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Stadtstaaten und Reiche im alten Mosambik

Die meisten mosambikanischen Gemeinschaften waren in "vorkolonialer" Zeit in unabhängige Häuptlingstümer organisiert. Sie wurden von Landchiefs regiert, die oft auch religiöse Authorität waren. Der Chief besaß das ausschließliche Recht, Untergebenen Landparzellen zuzuteilen. Jährliche Abgaben in landwirtschaftlichen Gütern oder in Form von Arbeit an den Chief zeigten eine soziale Differenzierung, die lange vor Ankunft der Portugiesen bereits bestand.
In ihrem Familiensystem waren die Bantu-Gemeinschaften in Großfamilien über drei Generationen organisiert. Die Arbeit wurde zwischen den Geschlechtern geteilt. Im Norden gilt bis heute matrilineares, weiter im Süden patrilineares Erbrecht.
Vom 13. bis 16. Jahrhundert erlebten verschiedene Stadtstaaten ihre Blütezeit: das Zimbabwe-Reich (1250-1450) und das Monomotapa-Reich (Muenemutapa).



Das Monomotapa-Reich bestand bis zum 18. Jahrhundert. Es erstreckte sich über ein riesiges Territorium, das etwa vom Südufer des Sambesi bis zum Save und in die Highlands des heutigen Simbabwe reichte. Es umfasste eine Anzahl verschiedener ethnischer Gruppen. Das Reich war wahrscheinlich das größte und mächtigste Reich in Zentral- und Südafrika. Es gab eine fortgeschrittene Arbeitsteilung, Förderung von Gold und Silber, Beginn der Eisenverarbeitung und Handel mit arabischen Ländern. Das Reich war ein tributgebundener Staat mit öffentlicher Gewalt, Heer, Polizei, einer Art von Behörde und mit Steuern und Abgaben der Dorfgemeinschaften, die monatlich sieben Tage für den Staat arbeiteten.
Wichtige Institutionen des Monomotapa-Reiches waren Medizinmänner und animistische Priester. Sie bestimmten und nutzten Einführungsriten in die traditionelle Gesellschaft und Großfamilienstrukturen. Vorbereitung auf Einführungszeremoniell erfolgte in geheimen Zusammenkünften, oft in mehrwöchigen Lagern in Wäldern.
Neben dem Monomotapa-Reich existierten die Marave-Staaten (Malawi-Konföderartion), nordöstlich des Monomotapa-Reiches. Seit 1600 expandierte das Reich in ein weites Gebiet zwischen Sambesi, Nyasa-See, Luangwa-Tal und den Indischen Ozean. Auch hier hatte die Aristokratie das Monopol über Handel, vorwiegend Eisen, inne und berief sich auf eine göttliche Macht.
Die Händler, die mit beiden Reichen Handel treiben, gehören zum Handelssystem der Swahili, das sich über den Indischen Ozean zwischen Mittlerem Osten und Asien erstreckt. In Ostafrika interessierte die Swahili Gold und Eisen. Mitte des 15. Jahrhunderts gab es eine Kette von Handels- und Religionssultanaten an der mosambikanischen Küste zwischen den Inseln Angoche und Moçambique im Norden und Sofala im Süden. Die Swahilihändler heirateten lokale Frauen. Aus diesen Verbindungen entstanden in späteren Generationen die Swahili wie auch sonstwo an der Küste Ostafrikas.
Bei ihren ersten Expedition ins Landesinnere (16. Jahrhundert) versuchten die Portugiesen einen ungleichen Tausch mit Kaufleuten des Monomotapa-Reiches (schlechte Stoffe gegen Gold) und drangen die kommerziellen Beziehungen Monomotapas mit den Staaten am Indischen Ozean zurück. Damit begann der Verfall der Binnenreiche im Südlichen Afrika.
Ca. 1820 wurde das Gaza-Reich durch Soshangane im Süden Mosambiks gegründet. Es erstreckte sich vom Maputo bis zum Sambesi. Daneben existieren Militärstaaten im Sambesital und die Ajauastaaten. Anfang des 19. Jahrhunderts trotzte das Gaza-Reich den Angriffen der portugiesischen Expeditionen. Die Herrscher waren gegen den Sklavenhandel eingestellt und gewähren geflohenen Sklaven Asyl.
Ab 1886 begann Portugal mit der militärischen Besetzung des gesamten Territoriums des heutigen Mosambik. 10.000 Krieger des Gaza-Reiches wehrten sich am Limpopo mit Pfeil und Bogen sowie Speeren gegen die überlegenen Kanonen und Karabiner der Portugiesen. 1896 schließlich wurde der Widerstand König Gungunhas gebrochen und das Gaza-Reich brach zusammen.
Lothar Berger