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Seite 3:Wirtschaft
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Wirtschaftliche Entwicklung Die Wirtschaft Kubas wurde bis ins 20. Jahrhundert von den Interessen der Kolonialmächte geprägt. Der wichtigste Faktor war die landwirtschaftliche Produktion in den Bereichen Zuckerrohr , Tabak und Kaffee. Lange gehörte Kuba zu den führenden Zuckerproduzenten der Welt. Noch heute kommen die weltbesten Zigarren aus der kubanischen Provinz Pinar del Río. Seit der Unabhängigkeit und in Folge des zunehmenden Einflusses der USA geriet Kuba in vollkommene wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA. Nach der Revolution wurden über 90% der Industrie und ca. 70% des Agrarlandes verstaatlicht. Mit Ausrufung des US-amerikanischen Wirtschaftsembargos 1960 war Kuba auf einen Schlag von der Versorgung mit Produktionsbestandteilen und Ersatzteilen abgeschnitten. In der Folge wandte sich Kuba dem Ostblock zu, wurde Mitglied des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und entwickelte eine sozialistische Planwirtschaft. Auch innerhalb des RGW hatte Kuba die Rolle eines Rohstofflieferanten, insbesondere Zucker, Zitrusfrüchte und Nickel. Eine eigenständige Industrie entwickelte sich nur langsam. Kuba war insbesondere von sowjetischem Erdöl, das es zu Vorzugsbedingungen erhielt, abhängig. Nach dem Fall der Mauer erlebte Kuba zum zweiten Mal den Verlust fast aller Wirtschaftsbeziehungen, rund 85% der Exportmärkte fielen weg. Das Bruttosozialprodukt ging um ca. 37% zurück. Die Lebensverhältnisse der Kubaner verschlechterten sich dramatisch. Die Läden waren leergefegt, selbst Lebensmittel gab es nicht mehr in ausreichender Menge. Russland lieferte kein Erdöl mehr, so dass insbesondere die Energieversorgung zu einem großen Problem wurde. Viele Produktionsanlagen mussten stillgelegt werden, die Bevölkerung litt unter stunden- und tagelangen Stromabschaltungen, den apagones. Diese Zeit, die sog. periodo especial erreichte ihren Tiefpunkt 1993 und wurde nie offiziell für beendet erklärt. Für die kubanische Gesellschaft war es eine traumatische Erfahrung und hatte eine starke Auswanderungsbewegung v.a. aus wirtschaftlichen Gründen zur Folge. Diese hält immer noch an. Allein seit 1999 haben mehr als 250.000 Kubaner die Insel verlassen. Verschärft wurde die Wirtschaftskrise durch die Bestrebungen der USA, das Land wirtschaftlich in die Knie zu zwingen und dadurch einen Sturz Fidel Castros zu befördern. 1992 erließen sie den Torricelli Act, der u.a. ausländischen Tochterunternehmen amerikanischer Firmen jeglichen Handel mit Kuba untersagt. Eine weitere Verschärfung erfolgte 1996 durch das Helms Burton Gesetz , das die 36jährige Handelsblockade erneut verschärft und seinen Geltungsbereich über die Grenzen der USA hinaus ausdehnte. So können sowohl US-Bürger als auch Ausländer verklagt werden können, wenn sie Geld investieren, das in Kuba in Gegenstände oder Immobilien fließt, das während der Revolution enteignet wurde. Auch kann ihnen dann ein Einreise-Visum in die USA verweigert werden. Die Sanktionen wurden seither oftmals angewendet. Aktuelle wirtschaftliche Lage In den 90er Jahren wurde die Wirtschaft dezentralisiert und marktwirtschaftliche Reformen eingeführt. Dies bedeutet insbesondere die Einführung von Joint Ventures mit ausländischen Unternehmen (mit kubanischem Mehrheitsanteil), der Schaffung von Freihandelszonen und der Zulassung selbständiger Tätigkeit. Nachdem sich anfangs mehr als 150 000 sog. cuenta-propistas v.a. im handwerklichen und Dienstleistungsbereich selbständig gemacht hatten, ist deren Zahl in den letzten Jahren wieder gesunken, u.a. auf Grund einschränkender Maßnahmen Motor und Hauptdevisenbringer der kubanischen Wirtschaft ist seit den 90er Jahren der Tourismus. 2004 wurde zum ersten Mal die Zahl von 2 Millionen Touristen überschritten, die Bruttoeinnahmen von 2,4 Mrd. USD bescherten (ca. 11% des Bruttoinlandsproduktes). Ein weiterer wichtiger Devisenbringer sind die remesas, Geldüberweisungen von Familienangehörigen aus dem Ausland, vor allem aus den USA. Ein dominierender Wirtschaftszweig ist die Produktion von Nickel und Kobalt(Einnahmen 2004 ca. 1 Mrd. USD)). Peking hat in 2005 zugesagt, 500 Mio. USD in die kubanische Nickelproduktion zu investieren. In der Zuckerproduktion fanden tiefgreifende Umwälzungen statt. Über die Hälfte der Zuckerfabriken wurde stillgelegt, für die Bevölkerung der ländlichen Regionen ein schwerer Schlag, da oft ganze Ortschaften mit der zugehörigen Infrastruktur von einer Zuckerfabrik abhängig sind/an einer Zuckerfabrik Central hängen. Von 957 Mio USD in 1996 gingen die Exporterlöse aus Zucker auf 300 Mio USD in 2004 und 100 Mio USD in 2005 zurück. Eines der Schlüsselthemen der kubanischen Wirtschaft ist nach wie vor die Versorgung mit Energie. Seit einigen Jahren erhält Kuba venezolanisches Erdöl zu Vorzugsbedingungen, so dass sich die Situation etwas entspannt hat. Durch die Erschließung von Offshore-Vorkommen können bereits jetzt 50% des Bedarfs an Erdöl und Erdgas aus eigenen Quellen gedeckt werden. Mit Hilfe ausländischer Investoren soll die Offshore-Förderung in den nächsten Jahren noch ausgeweitet werden. 2006 wurde das Jahr der energetischen Revolution ausgerufen. ![]() © H.V. Die eingeleiteten Maßnahmen sollen Energie sparen und die Energieversorgung dezentralisieren. Der Ausbau alternativer Energiequellen ist auch für deutsche Investoren interessant. 2006 wurde nach kubanischen Informationen ein Wirtschaftswachstum von 12,5 % erreicht, in den vergangenen 3 Jahren sogar insgesamt 30%. Davon merkte die Bevölkerung im Alltag lange wenig. Inzwischen haben sich die Investitionen in die Infrastruktur, besonders im Bereich des Verkehrswesens aber bemerkbar gemacht. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung sind im Gespräch. Außenwirtschaftliche Beziehungen hat Kuba vor allem mit China, Venezuela und anderen lateinamerikanischen Ländern. Ende 2007 wurden eine Reihe weiterer Abkommen mit Venezuela unterzeichnet. In Europa ist Spanien der größte Handelspartner Kubas. Angesichts der neuesten Entwicklungen in Kuba machen sich auch deutsche Firmen Hoffnung auf eine Intensivierung der Handelsbeziehungen Die Außenagentur für Wirtschaftsbeziehungen hat dazu eine Broschüre mit Tipps fürs Kubageschäft herausgegeben. Sie veröffentlicht auch regelmäßig die wichtigsten Wirtschaftsdaten. Dort findet sich auch ein Bericht zur Wirtschaftsentwicklung Kuba 2006. Ausführliche Statistiken enthält das statistische Jahrbuch The Human Development Index Entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Kuba Die kubanische Staatsführung lehnt derzeit jede staatliche entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit der EU und staatlichen Einrichtungen ihrer Mitgliedsstaaten ab. Hintergrund hierfür ist die Reaktion der EU auf eine Welle von Verhaftungen und Repressionen gegen kubanische Menschenrechtler und Dissidenten seit Frühjahr 2003. In der Vergangenheit begonnene Projekte (z. B. zur Bekämpfung der Wüstenbildung im Osten Kubas) werden derzeit nicht weitergeführt. Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen und kubanischen Partnern Es findet nach wie vor eine z. T. sehr enge Zusammenarbeit zwischen deutschen und internationalen Nichtregierungsorganisationen und ihren kubanischen Partnern statt. Hierbei gibt es z. B. Projekte im Bereich der Jugendarbeit und Jugendweiterbildung, des Umweltschutzes und des Gesundheitswesens. Folgende Organisationen unterstützen bzw. haben unter anderem Projekte in Kuba unterstützt: |
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