aufrufbar.

Wer regiert in Mosambik?

Mosambik genießt bei internationalen Finanzinstitutionen einen guten Ruf, seine Wirtschaftsentwicklung verkaufen sie gerne als "Erfolgs-Story", was von Wirtschaftsexperten wegen der ökonomischen Spezialisierung eher skeptisch gesehen wird. Andererseits ist auch die mosambikanische Regierung geneigt, sich wegen der Abhängigkeiten den Geberländern anzupassen, zumal die Elite von dem Souveränitätsverlust des Landes durchaus profitiert. Dieses "Pathologhische Gleichgewicht" wechselseitiger Abhängigkeit führt dazu, dass Fehlentwicklungen im Lande in Kauf genommen werden. Ein Teil der Regierungsbürokratie verbringt über die Hälfte seiner Arbeitszeit mit der Teilnahme an den etlichen Arbeitsgruppen, die mit den Gebern zwecks Abstimmung der Projekte in regelmäßigen Abständen abgehalten werden. Hart ins Gericht mit den Geberländern geht der Mosambikexperte Joseph Hanlon, nach dessen Ansicht sie auf einem Auge blind für die Korruption in Mosambik sind.

Deutsche EZ

Nach anfänglichen Hürden (s. vorheriges Kapitel unter "Außenpolitk") hat sich erst seit Ende der 80er Jahre eine nennenswerte entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Mosambik entwickelt. Mittlerweile ist Deutschland Mosambiks fünftgrößter bilateraler Geber und das Land ist ein Schwerpunktpartnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und eines von vier Pilotländern des Aktionsprogramms 2015 des BMZ. Deutsche EZ-Organisationen sind vor allem in den Schwerpunktprovinzen Manica, Sofala und Inhambane vertreten. Die Rahmenbedingungen der deutsch-mosambikanischen EZ werden bei Regierungsverhandlungen, die alle zwei Jahre stattfinden, vereinbart. Zuletzt hat Deutschland Mosambik Mittel über 92,5 Mio. Euro für die Jahre 2007-2008 zugesagt.

Seit 2002 konzentriert sich die mit Mosambik vereinbarte Schwerpunktsetzung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit primär auf die Bereiche ländliche Entwicklung bzw. neuerdings "Dezentralisierung der ländlichen Entwicklung", Bildung und Wirtschaftsentwicklung. Neben der Unterstützung dieser Projekte, die zur Armutsbekämpfung im Rahmen von PARPA II gehören, unterstützt Deutschland seit 2004 auch den Haushalt Mosambiks. Diese Budgethilfe geht auch in den Bildungstopf der Regierung ein, mit dem Mosambik sich verpflichtet, das Geld für nicht anderes als für die Bildung auszugeben. In der von der EU finanzierten Geberdatenbak ODAmoz sind derzeit 26 deutsche Projekte aufgelistet.

Folgende Links führen Sie zu den landesspezifischen Aktivitäten einzelner deutscher Institutionen und Organisationen:

andere bilaterale und multilaterale EZ

DDR-Vertragsarbeiter

Auch für die DDR war Mosambik eines der Schwerpunktländer. Das Schicksal von über 16.000 Vertragsarbeitern aus Mosambik, die nach der Vereinigung beider deutscher Staten zum größten Teil wieder nach Hause zurückgekehrt sind, ist ein wichtiges Kapitel in den deutsch-mosambikanischen Beziehungen. Unzufriedene Madgermanes machen immer wieder mit Protestaktionen auf sich aufmerksam.

Zu den Beziehungen Mosambiks zur DDR sind in jüngster Zeit verschiedene Studien veröffentlich worden. In einer Rezension des Buches von Hans-Joachim Döring, "Es geht um unsere Existenz", können Sie sich über die Politik der DDR gegenüber Mosambik kundig machen. Und "DDR in Mosambik: Solidarität, die bleibt", heißt eine Besprechung des Buches "Wir haben Spuren hinterlassen! Die DDR in Mosambik", herausgegeben von Matthias Voß.


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