"Asiatische Werte"
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Seit Anfang der 90er
Jahre haben einige führende Politiker Asiens immer wieder
versucht, die Besonderheiten einer kulturellen, asiatischen Tradition
mit einem eigenen Wertesystem
herauszustellen, um sich vor allem von westlichen
Menschenrechts-Vorstellungen
abzugrenzen. Die Regierung Malaysias hat diese Position immer wieder
besonders lautstark vertreten.
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Malaysia - ein
multiethnisches Land
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Die
ethnische Zusammensetzung Malaysias aus Malaien, Chinesen, Indern und
verschiedene Volksgruppen in Sarawak und Sabah ist eine der wichtigsten
Eigenheiten der Gesellschaft in Malaysia.
Ein Gespür für die offenen und latenten Spannungen zwischen
den ethnischen Gruppen sowie den damit verbundenen sogenannten sensitive
issues
(Islam, spezielle Rolle der Malays, König als Staatsoberhaupt,
Malay
als Landessprache, Landrechte der Malays) ist der Schlüssel zum
Verständnis von Politik in Malaysia.
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Blick
in einen der traditionell überbauten Fußwege einer
Kleinstadt. Der Einzelhandel lag in der Kolonialzeit hauptsächlich
in den Händen der chinesischen Bevölkerungsgruppe. Foto:
Juergen Dumont.
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Landessprachen |
Die offizielle
Landessprache ist Malaiisch (Bahasa Malaysia), das nahezu identisch mit
der Landessprache von Indonesien (Bahasa Indonesia) ist. Als
Geschäftssprache ist Englisch weit verbreitet. Ferner werden
verschiedene chinesische Dialekte unter den Malaysiern chinesischer
Herkunft sowie Tamil unter denen indischer Herkunft gesprochen. Ein
Bild können Sie sich von den Ihnen vermutlich unbekannten Sprachen
Malaiisch
und Chinesisch
machen, indem Sie eine Tageszeitung in der jeweiligen
Sprache aufrufen.
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Frauenforderungen und
Frauenorganisationen
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Die überkommenen
Vorstellungen der in Malaysia vertretenen Kulturen billigen den Frauen
einerseits eine untergeordnete Rolle zu. Andererseits sind matrilineare
Traditionen in Südostasien durchaus lebendig. Dies und der hohe
Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften führen daher zu
einem verhältnismäßig hohen Bildungsstand der
Frauen. Der Anteil der Studentinnen an den Universitäten des
Landes ist höher als etwa bei uns in Deutschland.
Gerade in den letzten 10 Jahren haben sie sich immer wieder für
ihre Rechte eingesetzt. In
Malaysia
gibt es eine Reihe von Frauenorganisationen.
Das UNDP präsentiert
alljährlich den Human Development Index. Daraus abgeleitet werden
zwei Geschlechterbezogene (Gender sensitive) Indizes: Ein
entwicklungsbezogener (Gender-Related Development Index-GDI) und einer,
der über den Umfang an Frauenförderung Auskunft
gibt (Gender Empowerment Measure-GEM). Malaysia nimmt nach der Tabelle
GDI
und GEM den Platz 60 ein. Die staatliche
Frauenorganisation ist das
Secretariat for Women's Affairs. Alle Parteien haben jeweils
Frauensekretariate. Ferner gibt es einen Dachverband von
Frauenorganisationen AWAM
und inzwischen auch ein großes Netz
von Beratungsarbeit für Frauen. |
Ausländische
Arbeitskräfte
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In Malaysia arbeiten
legal knapp 2 Millionen Arbeitsmigranten aus benachbarten Ländern.
Malaysia ist ein Land der Zuwanderer. Wie viele der Indonesier, Thais,
Filippinas, Bangla Deshi und Inder sich illegal im Land aufhalten,
ist nicht bekannt. Wohl bekannt ist, was mit ihnen passiert, wenn
sie erwischt und in Abschiebelager interniert werden. Die
Nichtregierungsorganisation
Tenaganita hat über die Zustände im Lager einen Bericht der
UN-Menschrechtskommission in Genf vorgelegt. Ihre Vorsitzende wurde
daraufhin von der Polizei wegen Verleumdung angeklagt. Die Regierung
führte im März 2005 eine großangelegte Abschiebeaktion
durch, in der ca. 400.000 Migranten das Land verlassen sollten.
Künftig soll die Anwesenheit von Migranten über biometrische
Ausweise kontrolliert werden.
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Vielfalt der Religionen |
Folgende Religionen werden in Malaysia praktiziert: Islam, Buddhismus,
Hinduismus,
Sikhismus, Christentum. Zwar gilt der Islam als die "Religion des Landes", jedoch dürfen alle Religionen frei ausgeübt werden.
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Islamisierung
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Die vorherrschende
Religion in Malaysia ist der Islam Jeder ethnische Malaie oder jede
Malaiin ist von Geburt her Muslim. Das sind aber nur etwas mehr als die
Hälfte der Bevölkerung.
Angesichts der
aktuellen,
weltweiten Auseinandersetzung mit dem Islam sei hier auf die
-vielleicht
vergessene- regionale Identität des Islam in Südostasien
hingewiesen.
Hierzu zählt beispielsweise, dass sich der Islam in Malaysia und
Indonesien über die Jahrhunderte mit mutterrechtlichen Traditionen
(in West
Sumatra und im malaysischen Bundesstaat Negri Sembilan) verwoben hat.
Das Bild des Islam in Malaysia ist durch vereinfachende und stereotype
Abbildungen radikaler Strömungen des Islam verzerrt worden.
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Haupteingang
der neuen National-Moschee in Putrajaya, dem neuen Sitz der
Bundesregierung südlich Kuala Lumpur. Foto: Juergen Dumont.
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Neben der islamischen
Oppositionspartei PAS gibt es eine Reihe von verschiedenen islamischen,
eher unpolitischen Bewegungen, wie Al-Arqam, deren
Führer 1994 nach dem Gesetz zur Inneren Sicherheit verhaftet
wurden.
Im Amt des Premierministers gibt es eine eigene
Islam-Abteilung, die unter anderem auch Richtlinien für
abweichende
Lehren herausgibt. In den letzten Jahren hat es immer wieder
Diskussionen
darum gegeben, ob und wie weit islamisches Recht in Malaysia
Gültigkeit hat. Muslime führen eine Auseinandersetzung
über die Auslegung des Islams. Ein neues deutschsprachiges
internetportal versteht sich "als Brücke zur islamischen Welt".
Unter der Sucheingabe "Malaysia" finden sich
hier aktuelle und grundsätzliche Artikel.
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Jugend
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Die Regierung Abdullah hat im Jahr
2004 ein
National Service - Jahr für beide Geschlechter eingeführt.
Nicht
militärisch angelegt, soll der National Service die Integration
der
Ethnien sowie das Bewußtsein einer malaysischen Identität
(bangsa
malaysia) fördern. Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass die zum
National
Service eingezogenen jungen Malaysier in der Freizeit sich lieber
innerhalb
der eigenen ethnischen Gruppe aufhalten. Somit ist der National Service
weit
davon entfernt, die Integration
der Ethnien zu verbessern.
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Bildung
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Das
Bildungssystem ist nach dem britischen Vorbild aufgebaut mit Primary und
Secondary Schools, hiernach folgen Colleges und Universitäten.
Einzigartig ist jedoch die Vielfalt der Primärschulen: Hier gibt
es nebeneinander sowohl Schulen mit der Unterrichtssprache Bahasa
Malaysia (Malaiisch) oder Mandarin oder Tamilisch. Erst auf der
Mittelschule (Secondary) wird gemeinsam in der Nationalsprache Bahasa
Malaysia unterrichtet. Die Besonderheit bei den Primärschulen, die
bis in der 1970er Jahre auch für die Mittelschulen galt,
unterstreicht die enorme politische Bedeutung des Bildungswesens in
Malaysia.
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Gesundheitswesen
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Die Gesundheitsfürsorge der Bevölkerung ist nach britischem Vorbild
von public health organisiert. Selbst in ländlichen Regionen ist der staatliche Gesundheitsdienst
durch die "Klinik Desa"- Stationen präsent. Neben dem
öffentlichen Bereich existieren private Gemeinschaftspraxen und
Ambulanzkliniken. Obwohl das Land kulinarisch bestens ausgestattet ist,
breiten sich Fast-Food-Ketten aus und verändern die Essgewohnheiten.
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Kulturelle Traditionen
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Die unterschiedlichen kulturellen Traditionen
der verschiedenen ethnischen
Bevölkerungsgruppen drücken sich u.a. auch in den
verschiedenen Festen, die sämtlich offizielle Feiertage sind,
aus. Eine "Nationale Kultur" ist schwer auszumachen. Vielmehr führen die einzelnen ethnischen Gruppen ihre Traditionen fort, ohne dass es bislang zu einer Verschmelzung gekommen wäre.
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