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M A L A Y S I A

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Seite 4: Gesellschaft und Kultur



"Asiatische Werte" 

Seit Anfang der 90er Jahre haben einige führende Politiker Asiens immer wieder versucht, die Besonderheiten einer kulturellen, asiatischen Tradition mit einem eigenen Wertesystem herauszustellen, um sich vor allem von westlichen Menschenrechts-Vorstellungen abzugrenzen. Die Regierung Malaysias hat diese Position immer wieder besonders lautstark vertreten. 

Malaysia - ein multiethnisches Land

Die ethnische Zusammensetzung Malaysias aus Malaien, Chinesen, Indern und verschiedene Volksgruppen in Sarawak und Sabah ist eine der wichtigsten Eigenheiten der Gesellschaft in Malaysia. Ein Gespür für die offenen und latenten Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen sowie den damit verbundenen sogenannten sensitive issues (Islam, spezielle Rolle der Malays, König als Staatsoberhaupt, Malay als Landessprache, Landrechte der Malays) ist der Schlüssel zum Verständnis von Politik in Malaysia.
Blick in einen der traditionell überbauten Fußwege einer Kleinstadt. Der Einzelhandel lag in der Kolonialzeit hauptsächlich in den Händen der chinesischen Bevölkerungsgruppe. Foto: Juergen Dumont.

Landessprachen 

Die offizielle Landessprache ist Malaiisch (Bahasa Malaysia), das nahezu identisch mit der Landessprache von Indonesien (Bahasa Indonesia) ist. Als Geschäftssprache ist Englisch weit verbreitet. Ferner werden verschiedene chinesische Dialekte unter den Malaysiern chinesischer Herkunft sowie Tamil unter denen indischer Herkunft gesprochen. Ein Bild können Sie sich von den Ihnen vermutlich unbekannten Sprachen Malaiisch und Chinesisch machen, indem Sie eine Tageszeitung in der jeweiligen Sprache aufrufen.

Frauenforderungen und Frauenorganisationen

Die überkommenen Vorstellungen der in Malaysia vertretenen Kulturen billigen den Frauen einerseits eine untergeordnete Rolle zu. Andererseits sind matrilineare Traditionen in Südostasien durchaus lebendig. Dies und der hohe Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften führen daher zu  einem verhältnismäßig hohen Bildungsstand der Frauen. Der Anteil der Studentinnen an den Universitäten des Landes ist höher als etwa bei uns in Deutschland. Gerade in den letzten 10 Jahren haben sie sich immer wieder für ihre Rechte eingesetzt. In Malaysia gibt es eine Reihe von Frauenorganisationen. Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index. Daraus abgeleitet werden zwei Geschlechterbezogene (Gender sensitive) Indizes: Ein entwicklungsbezogener (Gender-Related Development Index-GDI) und einer, der über den Umfang an Frauenförderung Auskunft gibt (Gender Empowerment Measure-GEM). Malaysia nimmt nach der Tabelle GDI und GEM den Platz 60 ein. Die staatliche Frauenorganisation ist das Secretariat for Women's Affairs. Alle Parteien haben jeweils Frauensekretariate. Ferner gibt es einen Dachverband von Frauenorganisationen AWAM und inzwischen auch ein großes Netz von Beratungsarbeit für Frauen

Ausländische Arbeitskräfte

In Malaysia arbeiten legal knapp 2 Millionen Arbeitsmigranten aus benachbarten Ländern. Malaysia ist ein Land der Zuwanderer. Wie viele der Indonesier, Thais, Filippinas, Bangla Deshi und Inder sich illegal im Land aufhalten, ist nicht bekannt. Wohl bekannt ist, was mit ihnen passiert, wenn sie erwischt und in Abschiebelager interniert werden. Die Nichtregierungsorganisation Tenaganita hat über die Zustände im Lager einen Bericht der UN-Menschrechtskommission in Genf vorgelegt. Ihre Vorsitzende wurde daraufhin von der Polizei wegen Verleumdung angeklagt. Die Regierung führte im  März 2005 eine großangelegte Abschiebeaktion durch, in der ca. 400.000 Migranten das Land verlassen sollten. Künftig soll die Anwesenheit von Migranten über biometrische Ausweise kontrolliert werden.  

Vielfalt der Religionen

Folgende Religionen werden in Malaysia praktiziert: Islam, Buddhismus, Hinduismus, Sikhismus, Christentum. Zwar gilt der Islam als die "Religion des Landes", jedoch dürfen alle Religionen frei ausgeübt werden.

Islamisierung

Die vorherrschende Religion in Malaysia ist der Islam Jeder ethnische Malaie oder jede Malaiin ist von Geburt her Muslim. Das sind aber nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung.
Angesichts der aktuellen, weltweiten Auseinandersetzung mit dem Islam sei hier auf die -vielleicht vergessene- regionale Identität des Islam in Südostasien hingewiesen. Hierzu zählt beispielsweise, dass sich der Islam in Malaysia und Indonesien über die Jahrhunderte mit mutterrechtlichen Traditionen (in West Sumatra und im malaysischen Bundesstaat Negri Sembilan) verwoben hat.
Das Bild des Islam in Malaysia ist durch vereinfachende und stereotype Abbildungen radikaler Strömungen des Islam verzerrt worden. 
Haupteingang der neuen National-Moschee in Putrajaya, dem neuen Sitz der Bundesregierung südlich Kuala Lumpur. Foto: Juergen Dumont.

Neben der islamischen Oppositionspartei PAS gibt es eine Reihe von verschiedenen islamischen, eher unpolitischen Bewegungen, wie Al-Arqam, deren Führer 1994 nach dem Gesetz zur Inneren Sicherheit verhaftet wurden. Im Amt des  Premierministers  gibt es eine eigene Islam-Abteilung, die unter anderem auch Richtlinien für abweichende Lehren herausgibt. In den letzten Jahren hat es immer wieder Diskussionen darum gegeben, ob und wie weit islamisches Recht in Malaysia Gültigkeit hat. Muslime führen eine Auseinandersetzung über die Auslegung des Islams. Ein neues deutschsprachiges internetportal versteht sich "als Brücke zur islamischen Welt". Unter der Sucheingabe "Malaysia" finden sich hier aktuelle und grundsätzliche Artikel.

Jugend

Die Regierung Abdullah hat im Jahr 2004 ein National Service - Jahr für beide Geschlechter eingeführt. Nicht militärisch angelegt, soll der National Service die Integration der Ethnien sowie das Bewußtsein einer malaysischen Identität (bangsa malaysia) fördern. Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass die zum National Service eingezogenen jungen Malaysier in der Freizeit sich lieber innerhalb der eigenen ethnischen Gruppe aufhalten. Somit ist der National Service weit davon entfernt, die Integration der Ethnien zu verbessern. 

Bildung

Das Bildungssystem ist nach dem britischen Vorbild aufgebaut mit Primary und Secondary Schools, hiernach folgen Colleges und Universitäten. Einzigartig ist jedoch die Vielfalt der Primärschulen: Hier gibt es nebeneinander sowohl Schulen mit der Unterrichtssprache Bahasa Malaysia (Malaiisch) oder Mandarin oder Tamilisch. Erst auf der Mittelschule (Secondary) wird gemeinsam in der Nationalsprache Bahasa Malaysia unterrichtet. Die Besonderheit bei den Primärschulen, die bis in der 1970er Jahre auch für die Mittelschulen galt, unterstreicht die enorme politische Bedeutung des Bildungswesens in Malaysia.  

Gesundheitswesen

Die Gesundheitsfürsorge der Bevölkerung ist nach britischem Vorbild von public health organisiert. Selbst in ländlichen Regionen  ist der staatliche Gesundheitsdienst durch die "Klinik Desa"- Stationen präsent. Neben dem öffentlichen Bereich existieren private Gemeinschaftspraxen und Ambulanzkliniken. Obwohl das Land kulinarisch bestens ausgestattet ist, breiten sich Fast-Food-Ketten aus und verändern die Essgewohnheiten.

Kulturelle Traditionen

Die unterschiedlichen kulturellen Traditionen der verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen drücken sich u.a. auch in den verschiedenen Festen, die sämtlich offizielle Feiertage sind, aus. Eine "Nationale Kultur" ist schwer auszumachen. Vielmehr führen die einzelnen ethnischen Gruppen ihre Traditionen fort, ohne dass es bislang zu einer Verschmelzung gekommen wäre.

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