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Madagaskar
Seite 1: Landesüberblick & Naturraum

1.1

Übersichtskarte: Repoblikan’i Madagasikara (Republik Madagaskar)

madagaskar bild© University of Texas at Austin / USA

1.2

Lage des Landes

Landesgröße : 587.040 km2
Hauptstadt : Antananarivo
Einwohner : etwa 20 Millionen (Schätzungen in 2008)

Mit einer Gesamtfläche, anderthalb Mal so groß wie Deutschland, ist Madagaskar ein wahrer Inselkontinent im Indischen Ozean, der durch den 400 km breiten Kanal Mosambik von Afrika getrennt ist.

Der Inselstaat Madagaskar ist nach Grönland, Neuguinea und Borneo die viertgrößte Insel der Welt und bietet dank seinen 5000 km langen Küsten, zusammen mit zahlreichen vorgelagerten Inseln, von denen zweifelsohne Nosy Be im Norden sowie Sainte Marie im Osten am bekanntesten sind, unzählige Badeortschaften. In Ost-West-Richtung erstreckt er sich über 580km, in Nord-Süd-Richtung über 1580km.

Die Amtsprache ist Malagasy, auf Deutsch Madagassisch genannt, die alle Madagassen gemeinsam teilen. Weitere offizielle Sprachen sind Französisch, die von einem Teil der gebildeten Bevölkerung beherrscht wird, sowie nach Verfassungsänderung im April 2007 ebenfalls Englisch.

Madagaskar besteht aus 22 Regionen. Hauptstadt ist die im zentralen Hochland gelegene Stadt Antananarivo, auch bei einer geschätzten Einwohnerzahl von 1,5 Millionen die mit Abstand größte Stadt des Landes. Die fünf weiteren Großstädte Madagaskars sind: Toamasina im Osten, Fianarantsoa im südlichen Hochland, Toliara im Süden, Mahajanga im Westen sowie Antsiranana im Norden.

1.3

Landesimpressionen

nordenDer Norden
Foto: Imke Trainer 2006

tanaAntananarivo, Blick aus der oberen Altstadt
Foto: Maren Mildner 2007

andasibeÜppige Vegetation im Osten
Foto: Mamisoa Rajosvah 2007

zugbahnofTypische Szenen an einem Zugbahnhof,
auf dem Weg Ranomafana im südlichen Hochland

Foto: Imke Trainer 2006

isaloDie Kanyons von Isalo im Süden
Foto: Mamisoa Rajosvah 2008

SüdenStrand im kargen Süden
Foto: Mamisoa Rajosvah 2008

1.4

Grunddaten

Einen Überblick über das Land finden Sie unter :

1.5

Naturräumliche Gegebenheiten

Geographisch wird Madagaskar im Allgemeinen in vier große Landschaftszonen eingeteilt: in die vom Regenwald bedeckten Bergabhängen im Osten, das zentrale Hochland, der generell trockenere Westen, der bis zur Südspitze der Insel zum Teil immer wüstenhafter wird.

Für ganz Madagaskar gilt klimatisch gleichermaßen wie für das gesamte Gebiet des westlichen Indischen Ozeans: die heißere und regenreiche Jahreszeit geht vom November bis April, die kühlere und trocknere vom Mai bis Oktober. Genauer lässt sich die Insel jedoch entsprechend der Landschaftszonen in vier klimatischen Zonen unterteilen :

  • Die Ostküste, die sich von Vohimarina im Norden bis Taolanaro im Süden erstreckt, verzeichnet durch den feuchtwarmen Südost-Passat die stärksten Regenfälle, wobei die Regentage pro Jahr von ca. 250 im Norden nur noch ca.100 im Süden beträgt.
  • Das zentrale Hochland liegt bis zu 1500 m über dem Meeresspiegel und weist ebenfalls ein kontrastreiches Klima auf: von November bis April können die Temperaturen bis 30° erreichen, von Mai bis Oktober schwanken die Temperaturen und können abends bis unter 10° sinken. In den Bergregionen kann gelegentlich Frost beobachtet werden.
  • Dagegen genießt die zwischen dem Mosambikkanal und dem äußeren Rand des Hochlands gelegene Region ein für Steppenlandschaften wärmeres und trockneres Klima, das gen Süden immer heißer und wüstenhafter wird.

Die durch ihren typischen Lateritboden genannte "Rote Insel" ist vom Norden bis Süden durch das zentrale Hochland von mehreren Bergrücken durchzogen, die im Norden ihren Höhepunkt mit dem Gebirge von Maromokotra (2.876 m) erreichen, in zentralen Hochland mit dem Massiv von Ankaratra (2.642 m) und im Süden mit dem Pic Boby (2650 m).

Die vier größten Binnenseen sind: im Nordosten der Alaotra-See mit einer Gesamtfläche von 220 km2, der Itasy-See im zentralen Nordwesten, der Kinkony im Westen, Tsimananampetsotse im Süden.

1.6

Ökologische Herausforderungen

Als der alte Südkontinent Gondwana auseinanderbrach, trennte sich Madagaskar vor 165 Millionen Jahren, im späten Jura, als die Dinosaurier noch auf der Erde lebten, von Afrika und vor 80 Millionen Jahren, am Ende der Kreidezeit, von Indien. Seine lange Isolierung ermöglichte den Erhalt von Tier- und Pflanzenarten, die ihren Ursprung im Gondwana fanden. So konnten sich hier die Fauna und Flora unabhängig von Arten des afrikanischen und asiatischen Festlandes entwickeln, was zu der biologischen Einzigartigkeit und Vielseitigkeit auf der Insel führte. Heute sind rund 80% der madagassischen Tier- und Pflanzenarten endemisch, von denen die Lemuren sicherlich die Bekanntesten sind.

lemurLemur im Nationalpark von Andasibe
Foto: Mamisoa Rajosvah - 2006

Unnachhaltige Praktiken, wie Überweidung oder Brandrodung, sind bis heute leider wichtige Plagen, die zur Zerstörung von über 80% der ursprünglichen Primärwälder geführt haben, mit Bodenverschlechterung und Erosion, Gefährdung und Aussterben von Tier- und Pflanzenarten als Hauptfolgen. Um den enormen ökologischen und sozioökonomischen Folgen Einhalt zu gebieten, initiierte der madagassische Staat den Umweltschutz als eine der 8 Prioritäten des Madagascar Action Plans, Madagaskars Entwicklungsplans, der in Anlehnung an die Millenium Entwicklungsziele erarbeitet wurde. Ziel ist, die 9 Millionen Hektar Wälder und Wassergebiete für den Schutz der natürlichen Ressourcen zu erhalten, und die Fläche der Naturschutzgebiete nach der Durban Vision des madagassischen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana 2003 zu verdreifachen.

1.7

Sozialgeographische Gegebenheiten (Städte, Siedlungen, Verkehrswege)

Die Sanierung und der Ausbau des insgesamt 30.000 km langen, teilweise geteerten Strassennetzes, haben nach ihrem Beginn 2003 zu einer Modernisierung der Hauptstrecken der Nationalstraßen geführt. Die Hauptstadt Antananarivo ist der Ausgangspunkt fünf Hauptstraßenachsen, die zu den größeren Siedlungsgebieten des Landes führen. So erreicht man über die folgenden Routes Nationales oder Nationalstraßen die meisten Regionen der Insel :

  • RN1 in zentralwestliche Richtung: Antananarivo > Tsiroanomandidy > Maintirano (430 km).
  • RN2 in östliche Richtung: Antananarivo > Moramanga > Toamasina (350 km)
  • RN3 in nördliche Richtung: Antananarivo > Ambohimanga > Anjozorobe (90 km)
  • RN4 in nordwestliche Richtung: Antananarivo > Maevatanana > Mahajanga (450 Km)
  • RN7 in südliche Richtung: Antananarivo > Antsirabe > Ambositra > Fianarantsoa > Ihosy > Sakaraha > Toliara (800 km)

rn7Foto: Mamisoa Rajosvah - 2008

Dank des gut ausgebauten Flugnetzes, bestehend aus über 100 Landepisten, von denen 57 dem öffentlichen Verkehr geöffnet sind, ist der Großteil von Madagaskar per Flugzeug erreichbar.

Madagaskar zählt 15 Häfen, auf deren Infrastrukturen sich jedes Projekt der handwerklichen, mittelständischen oder Industriefischerei stützen kann, und die sich wie folgt unterteilen lassen :

  • der Hafen von Toamasina als wichtigster internationaler Hafen
  • die Häfen von Antsiranana, Mahajanga und Toliara als sekundäre internationale Häfen
  • die übrigen Häfen Antalaha, Antsohihy, Manakara, Mananjary, Maroantsetra, Morombe, Morondava, Nosy-Be, Taolagnaro, Sambava, Vohémar werden dem Küstenhandel gewidmet, wobei der Hafen von Taolagnaro momentan im Rahmen des im "Projet PIC – Pôles Intégrés de Croissance" vorgesehenen Infrastrukturausbaus zu dem zweitgrößten Hafen des südöstlichen afrikanischen Raumes entwickelt wird, nach Durban (Südafrika).

Das 870 km lange Schmalspureisenbahnnetz, das einige Orte des Hochlandes mit der Ostküste verbindet, stammt aus der Kolonialzeit und wird heute meist für den Warentransport eingesetzt. Jedoch sind auch in diesem Bereich Modernisierungsprogramme angelaufen.

1.8

Flagge und nationale Symbole, Währung

Nationalhymne und Flagge

Jede der drei Farben der madagassischen Flagge verweist auf ein Symbol: Die Farbe Weiß zeigt die Reinheit des Herzens sowie die Loyalität der Madagassen. Die Farbe Rot symbolisiert die Souveränität sowie die die Macht des madagassischen Staates. Die Farbe Grün steht schließlich für Landwirtschaft, Naturvielfalt aber auch Hoffnung.

Wahrzeichen

Das Wahrzeichen Madagaskars besteht aus einem Zeburind, ein Tier, das in der madagassischen Kultur eine große Rolle spielt, dem nationalen Hauptnahrungsmittel Reis sowie dem „Ravenala Madagascarincia“, auf Deutsch "Baum der Reisenden", eine Pflanzenart, die nur auf Madagaskar vorkommt und die ebenfalls das Emblem der nationalen Fluggesellschaft ist.

Die nationale Maxime lautet "Vaterland, Freiheit, Entwicklung"

1.9

Währung

Die offizielle Währung Madagaskars heißt Ariary, die am 1. Januar 2005 den Franc Malagasy ablöste. Sie entspricht den Wert von 5 Francs Malagasy und ist selber in 5 Untereinheiten unterteilt, der Iraimbilanja.

Laut der madagassischen Zentralbank habe der bisherige Franc Malagasy durch die Einführung des Euro seine Daseinberechtigung verloren. Der Begriff Ariary bezeichnete übrigens bereits in der Vorkolonialzeit die offizielle Währung und wurde von der Landbevölkerung stets beibehalten.

Der alte Franc wird noch bis 2009 durch die Zentralbank umgetauscht.

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