alle Länder Homepage
Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches

Madagaskar
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

3.1

Wirtschaft

Im Jahr 2007 erzielte Madagaskar eine Wachstumsrate von 6.3%, insbesondere dank der sekundären und tertiären Wirtschaftssektoren, obwohl die Landwirtschaft noch 72% der Erwerbstätigen band. Die jährliche Inflationsrate lag im Durchschnitt bei 10.1%, ging jedoch zum Ende des Jahres auf 8.2% zurück. Erhebliche Preisschwankungen auf dem internationalen Markt der eigenen Agrarprodukte, die zum Teil von Unwettern – Wirbelstürmen oder Dürre - bedroht sind, die Steigerung der Ölpreise, eine noch sehr schwache Energieversorgungs - und Telekommunikationsinfrastruktur, die fehlende Diversifizierung der Wirtschaftszweige und Exportprodukte, sind zu überwindende Herausforderungen. Durch ihre Weite von den internationalen Hauptentwicklungszentren ist eine Insel wie Madagaskar auf gute Infrastrukturnetze angewiesen.

3.1.1

Wirtschaftssystem und seine Sektoren

MarktMarkt im Stadtzentrum von Madagaskar
Foto: Imke Trainer 2006

Knapp Dreiviertel aller Madagassen arbeiteten 2005 in der Landwirtschaft und erwirtschafteten 26% des BIP. Angebaut wird meistens für den Eigenbedarf. Die Hauptanbauprodukte sind Reis, Mais, Manioc, Knollenfrüchte, Hülsenfrüchte, Zuckerrohr und Bananen. Wichtigste agrarische Devisenbringer sind Vanille, Litchis, Gewürze, Kaffee, Kakao Baumwolle, in der Fischerei Garnelen und Thunfisch. In den Sechzigern und Siebzigern noch Reisexporteur ist Madagaskar heute oft auf Nahrungsmittelimporte angewiesen.

Der Sekundarsektor erwirtschaftete 2005 rund 17% des BIP. Dank des im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit den USA abgeschlossenen AGOA-Abkommen, der sich jedoch bereits in der Auslaufphase befindet, sowie der relativ gut ausgebauten Struktur der Freihandelszone stellt der madagassische Textilsektor einen großen Mehrwert dar. Die weiteren vorherrschenden Zweige des industriellen Sektors sind die Agrarverarbeitung, Energieproduktion, Baumaterialproduktion, Bergbau und in geringerem Umfang die Leder- und Holzverarbeitung, Chemie und Elektronik.
Der Dienstleistungssektor steuert den größeren Beitrag zum madagassischen BIP bei. Getragen von den Wirtschaftszweigen Transport, Baugewerbe, Erdölvertrieb, Telekommunikation und Handel stellt er vor allem mit dem sehr dynamischen Tourismussektor eine Hauptdevisenquelle dar.

3.1.2

Handel und Handelsbilanz

Statistischer Überblick

Im Jahr 2006 richteten sich die madagassischen Exporte außerhalb der „Zones Franches“ (Export Processing Zones EPZ - Freihandelszone) zum Großteil an die Europäische Union, an Frankreich mit 38%, gefolgt von China (4,9%), den USA (4,8%), Singapur (4,5%), Deutschland (3,5%), Réunion (3,5%).

Die Importe außerhalb der EPZ kamen hauptsächlich aus Bahrein (24.5%), Importe aus Frankreich (13,2%) gingen zugunsten Chinas (10,1%) zurück, Südafrika (5,8%), Indien (3,7%), Deutschland (2,7%), Japan (2,6%).

Zurzeit ist der Anteil der EPZ-Exportprodukte mit 48,5% der Exporte noch erheblich, denn noch wird der Absatzmarkt USA von der African Growth Opportunity Act begünstigt.

Trotz Mitgliedschaft bei den Regionalmärkten COMESA, SADEC und COI liegt der Handelsaustausch Madagaskars mit seinen Nachbarn in Afrika und im Indischen Ozean mit insgesamt knapp 10% verhältnismäßig noch weit unter seinem Potenzial.

Das Handels- und Leistungsbilanzdefizit bleibt enorm. Perspektiven der Schliessung dieser Lücke bringen die zum Teil angelaufenen zwei großen Bergbauprojekte im Südosten und Zentralosten Madagaskars, sowie der Tourismus, der ein Riesenpotenzial birgt. So ist ab 2008 die Förderung von jährlich 750.000T Ilmenit geplant, was 10% der weltweiten Produktion entspricht, sowie ab 2010 vorgesehene Förderung von 60.000T Nickel und 5000T Kobalt im Jahr. Dieser Ausbau wird die Außenhandelsstruktur Madagaskars nachhaltig völlig verändern. Darüber hinaus scheinen die laufenden Explorationsarbeiten nach Ressourcen wie Bauxit oder Erdöl viel versprechend zu sein und deren Ergebnisse könnten das Bergbaupotenzial des Landes schärfen.

3.1.3

Wirtschaftsindikatoren und Analysen

Eine Übersicht zu den wichtigsten Eckdaten der madagassischen Wirtschaft finden Sie hier. Das IFC/Weltbank-Dokument „Doing Business in Madagascar“ bietet Analysen aus der Sicht von Investoren. Die Internetseite des französischen Mission Economique bietet regelmässig aktualisierte Analysen der verschiedenen Wirtschaftssektoren.

3.1.4

Wirtschaftspolitik

Der Madagascar Action Plan veranschaulicht eine Strategie des nachhaltigen Wirtschaftswachstums, die sich zum einen auf Ausbau, Professionalisierung und Modernisierung der Landwirtschaft, zum anderen auf eine starke Förderung der direkten Investitionen im Privatsektor stützt. In diesem Sinne wird der Verbesserung des sehr schwachen Zugangs zu Krediten Sorge getragen. Gleichzeitig sollen die Reformen die Sanierung der öffentlichen Verwaltung und Finanzen vorantreiben.
Eine starke Bedeutung wird der Sensibilisierungskampagne nach Außen beigemessen, um für ein positives Image Madagaskars zu werben. Zum Zweck der Diversifizierung der Handelsbeziehungen werden bilaterale Abkommen gefördert und die madagassischen Auslandsvertretungen verstärkt mit Einheiten zur Wirtschaftsförderung versehen.

3.2

Entwicklung & Entwicklungspolitik

Madagaskar zählt zu den wenig entwickelten Länder und belegt 2007 Platz 143 von 177 Ländern im Human Development Index Ranking der Vereinten Nationen. 2004 erreichte Madagaskar den „Completion Point“ der Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Länder (Highly Indebted Poor Countries) und konnte 2006 das PRGF-Abkommen abschließen. Durch die Multilateral Debt Reduction Initiative (MDRI) von IMF, Weltbank und African Development Bank konnten die Auslandsschulden auf 1,5 Mrd USD reduziert werden.

Die Entwicklungsstrategie Madagaskar richtet sich entschlossen an die Armutsreduzierung und die Erreichung der Milleniumsentwicklungsziele durch Umsetzung des mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft finanzierten Madagascar Action Plans 2007-2012. Alle Maßnahmen zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung miteinander verzahnend, umreißt der MAP die damit verbundenen Herausforderungen und veranschaulicht die Strategie, die Verantwortlichen und die Zeitpläne für deren Überwindung. Er setzt folgende Prioritäten:

  • Verantwortungsbewusste Regierungsführung
  • Ausbau von vernetzten Infrastrukturen
  • Bildung
  • Ländliche Entwicklung
  • Gesundheit, Familienplanung und HIV/AIDS-Bekämpfung
  • Stark wachsende Wirtschaft
  • Umweltschutz
  • Nationale Solidarität

3.2.1

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Um gute Regierungsführung und eine effiziente Verwaltung anzustreben werden die Transparenz, Kampf gegen Korruption, Vernetzungen, Dialog und Sensibilisierung in den nationalen Anstrengungen großgeschrieben. Reformen zur Vereinheitlichung und Vereinfachung der Verwaltungssysteme, Schaffung einer integrierten Verwaltungsstruktur der öffentlichen Finanzen stehen im Blickpunkt.

Erstmalig seit 2007 wird bei sogenannten „Dialogues Présidentiels“ ein mehrtagiges Jahressymposium veranstaltet, die alle Schlüsselpartner zur Umsetzung der MAP versammelt, darunter Vertreter der Zivilgesellschaft, des Privatsektors, der Geldgeber und der Diplomatie.

Die Ergebnisse und Fortschritte des MAP werden im Rahmen eines Follow-up-Treffens zwischen dem Staat und den verschiedenen Geldgebern regelmässig evaluiert. Das nächste Treffen ist somit für Juni 2008 geplant.

Um die effiziente Verwaltung in einer dezentralisierten Struktur zu steigern und die Partizipation der lokalen Bevölkerung zu fördern, werden seit 2007 ebenfalls Fortbildungsmaßnahmen für die lokalen Verantwortlichen der kleinsten Verwaltungseinheiten „Fokontany“ des Landes unternommen, um sie bei ihren Aufgaben zu stärken.

Noch im Rahmen der Professionalisierung und der Förderung des Leaderships auf allen Ebenen der Gesellschaft ist das National Leadership Institute of Madagascar oder NLIM im Jahr 2006 gegründet worden, das Hand in Hand mit der Nationalen Eliteschule der öffentlichen Verwaltung zusammenarbeitet.

Sensibilisierungskampagne zum MAP, zur Armutsbekämpfung, Gesundheit und Familienplanung gehören nun zu regelmässigen Aufgaben der Regierung und Partnern. Gerade dem Thema AIDS widmen sich Kampagnen gezielt, da das bisher von dieser Krankheit noch weitgehend verschonte Land (Prävalenzrate noch auf ca. 1% geschätzt) jedoch einem großem Verbreitungspotenzial der Krankheit ausgesetzt ist. Im April 2008 empfing Madagascar die Jahresversammlung der afrikanischen Akteure der Aidsbekämpfung.

Das 2006 gegründete Economic Development Board of Madagascar (EDBM) fungiert als Schlüsselinstitution für die Förderung der ausländischen Direktinvestitionen nach Madagaskar sowie allgemeiner des Privatsektors.

3.2.2

Internationale Zusammenarbeit

Schlüsselinstitutionen für die multilaterale Zusammenarbeit sind die Weltbank, die UNDP, die Europäische Union, die USAID.

Ein Novum in der Entwicklungszusammenarbeit stellt das von der Weltbank finanzierte PIC-Projekt Pôles Integrés de Croissance dar, das Querschnittsaufgaben in gleich drei Regionen mit großen Wachstumspotenzialen wahrnimmt.

Weitere Informationen zum PIC Projekt finden Sie hier

Madagaskar war außerdem das erste Entwicklungsland, das eine Unterstützung vom Millenium Challenge Account der amerikanischen Regierung erhalten hat. Das MCA konzentriert sich auf die ländliche Entwicklung durch die Integration in die Marktwirtschaft.

3.2.3

Deutsch-Madagassische Zusammenarbeit

Die gegenseitigen Staatsbesuche innerhalb der letzten beiden Jahre haben die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gefestigt und der Zusammenarbeit neue Impulse gegeben.

Diese traditionell freundschaftlichen Beziehungen feiern dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen.

Madagaskar ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Kernpunkt der Zusammenarbeit ist der Querschnittbereich Umweltschutz. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Deutschen Botschaft in Antananarivo.

InWEnt arbeitet mit Madagaskar vor allem in wirtschaftlichen Fortbildungsprogrammen für junge Unternehmer zusammen.

pfeil-l    zurück zur vorherigen Seite    |   weiter zur nächsten Seite     pfeil-r
 

alle Länder Homepage
Landesüberblick Staat & Politik Wirtsch. & EZ Gesellsch. & Kultur Praktisches