| Die Al-Arqam Bewegung in Malaysia |
Das Interview wurde in der thailändischen Tageszeitung "The Nation" am 3.9.94 veröffentlicht.
Seit Anfang dieses Jahres wurden von der Regierung die Angriffe gegen die 1969 gegründete islamische Al-Arqam Bewegung mit knapp 100.000 Anhängern im Land zunehmend verschärft, die schließlich in dem Verbot aller Aktivitäten dieser Bewegung mündeten. Ihr Führer, Ashaari Muhammad, wurde am 2.9.94 in Thailand von der dortigen Polizei verhaftet und an die malaysischen Behörden ausgeliefert, eine Maßnahme, die in der thailändischen Regierungsspitze zu Kontroversen führte (vgl. soai 3/94 S.7 und in diesem Heft S.27). Kurz zuvor hatte die thailändische Regierung öffentlich erklärt, keinerlei Anlaß zum Vorgehen gegen die friedlich und gewaltfrei operierende Bewegung sieht, die auch in Thailand ihre Anhänger hat.
Ashaari und eine Reihe seiner Anhänger werden aufgrund des Gesetzes zur Inneren Sicherheit (ISA) in Haft gehalten, wonach sie bis zu 2 Jahre ohne ordentliche Gerichtsverhandlung lediglich auf Anweisung des Innenministers festgehalten werden können, der die Inhaftierung beliebig um weitere 2 Jahre verlängern kann. Sie haben inzwischen in einem über das Fernsehen ausgestrahlten "Geständnis" ihre Verbrechen eingestanden und dem Verbot ihrer Bewegung zugestimmt (vgl. S.35).
Mit den folgenden Beiträgen wollen wir Hintergrundinformationen zu dieser in Malaysia entstandenen islamischen Sufi Ausrichtung geben, die auch in anderen Ländern mehrere zehntausend Anhänger haben soll. (die Red.)
In einem Leitartikel von "Al-Arqam", der Monatszeitschrift der gleichnamigen Bewegung, war im März 1984 zu lesen:
"Wir kämpfen dafür, unser Leben nach unseren Vorstellungen auf der Grundlage des Koran und der Sunna gestalten zu können. Wir müssen unsere eigene Ökonomie entwickeln, ebenso wie ein eigenes Erziehungswesen, eine eigene Politik, ein eigenes Gemeinschaftsleben mit entsprechender Sozialisation und unseren eigenen Festen. Wir müssen unsere eigene Identität entwickeln, eigene Massenmedien aufbauen, und vieles mehr."
Im Grunde genommen sollten diese Aufgaben durch die Verwirklichung der Eigenständigkeit des Islam bewältigt werden, indem ein gesundes vertikales Verhältnis zwischen Gott und den Menschen und ein gesundes horizontales Verhältnis zwischen den Menschen hergestellt werden. Darul Arqam nennt das erste Verhältnis hablum-minallah, das zweite hablum-minannas. Die Wiederbelebung des hablum-minallah verlangt eine innere Reinigung als grundlegende Voraussetzung und als bestimmendes Element einer harmonischen und erfolgreichen Entwicklung. Sie äußert sich in zwei zentralen Bereichen, der Herausstellung der Bedeutung des islamischen Glaubens (iman) und der Verfeinerung islamischer Frömmigkeit (taqwa). In beidem Bereichen muß jeder in sich durch strenge und systematische Disziplin seine schlechten Eigenschaften (mazmuumah) durch gute (mahmudah), wie sie die islamische Lehre definiert, ersetzen. Um das zu erreichen, hat Darul Arqam sich von Anfang an auf die Sufi-Methode des Tariqat Aurad Muhammadiah gestützt. Die Sufi-Lehre wurde im 20.Jahrhundert in Mekka durch Sayyidi Ash-Sheikh Muhammad Abdullah As-Suhaimi geschaffen. Der Gründer und Führer von Darul Arqam, selbst ein Emir aus der Linie des Aurad Muhammadiah, hat diese Bewegung mit dem Ziel der Wiederbelebung der Sufi-Lehre geschaffen, wodurch sie sich von anderen islamischen Organisationen unterscheidet.
Die Wiederbelebung des zweiten Verhältnisses, des hablum-minannas, zielt auf die Entwicklung der nach außen gerichteten Aktivitäten der Menschen. Sie orientiert sich an den islamischen Methoden und Regeln zum Aufbau sozio-ökonomischer und politischer Systeme. Das reicht von Fragen der Kleidung, des Essens und Trinkens, bis zu umfassenderen Bereichen wie Familienstrukturen, soziale Verwaltung, Ausbildungs- und Wirtschaftssystemen, Formen nationaler Regierung, internationale Beziehungen. Nach Darul Arqam wird ein solches Vorhaben durch die Erfüllung der folgenden 5 Grundsätze legitimiert:
Darul Arqam glaubt, daß die Befolgung der hablum-minallah und hablum-minannas die Ausgangsbasis für den Aufbau einer islamischen Gesellschaft und für die Bildung einer neuen Generation innerhalb eines ursprünglichen kulturellen Rahmens werden muß, anstelle der gegenwärtig dominierenden Fremdbestimmung. Hablum-minallah sorgt für die Reinigung der Seele, hablum-minannah für den Aufbau und die Ausformung islamischer Systeme, innerhalb derer sich die Individuen entwickeln. Beide Bereiche werden als die Quelle islamischer Kultur angesehen und als treibende Kräfte für die Schaffung einer islamischer Zivilisation.
Nach Darul Arqam sollte Entwicklung als Prozeß verstanden werden, der gleichzeitig die individuelle innere Reinigung, wie auch den kollektiven Aufbau sozio-ökonomischer und politischer Organisationsstrukturen zum Ziel hat. Entwicklung sollte also der Dienst an Gott selbst und das Ergebnis des Gottesdienstes sein. Somit ist der Dienst an Gott der entscheidende Gedanke, der das Entwicklungskonzept der Bewegung bestimmt und die Mitglieder zu Engagement und Anstrengung motiviert. Diese Vorstellung wurde von dem Religiösen Lehrmeister (Ustaz) Ashaari Muhammed folgendermaßen formuliert:
"Über Entwicklung im islamischen Sinne reden, heißt tatsächlich über Dienst an Gott reden. Die konkrete Durchführung eines Entwicklungsprozesses bedeutet die Verwirklichung des Dienstes an Gott, wie ihn der Islam verlangt. Wenn wir dies verstehen, praktizieren und in der gesamten Gesellschaft propagieren, haben wir schon die Methode islamischer Entwicklung. Und das will Darul Arqam umsetzen. Es gibt zwei Formen der Entwicklung, die geistig-spirituelle und die physisch-materielle. Dienst an Gott findet auf vier Ebenen statt: erstens elementarer Gottesdienst, zweitens höhere Übungen, drittens vermittelnder Gottesdienst, und viertens um fassender Gottesdienst. Die geistige Entwicklung kann durch Befolgung der ersten beiden Ebenen erreicht werden, die pysisch-materielle durch die Befolgung der letzten beiden. So verbindet der Islam Entwicklungsprozesse mit der Notwendigkeit, Gottesdienst zu leisten, oder anders gesagt, Entwicklung ist das Ergebnis des Gottesdienstes."
Darul Arqams Verständnis von Entwicklung macht deutlich, daß zu
jedem äußeren Entwicklungsprozeß eine zusätzliche Dimension gehört, nämlich die der
inneren Entwicklung der in diesem Prozeß tätigen Individuen. Ashaari erklärt das so:
"Fortschritte im materiellen Wohlstand, in Technologie und moderner Wissenschaft sind
ohne Zweifel wichtig. Aber mit dem Fortschritt auf diesen Gebieten kann man den Zerfall
und die Zerstörung einer Gesellschaft nicht aufhalten. Er muß im Einklang mit einer
geistigen Entwicklung stehen, ohne die die Gesellschaft von den materialistischen Wellen
hinweggespült und letztlich im Chaos enden würde. (...) Deshalb besteht der Islam
darauf, die materielle wie die geistige Welt gleichermaßen und gleichzeitig zu
entwickeln. Erst ein verfeinerte spirituelle Entwicklung wird eine gesunde materielle
Entwicklung einleiten, und eine gesunde materielle Grundlage wird zu einem verfeinerten
spirituellen Entwicklung führen. Beide Entwicklungsstränge sind untrennbar miteinander
verbunden."
Darul Arqams Entwicklungskonzept basiert auf diesem ganzheitlichen Ansatz. Aus Sicht dieser Bewegung sind Entwicklungsprobleme, wie strukturelle und distributive Ungleichheiten, Verschwendung und Exzesse der Konsumgesellschaft und Gleichgültigkeit gegenüber ökologischen Fragen Resultate der falschen Perspektive im Inneren der im Entwicklungsprozeß Handelnden. Somit muß man sich zuerst um die schlechten Eigenschaften und verwerflichen Verhaltensweisen der Menschen kümmern. Deswegen praktiziert Darul Arqam die Sufi-Lehren. Weder die Fürsprecher des kapitalistischen Weges des Privatbesitzes und der Maximierung von Produktivität und Einkommen, noch diejenigen, die auf der sozialistischen Maxime von öffentlichem Eigentum und der "gleichen" Verteilung der Produktionsmittel beharren, können zufriedenstellende Lösungen anbieten. Die Lösungsvorschläge dieser konventionellen Entwicklungstheorien werden wegen ihrer einseitigen Betonung des materiellen Bereichs innerhalb des hablum-minannas als materialistische Scheinlösungen betrachtet. Die seelischen Probleme der Menschen (hablum-minallah) lassen sie unberücksichtigt und können somit nicht zu ihrer Bewältigung beitragen. Aus der Sicht von Darul Arqam führt dieses Mißverhältnis letztlich dazu, daß die Muslims Malaysias in einem Zustand der Abhängigkeit und inneren Kraftlosigkeit verharren.
Muhammed Syukri Salleh
Auszug aus der Doktorarbeit "A Grassroot Approach to Rural
Development: The Case of Darul Arqam in Malaysia", (Oxford University 1991) des
Autors, veröffentlicht in ALIRAN Monthly Vol. 14, Nr. 8 (Aug. 1994), S. 16f. Übersetzung
aus dem Englischen von Desmond Seufert.
Darul Arqam wurde 1968 von dem Religionslehrer Ashaari Muhammed gegründet, der vorher an einer staatlichen Schule im Bundesstaat Selangor arbeitete und Aktivist der islamischen Partei PAS war.
Das Wort Darul Arqam bedeutet Sitz oder Wohnort von Arqam. Arqam war Weggefährte des Propheten in Mekka zu der Zeit, als sich dessen Jünger vor der Flucht nach Medina im Untergrund treffen mußten. Es wird angenommen, daß schon vor der Flucht des Propheten von Mekka nach Medina dort die Grundlagen für die Ausbreitung des Islam gelegt waren. Deswegen glauben die Anhänger Arqams, daß jeder, der sich auf die ursprüngliche Lehre des Islam bezieht, in seinem Leben eine Wanderung (hijrah), wie sie von dem Propheten vorgelebt wurde, durchführen muß. Die wichtigste Wanderung der jetzigen Arqam-Bewegung fand im Jahr 1972 statt, als viele von ihren Anhängern zu einer Siedlung am Rande Kuala Lumpurs zogen, zu dem Dorf von Sungei Penchala. Hier machten Ashaaris Anhänger 8 Hektar Land urbar, bauten Häuser, eine Moschee und eine Schule für die Arqam-Gemeinschaft.
Ashaari hat in seinen Reden andere islamische Bewegungen kritisiert, die seiner Meinung nach nur theoretisieren, Parolen rufen und Seminare über einen zu schaffenden islamischen Staat abhalten. Er spielte damit auf die PAS und die islamische Jugendorganisation ABIM an. Nach ihm ist es für die Schaffung eines islamischen Staates unverzichtbar, zunächst eine islamische Gesellschaft zu schaffen, indem man eine Gemeinschaft von Familien und Individuen, die den wahren Islam praktizieren, ins Leben ruft. So entwickelte sich die islamische Siedlung in Sungei Penchala durch gemeinsame Anstrengungen zum Modell einer islamischen Gemeinschaft. In ihr leben Familien, deren Tagesablauf nach der islamischen Lehre ausgerichtet ist und die dem Propheten und seinen Schülern nacheifern. Zum Teil hat sich die Arqam-Bewegung dadurch ausgeweitet, daß ähnliche Gemeinschaften und Zentren in anderen Teilen der malaiischen Halbinsel, vor allem im Bundesstaat Pahang, aufgebaut wurden.
Von Anfang an hat Darul Arqam die Gedanken Ashaaris aufgenommen, den die Bewegung als ihren gelehrtesten, charismatischsten und gottesfürchtigsten Führer ansieht. In der Anfangsphase des Aufbaus der Siedlung in Sungei Penchala gelang es Darul Arqam, viele junge Malaien für sich zu gewinnen. Es waren vor allem Studenten von privaten Hochschulen und anderen weiterführenden Schulen, die an Gesprächsrunden und Kursen teilnahmen. In diesen Kursen prangern führende Mitglieder an, daß sich die Art und Weise, wie der Islam in Malaysia praktiziert wird, sehr weit von der eigentlichen islamischen Praxis entfernt habe. Dafür machen sie die von der Regierung betriebene Trennung von Politik und Religion verantwortlich, was auf jüdischen und christlichen Einfluß zurückzuführen sei. Nach Auffassung von Arqam ist Malaysia kein wahrhaft islamischer Staat. Die gegenwärtig existierenden politischen und ökonomischen Systeme nach westlichem Vorbild müssen durch islamische Systeme ersetzt werden.
Ebenso wie die Gesellschaft müssen die Individuen die westliche Art, sich zu kleiden und westliche Verhaltensweisen einschließlich des freizügigen Umgangs mit dem anderen Geschlecht, Musik usw., zurückweisen. Die Mitglieder von Arqam werden angehalten, sich arabisch zu kleiden, was für die Männer das Tragen von Turban und langer, weiter Robe (jubbah) und für die Frauen das Tragen des Schleiers (purdah) bedeutet, da diese Kleidungsstücke auch von dem Propheten getragen oder gut geheißen wurden. Auch sollen sie von einem gemeinsamen Tablett essen und andere Eßgewohnheiten, wie sie dem Propheten Muhammad gepflegt wurden, berücksichtigen. Arqam hat sich zum Ziel gesetzt, als Alternative zu Nahrung, die von Nichtmoslems hergestellt wird, religiös unbedenkliche Nahrung zu produzieren wie z.B.Soyasoße und Nudeln. Von den Mitgliedern wird erwartet, daß sie 5mal am Tag am gemeinschaftlichen Gebet und an zusätzlichen Andachten und religiösen Unterweisungen teilnehmen. Sie sollen weder fernsehen noch anderen Formen der Unterhaltung nachgehen, da diese sie von ihrer religiösen Andacht abhalten und dem gefährlichen westlichen Einfluß aussetzen. Arqam sieht das gegenwärtige öffentliche Schul- und Ausbildungssystem als unislamisch an und unterhält als Alternative dazu eigene Schulen für Moslems, die ihre Kinder nicht in staatliche Schulen schicken wollen. Eigene Kliniken sind aufgebaut worden für Moslems, die nicht in staatlichen Kliniken behandelt werden wollen, da diese auch unislamisch genannt werden können. Dort werden z.B. Frauen von Männern behandelt, und bei den Medizinen besteht die Gefahr, daß sie unreine Substanzen enthalten.
Die Arqam-Bewegung entwickelte sich am schnellsten in den Jahren zwischen 1972 und 1978. Ihr gelang es, zehntausende von Anhängern zu gewinnen, indem sie den Malaien einen neuen Zugang zum Islam eröffnete und hervorhob, daß dem Kampf für einen islamischen Staat der Aufbau einer islamischen Gesellschaft vorgeschaltet werden muß, wie sie in der Arqam-Siedlung von Sungei Penchala vorgelebt wurde. Durch Arqams erste Aktivitäten, die landläufig als Protest gegen das Establishment gesehen wurden, gelang es, viele gebildete Jugendliche zu gewinnen, unter ihnen auch solche, die schon im Islam unterwiesen waren.
Der starke Zuspruch, den Arqam in der Mitte der 70er Jahre erfuhr, fiel in die Zeit, in der die PAS in der regierenden Koalition der Nationalen Front (Barisan Nasional) war. Die Lücke, die PAS durch die Mitarbeit in der Koalition hinterließ, eröffnete anderen islamischen Bewegungen neue Möglichkeiten. Das galt insbesondere für die Bewegungen, die als gegen das bestehende System gerichtet eingeschätzt wurden. Arqam-Führer kritisierten PAS wegen ihrer mangelnden Betonung einer reinen islamischen Erziehung und Ausbildung, da diese Mängel bei Mitgliedern und Anhängern der PAS selbst zu spiritueller Schwäche führte. So war es aus Sicht von Arqam nicht überraschend, daß es PAS, als sie zwischen 1959 und 1977 die Regierung im Bundesstaat Kelantan stellte, nicht gelungen war, einen wirklichen islamischen Staat zu schaffen. Und es war ebenfalls nicht überraschend, daß PAS schließlich mit nicht-islamischen Parteien in der Nationalen Front zusammenarbeitete.
Von Anfang an war Arqams größter Rivale die islamische Jugendorganisation ABIM (Angkatan Belia Islam Malaysia), in erster Linie weil die Zielgruppen der Missionsarbeit beider Organisationen nahezu identisch waren, nämlich junge Studenten, die gegen das Establishment eingestellt waren. So war es nicht überraschend, daß, neben der Regierung und der PAS, ABIM Hauptziel der Kritik von Arqam war. Arqam warf ABIM vor, nicht die gleichen missionarischen Methoden wie sie angewandt zu haben, Methoden, die für die des Propheten gehalten wurden. ABIMs Organisationsformen, wie der Mitgliedsstatus oder die Art der Diskussionsveranstaltungen, wurden als westlich herausgestellt, im Gegensatz zu den Methoden, die der Prophet praktiziert hatte. ABIMs Form der Arbeit in Seminaren und mit Arbeitsblättern wurde als frivol verurteilt. Arqam stellte heraus, bei ABIM seien anstelle der Leute Arbeitsblätter aktiv. Arqam hält Seminare und Konferenzen für Zeit- und Energieverschwendung, für nutzlos zur die Stärkung des Glaubens. Und mangelnder Glaube schwäche die islamischen Bewegungen und verurteile sie zum Scheitern. Ähnliche Kritik richteten die Führer Arqams auch an islamische Bewegungen in anderen Ländern. Mißerfolge oder Mängel von Organisationen wie Jamaat Islami in Pakistan oder Ikhwan-ul-Muslimin im Mittleren Osten wurden alle auf den schwachen Glauben und das Versäumnis, dem Propheten nachzueifern, zurückgeführt.
Ende der 70er Jahre sah sich Arqam den ersten größeren Herausforderungen gegenüber. Obwohl die Bewegung in der Gegend um Kuala Lumpur noch starken Einfluß hatte, verlor sie viele ihrer Gründungsmitglieder. 1977 verließen einige führende Mitglieder die Bewegung, weil sie nicht mit der Entscheidung der Organisationsspitze übereinstimmten, Polygamie zuzulassen. 1979 verließen mehrere ältere Mitglieder Sungei Penchala wegen Ashaaris unorthodoxen Glauben und seiner Interpretation der Sufi-Lehre.
In den späten 70er Jahren änderte Arqam seine Strategie, indem sie die Angriffe auf die Regierung und die UMNO-Führung abschwächte. Arqam konzentrierte sich stattdessen darauf, eigene Programme und Projekte zu entwickeln, und in Gesprächen und Seminaren nur geringe Kritik an der Regierung zu äußern. Doch die kritische Auseinandersetzung mit anderen islamischen Organisationen wie PAS und ABIM wurde fortgeführt, vor allem in den späten 70er und frühen 80er Jahren, als PAS und ABIM stark von der iranischen islamischen Revolution beeinflußt waren, die Arqam als bloße shiitische Revolte diskreditierte.
Arqam initiierte eine Reihe von Treffen, auf denen der Dialog mit Regierungsvertretern, wie Dr. Mahathir Mohamad, dem Stellvertretenden Premierminister, und den Staat repräsentierenden Religionsführern gesucht wurde. Durch diese relativ entspannte Atmosphäre wurde von Arqam ein wenig der Druck genommen, den die Regierung ausgeübt hatte, um die Bewegungen zu kontrollieren, die den Islam wiederbeleben und neu gestalten wollten. Arqam erhielt sogar, als 1980 eine ihrer Schulen in Brand geraten war, finanzielle Hilfe durch das Social Welfare Department. 1981 lobte Dr. Mahathir in aller Öffentlichkeit Arqam als genuine islamische Bewegung und nährte so den Zweifel an der Legitimität von Bewegungen wie ABIM, Tabligh und PAS. Gleichzeitig wurde aber durch die neue Linie Arqams ihre frühere Rolle als kritisches Sprachrohr des Islam untergraben. Das wirkte sich insbesondere bei denen aus, die nach einer islamischen Alternative zum Status Quo suchten. So waren ABIM und PAS wieder stärker in der Lage, die Rolle einer islamischen Opposition zu spielen, vor allem, nach dem praktischen Auschluß von PAS aus der Regierungskoalition der Nationalen Front 1977.
1986 wurde die Führung Arqams erneut der Ketzerei angeklagt. Anlaß war Ashaaris Glaube, daß eine bestimmte hohe Persönlichkeit des moslemischen Lebens der Gegend (Suhaimi) bald als Imam Mahdi zurückkehren würde, um die muslimische Gemeinschaft (ummah) am Vorabend des Jüngsten Gerichts (Hari Kiamat) zu retten. Diejenigen, die bei Ashaari blieben, versuchten, ihre Position zu schützen, indem sie öffentlich Mahathirs politische Führungsrolle unterstützten und in zunehmendem Maße die PAS unter dem Vorwand islamischer Gründe attackierten. Gegen Ende des Jahres 1988 wurde klar, daß Arqam dadurch nur eine begrenzte Schonfrist erwirken konnte, da in einem Bundesstaat nach dem anderen die Religionsbehörd Ashaaris jüngste Publikation zu dem umstrittenen Thema verbot.
K.S. Jomo / Ahmad Shabery Cheek
Auschzugt aus dem Aufsatz "Malaysia's Islamic
Movements" in "Fragmented Vision - Culture and Politics in Contemporary
Malaysia", herausgeben von J.S. Kahn u. Francis K.W. Loh, Sydney 1992, S.81-85.
Übersetzung aus dem Englischen von Desmond Seufert.
In den letzten Jahren sind die verschleierten, schwarzgekleideten Frauen und die turbantragenden, grüngekleideten Männer der islamischen al-Arqam Bewegung ein vertrauter Anblick in vielen Teilen Thailands geworden. Indem sie sich durch ihre Kleidung, demonstrativ getragene Abzeichen ihres geistigen Führers Abuya Al Ashaari Muhammad und ihre eleganten Pajero-Autos von der Masse abheben, haben sie viele Thais und ausländische Besucher auf sich aufmerksam gemacht. In der letzten Woche wurde al-Arqam mit seinen etwa 100.000 Anhängern in seinem Ursprungsland Malaysia verboten. Ashaari und 6 weitere Mitglieder seiner Sekte wurden ?gestern? in Thailand verhaftet und der malaysischen Botschaft übergeben. Warum? Was haben sie getan? Sind sie wirklich gefährliche Fundamentalisten und eine Gefahr für Thailand? Crescent Press/The Nation sprach am 28 August mit Ashaari, um al-Arqams Version zu erfahren.
Frage: Würden Sie zunächst einmal darstellen, worin Sie die Gründe für die gegenwärtige Krise zwischen al-Arqam und den malaysischen Staatsorganen sehen?
Antwort: Wenn wir die gegenwärtige Krise zwischen al-Arqam und dem malaysischen Staat genauer betrachten, sehen wir, daß die Gründe nicht in unterschiedlichen Auffassungen zu Glaubensfragen oder theologischen Lehren liegen. Die Staatsorgane stellen die Behauptung auf, die gegenwärtigen Mißverständnisse basieren auf unseren Standpunkten zu Glaubensfragen, die aber nie mit ihnen diskutiert wurden; es hat nie einen Dialog gegeben. Die malaysische Regierung und das Malaysische Islamische Zentrum behaupten, sie hätten uns zu einem Gespräch eingeladen, was wir aber abgelehnt hätten. Wenn das so ist, wo ist dann der Einladungsbrief? Sie sollen ihn doch vorweisen. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben Gesprächsbereitschaft angeboten, die sie aber ablehnten.
Die Malaysischen Staatsorgane klagen uns der Ketzerei an. Tatsache aber ist, daß unser Glaube Teil des Islam ist, so wie er im einzelnen in den Büchern der Lehrmeister beschrieben wird. Die dort zu findenden Gedanken sind nicht unser Werk. Sie sind über 1000 Jahre alt und stammen von den über jeglichen Zweifel erhabenen moslemischen Lehrmeistern, den ulama. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und dem malaysischen Staat basieren also nicht auf Glaubensfragen. Auch unsere ökonomischen Aktivitäten können nicht der Grund für diese Differenzen sein.
Al-Arqam handelt in völliger Übereinstimmung mit den malaysischen Gesetzen und der Verfassung und wird dies auch weiterhin tun. All unsere wirtschaftlichen Vorhaben unterscheiden sich nicht von den Anstrengungen der Regierung zur nationalen Entwicklung. Der malaysische Premierminister Dr. Mahathir selbst hat sich, wie wir, ausdrücklich für dieses Ziel ausgesprochen. Unsere ökonomischen Anstrengungen kommen auf direktem wie indirektem Wege Malaysia zugute und sie reduzieren die Arbeitslosigkeit. Der eigentliche Grund für die gegenwärtige Krise liegt darin, daß unser Erfolg eine Herausforderung an die malaysische Führung und ihren Einfluß darstellt, da al-Arqam aus allen sozialen und ethnischen Teilen der Gesellschaft Akzeptanz erfährt. In der Tat fühlen viele Malaien einen Stolz, daß sie durch Arqam etwas aus eigener Kraft und ohne Hilfe der Regierung schaffen können. Sie stehen im Gegensatz zu anderen Malaien, die sehr gerne die Hilfe und Unterstützung der Regierung annehmen und dennoch keinen Erfolg haben. Al-Arqam zeigt, daß es möglich ist, greifbaren Erfolg auch ohne Regierungssubventionen zu haben. Und einige Malaien sind stolz darauf.
So fühlt sich Dr. Mahathir herausgefordert, wenn er sieht, daß al-Arqam von Leuten aus allen ethnischen, religiösen und sozialen Bereichen akzeptiert wird, und das um so mehr, als Wahlen bevorstehen. Vielleicht ist die Regierung besorgt, al-Arqam könne sich zu einer populären politischen Partei mausern. Und so hat sie die für dieses Jahr anstehenden Wahlen ins nächste Jahr verschoben. So scheint es wahrscheinlich, daß es das Ziel der malaysischen Regierung ist, den zunehmenden Einfluß und die wachsende Popularität al-Arqams einzuschränken. Als ersten Schritt dahin hat sich die Regierung verstärkt Glaubensfragen angenommen, um die malaiische Gesellschaft an ihrem Nerv zu treffen. Sie versucht, die Malaien davon zu überzeugen, wir seien vom Islam abgewichen.
Der zweite Schritt war, die Frage nationaler Sicherheit in den Mittelpunkt zu rücken. Sie klagen uns fälschlicherweise der Militanz und Aggressivität an, Mörderbanden in Thailand auszubilden und die Auflösung der nationalen Einheit zu betreiben. Nach ihnen sind wir eine größere Bedrohung als der Kommunismus. Sie sind aber nicht in der Lage, all dies zu beweisen oder die Bürger davon zu überzeugen. Es kommt hinzu, daß die thailändische Regierung diesen Behauptungen nachgegangen ist und sie als nicht haltbar herausgestellt hat. Durch das Aufstellen solcher falscher Behauptungen hat die malaysische Regierung eher dazu beigetragen, daß die Sympathie für al-Arqam zunahm und die Bewegung gestärkt wurde. Als letzten Schritt der Angriffe gegen uns hat die malaysische Regierung nun das Innenministerium als ultimative Waffe mobilisiert. Indem sie sich auf die Gesetzgebung zur Inneren Sicherheit (ISA) berief und al-Arqam verbot, hat sie religiöse Körperschaften des Staates umgangen und die Angelegenheit den Sicherheitskräften übertragen. Dadurch hat sie aber ihre eigene Niederlage besiegelt, denn sie kann uns zwar nach den Gesetzen zur Inneren Sicherheit ohne Anklageschrift festsetzen, aber niemals breite Unterstützung in der Gesellschaft bekommen, indem sie al-Arqam auf diese Weise diskreditiert. Sie können ihre Mittel einsetzen, uns einzusperren und auszuschalten, aber können sie so die Herzen der Leute gewinnen? Können sie die Herzen des malaiischen Volkes gewinnen, indem sie die Verfassung verletzen und Menschenrechte verweigern? Das Gegenteil ist der Fall. Wir sehen, daß die NGOs (Nichtregierungsorganisationen), Rechtsanwälte, Staatsbeamte und sogar die Polizei bei diesem Komplott gegen al-Arqam nicht mitmachen, weil sie keinen Grund für ein solches Vorgehen sehen. Die Vorgehensweise der Regierung hat sich als Bumerang erwiesen. Was immer sie auch gegen uns unternimmt, sie kann nicht gewinnen, da nun jeder klar und deutlich das Wesen sowohl der Regierung wie auch von al-Arqam vor Augen hat.
In welcher Lage ist al-Arqam gegenwärtig in Thailand?
Wir sind nun schon fast 10 Jahre in Thailand. Ich persönlich habe fast jede Provinz des Landes besucht, einige mehrmals. Die Thailänder haben mittlerweile unsere Wesensmerkmale kennengelernt. Sowohl die Regierung wie auch das thailändische Volk kennen uns schon sehr gut.
Wir haben mehrere Projekte in Thailand gestartet, eine Schule in Phuket, eine Viehzuchtstation in Bangkok, mehrere Wirtschaftsprojekte in den Phrae- und Chiang Mai-Provinzen. Momentan bauen wir einen Minimarkt in Chiang Mai auf. Al-Arqam hat in Chantaburi ein zweigeschössiges Haus im Wert von 1 Million Bath gekauft. Auch nennen wir einen luxuriös ausgestatteten Doppeldeckerbus im Wert von 5 Millionen Bath unser eigen. Eben weil die thailändische Regierung und das Volk uns sehr gut kennen, können sie einfach nicht glauben, was uns gegenwärtig an Verleumdungen entgegengebracht wird. Die Staatsorgane Thailands haben mehrmals öffentlich bekundet, daß al-Arqam in Thailand keine Mörder- oder Selbstmörderbanden ausbildet, wie es uns von der malaysischen Regierung vorgeworfen wird. Und es wurde ausdrücklich festgestellt, daß wir hier frei und ungebunden unseren wirtschaftlichen und religiösen Aktivitäten nachgehen dürfen.
Wir haben festgestellt, daß die Presse Thailands zu 95% in fairer und korrekter Art und Weise über die Aktivitäten al-Arqams in diesem Land berichtet. Somit glaube ich nicht, daß Thailand dem Druck der malaysischen Regierung nachgeben wird. Jedes Land hat seine eigene Politik und seine eigene Würde. Ich kann nicht glauben, daß die thailändische Regierung sich selbst oder ihr eigenes Volk belügen will. Die thailändische Regierung versteht sehr wohl, daß das, was gegenwärtig passiert, ein Führungskampf zwischen zwei Persönlichkeiten ist. Obwohl ich auf keiner Ebene zur Wahl kandidiere, fühlt sich Dr. Mahathir beunruhigt. Obwohl wir keine politische Partei sind, scheint er die Befürchtung zu haben, wir könnten andere Parteien oder Einzelpersonen unterstützen, die zu seinem Machtverlust beitragen.
Ist die malaysische Regierung durch die Unabhängigkeit und Autarkie al-Arqams beunruhigt?
Das ist möglich. Vielleicht stellen wir durch unsere ohne staatliche Hilfe erzielten Erfolge ein großes Ärgernis dar.
Die malaysischen Staatsorgane betreiben eine Politik der positiven Diskriminierung, indem sie die Bumiputras (ethnische Malaien und andere einheimische Völker) begünstigen, ein Vorgehen, das al-Arqam ablehnt. Ist das ein Grund für die Spannungen?
Möglicherweise ja, da die Anhänger al-Arqams aus allen Rassen und Religionen kommen. In Chiang Mai kommen sogar Buddhisten mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie die dort lebenden Moslems, um mit mir zu reden. Vertreter des Gouverneurs von Chiang Mai suchen das Gespräch mit mir. In Malaysia hingegen hat ein chinesischer Buddhist seine Arbeitsstelle an der Universität von Malaysia verloren, weil er al-Arqam unterstützte. Ein Grund dafür, daß sich Dr. Mahathir bedroht fühlt, mag darin liegen, daß nicht nur malaysische Moslems, sondern Menschen aller Rassen und Religionen mich unterstützen.
Sollte nach Auffassung von al-Arqam Malaysia eine ethnisch gemischte Gesellschaft mit völliger Religionsfreiheit sein?
Sie können jedermann fragen. Wir haben nie jemanden aufgefordert, Moslem zu werden. Wir zählen Christen und Buddhisten zu unseren Freunden. Sie können ihn fragen (er deutet auf einen chinesischen Christen aus Singapur). Wir drängen den Islam niemandem auf.
Unterstützt al-Arqam Gewalt, Terrorismus oder kriegerische Handlungen? Bilden Sie Selbstmordeinheiten heran?
Islam bedeutet Erlösung, Frieden, Liebe und Sorge für den Nächsten. Wir haben nicht das geringste Interesse an Militanz, Radikalismus, Härte und Aggressivität, wie man sie in anderen islamischen Bewegungen finden mag. Deshalb erfahren wir nirgendwo, wo immer wir auch hingehen, eine ablehnende Haltung, da wir an Frieden, Liebe und Sorge für den Nächsten glauben. In Malaysia sind wir seit 26 Jahren aktiv und haben uns nie aggressiv oder rüde verhalten.
Hält al-Arqam Sexsklaven, wie es ihr von der malaysischen Regierung vorgeworfen wird?
Nichts, was der Islam zuläßt, ist schlecht. Polygamie mit bis zu 4 Frauen ist im Islam zugelassen und nicht schändlich. Schändlich aber ist, mehr als 4 Frauen zu haben oder mit einer Frau außerhalb der Ehe zusammenzuleben. So sind Dr. Mahathirs Behauptungen über Sexsklaverei fehl am Platze, falsch, einfach nicht wahr, eine Beleidigung des Islam und muslimischer Frauen. Es ist eine Tatsache, daß viele seiner eigenen Gefolgsleute, sogar Vertreter der UMNO (die malaiische Partei der herrschenden Regierungskoalition) ihm widersprechen. Seine Behauptung ist einfach abstoßend und ärgerlich, eine Schande. Das allein reicht aus, neben all den anderen Angelegenheiten, daß wir ihn verklagen wollen.
Es ist schon seltsam. Wir wollen uns mit der Regierung auf dem vorgeschriebenen juristischen Weg auseinandersetzen, und dennoch sagen sie, wir seien gegen das Gesetz. Vor zwei Tagen gingen fünf unserer Mitglieder zur Polizei, um sich über einen Bericht des Generalinspekteurs der Polizei zu beschweren, und sie wurden festgenommen. Wir wollen den korrekten Weg der Instanzen gehen, werden aber dafür festgenommen. Sehr seltsam, oder?
Will al-Arqam islamische Strafen (hudud) in Malaysia einführen?
Islamisches Recht kann nicht von heute auf morgen eingeführt werden. Zunächst müssen die Ursachen für das Begehen von Straftaten beseitigt werden, die Regierung dafür sorgen, daß jeder genug zu essen und einen Arbeitsplatz hat und ein Leben in Sicherheit führen kann. Zweitens muß das Volk ausreichend über die Regierungspolitik aufgeklärt werden. Drittens muß die Ausbildung und Bildung der Menschen so sein, daß sie Gut und Böse unterscheiden können, erstes tun und zweites lassen. Erst dann, wenn es keine Entschuldigung für Straftaten mehr gibt, sollten die bestraft werden, die durch und durch kriminell sind und sich einem Weg zur Besserung widersetzen. Islamisches Recht kann nicht unmittelbar und sofort eingeführt werden.
Würden Sie Dr. Mahathirs jüngsten Vorschlag kommentieren, illegale weibliche Einwanderer körperlich zu züchtigen?
Momentan kann ich dazu nichts sagen, da ich mich mit Dr. Mahathir in einer öffentlichen Auseinandersetzung befinde und eine Stellungnahme nicht korrekt wäre.
Können Sie etwas zu der zunehmenden Zahl von Regionalregierungen in Indonesien sagen, die al-Arqam verboten haben?
Diese Verbote beziehen sich nur auf vorübergehende Mißverständnisse bezüglich unseres Glaubens aqida. Sie haben nichts mit unseren sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten zu tun.
Was sagen Sie dazu, daß Dr. Mahathir die Lehre al-Arqams als ketzerisch bezeichnet?
Er hat eine solche Andeutung gemacht, und wir haben mit den heiligen Büchern des Islam geantwortet. Aber man wollte uns nicht hören, wie sie es nie tun. Im Islam gibt es Dinge, über die man geteilter Meinung sein kann, die keine genaue Festlegung erfahren haben. Die Lehrmeister sind nicht immer einer Meinung, und wir müssen den Unterschieden in den Auffassungen zustimmen. Die verantwortlichen Stellen des Staates aber versuchen, uns ihren Standpunkt aufzuzwingen, was nicht korrekt ist.
Wir haben sogar dem Islamischen Zentrum einen Dialog angeboten. Sie haben es aber abgelehnt, mit uns zu reden oder uns zuzuhören. So hat man ohne Anhörung oder Verteidigungsmöglichkeit unsererseits gegen uns entschieden. Damit haben sie das islamische Recht zur Verteidigung des eigenen Standpunkts gebrochen, und sie heben die Menschenrechte auf Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt verletzt. Wir bewegen uns im Rahmen des Gesetzes, sie aber sagen, wir seien Gesetzesbrecher. Was können wir da noch tun?
Sie sind erst kürzlich aus Jordanien zurückgekehrt. Will der malaysische Staat die Aktivitäten von al-Arqam im Mittleren Osten und in den asiatischen Ländern einschränken?
Das ist möglich.
Übersetzung aus dem Englischen von Desmond Seufert.
Aus Südostasien Informationen Nr. 4/1994 S. 28 -33
Stand: 02. Juli 2004, © Asienhaus
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