Malay(si)as Weg aus der kolonialen Abhängigkeit
Betrachtungen eines britischen Zeitzeugen

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Tony Dumper
Der Verfasser lebte und arbeitete als Pfarrer von 1949 bis 1964 in Ipoh und Penang, und anschließend bis 1970 in Singapur. Er ist heute Bishof von Dudley der Anglikanischen Kirche und Mitglied der Singaporean and Malaysian British Association. Übersetzung aus dem Englischen von Peter Franke.

Ich kam 1949 nach Malaya, wie es damals hieß, teilweise eine britische Kolonie teilweise britisches Protektorat. Der kommunistische Aufstand gegen die Kolonialherrschaft hatte 1948 begonnen und das Land wurde mit Notstands-Verordnungen regiert. Ich kam als junger Pfarrer mit Bedenken und Zweifeln am Imperialismus und der starken Überzeugung, daß die Labour-Regierung in London größere Anstrengungen unternehmen müßte, um Malaya in die Unabhängigkeit zu führen.

Ich mußte bald feststellen, daß die Situation auf der Malaiischen Halbinsel zu kompliziert war, um eine Entscheidung rein nach den Kategorien der kolonialen Unterdrückung eines nach Freiheit ringenden Volkes zu fällen. Es war in der Tat eine Situation, mit der sowohl die britische Regierung wie auch ihre Kritiker Schwierigkeiten hatten, sie zu verstehen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts haben europäische Händler Siedlungen und Häfen in strategischen Gebieten Südostasiens besetzt. Es gab Konkurrenz zwischen den westlichen Mächten, insbesondere zwischen den Holländern und Briten, aber schließlich festigte sich die Herrschaft der Briten über die Malaiische Halbinsel. Mit der Entwicklung der Gummi und Zinn Produktion gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Malaya zu einem lebenswichtigen Teil der Wirtschaft des britischen Reiches. Die dort verdienten Dollar spielten eine Schlüsselrolle für die britische Zahlungsbilanz während der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts.

Die wirtschaftliche Ausbeutung von Rohstoffen eines Landes bedurfte einer stabilen und effektiven Regierung. Im großen und ganzen war die britische Kolonialbehörde in der Lage, diese zu stellen. Sie kamen zu einer Zeit, als die malaiischen Sultane Schwierigkeiten hatten die Staaten der Halbinsel zu kontrollieren, deren alte Reiche durch den Einzug der modernen Welt destabilisiert wurden. Möglicherweise wären sie ohne die Einmischung durch den Kolonialismus von fortschrittlichen Kräften verdrängt worden, aber die vorsichtige britische Verwaltung war bereit, die Sultane zu unterstützen und erhielt im Gegenzug die Anerkennung der britischen Vormachtstellung. Über Jahre beruhte die britische Herrschaft auf einer Politik der Anerkennung der malaiischen Herrscher und ihres Volkes als legitime Einwohner des Landes. Man ermutigte die Malaien, sich selber um ihre eigenen Angelegenheiten in traditioneller Weise zu kümmern, vorausgesetzt es herrschte eine uneingeschränkte Handelsfreiheit für die Briten. In dieser Weise wurden sie von den Briten vor den unsteten Einflüssen der modernen Welt geschützt.

Aber diese Politik war aus zwei Gründen unrealistisch. Zum einen konnte selbst die britische Kolonialverwaltung malaiische Bräuche und die malaiische Version des Islams nicht von der Invasion von Ideen und Praktiken der modernen Welt völlig isolieren. Hafenstädte wir Penang und Singapur wurden Fenster zur übrigen Welt. Moderne Verwaltungsmethoden, Moden und Annehmlichkeiten und später natürlich der Einfluß durch das Radio lieferten den anschaulichen Beweis eines anderen, offensichtlich bequemeren Lebensstils, der nun auch erreichbar für diejenigen wurde, die unhinterfragt für Jahrhunderte in Armut und Gehorsam gegenüber ihren politischen Herrschern gelebt hatten. Zum anderen hatte aber sicherlich die Bildung den größten Einfluß, der zur Veränderung der traditionellen Gesellschaften führte. In Malaya war die christliche Kirche Wegbereiter für das Schulwesen. Die Kirche entwickelte ein Netzwerk von Schulen über das ganze Land, da es ihr aufgrund von Vereinbarungen zwischen der britischen Regierung und den Sultanen verboten war, malaiische Muslime zum Christentum zu bekehren. Es gab wohl kaum Übertritte von Malaien zum Christentum, aber der Einfluß, den diese Schulen auf das gesamte soziale System Malayas hatte, war rasch und enorm. Diese Schulen förderten neben einer Einführung in das westliche wissenschaftliche Denken die allgemeine Anerkennung der Vorstellung von der Gleichheit eines jeden Menschen vor Gott, nicht nur ausdrücklich im Religionsunterricht, aber auch durch das Lehren von westlicher Literatur und den Ethos von Disziplin und seelsorgerischer Fürsorge. Sie entwickelten in vielen Köpfen auch eine Art zu denken, die sich kritisch gegenüber Ungerechtigkeit und Unehrlichkeit bei Führern von Regierungen und Geschäften stellen konnte.

Entwicklung zum Vielvölkerstaat

Neben den Auswirkungen dieser intellektuellen und geistigen Einflüsse unterlief eine rassistische Komponente die britische Politik. Über Jahrhunderte hatten chinesische Kaufleute mit den Hafenstädten Penang, Malakka und Singapur Handel getrieben und eine kleine Anzahl unter ihnen sich dort niedergelassen. Im 19. Jahrhundert jedoch hatte die britische Verwaltung Chinesen in großer Anzahl dazu ermutigt, als Lohnarbeiter aus den unstabilen Verhältnissen in China in das vergleichsweise stabile, von den Briten übernommene Malaya zu kommen. Sie konzentrierten sich insbesondere auf den Zinn-Abbau entweder in eigenen Betrieben oder als Arbeiter bei britischen Firmen. Aus ähnlichem Grund kamen tamilische Arbeitskräfte aus Südindien, die vorwiegend auf Kautschuk-Plantagen aber auch bei der Eisenbahn oder in der Kolonialverwaltung arbeiteten. Die britische Verwaltung ging davon aus, daß diese Arbeitsmigranten sich nicht niederlassen, sondern in ihr Heimatland zurückkehren würden, nachdem sie genügend Geld verdient hatten um in Ruhestand zu gehen. Einige taten das. Aber wie wir es auch heute bei den Arbeitsmigranten in Europa erleben, ist es nicht einfach, für eine Familie, die ihre Kinder über Jahre in einem Land großgezogen hat, in eine andere Kultur zurückzukehren mit einem anderen wirtschaftlichen Entwicklungsstand und möglicherweise schlechteren Möglichkeiten für die Entwicklung der Kinder. Die Chinesen hatten ihr eigenes Netz an chinesischen Schulen aufgebaut, die die chinesische Kultur stärkten und als Zentren für den chinesischen Nationalismus dienten, der eine wichtige politische Rolle in den Jahren bis zur Unabhängigkeit spielte.

So war zum Vorabend des 2. Weltkrieges deutlich, daß Malaya nicht länger mehr als Land der Malaien gesehen werden konnte. Eine große Zahl von eingewanderten Chinesen und Indern würden dort bleiben. Wenn aber die Briten ihre Politik an diese Veränderungen der rassischen Zusammensetzung der Bevölkerung Malayas angepasst hätten, dann wären grundlegende Veränderungen in der britischen Haltung gegenüber den Malaien und der Zusammensetzung einer später zu erwartenden unabhängigen Regierung in Malaya notwendig gewesen. Diese schien aber zum Anfang des 2. Weltkrieges ein nicht so dringendes Problem zu sein. In vielerlei Hinsicht war Malaya ein stabiler und festeingefügter Teil des Britischen Reiches. Es schien keine Eile zu geben, eine parlamentarische Vertretung für die Malaien zu entwickeln, denn ihre eigenen, traditionellen Herrscher waren im Amt und sie wurden von der britischen Verwaltung respektiert und unterstützt. Man meinte, es den malaiischen Völkern überlassen zu können, wie sie sich zu einer parlamentarischen Vertretung hin entwickeln würden. Das Ergebnis war, das die ersten Volksvertretungs-Organe auf örtlicher Ebene in Malaya erst 1953 eingeführt wurden, 60 Jahre später als in Indien und selbst 20 Jahre später als in den sogenannten "zurückgebliebenen" Kolonien Afrikas. Nationale Wahlen erfolgten im Jahr darauf.

Ich kann mich gut an die erste Wahlversammlung in meiner Kirche in Ipoh erinnern, die ich leitete und zu der über 400 Menschen gekommen waren, um die 4 konkurrierenden Kandidaten zu hören. Mich beeindruckten der Eifer der Zuhörer und ihre wohlüberlegten Fragen. Es wurde deutlich, daß eine Gelegenheit zur Entwicklung eines demokratischen Verständnisses, das über die rassischen Vorurteile hinausgeht, durch die Förderung eines Potentials von Menschen aus den Mittelklassen verpasst worden war. Die britische Verwaltung konnte nicht akzeptieren, daß die chinesischen und indischen Migranten im Land bleiben würden und hielt starr an der Verpflichtung, die traditionellen malaiischen Herrscher zu unterstützen, fest. Sie hatte deshalb vor dem Krieg keinerlei Schritte unternommen, eine Volksvertretung einzuführen. Solange Malaya eine wichtige Einnahmequelle blieb, gab es keinerlei wirtschaftlichen Grund, den Status Quo ändern.

Folgen der japanischen Besetzung

Die japanische Besetzung Malayas im 2. Weltkrieg beendete diese koloniale Erfolgsgeschichte und liessen die unter der Oberfläche liegenden schweren Konfliktpotentiale erkennen. Die japanische Verwaltung neigte dazu, die Malaien zu bevorzugen und es gelang ihr, eine nennenswerte Unterstützung unter Teilen der indischen Bevölkerung als Verbündete gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien zu erhalten. Aber die Chinesen aufgrund ihrer Unterstützung der Regierung in China in ihrem Kampf gegen Japan leideten schwer unter dieser brutalen Besetzung. Mit der japanischen Kapitulation kamen religiöse und rassische Feindschaften zwischen Malaien und Chinesen an die Oberfläche. Für mehrere Monate gab es Ermordungen und Auschreitungen zwischen den Rassen. Der chinesische Guerilla-Widerstand gegen die Japaner richtete nun seine Aufmerksamkeit auf die zurückkehrenden Briten. Unter kommunistischer Führung ging sie wieder in den Untergrund und führte eine Reihe von Angriffen gegen die britische Verwaltung und die Wirtschaftsführer. Damit griff sie natürlich auch das malaiische Establishment an. Mit einer breiteren Basis hätte diese Bewegung vielleicht mehr Aussichten auf Erfolg gehabt. Wegen anhaltender Unruhen wurde 1948 von der britischen Verwaltung der Notstand ausgerufen. Damit mußte für einige Jahre die politische Debatte militärischen Erwägungen weichen.

Die zurückgekehrte britische Verwaltung hatte nach einer Zeit der Überlegungen während des Krieges eine neue Verfassung entworfen, um eine neue Nation auf eine eigene Regierung vorzubereiten. In dem Vorschlag für eine Malaiische Union wurde Chinesen und Indern in gleicher Weise die Staatsbürgerschaft angeboten, wie den Malaien. Aber diese verspätete Anerkennung der Rechte auf Staatsbürgerschaft für die Immigranten erfolgte zu früh wie auch zu spät. Es war zu früh für die Malaien, die nicht auf diese sehr westlichen, politischen Vorstellen vorbereitet waren und zu spät, weil vor dem Krieg unter friedlichen politischen Bedingungen die Gelegenheit zur Entwicklung einer Loyalität aller Rassen zu einer neuen Nation verpasst worden war. Die psychologischen Auswirkungen des schnellen Zusammenbruchs der britischen Politik- und Militär-Maschine bei der japanischen Invasion auf die einheimische Bevölkerung, die Rassenspannungen, die die Japaner während des Krieges geschürt hatten sowie das weltweite Bestreben der früheren Kolonien nach Unabhängigkeit von den westlichen Mächten in der Nachkriegszeit machten die Verwaltung von Malaya zu einer komplizierteren Sache als vor dem Krieg.

Der Plan von einer Malaiischen Union weckte starken Widerstand und Ängste unter der malaiischen Bevölkerung und die Briten waren gezwungen, ihn zurückzuziehen. Eine neue Vereinbarung für eine Föderation von Malaya wurde 1948 vorgestellt, die den Malaien automatisch die Staatsbürgerschaft anerkannte aber nicht den Nicht-Malaien. Bis zur Unabhängigkeit Malayas veränderten sich die Bedingungen, um bestimmten Forderungen der Nicht-Malaien nachzukommen, unter Beibehaltung der bevorzugten Stellung der Malaien. Als die Briten nach Malaya kamen, vereinbarten sie mit den Malayen, ihre Religion und ihre politischen Institutionen nicht zu stören, und erhielten im Gegenzug freie Hand bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Ähnlich wollten nun die Nicht-Malaien das Recht auf Staatsbürgerschaft bei Anerkennung der Vorherrschaft des Islams und des besonderen Status für diejenigen, die als Malaien definiert wurden: nämlich die ursprünglich die malaiische Sprache sprechen, dem islamischen Glauben angehörten und sich an malaiische Traditionen hielten.

Die Entlassung Malayas in die Unabhängigkeit

Mit solch einer Verfassung beschleunigte sich die Entwicklung zur Gewährung der Unabhängigkeit 1957. Ich war an diesem 31. August 1957 in Penang unter der Menge von 10.000 oder mehr, als die britische Flagge herunter gelassen und die neue Flagge der Föderation von Malaya gehisst wurde. Während dieses symbolischen Aktes herrschte absolute Stille - keine Hurra-Rufe, kein Klatschen, kein Singen. Die multirassische Masse schien sich bewußt zu sein, daß die Zukunft noch einige Probleme mit sich bringen könnte. Sie war ausreichend politisch gereift, um zu wissen, daß die Unab-hängigkeit nicht all ihre Probleme lösen und alle Ungerechtigkeiten in ihrer Gesellschaft beseitigen würde. Sie war nicht aus-reichend mit dem Bewußt-sein eines gemeinsamen, malaiischen Hintergrundes beseelt, um darüber zu jubeln, ein Teil einer neuen Nation zu sein.

Im ganzen Land begrüßten die Malaien die Unabhängigkeit am meisten. Für einige Jahre schien es, daß genügend Toleranz unter den 3 Rassen übrig geblieben war, um allen Bürgern Zeit zu geben in ein Bewußtsein gemeinsamer Identität hineinzuwachsen. In jenen frühen Jahren der Unabhängigkeit waren die Bedingungen in der Tat hoffnungsvoll. Der kommunistische Aufstand konnte auf eine kleine Minderheit im Dschungel begrenzt werden. Er hatte sowieso nie die Unterstützung der Mehrheit. Ich war beeindruckt, mit welcher Toleranz man mir als Fremden und Bürger der ehemaligen Kolonialmacht begegnete, sowie auch im Alltagsleben die verschieden Rassen miteinander umgingen. Diese Toleranz stand ganz im Gegensatz zu den Vorurteilen und Feindseligkeiten, die viele Menschen aus Asien und der Karibik in den gleichen Jahren erleben mußten, wenn sie in Europa lebten. Meine Familie und ich haben in jenen Jahren gelernt, was es bedeutet, ein Teil in einer multirassischen Gesellschaft zu sein und Kultur und Religion des anderen zu akzeptieren. Es ist die größte Lehre, die wir aus unserer Zeit in Südostasien gelernt haben, und es ist eine Erfahrung, die angesichts der wachsenden Fremdenfeindlichkeit in Europa heute ein Vorbild sein kann.

Aber 1969 erschütterten schwere Rassenunruhen die Regierung und machten wachsende Rassengegensätze deutlich. Es gab häufig individuelle Toleranz und gute nachbarschaftliche Beziehungen. Aber die Versuchungen und der Druck von politischer Macht schufen tiefe Ängste und Eifersucht für die Zukunft. Die Schockwelle von 1969 zeigt immer noch ihre Auswirkungen auf die politischen Manöver der Führer der verschiedenen ethnischen Gruppen in Malaysia.

Singapurs Erfolg als multirassischer Staat

Singapore, wo ich in den 60er Jahren lebte, scheint mehr Erfolg bei dem Aufbau eines multi-rassischen Staates gehabt zu haben. Bereits in jenen Jahren spürte ich ein wachsendes Bewußtsein von Loyalität gegenüber Singapur, was heute noch viel deutlicher ist. Die Rassenzusammensetzung ist ähnlich der Malayas, außer daß die Chinesen die Mehrheit bilden und die Malayen eine relativ kleine Minderheit. Singapur ist es zumindest zum Teil gelungen, ein Nationalbewußtsein zu schaffen und eine begrenzte Bereitschaft, politisch die Rassengleichheit anzuerkennen. Die Zielstrebigkeit, eine nationalstaatliche Identität zu schaffen, wurde mit einer ziemlich skrupellosen Politik umgesetzt. Alle Aspekte des Familienlebens, der Religion und Kultur, die von dem Ziel eines geeinten Singapurs abzulenken schienen, wurden angegriffen und unterlaufen. Die Ausrichtung für einen guten Staatsbürger warnicht so sehr auf eine politische Beteiligung sondern eher auf Zusammenarbeit zur Schaffung eines modernen, wohlhabenden Stadtstaates zum Wohle aller. Und schließlich half die Wehrpflicht für alle Bürger, eine Generation zu heranzuziehen, die sich als Singapureaner fühlt. Wirtschaftlicher Materialismus und die Konsumgesellschaft scheint heute offensichtlich ein Weg zu sein, um das Vermächtnis der von der Kolonialmacht hinterlassenen Rassentrennung zu überwinden. Allerdings zögerten die heutigen Führer von Singapur mit der Einführung der Marktwirtschaft zur Überwindung der Rassentrennungen nicht, auf den Grundlagen der Rechtsprechung und der Verwaltung, die die Briten hinterließen, aufzubauen.

Aber Singapur ist eine einmalige Erscheinung und wir können nicht erwarten, daß Malaysia denselben Weg einschlagen kann, so gern auch ihre heutigen Führer den wirtschaftlichen Erfolg Singapurs nachahmen würden. Religion und Kultur, die in Singapur dazu benutzt wurden, um wirtschaftlichen Erfolg zu stützen, haben stärkere historische Wurzeln in Malaysia.

War das Vermächtnis der Briten hilfreich oder hinderlich bei der Entwicklung von Staaten, die tolerant und demokratisch und mit ausreichendem Bewußtsein von dem Bedürfnis der Menschen versehen sind, ihre eigene Identität in ihrer Geschichte, Ortsbezogenheit und ihren inneren geistigen Werten zu finden? In vielerlei Hinsicht wird deutlich, daß die Briten versagt haben. Sie kamen in erster Linie als Händler, um die Resourcen der Landes auszubeuten und berücksichtigten kaum die Rechte und Interessen der einheimischen Bevölkerung. Sie blieben so lange wie sie konnten, um die Reichtümer herauszuholen und zogen sich zurück, als es darum ging, schwierige politische Entscheidungen zu fällen, die notwendig gewesen wären, wenn Malaysia und Singapur auf eine wirklich demokratische Unabhängigkeit mit einer gerechteren Verteilung des Reichtums hätten vorbereitet werden müssen.

Anderseits hinterließen die Briten eine einigermaßen effiziente Verwaltungsstruktur mit einer ausreichend ausgebildeten Bevölkerung, um die öffentlichen Dienste ohne die Hilfe von Ausländern selber in die Hand zu nehmen. Das ist eine wichtige Bedingung für eine stabile Gesellschaft. Das von den Briten übernommene Rechtssystem hat die Schwächen eines widersprüchlichen Systems und seine Unabhängigkeit wurde durch die jüngsten politischen Entwicklungen unterlaufen. Aber es beinhaltet für alle Bürger trotzdem noch die Möglichkeit von Gerechtigkeit und Gleichheit vor dem Gesetz. In dieser Hinsicht ist es im Vergleich zu dem System, das es ersetzt hat, und mit den Praktiken einiger Nachbarländer noch günstig. Aber weil Missionare und Lehrer die britischen Händler und Soldaten begleiteten, wurde darüber hinaus die Bevölkerung von Malaya und Singapur mit einem neuen Verständnis von Gesellschaft und Sinn des Lebens konfrontiert, welches schließlich sowohl den Kolonialismus wie auch die folgenden autoritären Regime unterläuft. Eine Saat wurde gesät und eine Vision von einer auf Toleranz gegenüber den Menschen basierenden Gesellschaft gegeben, die ihre Geschichte und Kultur respektiert, sowie eine Aussicht, wenn auch manchmal verzweifelt, auf eine Zukunft, die gerechter und sensibler für die Bedürfnisse der Menschen ist.

Einst gab es Gelächter

Einst gab es Gelächter
und Gesang und Tanz
und die Menschen hatten ein Lächeln für einander ...

Einst gab es Hoffnung
auf eine bessere Zukunft
in der wir Schulter an Schulter stehen würden
in einem Land
blühend und frei

Dann kamen diese griesgrämigen Politiker
die Geld in ihre Taschen steckten
Stacheldraht zwischen den Rassen errichteten
die unsere Freiheit einfroren (im Namen der Sicherheit)
und unsere Geschichte zerrütteten!

Einst gab es Gelächter ...

Cecil Rajendra

Cecil Rajendra ist einer der bekanntesten Rechtsanwälte Malayas und ein Dichter von internationalem Ruf. Mit einem christlichen Hintergrund hat er sich tiefgehend mit Problemen der Menschenrechte und der Umwelt auseinandergesetzt. In seinen Gedichten kommt eine Vision, was möglich ist, zum Ausdruck, die ihm über die Verzweiflung über das, was er in seinem Land vor sich gehen sieht, hinweghilft. Solange diese Vision auch heute noch weiterhin in den Herzen und Köpfen vieler in Malaya und Singapur zu finden ist, habe ich Hoffnung für die Zukunft.

Aus Südostasien Informationen 2-3/92 S. 55 - 57

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Stand: 12. January 1998, © Asienhaus Essen / Asia House Essen
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