Malayas antijapanische Volksarmee

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Jan Pluvier
Der Verfasser ist Professor für moderne Geschichte Asiens an der Universität Amsterdam. Auszug aus: J. Pluvier, South-East Asia from Colonialism to Independence, "The Anti-Japanese Guerilla Movements - The Malayan People's Anti-Japanese Army", Kuala Lumpur 1974, S. 298 - 305.

Malayas verschiedene ethnische Volksgruppen verfolgten keine gemeinsamen politischen Ziele und als Folge gab es so gut wie keine Zusammenarbeit untereinander. Auch die japanische Besetzung brachte die ethnischen Gemeinschaften einander nicht näher als sie es unter britischer Herrschaft gewesen waren. Da die Anstrengungen der Militärverwaltung, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, sich in erster Linie auf die Malayen und, in geringerem Ausmaß, auf die Inder konzentrierte, hatte sie im Großen und Ganzen keine Schwierigkeiten, beide ethnischen Gruppen zur Kollaboration zu bewegen oder zumindest sich der japanischen Kontrolle passiv zu fügen. Verschiedene Aspekte der japanischen Politik, z.B. die grausame Behandlung der tamilischen Kulis führten zu großer Unzufriedenheit unter den Indern, und die politischen Führer mißbilligten es sehr, als Beweis für die pro-indische Einstellung Japans herzuhalten. Doch reichten solche Unzufriedenheiten nicht aus, um eine Atmosphäre offener Feindschaft gegenüber Japan zu erzeugen; darüberhinaus erkannte man, daß die Inder eine zahlenmäßig zu kleine Minderheit waren, um sich erfolgreich auf ein antijapanisches Abenteuer einlassen zu können. Während viele Inder mit den Japanern kollaborierten, blieben die meisten von ihnen neutral und nur wenige schlossen sich dem Widerstand im Untergrund an.

Zurückhaltung der Malaien

Die Malaien machten ungefähr die Hälfte der Bevölkerung Malayas aus, aber aufgrund der japanischen Politik, sich in erster Linie bei den Malayen einzuschmeicheln, hatten diese wenig Grund, antijapanisch eingestellt zu sein. Obwohl auch die Malaien in mancher Hinsicht das japanische Verhalten bedauerten, betrachtete die malaiische Elite und das Gros der Bevölkerung Japan nicht generell als einen schlimmeren Herrn, als die Briten in der Vergangenheit gewesen war. Die Stellung der Malaien schien in der Gesellschaft Malayas, insbesondere im Verhältnis zu den nicht-malaiischen Völkern, unter japanischer Herrschaft genauso gesichert zu sein, wie sie es unter der britischen Kolonialherrschaft gewesen war. Daher war die überwältigende Mehrheit der malaiischen Politiker und Beamten nicht geneigt, in irgendwelche illegalen Aktivitäten hineingezogen zu werden, noch viel weniger, sich der Widerstandsbewegung gegen die Japaner anzuschließen.

Nur wenige Malaien benutzten ihre Kollaboration als Tarnung für unbestimmte Untergrundtätigkeiten. Unter ihnen waren einige Mitglieder der traditionellen Elite wie der Sultan von Pahang; sie waren weniger durch nationalistische Ideale motiviert, als von ihrem Wunsch nach einer Rückkehr der Briten als Schutzherren malaiischer Interessen geleitet. Auch gab es die mehr oder weniger radikalen Anführer mit antifeudaler Orientierung, die nicht von der Furcht besessen waren, daß eine Selbstverwaltung für Malaya die malaiischen Interessen nicht irreperabel beschädigen würde oder daß die Malaien von Chinesen und Indern überwältigt werden könnten. Sie verfochten ein Konzept von Nationalismus, das sich an der ethnischen Volksgruppe der Malaien als an Malaya orientierte. Unter diesen war der Prominenteste Ibrahim Yaacob, Kommandeur der Hilfstruppen für die Japaner, Peta, der geheime Kontakte zur kommunistischen Guerilla unterhielt und Pläne für einen härteren Widerstand gegen die Japaner ausarbeitete. Sie waren jedoch eine winzige Minderheit und hatten kaum Einfluß auf die malaiischen Massen. Noch geringer war die Zahl derjenigen, die aktiv am chinesischen und kommunistisch geführten antijapanischen Widerstand teilnahmen.

Widerstandsbewegung der Chinesen

Die Chinesen hatten allen Grund ganz und gar gegen die Japaner zu sein. Ihr Herkunftsland war brutal angegriffen worden, und während der japanischen Eroberung Malayas waren sie die Opfer eines wahllosen Abschlachtens, das seinen Höhepunkt in den Greueln von Singapur im Februar 1942 erreichte. Dies sowie die ständigen Erpressungs-, Einschüchterungs- und Unterdrückungsmaßnahmen, denen sie ausgesetzt waren, führte dazu, daß die Chinesen tiefen Haß gegen die Japaner hegten. Es gab einige, die mit der japanischen Obrigkeit zusammenarbeiteten, aber ihre Zahl war gering verglichen mit der der malaiischen Kollaborateure. Unter den Chinesen entwickelten sich Untergrundorganisationen in den Städten und ebenfalls eine bewaffnete Widerstandsbewegung auf dem Land. Da in den ländlichen Gegenden hauptsächlich Malaien lebten, errichteten sie ihre Guerillastützpunkte nicht in den bevölkerten Gebieten, sondern im Dschungel.

Der antijapanische Widerstand in Malaya war nicht nur fast ausschließlich chinesisch, er war darüberhinaus fast ausschließlich in kommunistischer Hand. Die Kuomintang stellten ein paar bewaffnete Gruppen auf, doch diese waren ziemlich klein und ineffektiv. Angesichts der Spaltung ihres Volkes und der ständigen Gefahren, denen die Chinesen sowohl als einzelne als auch als Gruppe aufgrund der japanischen Verfolgungen ausgesetzt waren, fehlten der traditionellen Elite die erforderlichen Fähigkeiten, um der Herausforderung zu begegnen. Die einzige Organisation, die in der Lage war, den hart bedrängten Chinesen sowohl eine effiziente Führung als auch die Mittel zu verschaffen, um einem Notstand unvorhergesehenen Ausmaßes angemessen begegnen zu können, war die Kommunistische Partei Malayas (KPM). Bereits in den Jahren zuvor hatte die KPM die jüngere Generation erfolgreich von der Kuomintang weglocken können, aber während der japanischen Besetzung bewies sie, daß sie über eine ausreichende Autorität verfügte, um den Chinesen einen Weg zu zeigen, ihre Unterdrücker aktiv zu bekämpfen und großangelegten Widerstandsaktionen eine Richtung zu geben.

Die Rolle der Kommunisten

Den Kern der Guerillastreitkräfte bildeten Kommunisten, die sich unmittelbar nach dem Zusammenbruch der britischen Herrschaft in die Berge und den Dschungel aufgemacht hatten. Hier schlossen sich ihnen junge chinesische Männer und Frauen an, die vor dem japanischen Terror in den Städten geflohen waren. Bald bildete sich eine politische Vereinigung, die als Malayan People's Anti-Japanese Union (Antijapanische Union des Volkes von Malaya, MPAJU) bekannt wurde. Sie umfaßte die Untergrundorganisationen in den Städten und die bewaffneten Einheiten im Dschungel, die sogenannte Malayan People's Anti-Japanese Army (Antijapanische Volksarmee Malayas, MPAJA). Das Wort "Malayan" sollte den multiethnischen Charakter der Widerstandsbewegung hervorheben, so wie deren Führer es sich gewünscht hätten. Obgleich ein paar Malaien und eine Anzahl Inder sich beteiligten, war die Bewegung doch fast ausschließlich chinesisch, noch dazu kontrolliert von der chinesisch dominierten KPM. Die bewaffneten Eineiten waren in territoriale Befehlsbereiche aufgeteilt, die wiederum in eine Anzahl kleinerer Gruppen auf die im Dschungel verstreuten Stützpunkten verteilt waren. Der zivile Flügel der Widerstandsbewegung in den Städten und Dörfern sollte Kontakte zur chinesischen Bevölkerung aufbauen, um diese dazu zu bringen, die Guerillakämpfer durch die Entsendung von Nachschub und Rekruten sowie das Sammeln von Informationen zu unterstützen; darüberhinaus hatte er die Aufgabe, antijapanische Propaganda zu verbreiten, Mittel für die Partei aufzutreiben und Sabotageakte zu begehen.

Zu Beginn erlitt die Widerstandsbewegung einen schweren Verlust, als die Japaner am 1. September 1942 ein Treffen des Zentralkomitees der KPM in den Batu-Höhlen nahe Kuala Lumpur überfielen, bei dem Kommandanten der MPAJA anwesend waren. In den anschließenden Kämpfen wurden die meisten höheren Kader der Kommunisten getötet oder gefangengenommen, mit Ausnahme von Generalsekretär Lai Teck, der die Konferenz einberufen hatte, aber nicht erschienen war. Es ist unklar, ob dieser Zwischenfall, der zur Beseitigung sehr vieler älterer Parteifunktionäre geführt hatte, auf ein Unglück oder auf ein geheimes Einverständnis zwischen Lai Teck und der japanischen Militärpolizei, Kempeitai, zurückzuführen war: einige Jahre später wurde er als Verräter und Doppelagent angeklagt. Sicher ist, daß von diesem Zeitpunkt an Lai Teck der unbestrittene Führer der KPM war und daß die vorsichtige Guerillastrategie, die er anscheinend befürwortete, tatsächlich übernommen wurde.

Vorsichtige Guerillastrategie

Angesichts der militärischen und politischen Umstände war die vorsichtige Politik der Widerstandsorganisation so logisch, daß dieses Thema wohl kaum ein Anlaß für Reibungen zwischen Lai Teck und dem Zentralkomitees hätte gewesen sein könnnen, um die Ausschaltung einer großen Zahl von ZK-Mitgliedern zu inszenieren. Die Truppen in Malaya bildeten die stärkste Armee, die Japan in Südostasien zur Verfügung hatte; sie in offenen Feldschlachten herauszufordern, wäre selbstmörderisch gewesen. Darüber hinaus konnten sich die Widerstandskämpfer nicht, wie die vietnamesischen oder philippinischen, auf die Mehrzahl der Bevölkerung verlassen - eine absolute Voraussetzung für den Erfolg in jedem Guerillakrieg. Da die Inder kein großes Interesse zeigten und die Malaien feindselig gegenüber einer chinesischen und kommunistisch geführten Bewegung waren, konnten die Guerillas allein von den Chinesen die Hilfe erhalten, die es ihnen ermöglichte auszuhalten. Ihre Politik des vorsichtig gemäßigten Widerstands wurde bisweilen dem Wunsch der Kommunisten zugeschrieben, ihre Position zu verstärken und ihre Kräfte für einen zukünftigen Kampf mit den Briten zu schonen. Zweifellos war sich die KPM bewußt darüber, daß sie nach einer japanischen Niederlage mit dem Versuch der Wiederherstellung der britischen Herrschaft konfrontiert werden würde; ihre Aktionen zur Erweiterung ihres Einflusses unter der chinesischen Bevölkerung waren zum Teil von solchen Erwägungen motiviert. Tatsächlich war es überall in Südostasien die Politik der nationalistischen Führer, ob sie Kommunisten waren oder nicht, ob sie mit den Japanern kollaborierten oder Widerstand leisteten, die Möglichkeiten des japanischen Regimes zu benutzen, um ihre eigene Position gegenüber den westlichen Kolonialmächten zu stärken. Aber solche Spekulationen waren sicherlich nicht der ausschlaggebende Grund für die vorsichtige Taktik der Kommunisten Sie wurden hauptsächlich von der Erkenntnis geleitet, daß jede Politik, die auf eine offene Schlacht mit den Japanern hinausgelaufen wäre, nur in einem fürchterlichen Desaster hätte enden können.

Folglich konzentrierten sie ihre Anstrengungen darauf, eine schlagkräftige Widerstandsbewegung aufzubauen, mit einem gut organisierten Nachschubsystem, das die Versorgung der Guerillas mit Nahrung und anderen Notwendigkeiten sicherte; ein gut entwickeltes Kuriersystem sollte dazu dienen, die erforderlichen Kontakte zwischen den Stützpunkten im Dschungel und den Untergrundzellen in den Städten aufrechtzuerhalten. Darüberhinaus versuchten sie das Vertrauen der chinesischen Volksgruppe zu gewinnen. Die militärischen Aktivitäten der MPAJA waren darauf beschränkt, Sabotage gegen Nachrichtenverbindungen zu betreiben, kleinere Angriffe auszuführen und einzelne Japaner und Kollaborateure zu beseitigen. Unter den letzteren gab es viele malaiische Polizisten und Dorfvorsteher, aber auch eine Anzahl Chinesen, die als Verräter galten. Es gab ein starkes Element der Einschüchterung in den Aktionen gegen Chinesen, die nicht kooperativ genug waren oder die verdächtigt wurden, Agenten der Japaner zu sein. Aber diese terroristischen Aspekte waren nur einer der ausschlaggebenden Faktoren für die umfassende Macht, die die Guerillabewegung über die chinesische Bevölkerung ausüben konnte.

Viele Menschen, die sich den Reihen der MPAJA anschlossen, waren durch die japanischen Verfolgungen in die Berge und den Dschungel getrieben worden; losgelöst von den traditionellen Grundlagen des Schutzes innerhalb des Dorfes erhielten sie ein neues Gefühl der Sicherheit als Mitglieder der antijapanischen Widerstandsorganisation. Andere, die versucht hatten, dem wirtschaftlichen Elend in den Städten zu entfliehen, siedelten an den Rändern des Dschungels und versuchten, ihren Lebensunterhalt durch Nahrungsanbau auf kleinen Landflecken zu sichern. Diese illegalen Siedler waren von den Guerillas leicht zu beeinflussen und zur Mitarbeit zu bewegen. Aber abgesehen von denjenen, die direkt verwickelt waren, fühlte sich die chinesische Volksgruppe stark zur KPM hingezogen, und zwar nicht in erster Linie wegen des Kommunismus. Als Speerspitze des Widerstands gegen die Japaner genoß die Partei ungeheures Ansehen bei der jüngeren Generation. Es beruhte auf der stolzen Erkenntnis, daß die Guerillabewegung hauptsächlich ein chinesisches Unternehmen und daß sie im Krieg gegen Japan ein Partner der Alliierten war, ein Umstand, den die Kommunisten nicht vergaßen nachdrücklich zu betonen. Aber auch die älteren Chinesen waren sehr beeindruckt, da die KPM ihnen die Vorstellung vermittelte, sie sei die einzige Organisation, die die Klagen und Forderungen der Chinesen wirklich verstand. Die Liquidation chinesischer Kollaborateure und die gelegentlichen Erpressungspraktiken übereifriger kommunistischer Geldeintreiber schadeten insgesamt nicht dem Bild der Partei, als der einzigen Verteidigungslinie, die den Chinesen gegen die japanische Unterdrückung zur Verfügung stand. Während der Besetzung bildete die chinesische Bevölkerung aus allen Schichten ein großes Reservoir potentieller Unterstützer, das den Guerillas mit Rekruten, Nahrung, Kleidung, Geld, medizinischer Versorgung, Unterschlupf und Informationen zur Verfügung stand. Auf ähnliche Weise gaben die Ureinwohner, die mit den Widerstandskämpfern zum ersten Mal Menschen trafen, die sich wirklich um sie kümmerten, ihnen wertvolle Unterstützung, nicht nur mit Nahrung, sondern auch indem sie ihnen sowohl die grundlegenden Prinzipien des Lebens im Dschungel als auch einige brauchbare Kampftricks beibrachten.

Verfechter eines Nationalismus für Malaya

Obwohl die Aktivitäten der KPM praktisch darauf hinausliefen, die Sache der Chinesen zu verfechten, war ihr Programm, das im Februar 1943 erschien, nicht kommunalistischer Natur. Außer daß darin Punkte wie demokratische Freiheiten, Erziehungseinrichtungen in allen Landessprachen, die Verbesserung der Lebensbedingungen, die Entwicklung der Industrie, des Handels und der Landwirtschaft sowie die Abschaffung hoher Steuern vertreten wurden, war die Hauptforderung die Errichtung einer unabhängigen demokratischen Republik Malaya mit einer Regierung, in der sämtliche ethnische Gruppen angemessen vertreten sein sollten. Auch war es kein offensichtlich kommunistisches Programm, obwohl es die Klausel über die Beschlagnahmung von "faschistischem" Eigentum enthielt oder die Forderung, die MPAJA nach dem Krieg zum Kern einer nationalen Armee zu machen. Bei der Bewertung der Hauptpunkte dieses Programms, ist es überflüssig hervorzuheben, daß die Forderung nach einem Verwaltungssystem, in dem die Chinesen ihre vollen politischen Rechte genießen würden, unweigerlich zu chinesischer Vorherrschaft und, aufgrund der mächtigen Position der KPM, höchstwahrscheinlich auch zu einer kommunistischen Herrschaft führen würde. In Anbetracht der vorherrschenden wirtschaftlichen und politischen Bedingungen in Malaya war eine solche Entwicklung wahrscheinlich.

Aufgrund dieser Möglichkeit ist der Plan zur Errichtung einer politischen Struktur, die gleiche Rechte für alle ethnischen Gruppen vorsah, nicht notwendigerweise ein drohender kommunistischer Schachzug, um das Land unter chinesische und kommunistische Kontrolle zu bringen. Schließlich arbeitete in den selben Jahren die britische Kolonialverwaltung (British Colonial Office) an einer neuen Verfassung nach ähnlichen Grundsätzen. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß die Kommunisten sich nicht der äußerst willkommenen Folgen ihrer Forderungen bewußt waren, aber von einer Partei, die zum überwältigenden Teil aus Chinesen bestand, konnte man kaum erwarten, daß sie nicht auf einen größeren Anteil der chinesischen Volksgruppe an der Verwaltung drängen würde. Was auch immer die langfristigen Absichten oder die unmittelbaren taktischen Erwägungen hinter dem Programm der KPM gewesen sein mögen, von Bedeutung war, daß die Partei mit der traditionell an China orientierten Haltung der malaiischen Chinesen brach. Sie konzentrierte ihr politisches Bewußtsein auf Malaya, forderte ethnische Einigkeit und betonte die Notwendigkeit eines multiethnischen Regierungsaufbaus. Als solches ist dieses Programm das erste Dokument, das in Malayas Geschichte von einer größeren politischen Organisation veröffentlicht wurde, in dem ein wirklicher Nationalismus Malayas zum Ausdruck gebracht wurde.

Die Politik der KPM war hinsichtlich der Betonung der multiethnischen Ausrichtung ein Versuch, die anderen Volksgruppen zur Zusammenarbeit mit den Chinesen zu bewegen und auf diese Weise eine Art nationale Front gegen Japan zu schmieden, ein völliger Fehlschlag, da jeglicher Bezug auf solche chinesische Ideen die Malaien nur in Angst und Schrecken versetzen konnte. Von jeher um ihre Stellung besorgt, waren die Malaien von der bloßen Existenz der Widerstandsbewegung äußerst irritiert, in erster Linie, weil es sich um eine chinesische Organisation handelte, die noch dazu effektiv war. Ein weiterer Grund zur Beunruhigung für die herrschenden malaiischen Klassen war die kommunistische Führung der Guerillastreitkräfte. Darüberhinaus wurden antichinesische Ressentiments durch die Tatsache geschürt, daß malaiische Beamte gelegentlich als Kollaborateure liquidiert wurden. Da sie die Kollaboration mit Japan nicht grundsätzlich anders beurteilten als ihre vorherige Zusammenarbeit mit den Briten, betrachteten die Malaien solche Vorkommnisse als gewöhnlichen Mord und weigerten sich, die Vorfälle in demselben Licht zu sehen, wie die Chinesen, nämlich als Heldentaten, um die Komplizen des Feindes zu beseitigen. Da ihnen sowohl die nötige Organisation als auch die Fähigkeit fehlte, einen unabhängigen Staat eigenständig zu verwalten und zu kontrollieren, wiesen sie entschieden das chinesische Beharren auf Unabhängigkeit Malayas zurück und insbesondere deren Forderung nach einem gemischtrassigen Regierungsaufbau. Das Versäumnis der Mehrheit der Malaien, die Japaner als Feinde zu betrachten, trug dazu bei, die Chinesen in der Ansicht zu bestärken, daß die Malaien insgesamt Kollaborateure waren, und diese, obgleich falsche Meinung trieb die beiden Volksgruppen noch weiter auseinander. Nennenswerten malaiischen Nationalismus gab es noch nicht, und weder die durch die japanische Besetzung entstandene Situation, noch die nationalistische Propaganda der Guerillabewegung oder der Kommunistischen Partei Malayas konnten derartige Ideale hervorbringen.

Kooperation mit dem britischen Militär

Obwohl die Regierung in London gewillt war, den Grundsatz gleicher politischer Rechte für alle Volksgruppen in Malaya in die Verfassung des Landes nach dem Krieg aufzunehmen, wurde die Forderung nach einem freien Malaya von den Briten, als sie Kontakte zur Guerillaorganisation aufnahmen, nicht aufgegriffen. In der Folge wurde die Gründung einer freien Republik in dem Übereinkommen zwischen dem allierten Oberkommando und der MPAJA im Unklaren gelassen. Dieses Übereinkommen war das Resultat der britischen Militärorganisation auf Ceylon, bekannt als Force 136 und gegründet, um Beziehungen zu den Untergrundbewegungen in Thailand, Burma und Malaya zu unterhalten und zu diesem Zweck Spähtrupps auszubilden. Von Mai 1943 an landeten ein paar Verbindungseinheiten per Fallschirm oder U-Boot im Land und nahmen Kontakt mit den Widerstansorganisationen auf. Die Briten waren nicht an einer bestimmten Guerillaeinheit interessiert. Außer den Beziehungen zur MPAJA, machten sie eine von den Kuomintang geführte Gruppe in der Nähe der thailändischen Grenze ausfindig und stellten mit Erfolg eine kleine malaiische bewaffnete Organisation in Nordperak auf. Aber die kommunistische Widerstandsbewegung war mit Abstand die schlagkräftigste, am besten disziplinierte und stärkste - mit etwa 4.000 bis 5.000 Truppen gegenüber den geschätzten 500 unter Führung der Kuomintang. Angesichts der Erfordernisse des Kriegs gegen die Japaner war es naheliegend, daß Force 136 seine Anstrengungen hauptsächlich auf die MPAJA konzentrierte. Trotz gegenseitigen Mißtrauen waren die Beziehungen insgesamt ausgezeichnet und die britischen Offiziere, die die Qualitäten der chinesischen Dschungelkämpfer sehr bewunderten, verhinderten nicht nur ernsthafte Zusammenstöße zwischen den Guerillas der Kuomintang und den Kommunisten, sondern entwarfen nach sorgfältigen Verhandlungen darüberhinaus im Januar 1944 eine Übereinkunft, in der die MPAJA sich verpflichtete, Anweisungen des allierten Oberkommandanten zu akzeptieren. Es war das Hauptziel dieses Übereinkommens, die miltitärischen Aktivitäten gegen Japan zu koordinieren. Zu diesem Zweck unternahmen die Briten die Versorgung mit Waffen, Munition und Geld, was für Sabotageakte und kleine Angriffe verwendet werden sollte, in erster Linie jedoch für einen Großangriff auf die Japaner zu einem später festzulegenden Zeitpunkt. Abgesehen von einer Klausel, in der die MPAJA zusagte, bei der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung nach einem japanischen Rückzug zu helfen, blieben Fragen einer Nachkriegs-Politik unerwähnt.

Die Guerillas hatten allen Grund, mit diesem Abkommen zufrieden zu sein. Im Gegenzug zu ihrer Bereitschaft, sich den Anordnungen des alliierten Kommandos zu unterwerfen und die Forderung nach einer unabhängigen Republik zeitweilig 'einzufrieren', versorgte es die MPAJA mit Waffen und Geld und erkannte sie auch als einen Partner im Krieg gegen Japan an. Die offizielle Bestätigung dessen, was die Widerstandsbewegung stets für sich beansprucht hatte, bedeutete einen ungeheuren Prestigegewinn in den Augen der chinesischen Massen. Im Hinblick auf die politische Bedeutung hatten die Briten keine Garantie, daß die MPAJA sich an die Abmachungen der Übereinkunft halten würde, aber auch ohne Übereinkunft hätten sie sich nicht sicher sein können, was die Guerillaorganisation nach einer japanischen Niederlage unternehmen würde. Militärisch war das Übereinkommen auf jeden Fall sehr wertvoll für die Briten, fügte es ihren Streitkräften doch eine extrem gut organisierte Guerillastreitmacht hinzu, die zahlenmäßig bis Anfang 1945 auf ungefähr 7.000 angewachsen war, und die sich, vorerst in die kleinen, wenngleich brutalen Scharmützeln eines Dschungelkriegs verwickelt, bereit hielt, in demselben Moment eine Offensive gegen die japanische Armee zu starten, wenn die Briten eine Invasion durchführen würden.

Übersetzung von Detlef Bremecke.

Aus Südostasien Informationen Nr. 2/1995 S. 32 - 35

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Stand: 02. Juli 2004, © Asienhaus Essen / Asia House Essen
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