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Malawi
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4.1
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BevölkerungDie größte ethnische Gruppe in Malawi bilden die Chewa, die ca. die Hälfte der Bevölkerung stellen und ihr Hauptsiedlungsgebiet in der Zentralregion haben. Es folgen die Lomwe (ca. 15% Anteil an der Gesamtbevölkerung) im Südosten, die Yao (ca 14%), die entlang des Lake Malawi bis hinunter nach Balaka und Machinga siedeln. In der dünn bevölkerten Nordregion leben die Tumbuka (9%) und die Tonga (in Nkhata Bay; 2%), während die Sena (3,5%) im äußersten Süden Malawis (Nsanje, Chikwawa) beheimatet sind. Die Ngoni (1,5%) leben sowohl in der Zentral- (im Dedza-Distrikt) als auch in der Nordregion (Mzimba). Der Rest entfällt auf noch kleinere Ethnien. In der Zentral- und der Südregion sind die ethnischen Ordnungen matrilinear geprägt, während die Nordregion und der äußerste Süden (Sena) patrilinear organisiert sind. In Malawi ist es bisher nicht zu gewaltsam ausgetragenen ethnischen Konflikten gekommen. Ein regionales Identitätsbewußtsein herrscht vor. Diese regionalen Identitätslinien spielen bis heute eine wichtige Rolle, vor allem bei Patron-Klienten-Beziehungen und Nepotismus. Soziale Lage und ArbeitsmarktArmut, Krankheit und geringe Bildung bestimmen den Alltag eines großen Teils der Bevölkerung. Die Lebenserwartung liegt bei gut 46 Jahren. 27% der Malawier haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 14% der zwischen 15- und 49jährigen gelten als HIV-positiv. Über ein Drittel der Einwohner können nicht lesen und schreiben. Fast 42% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag; über drei Viertel haben weniger als 2 US-Dollar täglich zur Verfügung. Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt gerade einmal 161 US-Dollar (2005). Von den geschätzten 4,5 Mio. Arbeitenden sind 87% in der Landwirtschaft, vorwiegend im Klein- und Subsistenzanbau oder als Plantagenarbeiter tätig. Außerhalb der Städte sind sogar über 90% im Agrarsektor tätig. Es gibt keine verlässlichen Statistiken zum Arbeitsmarkt. Stadt-Land-VerhältnisMalawi weist eine niedrige Urbanisierungsrate auf. Lediglich 17,2% der Einwohner leben in Städten, was jedoch seit 1975 eine Verdoppelung bedeutet. Obwohl die Städte Zuwächse verzeichnen, sind diese weniger einer signifikanten Landflucht geschuldet, sondern auch auf höhere Geburtenraten und bessere Gesundheitsversorgung zurückzuführen. Das städtische Leben ist teuer, vor allem in Hinblick auf Nahrungsmittel. Somit ist es riskant, ohne Aussicht auf Arbeit und Einkommen umzusiedeln. Da die traditionellen Dorfstrukturen mit ihren Großfamilienverbänden noch weitgehend intakt sind, ist das Leben im eigenen Dorf sicherer als eine Flucht in die Stadt. Somit konnte eine Slumbildung in den Städten bisher weitgehend vermieden werden. GeschlechterverhältnisDie Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist in der Verfassung festgeschrieben. In der Realität ist die malawische Gesellschaft — vor allem auf dem Lande — an den Werten und Normen des traditionellen Rechtes ausgerichtet. Ein Beispiel sei hierfür genannt: Obwohl das staatliche Erbrecht die Stellung der Ehefrau und Kinder deutlich verbessert hat (zumeist erben die männlichen Verwandten den Löwenanteil), ist dieses in der Praxis für die betroffenen Witwen nur schwer durchsetzbar, da die traditionellen Autoritäten, die Erbstreitigkeiten meistens im Rahmen ihrer traditionellen Gerichtsbarkeit verhandeln, sich dabei aber nur an den Traditionen der Ethnie orientieren. Zwar bliebe der Witwe das Recht, den staatlichen Rechtsweg zu beschreiten (wo sie auch Recht bekäme), aber das erfordert Geldmittel, einen gewissen Bildungsgrad, viel Geduld, und — was schwerer wiegt — sie würde es sich mit der Familie ihres Mannes gründlich verderben. Somit wird das moderne Recht nur sehr selten angewandt. Über die Rolle der Frau berichtet ausführlich und aktuell mit Zugriff auf Dokumente, Vereinbarungen und Strategie zum Thema Gender Policy in Malawi die Homepage des UN Social Development Networking Programme. Von Interesse ist auch die Homepage des NGOs Women's Voice.
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4.2 Bildung |
Informationen über das staatliche Bildungssystem und die Bildungspolitik halten das Ministry of Education, Science and Technology sowie SDNP bereit. Das Land verfügt über eine größere Universität, der University of Malawi mit Colleges in Zomba ( Chancellor College), Blantyre und Lilongwe. Eine kleine Universität gibt es in der nördlichen Stadt Mzuzu ( Mzuzu Univesity). Hervorzuheben ist das Centre for Social Research der University of Malawi, das auf seiner Homepage auch eine Publikationsliste von Papers bereithält. Bücher und Papers über Politik, Gesellschaft, Theologie, Geschichte und Kultur erscheinen seit vielen Jahren in der Kachere Series, die von Dozenten des Chancellor College herausgegeben wird. Bücher können auch online bestellt werden.
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4.3
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Über das malawische Gesundheitssystem, die wichtigsten Krankheiten sowie über die staatliche Gesundheitspolitik informiert WHO-Malawi. AIDS stellt ein großes Problem dar. Etwa 14% der 15- bis 49-jährigen gelten als infiziert. Genauere Informationen finden sich beim National AIDS Control Programme, und über AIDS-Waisen berichtet UNICEF. |
4.4
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Ein freies kulturelles Leben konnte sich in Malawi erst nach der Ablösung des autoritären Banda-Regimes 1994 entfalten. Die Kulturszene ist übersichtlich und wird größtenteils von Künstlern bestimmt, die hauptberuflich einem Broterwerbsjob nachgehen müssen. Auf dem Land überwiegt afrikanische Kultur, die sich im Wesentlichen an die oral überlieferten Traditionen der einzelnen Ethnien anlehnt. Eine "malawische" Kultur gibt es nicht. Das Banda-Regime hatte — erfolgreich — versucht, Musik und Kunst für seine politischen Zwecke zu vereinnahmen und den Kultursektor gleichzuschalten. Das zeigte sich auch im Sprachregime: Neben Chichewa wurde keine andere ethnische Sprache in den Schulen gelehrt oder gefördert. Sie wurden auch aus dem Rundfunk verbannt.
Mittlerweile haben westliche Einflüsse begonnen, die afrikanische Kultur auch in den ländlichen Regionen zu überlagern. Da der Einfluss moderner Medien aber begrenzt ist, ist diese Entwicklung noch langsam. Unter den Chewa spielt der Geheimbund der Nyau eine wichtige Rolle. Kunst und LiteraturEinen guten Einstieg in die malawische Kunstszene bietet das Portrait Malawi. Regelmäßige Theateraufführungen malawischer und ausländischer Ensembles finden im French Cultural Centre in Blantyre statt. Während die Kunst seit 1994 frei von politischer Einflussnahme ist, war sie unter der Banda-Diktatur noch unterdrückt, wie Harri Englund zeigt. In der darstellenden Kunst ragt das Nanzikambe Theatre heraus.
LiteraturDer wichtigste, auch international bekannte, Autor und Lyriker des Landes ist der 1944 geborene Jack Mapanje. Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Of Chameleons and Gods (1991); The Chattering Wagtails of Mikuyu Prison (1993) und Gathering Seaweed: African Prison Writing (2002). Er wurde von Banda mehrmals ohne Anklageerhebung aufgrund seiner Literatur in Haft genommen, was auch Ausdruck in seinen Werken fand. Literatur zu Malawi — auch wertvolle antiquarische Ausgaben — bietet Central Africana an. Von hier kann man auch elektronische Postkarten mit einer großen Auswahl an einheimischen Motiven verschicken. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Präsenz Malawis im Internet verglichen mit anderen Staaten der Region noch relativ dünn ist.
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4.5
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Malawi ist christlich geprägt. Nach Auswertung der letzten Volkszählung von 1998 gibt es ca. 80% Christen, von denen bekennen sich 52% zur protestantischen Church of Central Africa Presbyterians (CCAP), 43% zum römisch-katholischen Glauben und 5% zu anderen Kirchen, wie z. B. Anglikaner, Pfingstler, Seventh Day Adventists. Darüber hinaus gibt es zwischen 13-15% Muslime. Der Rest bekennt sich zu keiner offiziellen Kirche. Sowohl die CCAP als auch die Römisch-Katholische Kirche verfügen über gut ausgebaute landesweite Organisationsstrukturen. Die Muslim Association of Malawi verfügt noch nicht über eine Website. Jeder Muslime ist qua Geburt Mitglied in der Organisation, die — wie die christlichen Kirchen auch — Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen unterhält. Die Toleranz zwischen den Religionen ist sehr groß. Es gibt keine signifikanten gewaltsam ausgetragenen Konflikte. Religion insgesamt spielt eine wichtige Rolle in Malawi. Gottesdienste sind meistens gut besucht. Neben der Zugehörigkeit zum christlichen Glauben oder zum Islam spielen die traditionellen Rituale und Totenkulte weiterhin eine wichtige Rolle. Der International Religious Freedom Report des US-Außenministeriums gibt detaillierte Informationen.
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