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Demokratische Republik Kongo
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaft

Allgemeines

Obwohl das Land über die größten Naturreichtümer Afrikas verfügt, gehört es zu den ärmsten der Welt. Hauptursache hierfür sind die mehr als drei Jahrzehnte Misswirtschaft und Korruption durch das Mobutu Regime, gefolgt von schweren kriegerischen Auseinandersetzungen bis in die Gegenwart.

Das Wirtschaftswachstum betrug von 1965 bis 1985 nur 1 % jährlich. Seitdem ging die Wirtschaftsleistung ständig zurück. Anfang der 1990er Jahre brach die Wirtschaft völlig zusammen. Es herrschte Hyperinflation (1994 7400 %). Durch Unruhen unter den Arbeitern sanken die Exporterlöse, die Infrastruktur im Transportwesen zerfiel, die Auslandsschulden stiegen auf 10 Mrd. Euro. Das Land war anschließend auf Nahrungsmittelimporte angewiesen.

Nach den erfolgreich verlaufenen Wahlen 2006 herrschen große Hoffnungen im Volk. In Kinshasa und Lubumbashi wird viel gebaut. Die sozio-ökonomische Lage bleibt aber weiterhin prekär und verbessert sich nur langsam. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der DR Kongo ist seit 2003, aufgrund anhaltend hoher Exporteinnahmen aus dem Bergbausektor um ca. 6,5% angestiegen und betrug 2005 ca. 7,3 bzw 8,4 Mrd USD in 2006. Gemäss diverser Schätzungen für der Jahre 2005 und 2006 trägt der Primärsektor 55,6 zur Entstehung dieses Werts bei (Land- und Forstwirtschaft: 42,5 %, Bergbau: 13,1 %), der Industriesektor 11,9 % und die "Dienstleistungen" 30,4 %. Dieses Wirtschaftswachstum kann in den kommenden Jahren wahrscheinlich aufrechterhalten werden. Trotz dieser positiven Entwicklung würden bei dieser Wachstumsrate mehrere Jahre vergehen müssen, um wieder den Stand der 90er Jahre zu erreichen.

Bodenschätze

Tragende Säule der kongolesischen Wirtschaft ist die Bergbauindustrie, die lange Zeit über 80% der Exporterlöse einbrachte. Sie war 1974 vom drastischen Verfall des Weltmarktpreises für Kupfer schwer betroffen, vom wirtschaftlichen Niedergang der letzten Jahre auch nicht verschont geblieben. So liegt der Kupferbergbau in der Provinz Katanga mit einer Produktion um 40.000 t bei etwa 10% des Niveaus der 80er Jahre.

Bekannt ist die DR Kongo auch für die reichen Coltan-Vorkommen. Coltan enthält zwei der begehrtesten Metallerze (Columbit und Tantalit), die Niob und Tantal enthalten. Tantal ist für die Produktion von diversen Geräten aus der Unterhaltungselektronik (Mobiltelefonen, Computerchips, Videokameras) von großer Bedeutung. Niob dient der Herstellung hitzebeständiger Bauteile für Raketen, Düsenflugzeuge und Weltraumkapseln.

Goldmine

Goldmine

Weitere Bodenschätze die gefördert werden, sind Kupfer, Kobalt(Weltspitze), Gold, Erdöl, Silber,Mangan, Zink, Zinn, Cadmium, Germanium und Beryllium.

Landwirtschaft

Zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, die über 30 % zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert (Stand: 2005).

Große Gebiete sind landwirtschaftlich nutzbar, es werden aber nur rund 3 % kultiviert.

Haupterzeugnisse sind Maniok, Obst, Melonen, Kochbananen, Zuckerrohr, Erdnüsse, Bananen und Süßkartoffeln. Außerdem werden noch Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kaffee, Kautschuk, Baumwolle und Kakao angebaut.

Palmenplantage

Palmenplantage in Gamba, Isiro,    © Susanne Schüpbach

Nachdem Mitte der 1970er Jahre viele kleinere Plantagen verstaatlicht wurden, die sich in ausländischen Besitz befanden, ging die Produktion und damit der Verkauf von Agrarprodukten merklich zurück. In vielen Landesteilen gibt es nur noch eine Selbstversorger-Landwirtschaft. Viehzucht ist auf höher gelegene Gebiete beschränkt. Da die Transportwege zerstört sind, können die Produkte nicht in die verschiedenen Provinzen gebracht werden und verderben.

Industrie

Der industrielle Sektor hat sich vor allem um die Verarbeitung der vorhandenen Bodenschätze entwickelt.

Bedeutend sind auch noch die Ölraffinerien sowie die Herstellung von Zement und Schwefelsäure. Wichtige Erzeugnisse sind Reifen, Schuhe, Textilien, Zigaretten, Nahrungsmittel und Bier.

Der gesamte Bereich wurde durch den wirtschaftlichen Niedergang und vor allem die rasende Inflation seit 1990 schwer geschädigt.

Es herrscht großer Devisenmangel, der den Import von Rohstoffen und Ersatzteilen verhindert.

Außenhandel

Die D.R. Kongo weist eine positive Handelsbilanz auf. Die Durchlässigkeit der Grenzen macht eine exakte Quantifizierung der Ein- und Ausfuhren der DR Kongo schwierig. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der 90er Jahre hat sich der informelle Sektor stark entwickelt und spielt heute eine ausschlaggebende Rolle in der Wirtschaft des Landes. Seit 2002 steigen die Exporte kontinuierlich. Erneute Investitionen, wachsende Einnahmen und die Unterstützung internationaler Geldgeber für diverse Entwicklungsprojekte sowie die Schwäche der nationalen verarbeitenden Industrie und des Agrarsektors führten auch zu einem steten Wachstum der Einfuhren.

Die Importe bestehen zum großen Teil aus Konsumgütern, die Exporte aus Rohstoffen. Im Jahr 2005 und 2006 machten die Importe über 35% des BIP aus. Aufgrund der wachsenden Produktion des Bergbausektors und anhaltend hoher Rohstoffpreise sind die Exporteinnahmen auch 2007 gewachsen. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Beobachter rechnen mit 14 bis 15%, während für die Importe ein Anstieg um 5 bis 6% prognostiziert wurde. In 2008 wird demgegenüber eher mit einem leichten Rückgang der Exporteinnahmen gerechnet, während die Einfuhren infolge von Finanzspritzen internationaler Geldgeber (einschließlich Anlageinvestitionen) um 7 bis 9% zulegen könnten.

Bis Anfang der 1990er Jahre war Kupfer noch der wichtigste Exportartikel, der die Hälfte der jährlichen Exporterlöse einbrachte. Innerhalb von nur drei Jahren verringerte sich der Kupferexport jedoch um drei Viertel. Heute bilden Industriediamanten, Rohöl, Kobalt, Kaffee, Palmöl, pharmazeutische Pflanzen und Nutzholz die wichtigsten Exportgüter.

Die wichtigsten Handelspartner sind VR China, Belgien, Südafrika, Frankreich, USA, Deutschland und Indien.

Energieversorgung

Hauptstromquelle des Kongo sind seine Wasserkraftwerke. Im 150 km vom der Mündung entfernten Dorf Inga flussaufwärts entlädt der Fluss Kongo seine gesamte Wassermenge. Hier stehen beiden Wasserkraftwerke des Inga I und Inga II die der Diktator Mobutu 1972 und 1982 bauen ließ. Großfirmen aus den USA und Europa schlossen sich zu einem Konsortium zusammen und vergaben die Kredite. Von hier aus wird die Acht-Millionen-Metropole Kinshasa mit Strom versorgt, von hier aus läuft die längste Gleichstromleitung der Welt 1.725 Kilometer quer durch das Land in die im Südosten liegende Kupferregion Shaba (Katanga).

ingadamm

Inga-Staudamm

Inga bei Google Maps

Inga steht aber auch für die Vision in Afrikas Energiepolitik. Die vorhandene Energiekonzentration ist Afrikas Zukunftshoffnung. Schon bald soll der Kongo-Fluss die größten und leistungsfähigsten Staudämme der Welt nähren. Inga III (Grand Inga), eines von zehn "Leitprojekten" des ambitionierten gesamtafrikanischen Entwicklungsplans "Nepad", soll das halbe südliche Afrika versorgen. Ein Konsortium der fünf staatlichen Elektrizitätsgesellschaften von Kongo, Angola, Namibia, Botswana und Südafrika wurde dafür im September 2005 unter dem Namen Westcor gegründet.

Verkehr

Das Verkehrswesen ist sehr unterentwickelt. Von Bedeutung sind neben Flugverbindungen auch ein kombinierter Binnenschiffs- und Eisenbahnverkehr, wobei nicht schiffbare Stellen der Flüsse, insbesondere des Kongo, mit Eisenbahnen umgangen werden.

flusschiff

Flusschiff, Foto:Michel Hasson

Das Straßennetz ist in weiten Teilen unbefestigt und nur unzureichend entwickelt.

Entwicklung- und Entwicklungs- politik

Deutsche und andere Entwicklungs- und Hilfsorganisationen im Lande

Seit 1996 dominieren Kriege und Konflikte die Demokratische Republik Kongo, die zum wirtschaftlichen und vor allem sozialen Zusammenbruch des Landes geführt haben. Auch nach den ersten freien Wahlen einer demokratisch legitimierten Regierung Ende 2006 ist die politische Situation in der Demokratischen Republik Kongo fragil geblieben. Nach Jahren des Missmanagements und Kriegswirren muss das Land erst wieder aufgebaut werden. Die zerstörte Infrastruktur, hohe Korruption und mangelhafte soziale Grunddiensten sind die Hinterlassenschaft. Trotz umfangreicher Rohstoffvorkommen herrscht große Armut im Land. Die Umsetzung von politischen Reformen, umfangreichen Investitionen in den Wiederaufbau der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur und Stärkung des öffentlichen Sektors sind Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung des Landes und eine nachhaltige Armutsbekämpfung. Eine Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft ist dafür unabdingbar.

Die DR Kongo ist ein Potenzielles Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ); d.h., dass eine offizielle Zusammenarbeit zur Zeit nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist, diese jedoch als sinnvoll angesehen wird, sobald geänderte Rahmenbedingungen gegeben sind.

Die Bundesregierung hatte 1992 aufgrund andauernder Manipulierung des Demokratisierungsprozesses ihre EZ eingestellt. Diesem Schritt folgten andere Geberländer, mit ausnahmen Frankreichs. Vor Ort blieben jedoch kirchliche und nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen wie Misereor, Brot für die Welt und die Deutsche Welthungerhilfe, die sich mit zivilgesellschaftlichen Partnern in der DR Kongo zusammen arbeiteten.

Aufgrund der positiven Anzeichen für einen Frieden und einer Tendenz zur Stabilisierung sind die Hilfsleistungen der Bundesregierung (ca. 20 Mio. Euro in 2001) in den letzten Jahren beachtlich angestiegen. 2004 wurde die Wiederaufnahme der finanziellen Zusammenarbeit von durch Bundesregierung zugesagt, zunächst in Höhe von über 60 Mio. EUR. Schwerpunkte liegen in den Sektoren Wasserver- und -entsorgung, Förderung der Wirtschaft und Zivilgesellschaft, nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Gesundheit. Mittelfristige Zusammenarbeit/Postkonflikt in den Bereichen Rehabilitation/Reintegration von Flüchtlingen, sowie Unterstützung der Wahlprozesse.

Weitere bilaterale Geber darunter USA, Großbritannien, Frankreich und Belgien haben auch Ihre Aktivitäten in der DR Kongo intensiviert. Wichtigste Multilaterale Akteure sind IWF und Weltbank, die Europäische Union sowie UNDP

Der PRS-Prozess der Dem.Rep. Kongo - die durch Bürgerkriege von 1997 bis 2003 schwer gezeichnet wurde, hat vergleichsweise spät begonnen. Erst 2004 legte die kongolesische Regierung ihr Interim-PRSP (IPRSP) bei IWF und Weltbank vor das bis heute zur Veröffentlichung des in 2006 erstellt neuen PRSP seine Gültigkeit hat.

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