Mexiko

Seite 2: Geschichte, Staat, Politik


Geschichte

 

Mexiko liegt im Zentrum der 'neuen Welt' und ist bis heute geprägt durch seine lange Kulturgeschichte der Maya , Azteken und ihrer Vorgänger . Den Reichtum verdankten die meso-amerikanischen Kulturen vor allem angepasster Anbaumethoden im Milpa-System (Mais, Bohnen, Kürbis), das für die ländliche Bevölkerung bis heute die Ernährungsgrundlage darstellt. Über die Bedeutung traditioneller Landnutzungspraktiken heute informiert der Artikel von Gomez-Pompa und Kaus .

Die vorkoloniale Zeit lässt sich in drei Epochen untergliedern:

Präklassikum (1500 - 200 v. Chr.)

Klassikum (200 v. Chr. - 1100 n. Chr.)

Postklassikum (1100 - 1519 n. Chr. = Beginn der Conquista)

Die Hochkulturen der mesoamerikanischen Kulturepoche weisen zudem viele Gemeinsamkeiten in Bezug auf religiöse Vorstellungen, Kunst, Wirtschaftsweisen, Städtebau und gesellschaftlicher Organisation auf.

Die Kolonialisierung der Region durch die Spanier verband zwei Welten auf gewaltvolle Weise miteinander. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde die indigene Bevölkerung um die Hälfte dezimiert. Mesoamerika erfuhr durch die Spanier aber nicht nur eine menschliche Tragödie, sondern auch eine strukturelle Umgestaltung, die sich in räumlicher, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer und religiöser Hinsicht auswirkte. In der Kolonialzeit wurde ein neues Verwaltungssystem eingeführt, Städte gegründet, Grundbesitz neu verteilt. Die Gesellschaft wurde durch die Mestizaje neu definiert, deren Urmutter die Geliebte Cortés, Malinche, bis heute ein zwiespältiges Bild prägt. Ethnische Gruppen wurden räumlich getrennt, wobei der indigene Bevölkerungsteil in die Randgebiete zurückgedrängt wurde. Der Katholizismus wurde eingeführt, obschon indianische Glaubensvorstellungen sich daneben erhalten konnten (Synkretismus). In der Kolonialzeit wurden auch die Industrialisierung (vor allem durch den Bergbau) und die dualistische Agrarstruktur (Kleinbauern und Großgrundbesitzer) eingeführt.

Mit der Unabhängigkeit 1821 erfuhr Mexiko eine politische Erneuerung. Demokratische Strukturen wurden später durch das Zwei-Kammer-System unter Benito Juarez, einem Zapoteken aus Oaxaca und damit ersten indianischen Staatspräsidenten Mexikos (1858-1872) eingeführt, trotzdem genoss das Militär weit reichenden Einfluss, was nicht zuletzt an der 35jährigen Militärdiktatur Porfirio Díaz erkennbar ist. Dieser hatte durch einen Putsch im Jahre 1876 die Regentschaft des Habsburger Kaisers Maxi milian gewaltsam beendet. Die Macht des Militärs, des Klerus und der Großgrundbesitzer konnte erst nach der Revolution von 1917 eingedämmt werden.

Der mexikanischen Revolution , die sich durch eine Bodenreform, Enteignung von Großgrundbesitzern und Verstaatlichung großer multinationaler Unternehmen, Bestimmungen von Arbeitsschutzgesetzen, Nationalisierung der natürlichen Ressourcen und der Beschränkung der Präsidentschaft auf 6 Jahre auszeichnete, folgte die uneingeschränkte Herrschaft der Partei der institutionalisierten Revolution (PRI) für die nächsten sieben Jahrzehnte. Das fortschrittliche Motiv der Revolution wurde durch die straffe Gliederung und Kontrolle aller gesellschaftlichen Bereiche durch die Partei in sein Gegenteil verkehrt. Oppositionelle Kräfte konnten sich erst in den 80er Jahren durchsetzen. Reformen führten seit Ende der 80er Jahre den neoliberalen Wirtschaftskurs Mexikos unter de la Madrid, Salinas und Zedillo ein, mit enormen sozialen Folgen für die Bevölkerung.

Im Jahre 2000 wurde die PRI abgewählt und die rechts-konservative Reformpartei PAN, mit ihrem Kandidaten Vincente Fox, übernahm die Präsidentschaft. Leider konnte auch der hoffnungsvolle Fox, Großunternehmer und Katholik, nicht die Erwartungen der Bevölkerung erfüllen. Weshalb dies so ist, versucht der Artikel von Plehwe zu erläutern.

Eine Zeittafel mit den wesentlichen historischen Epochen und einen ausführlichen Überblick über die Geschichte können Sie hier nachlesen.

Politik

Die Wahlen vom 02. Juli 2006 haben überraschenderweise keinen Regierungswechsel hervorgerufen. Obwohl die konservative PAN mit dem Präsidenten Vicente Fox , der das Land seit 2002 regierte, die Erwartungen enttäuschte und die wirtschaftlichen und politischen Versprechungen nicht einhalten konnte (vgl. Dieter Boris 2002 "FoxTrott in Mexico"), stellt die PAN nunmehr den zweiten Präsidenten nach der über 70 jährigen PRI Herrschaft. Nur mit knapper Mehrheit konnte sich Calderón (s. Bild weiter unten), der 35,9% der Stimmen erhielt, gegen den linksgerichteten Politiker der PRD López-Obrador (AMLO), der 35,3% der Stimmen für sich gewinnen konnte, durchsetzen. Der PRI Kandidat Roberto Madrazo mit der Alianza por México (zusammen mit den "Grünen" PVEM) erlitt eine schwere Wahlniederlage und gewann erstmals nicht in einem einzigen Bundesstaat die Mehrheit. Ein Grund für das unerwartet schlechte Abschneiden AMLOs ist wohl im Zusammen- hang mit dem von der mexikanischen Abgeordnetenkammer und den Stimmen von PAN und PRI im April 2005 beschlossenen desafuero (Aufhebung der politischen Immunität des Politikers) zu sehen, deren Hintergründe von Greene beleuchtet werden. Durch das knappe Wahlergebnis war die Wahlkommission (IFE) gezwungen die Auszählungen noch bis in den August zu überprüfen. Proteste hielten im ganzen Land an.


Erste Einschät- zungen

Erste Einschätzungen der politischen Lage in Mexiko nach dem Amtsantritt Calderóns sind eindeutig. So ist es um die Menschenrechte, die vor dem Hintergrund zivilgeselllschaftlicher Proteste in Oaxaca zu zu betrachten sind, nach wie vor schlecht gestellt. Auch wird dem neuen Präsidenten Nachlässigkeit im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in den Bundesstaaten Tabasco und Chiapas im November 2007 vorgeworfen. Nur die wirtschaftlichen Wachstumszahlen sind nach wie vor vorbildlich, wie das Handelsblatt zu berichten weiß.

Präsidial-
republik

Die Vereinigten Staaten von Mexiko sind nominell ein föderatives System und seit der mehrmalig geänderten Verfassung von 1917 eine demokratische Bundesrepublik, bestehend aus 31 Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt Mexiko-Stadt (Distrito Federal).

Mexikanische
Bundesstaaten
(Abbildung entnommen aus: http://www.mexiko-mexico.de/)

Der Präsident und die Gouverneure der Einzelstaaten werden auch für ein sexeño direkt gewählt. Mit jeweils eigenen Verfassungen ausgestattet, die jedoch der Bundeshoheit unterworfen sind, verfügen die Bundesstaaten jeweils über eine relativ hohe Autonomie, die in der Praxis durch die politische und finanzielle Kontrolle der Bundesregierung erheblich relativiert ist. Das föderative Modell entspricht nicht der zentralistischen Wirklichkeit, wie der Artikel von Elías am Beispiel Chihuahuas zeigt.

Der Präsident ernennt die Mitglieder des Ministerrats und die höheren militärischen und zivilen Beamten. Das Parlament ( Congreso de la Unión ), als legislatives Organ Mexikos, wird vom Volk gewählt und gliedert sich in die Abgeordnetenkammer ( Cámara de Diputados ) und den Senat ( Cámara de Senadores ). Die Einzelstaaten sind durch jeweils vier Senatoren mit sechsjähriger Amtszeit vertreten, sodass der Senat aus 128 Mitgliedern besteht. Im Abgeordnetenhaus werden 500 Delegierte für eine Amtsdauer von drei Jahren gewählt.

Innen- und Außenpolitik

Mexikos Innenpolitik setzt seit den 90er Jahren offiziell auf politische Mitbestimmung und die Kräfte der Opposition. Seitdem die Opposition im Lande politisches Mitbestimmungsrecht erhalten hat gibt es zahlreiche Parteien, die um die politische Macht kämpfen. Die Partido Revolucionario Insitutional PRI ist noch nicht aus dem Rennen und gewinnt wieder an Stimmen, was die Zwischenwahlen gezeigt haben. Neben Partido Acción Nacional PAN und Partido de la Revolución Democrática PRD sind ernst zu nehmende Parteien; außerdem Partido verde Ecologísta de Mexico PEVM , Partido del Trabajo PT, Convergencia .

Hier gibt die Deutsche Botschaft in Mexiko Hinweise zu politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die Mexikanische Botschaft in Berlin gibt Ihnen einen umfassenden Eindruck von Land und Leuten, Wirtschaft, Kultur und touristisch Interessantem.

Menschenrechtsverletzungen werden trotz demokratischer Transformationen für das ganze Land berichtet. Folter, Mord und andere Rechts- brüche vor allem in den ärmsten Bundesstaaten Chiapas, Guerrero und Oaxaca sind in Mexiko an der Tagesordnung. Gewerkschafter, Frauen und Angehörige indigener Gruppen sind Leidtragende von Menschenrechtsbrüchen. Amnesty International und Human Rights Watch informieren über aktuelle Menschenrechtsbrüche in Mexiko. Es zeichnen sich aber auch praktische Erfolge des Demokratisierungsprozesses ab wie beispielsweise die Unterzeichnung der Anti-Bribery-Convention , welche von der OECD und Transparency International initiert wurde. Spätestens seit dem Aufstand in Chiapas kann die Innenpolitik nicht mehr isoliert von außenpolitischen Entwicklungen betrachtet werden.

Außenpolitisch hat sich Mexiko in den letzten zwei Jahrzehnten dem nördlichen Nachbarn USA bilateral angenähert. Die Beziehungen zu seinen südlichen Nachbarn, Guatemala, Honduras, Costa Rica und El Salvador haben keine lange Tradition. Dies liegt nicht zuletzt an dem Führungsanspruch, den Mexiko durch seine territoriale aber auch politische Führungsposition in der Region beansprucht. Rogelio Carbajal Tejada skizziert kurz den Führungsanspruch Mexikos seinen südlichen Nachbarn gegenüber. Die Beziehungen zwischen Mexiko und Guatemala werden hier kurz dargestellt. Zu den Staaten der Europäischen Gemeinschaft, vor allem Spanien und Deutschland pflegt Mexiko traditionell ein gutes Verhältnis. Weitere Informationen zur mexikanischen Außenpolitik können Sie beim Auswärtigen Amt erhalten. 

Mitgliedschaften in internationalen Organisationen

USA und Canada

Tratado de Libre Comercio (TLC) = NAFTA

(Latein)amerika

Organización de Estados Americanos (OEA)

Sistema Economica Latinoamericano (SELA)

Asociación Latinoaméricana de Integración (ALADI)

Länder des Triangulo del Norte ( TLCTNM )

Weltweit

Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD)

World Trade Organisation (WTO )

United Nation (UN-Organisationen)

Europa

Freihandelabkommen mit EU

Geplant

Freihandelsabkommen mit Japan

Mitgliedschaft in Mercosur

Asociación de Libre Comercio de las Américas (ALCA)

Mehr Informationen zur Außenpolitik finden Sie hier.

Medien

Televisa ist eines der größten Medienunternehmen weltweit. Das Fernsehunternehmen beherrscht auch die politische Landschaft Mexikos. Über den Global Player berichtet Lang ausführlich in dem Artikel Mediokratie in Mexiko . Eine Auflistung weiterer nationaler und regionaler Radio- und Fernsehsender finden Sie beim Radio- und Fernseh-Onlineservice.

Daneben existiert eine reichhaltige und teilweise unabhängige Presse. Zahlreiche regionale und überregionale Zeitungen und Zeitschriften sind für Mexiko bekannt. Allein in Mexiko Stadt werden mindestens 30 Zeitungen produziert. Wichtige Printmedien sind la jornada , die wohl bedeutendste landesweite Tageszeitung, außerdem excelsior und la reforma .


pfeil-l zurück zur vorigen Seite    |   weiter zur nächsten Seite pfeil-r