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M A L A Y S I A

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Seite 2: Geschichte, Staat und Politik


Geschichtlicher Überblick

Erste Spuren einer Besiedlung lassen sich ca. 2000 Jahre zurückverfolgen. Vor der Islamisierung im 12 Jh. gehörte das Land zu verschiedenen Hindu-Königreichen. Die Kolonialzeit begann 1511 mit der Eroberung der Stadt Malakka durch die Portugiesen, es folgten Holländer und Briten. Seit 1957 ist das Land unabhängig.

Die Geschichte des Landes ist geprägt durch die Überlagerung unterschiedlicher Einflüsse aus West- und Ostasien sowie der europäischen Kolonialmächte. Folgende vier deutschsprachige Artikel behandeln auch dort behandelte spezifische Aspekte etwas ausführlicher: Die vorkolonialen Beziehungen Indiens zu Malaya beschreibt Sinnapah Arasaratnam im ersten Kapitel seines Buchs The Indians in Malaysia and Singapore.
Das Vordringen der Europäer nach Südostasien und damit der Engländer in das Gebiet des heutigen Malaysia schildert Milton Osborne.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Anfang 1942 die englischen Kolonialherren in kürzester Zeit von den japanischen Truppen besiegt. Den Widerstand von Malayas antijapanischer Volksarmee beschreibt der holländische Historiker Jan Pluvier.
Malay(si)as Weg aus der kolonialen Abhängigkeit in der Nachkriegszeit war ein schwieriger Weg. Die Briten wollten ihre lukrative Kolonie, aus der sie einen wesentlichen Teil ihrer Kriegsschulden beglichen, nicht so ohne weiteres in die Unabhängigkeit schicken, schon gar nicht, wenn die Gefahr bestand, daß eine pro-kommunistische Guerilla die Macht im Land hätte übernehmen können. Großbritannien führte mit zeitweilig fast 500.000 Soldaten einen unerbittlichen Krieg gegen die "kommunistischen Terroristen", die für die Unabhängigkeit Malayas kämpften. 

Staatsaufbau

Malaysia ist eine parlamentarische Demokratie nach britischem Vorbild mit einem Zweikammer- Parlament auf gesamtstaatlicher Ebene in Kuala Lumpur. Jeder Bundesstaat hat ebenfalls ein gewähltes Parlament mit einer eigenen Regierung. Diese haben innenpolitisch einige Befugnisse (hauptsächlich land-relevante Sachgebiete wie z.B. Land- und Forstwirtschaft) und sind jedoch finanziell relativ stark von der Bundesregierung abhängig. Im Gegensatz zu Deutschland sind wichtige staatliche Aufgaben, wie Erziehung und Bildung sowie die Polizei allein Bundesangelegenheit. 

Zur Föderation Malaysia gehören 13 Bundesstaaten mit eigenen  Verwaltungen und Parlamenten.



Repräsentative Wahlmonarchie

Malaysia ist eine föderative Wahlmonarchie, in der das Staatsoberhaupt, der Yang di-Pertuan Agong (König), alle fünf Jahre aus den Reihen der Sultane gewählt wird. Der König erfüllt heute nur noch rein repräsentative Aufgaben. Der gegenwärtige König, Sultan Mizan Zainal Abidinist ist Sultan des Bundesstaates Trengganu. Seine Regentschaft begann am 13. Dezember 2006. Foto: Regierung von Malaysia.
badawi

Starke Stellung des Premierministers

Premierminister Abdullah Ahmad Badawi (geb. 1939) ist seit dem 31. Oktober 2003 im Amt. Er löste Mahathir ab, dessen Politik seit 1981 das Land maßgeblich geprägt hatte. Abdullah gilt als Pragmatiker. Seine ersten Amtshandlungen haben gezeigt, dass er im Gegensatz zu Mahathir weniger auf visionäre Großprojekte setzt. Statt dessen will er ländliche Entwicklung und verarbeitende Industrie fördern und sich mit "getting back to basics" gegenüber der gewachsenen malaiisch-islamischen Opposition als ein Mann des Ausgleichs darstellen. In den Parlamentswahlen vom März 2004 konnte die von Abdullah angeführte multiethnische Koalition BARISAN NASIONAL die islamische Opposition in einigen Bundesstaaten zurückdrängen. 2008, nach fast vierjähriger Amtszeit, sehen viele ihre Erwartungen in Abdullah Badawi jedoch  enttäuscht. Sein Vorgänger Mahathir fordert ihn durch ungezügelte Kritik heraus. Foto: Far Eastern Economic Review.

Machtzentrum UMNO



Die Bundesregierung wird seit der Unabhängigkeit Malayas (d.h. zunächst der Halbinsel) im Jahr 1957 und der Gründung Malaysias 1963 (mit Sarawak und Sabah sowie Singapur, das nur von 1963 bis 1966 dem Bundesstaat angehörte) von der Partei des Premierministers Abdullah, der United Malay National Organisation, UMNO, angeführt. Alle Premierminister seit der Staatsgründung 1957 entstammten UMNO. Sie standen Regierungskoalitionen unterschiedlicher Zusammensetzungen vor, in denen jedoch immer sämtliche ethnischen Gruppen des Landes vertreten waren. Heute firmiert die Koalition als Barisan Nasional (Nationale Front), kurz BN. Die wichtigsten Koalitionspartner sind die Malaysian Chinese Association, MCA, der Malaysian Indian Congress, MIC, und Gerakan. Zum Kabinett gibt es eine aktuelle Liste sämtlicher Minister, stellvertretender Minister und parlamentarischer Staatssekretäre mit links zu den meisten der genannten Personen sowie fast allen Regierungsinstitutionen.

Wahlergebnisse 1999 und 2004

In den Wahlen zum Bundesparlament sowie zu den Landesparlamenten im Jahr 1999 konnte die Regierungskoalition des damaligen Premierministers Mahathir Mohamad (nach dem Mehrheitswahlsystem) wieder eine zwei Drittel-Mehrheit im Bundesparlament erringen. Allerdings mußte UMNO einige empfindliche Stimmenverluste vor allen in den überwiegend malaiisch bevölkerten, agrarischen Bundesstaaten Kelantan, Terengganu, Kedah hinnehmen, die zum Teil von den nicht-malaiischen Parteien MCA und Gerakan auf Kosten der oppositionellen DAP in anderen Bundessaaten aufgefangen werden konnten. An der Ostküste der malaiischen Halbinsel verlor die BN nicht nur im Bundesstaat Kelantan (wie 1995) sondern auch im benachbarten Terengganu die Mehrheit in den Landesparlamenten und mußte dort die Regierungsbildung der oppositionellen, islamisch orientierten Parti Islam, PAS, überlassen.

Die Wahlergebnisse wurden von der Regierungskoalition in den weitgehend regierungsfreundlichen Medien als Erfolg gefeiert, sah man doch schon die 2/3 Mehrheit bedroht (vgl. Wahlergebnisse seit 1959 ). Bemerkenswert ist, dass innerhalb der Volksgruppe der Malaien die Opposition gegen UMNO erstarkt und so PAS mehr Anhänger gewinnt. Die Unzufriedenheit innerhalb der Malaien mit UMNO war über die lange Regierungszeit (seit 1957) gewachsen, weil Parteimitglieder sich über Staatsämter bereichert haben. Erstmals ist die Volksgruppe der Malaien gespalten in sogen. 'New Rich' und die, die wenig von der aufstrebenden Wirtschaftsentwicklung profitiert haben.

Die Regierung Abdullah Badawi

Der Nachfolger Mahathirs, Abdullah Badawi setzte für den 21. März 2004 Neuwahlen an und errang einen überwältigenden Wahlsieg. Die Regierungskoalition (im wesentlichen bestehend aus UMNO, MCA und MIC) erhielt ca. 90 % der Sitze im Bundesparlament (insgesamt hat das Bundesparlament 219 Abgeordnete) und stellt -mit einer Ausnahme- auch alle Landesregierungen. Die islamische Partei PAS erlitt eine empfindliche Niederlage. In der Periode 2004-08 war sie nur noch mit 7 Abgeordneten im Bundesparlament vertreten (vormals 27). Außerdem verlor sie die Regierungsmehrheit im Bundesstaat Trengganu an der Ostküste. Die Democratic Action Party (DAP) konnte geringfügig Sitze hinzugewinnen und ist war von 2004-08 mit 12 Sitzen stärkste Oppositionspartei im Bundesparlament.

Die Rolle der Monarchie

Spannungen zwischen den traditionellen, feudalen Fürsten, die nach wie vor bestimmte Privilegien und große Reichtümer genießen, und der Regierung bleiben nicht aus. Auch innerhalb der Bevölkerung schwindet das Ansehen der Sultane wegen ihrer Verschwendungssucht. Gerade Mahathir, als ausgebildeter Arzt von mittelständischer Herkunft, hat in den Jahren seiner Regierung (1981-2003) die Funktion der Monarchie auf rein repräsentative Aufgaben verfassungsmäßig beschränkt. So kann die Unterzeichnung von Gesetzen durch den König nicht länger als 6 Wochen zurückgehalten werden. Außerdem ist bei schweren Vergehen die Immunität der Sultane aufhebbar. 

Die innenpolitische Auseinandersetzung im Zuge der Asienkrise 1997

Mit der Finanzkrise in Südostasien im Sommer 1997 erlebte Malaysia die größte Wirtschaftskrise seit seiner Gründung 1963. Sie löste in der ersten Jahreshälfte 1998 eine Auseinandersetzung im Regierungslager aus und hatte ihren Höhepunkt im September mit der Entlassung des stellvertretenden Premierministers und Finanzministers, Anwar Ibrahim, und seinem Ausschluß aus der UMNO. Mahathir war seit der Absetzung seines langjährigen Stellvertreters und dessen Verhaftung so umstritten wie noch nie. Es kam zu zahlreichen Massendemonstrationen, in denen unter der Parole Reformasi politische Reformen, Demokratie und der Rücktritt Mahathirs gefordert wurden. Trotz weitreichender und repressiver Gesetze zur Inneren Sicherheit konnte der Protest nicht erstickt werden. So etwas hat es in Malaysia seit über 30 Jahren nicht mehr gegeben.

Die Inhaftierung Anwar Ibrahims

In seinem ersten Prozeß wurde Anwar am 14. April 1999 zu 6 Jahren Gefängnis wegen Korruption verurteilt. Ab Juni 1999 wurde gegen ihn ein zweiter Prozeß wegen sexuellen Mißbrauchs geführt mit Urteilsverkündung am 7. August 2000. Anwar sah das ganze als eine Verschwörung gegen ihn und machte dies in seiner Abschlußrede nach der Urteilsverkündung im ersten Prozeß deutlich. Insbesondere die Art und Weise, wie er abgesetzt wurde, hatte in der Öffentlichkeit auch bei sonst Mahathir gut Gesinnten Entrüstung hervorgerufen. Anwar Ibrahim wurde im September 2004 -unter der neuen Regierung Abdullah Badawi- freigelassen.

Ein neues Oppositionsbündnis

Die Protestbewegung hatte im Juli 1999, am Vorabend der Wahlen, eine klare politische Organisationsform angenommen. Anhänger Anwars hatten gemeinsam mit seiner Frau, Wan Azizah Wan Ismail, eine nationale Gerechtigkeitspartei, KEADILAN (leider wird die Internet-Adresse immer wieder gestört), gegründet. Die bereits im Parlament vertretenen Parteien Parti Islam, PAS, sowie die unter den chinesischstämmigen Malaysiern starke Democratic Action Party, DAP, waren gemeinsam mit Keadilan und einer kleinen, ehemals sozialistisch orientierten Parti Rakyat Malaysia das Wahlbündnis Barisan Alternatif (BA, inzwischen aufgelöst) eingegangen. Erst Ende Oktober 1999 verabschiedeten sie ein gemeinsames Manifest. Erstmals seit Gründung Malaysias stand bei den Parlamentswahlen ein Zusammenschluß von vier Oppositionsparteien der Regierungskoalition gegenüber. Nach fast zweijährigen Verhandlungen wurde am 3. August 2003 die Zusammenlegung der beiden Oppositionsparteien Keadilan und Parti Rakyat Malaysia (PRM) beschlossen. Die daraus entstehende Partei heißt Parti Keadilan Rakyat (PKR), die Kurzform bleibt Keadilan.

Allerdings waren sich die damals im Bündnis zusammengeschlossenen Parteien auf vielen Gebieten nicht einig. Die grundsätzlichen Differenzen zwischen der streng islamischen, malaiischen PAS und der weltlichen, chinesischen DAP über ein Verständnis vom "islamischen Staat" führten schließlich am 22. September 2001 zum Austritt der DAP aus dem Bündnis. Auch blieben interne Konflikte in der jungen KEADILAN zwischen den führenden Köpfen aus NRO-Kreisen und den ehemaligen UMNO-Mitgliedern nicht aus. 

Die Bewegung gegen die Gesetze zur Inneren Sicherheit

Anfang April 2001, kurz vor dem zweiten Jahrestag der Verurteilung Anwars, fand die erste größere Polizeiaktion gegen die Oppositionsbewegung statt. Sieben Oppositionspolitiker von KEADILAN, unter ihnen einer der Vizepräsidenten, Tian Chua, zwei Journalisten und ein Menschenrechtsaktivist wurden ohne Anklage nach dem Gesetz zur Inneren Sicherheit - ISA - (siehe Abschnitt Menschrechte) verhaftet. Zwei von ihnen wurden im Mai von der Polizei wieder freigelassen.

Zwei weitere mußte die Polizei aufgrund eines aufsehenerregenden Gerichtsbeschlusses des High Courts von Shah Alam wieder auf freien Fuß setzen. Für die übrigen sechs hat der Innenminister eine zweijährige Internierung angeordnet, gegen die es praktisch keine rechtliche Handhabe gibt. Neu an der Situation ist, dass selbst die von der Regierung eingesetzte Menschenrechtskommission SUHAKAM und der Richter des High Court von Shah Alam die Anwendung des ISA kritisieren und dessen Berechtigung in Frage stellen. Außerdem wurde von über 70 Organisationen trotz drohender weiterer Verhaftungen ein breites Bündnis gegen das ISA Abolish ISA Movement gebildet.

Die Regierung Abdullah

Die Ära Mahathir ist mit der Amtsübergabe am 31. Oktober 2003 an seinen Stellvertreter Abdullah zu Ende gegangen. Sie war geprägt durch eine stürmische Wirtschaftsentwicklung, zahlreiche symbolbildende Großprojekte, wie der Aufbau einer nationalen Automobilproduktion (Proton), der MultiMediaSuperCorridor (MSC) oder die Petronas-Türme als dem mit 450 m zeitweilig höchstem Bürohaus der Erde. Mahathir hat in zahlreichen Krisen und parteiinternen Machtkämpfen -wenn auch mit fragwürdigen Mitteln- die Oberhand behalten.

Abdullah (Spitzname:"Pak Lah") tritt langsam aus dem Schatten seines Vorgängers heraus. Seine Aufmerksamkeit gilt u.a. dem in 'fetten' Jahren aufgeblähten öffentlichen Dienst. Durch Überraschungsbesuche bei staatlichen Ämtern macht er deutlich, dass Schlendrian, Patronage und Korruption beendet werden sollen. Er hat Großprojekte, wie die neue Nord-Süd-Eisenbahn (ca. 3.5 Mrd. EUR), die in den letzten Tagen von Mahathirs Amtszeit an Richtlinien vorbei 'freundschaftlich' vergeben worden war, zunächst auf Eis gelegt. Da die technische Infrastruktur in bereits vielen Bereichen erstklassig ist, will er das Schwergewicht auf ein verbessertes Management, mehr Transparenz und angesichts der wachsenden Konkurrenz Chinas um ausländische Investitionen auf eine qualifiziertere Ausbildung legen. 

Innenpolitisch versucht Abdullah für UMNO Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen, die seit der willkürlichen Inhaftierung Anwar Ibrahims 1999 erodiert war.

Die vorgezogenen Wahlen vom 8. März 2008: Ein Wendepunkt

Für den 8. März 2008 hatte Abdullah Badawi vorgezogene Neuwahlen für das Bundes- und die Landesparlamente angesetzt. Bei der Terminierung spielte offenbar das Ende des gerichtlich verfügten politischen Betätigungsverbotes für Anwar Ibrahim im April 2008 ein wesentliche Rolle. Damit sollte offenbar eine Wahlperiode ohne Teilhabe des wichtigsten Oppositionspolitikers gesichert werden.

Obwohl in Malaysia der öffentliche Wahlkampf auf 2 Wochen beschnitten ist und die Regierung die Hoheit über die wichtigsten Medien ausübt, ging die Rechnung nicht auf.

Die Regierung verlor die verfassungsrechtlich wie psychologisch wichtige Zwei-Drittel Mehrheit im Parlament, die sie seit 1969 ununterbrochen innehatte. Damit hatte die aus Keadilan, PAS und DAP vereinte Opposition ihr wichtigstes Wahlziel erreicht.

Darüber hinaus verlor die Regierungskoalition weitere 4 Bundesstaaten (Perak, Kedah, Selangor und Penang) an die Opposition, was einem politischen Erdrutsch gleichkommt. Denn nicht  wie bisher regiert die Opposition nur abgelegene Bundesstaaten wie Kelantan, sondern mit Selangor den Ballungsraum um die Hauptstadt.

Im Bundesparlament hat die Regierungskoalition nun 140 Sitze gegenüber 82 Sitzen der Opposition, in den Landesparlamenten beträgt das Verhältnis insgesamt 307 zu 196 Sitzen.

Das Vertrauen breiter Mehrheiten unter den Malaien und unter den Chinesen in die Regierung scheint zu erodieren. Insbesondere das Problem der Vetternwirtschaft, der gestiegenen Inflation sowie mangelnder bürgerlicher Freiheiten wird der Regierung angelastet.

Bumiputra-Politik für immer ?

Auf dem im Jahr 2007 abgehaltenen Parteitag von UMNO, der führenden Regierungspartei, hat Abdullah vorgeschlagen, die NEP und ihre Nachfolgeprogramme einer Förderung der Bumiputras mittelfristig zu beenden. Obgleich die NEP zu einer gleichmäßigeren Verteilung des Produktivvermögens zwischen den einzelnen Ethnien geführt hat, bestehen berechtigte Zweifel an ihrer ökonomischen Effizienz. Eine verbreitete Kritik lautet, dass vor allem Privilegien einer bestimmten Gruppe unter den Malays gefördert wurden. Abdullahs Vorschlag fand unter den Delegierten keine Mehrheit.

Neben der innenpolitischen Öffnung fördert Abdullah verstärkt die Landwirtschaft und bezeichnet diese als "Dritte Säule der Entwicklung". Damit konnte bei den Wahlen 2004 malaiische Wähler in den ländlichen Regionen wieder an UMNO binden. Vor allem sollten die von PAS regierten Bundesstaaten (Kelantan und Trengganu) wieder zurückgewonnen werden, was in Trengganu gelang.

Pressefreiheit und Opposition

In Malaysia sind die Medien schon seit Jahrzehnten durch repressive Gesetze, Eigentumsverhältnisse und Selbstzensur in der freien Meinungsäußerung eingeschränkt. Im Vorfeld der Entlassung Anwar Ibrahims aus der Regierung und seinem Ausschluß aus der Regierungspartei, wurden im Juli 1998 die mit ihm sympathisierenden Chefredakteure von zwei einflußreichen, regierungsnahen, malaiischen Tageszeitungen ihres Posten enthoben. Inzwischen gibt es ein regierungskritisches Medienenforum Charter 2000 bei ALIRAN.

Die parlamentarische wie nicht-parlamentarische Opposition (NROs) und kritische Journalisten verbreiten ihre Meinungen und unterdrückte Nachrichten am effektivsten über das Internet. Mitteilungen und Zeitungen der wichtigsten Oppositionsparteien, der DAP, der KEADILAN, und PAS sind frei zugänglich. Die Anhänger Anwars haben ein eigenes Forum ("International Free Anwar Campaign").

Menschenrechte

Die Reformbewegung ALIRAN ist wohl die älteste Nichtregierungsorganisation, die sich kontinuierlich für demokratische Grundrechte einsetzt. 1988 wurde die Menschrechtsorganisation SUARAM offiziell gegründet. Dem vorausgegangen war die informelle Vernetzung der Menschenrechtsaktivitäten verschiedener NROs in Malaysia anläßlich politisch motivierter Massenverhaftungen durch die Regierung nach dem Gesetz zur Inneren Sicherheit, ISA, im Herbst 1987.
Außerdem gibt es eine National Human Rights Society, HAKAM 1994 verabschiedeten 48 NROs gemeinsam eine malaysische Menschenrechts-Charter.
SUARAM veröffentlicht seit 1999 Berichte und aktuelle Meldungen zur Menschenrechtslage in Malaysia, die jährlich aktualisiert werden. ALIRAN hat zu Stand von Januar 2004 eine Liste von ISA-Inhaftierten veröffentlicht. Amnesty International veröffentlicht einen jährlichlichen Bericht zu Malaysia. Im September 1999 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zur Einrichtung einer Menschrechtskommission SUHAKAM , deren 13 Mitglieder Anfang April 2000 ernannt wurden. Ihr Vorsitzender, Musa Hitam, war in den 80er Jahren selbst einmal stellvertretender Premierminister und gilt als einer der wenigen, gemäßigten Kritiker Mahathirs innerhalb der Regierungspartei UMNO, der in internationalen Organisationen zu Menschenrechten wiederholt die malaysische Regierung vertreten hat. Das im April 2001 von über 70 Organisationen gegründete Abolish ISA Movement (AIM)   informiert über die neuesten Entwicklungen im Kampf gegen das infame Gesetz zur Inneren Sicherheit. Premier Abdullah hat am 29. Dezember 2003 die Einberufung einer Royal Commission zur Untersuchung von Polizeiaktivitäten angekündigt. Damit reagiert er auf Vorwürfe von Amtsmißbrauch und Korruption innerhalb des Sicherheitsapparates. Amnesty International führt eine Deutsche Sektion zu Malaysia. 

Aktuelle tagespolitische Fragen

Was gibt es Neues in Malaysia?
Antwort auf diese Frage bieten im Internet inzwischen alle nationalen wie regionale Tageszeitungen des Landes. Als englischsprachige, überregionale Tageszeitung sind es The Star , die New Staits Times und die Malay Mail . Die ersten beiden gelten als seriöser. Alle verfügen über ein Archiv für Recherchen in den Ausgaben der letzten 7 Tage. Gegen Gebühr kann man auch im Archiv der NSTP (New Straits Times Press) in Ausgaben ab 1991 stöbern.
Regionale Tageszeitungen on-line sind der Daily Express über Sabah mit den Ausgaben der letzten 3 Monate. Die Sarawak Tribune wurde durch Erlass des Innenministers im Frühjahr 2006 eingestellt, nachdem dort einige der sog. "Mohamed-Karikaturen" wiedergegeben wurden. Zu Penang hat The Star noch einen Lokalteil online.
Englischsprachige Tageszeitungen der Nachbarländer, die auch viel über Malaysia berichten, sind die Straits Times (Singapur), Bangkok Post (Thailand), Jakarta Post, jakarta (Indonesien) und Philippine Daily Inquirer . Das renommierteste englischsprachige regionale Magazin (gegründet 1947) ist der Far Eastern Economic Review (FEER) mit Sitz in Hongkong. 

Es gibt noch einige weitere tägliche on-line Nachrichtendienste zu Malaysia wie die regierungstreue Nachrichtenagentur Bernama News auf Englisch, ferner die regierungskritische Malaysiakini (aktuell, mit gutem Archiv) sowie Malaysia-Today und MalaysiaNews. Eine Übersicht liefert e-media.

Falls Sie außer Englisch auch eine der anderen im Land gesprochen Sprachen beherrschen, können Sie sich auch über entsprechende Tageszeitungen online informieren. In den verschiedenen Sprachgruppen drehen sich die öffentlichen Diskussionen häufig um sehr unterschiedliche Themen. Malaiische und chinesische Zeitungen können Sie bei Gelegenheit später mal aufschlagen. (Der Bildschirmaufbau dauert jedoch bei Chinesisch wegen des Zeichensatzes lange und Sie müssen sich einen entsprechenden Zeichensatz laden.)

Malaysias Stellung in der Auseinandersetzung im Mittleren Osten

Malaysia bildet die Brücke vom Archipel zum Festland Südostasien. Als Land mit einer islamischen Bevölkerungsmehrheit gehört es neben Indonesien zu den Ländern Südostasiens, das nach den Anschlägen in den USA am 11.9.2001 die Weltöffentlichkeit aufmerksamer beobachtet. Die Reaktionen auf die Anschläge und die Folgen sind vielfältig. Die Position der Regierung ist: Verurteilung der Terroranschläge, gleichzeitig aber auch Kritik an den militärischen Operationen der USA und der damit geschaffenen feindlichen Stimmung gegenüber allen Muslimen. Beispielhaft sind hier die Standpunkte von ALIRAN angezeigt. Der Krieg im Iraq wird über sämtliche politische Lager als Ausdruck des Hegemoniestrebens der USA gesehen. Die Oppositionspartei PAS liefert in ihren Stellungnahmen Nahrung für solche feindlichen Stimmungen, indem sie das Vorgehen der USA als Krieg gegen den Islam ansieht und ihren Mitgliedern freistellt, auf Seiten der Taliban in Afghanistan den Islam zu verteidigen. Die Auffassung, dass mit den Anschlägen die Arroganz der Supermacht USA getroffen wurde, wird mit unterschiedlichen Gefühlen in der Öffentlichkeit diskutiert, wenn auch einhellig große Betroffenheit über die Anzahl der Opfer - mehrer auch aus Malaysia - geäußert wird.

Tsunami

Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 hat in einem weitaus geringeren Umfang als in Indonesien und Thailand auch Malaysia betroffen. An den Küsten der Bundesstaaten Penang, Kedah und Perlis wurden 70 Opfer gezählt. Malaysia beteiligt sich am Wiederaufbau in Indonesien, insbesondere an der Planung der völlig zerstörten Stadt Bandar Aceh.

Arbeitsmigranten

Nachdem meist illegale Arbeitsmigranten aus den Nachbarländern während der Jahre rapiden Wachstums geduldet waren, beschließt die Regierung im Januar 2005 zunächst die Ausweisung und Abschiebung hunderttausender Gastarbeiter und droht mit drakonischen Strafen. Schließlich erlaubt sie die Rückkehr unter einem neuen Meldesystem. Künftig soll die Anwesenheit ausländischer Arbeitskräfte u.a. mit biometrischen Ausweisen kontrolliert werden.

Regionale Kooperationen

Malaysia ist Mitglied in dem Saatenbund Association of Southeast Asian Nations, ASEAN. Bei ASEAN finden Sie viele aktuelle und historische Dokumente über die regionale Zusammenarbeit. Ferner besteht eine Zusammenarbeit im Rahmen der Asia-Pacific Economic Cooperation APEC, welcher alle Anrainerstaaten des Pazifik angehören, einschließlich den Staaten Nord- und Südamerikas. Mit den Mitgliedsländern der Europäischen Union besteht seit 1996 eine ähnliche Zusammenarbeit im Rahmen des Asia-Europe Meeting, ASEM. Darüber ist im Asienhaus mehr zu erfahren. Als ehemalige britische Kolonie ist Malaysia auch Mitglied im Commonwealth

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