3.1 Wirtschaft
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Holzlager  © Steve Morgan
Pipeline Doba-Kribi  © Jens Kuesters/Greenpeace
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3.1.1 Wirtschaftssystem und Wirtschaftssektoren
Die Wirtschaft Kameruns ist marktwirtschaftlich orientiert. Die Monopolstellung, die der Staat bis weit in die 90-er Jahre in vielen Wirtschaftszweigen innehatte, ist zum größten Teil abgebaut. Von der großen Privatisierungswelle der letzten 8 Jahre profitierten vor allem ausländische Unternehmen: zu den Gewinnern zählten französische, aber auch südafrikanische und US-amerikanische Firmen.
Wichtigster Wirtschaftssektor ist traditionell die Landwirtschaft mit 44 % , gefolgt vom Dienstleistungssektor mit 38 % und der Industrie mit 18 % des BSP.
3.1.2 Wirtschaftsindikatoren, Analysen, Statistiken
Ob OECD-Studie , Länderanalyse einer Landesbank oder die Statistik des IWF , letztendlich kommen sie anhand der Wirtschaftsindikatoren zu ähnlichen Ergebnissen: Schwache bis moderate Wirtschaftswachstumsraten von um die 3 % und der Schuldenerlass von 2006 sind auf der Haben-Seite der kameru-nischen Ökonomie zu verbuchen.
Dagegen schlagen folgende Fakten negativ zu Buche: ungenügende Staatseinnahmen, die zudem in erster Linie von den Öleinnahmen abhängen, eine, vor allem aufgrund der Energie-preise, erhöhte Inflationsrate von 5,3 %, schwache Infrastruktur, ein mangelhafter Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie ein Exportsektor, der, obwohl diversifiziert, dennoch maßgeblich vom Erdöl abhängt. Negativ wirkt sich auch der starke Euro, an den der F CFA gebunden ist, auf die kamerunische Handelsbilanz aus, da er kamerunische Exportgüter verteuert, Importe aber verbilligt.
Die Wirtschaftstrends in Kamerun werden allgemein, so z.B. auch von der BFAI (Bundesagentur für Außenwirtschaft) als mäßig gut eingeschätzt. Beklagt wird das investitionsfeindliche Geschäftsklima aufgrund von fehlender Infrastruktur, Behinderung durch Justiz und Finanzverwaltung, sowie Korruption.
Auch Informationen für ausländische Investoren sind im Internet abzurufen.
3.1.3 Wirtschaftspolitik
Dank des Erdölbooms galt Kamerun Anfang der achtziger Jahre, zusammen mit Südafrika und Nigeria, als ein, für afrikanische Verhältnisse, wohlsituiertes Land. Es hatte den Ruf eines "Musterländles".
Hohe Staatsausgaben für Prestigeprojekte und einen aufgeblähten Staatsapparat, gepaart mit ungünstigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hatten eine massive interne und externe Verschuldung zur Folge, die Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre zum wirtschaftlichen Zusammenbruch Kameruns führten. Mehrere Struktur- anpassungsprogramme des IWF blieben erfolglos .
Ende der 90-er Jahre zählte Kamerun laut FAO zu den ärmsten Ländern. Es qualifizierte sich im Oktober 2000 als HIPC-Land (decision point). Die Bedingung für den Schuldenerlass: Kamerun musste sich einem speziellen Strukturanpassungsprogramm unterwerfen. Verlangt wurde u. a. die Ausarbeitung eines Strategiepapiers zur Armutsbekämpfung und Maßnahmen gegen Korruption. Im April 2006 erreichte Kamerun den "completion point" und im Juni 2006 war es soweit: Kamerun bekam vom Pariser Club einen großen Teil der Schulden erlassen .
Seit der Wirtschaftskrise in den 90-er Jahren veröffentlicht die kamerunische Regierung in regelmäßigen Abständen Stellungnahmen und Absichtserklärungen zur Wirtschafts- und Finanzpolitik um ihren "good will" gegenüber internationalen Geldgebern unter Beweis zu stellen. Die Fortsetzung der Privatisierung staatlicher Unternehmen, eine Diversifizierung der Produkte bzw. eine Stärkung des Nichtölsektors, die Schaffung eines investitionsfreundlichen Klimas, die Erhöhung der Staatseinnahmen und ein entsprechendes Ausgaben-Monitoring sowie Transparenz und Korruptionsbekämpfung sind vielzitierte Zielsetzungen kamerunischer Wirtschaftspolitik.
Privatisierung
Die Privatisierung staatlicher und parastaatlicher Unternehmen bleibt in Kamerun weiterhin sehr umstritten. Undurchsichtige Geschäftspraktiken sowie das Schüren alter und neuer Konfliktlinien , wie z.B. zwischen Anglo- und Frankophonen, erregen immer wieder die Skepsis gegenüber diesem Instrument. Auch brachten viele Privatisierungen nicht die gewünschte Leistungsverbesserung .
3.1.4 Produkte und Produktionsweisen
Agrarprodukte
Die wichtigste Säule der kamerunischen Ökonomie stellt die Landwirtschaft dar.
"Cash crop"-Kulturen sind Kakao, Kaffee , Baumwolle, Bananen, Kautschuk, Tee, Zuckerrohr und Palmöl, wobei Kamerun von den momentan guten Weltmarktpreisen für einige der Produkte (Kakao, Kaffee, Kautschuk) profitiert.
Während z.B. Kakao, Kaffee und Baumwolle von Kleinbauern produziert werden, liegt die Bananen-, Palmöl-, Kautschuk- und Teeproduktion in den Händen von Agroindustrieunternehmen, die z.T. parastaatlich sind, z.T. mittlerweile privatisiert.
Der Großteil der Nahrungsmittelproduktion liegt in den Händen von Kleinbauern und konkurriert des öfteren mit der "Cash crop"-Produktion .
Holz
Holz, das grüne Gold Kameruns, stellt einen wichtigen Rohstoff dar, dessen Nutzung für die Wirtschaft Kameruns von großer Bedeutung ist. Die Einkünfte aus der Forstwirtschaft stellen einen nicht unbeträchtlichen Anteil an den Staatseinnahmen, der sich aus Einschlagskonzessionen, Steuern und Exportzöllen zusammmensetzt. Allerdings ist hierbei eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes von ausschlaggebender Bedeutung, alles andere hieße nur, "sein Tafelsilber zu verscherbeln" .
Zum Schutz der eigenen holzverarbeitenden Industrie besteht ein Verbot für den Export von Rundholz.
Erdöl
Trotz Förderrückgängen in den letzten Jahren ist das Erdöl , das im Golf von Guinea von europäischen Mineralölunternehmen (z.B. Total, Pecten/Shell) gefördert wird, eine wichtige Einnahmequelle für den kamerunischen Staat.
Oktober 2003 wurde die Erdölpipeline Tschad-Kamerun offiziell eröffnet. Die über 1000 km lange Pipeline führt von den tschadischen Ölfeldern Dobas zum kamerunischen Kribi. Das Projekt eines Konsortiums der Firmen ExxonMobil (USA), Chevron Texaco (USA) und Petronas (Malaysia), das auch von der Weltbank mitfinanziert wurde, ist hinsichtlich seiner sozialen und ökologischen Brisanz nach wie vor sehr umstritten .
Es bildete sich ein internationales Netzwerk von Arbeitsgruppen , das sich mit den Auswirkungen des Projekts beschäftigte und versuchte gewisse ökologische und soziale Mindeststandards durchzusetzen.
Die Einnahmen Kameruns durch das Erdöl setzen sich aus dem Eigengeschäft, Steuern, Zöllen, Transitgebühren und Konzessionen zusammen, allerdings lässt die Transparenz hinsichtlich der fließenden Gelder stark zu wünschen übrig und steht immer wieder in der Kritik .
Telekommunikation
Innerhalb des Dienstleistungssektors boomt die Informationstechnologie . Während sich Computer und Internet nur in den Städten konzentrieren, sind Mobiltelefone allgemein verbreitet und haben innerhalb kürzester Zeit sogar die kamerunischen Dörfer erobert.
Informeller Sektor
Seriösen Vermutungen zufolge erwirtschaftet der informelle Sektor Kameruns deutlich mehr als der formelle. Besonders im urbanen Bereich hält sich ein Großteil der Bevölkerung (Schätzungen sprechen von weit über 50%) mit Aktivitäten im informellen Sektor über Wasser.
75 % der Bevölkerung legen ihr Geld in informellen Sparvereinen ( Tontines ) an, die auch ein System sozialer Absicherung darstellen.
3.1.5 Handel: Binnen- und Außenhandel, Handelsbilanz
Der Binnenhandel findet zumeist in Süd-Nord Richtung statt: Fisch, Holz, Früchte und Importgüter, die über den Hafen von Douala ins Land kommen, werden nach Norden, Fleisch und Zwiebeln Richtung Süden transportiert.
Kamerun hat eine fast ausgeglichene Handelsbilanz . Haupthandelspartner ist die europäische Union, die Bedeutung Chinas nimmt aber jedes Jahr zu.
Hauptexportprodukte sind Erdöl, Holz , Kaffee , Kakao , Aluminium und Baumwolle .
Dennoch ist der Rückschlag durch den Verfall der Weltmarktpreise für landwirtschaftliche Produkte Ende der 80er Jahre noch immer spürbar. (Hauptexportprodukte Kameruns 1960-2000 ) |
3.2 Entwicklung und Entwicklungs- politik
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3.2.1 Armut und Armutsbekämpfung
20% der Kameruner leben unter der Armutsgrenze. Armutindizes wie die landsspezifische Alphabetisierungsrate (79%, Männer 85%, Frauen 73%) die Lebenserwartung und der Zugang zu Trinkwasser (50%) haben nur vage Aussagekraft, da es große regionale Unterschiede gibt: Zugang zu Wasser haben in Norden z.B. nur knapp 30% der Bevölkerung, während es in Douala oder Yaoundé um die 90% sind. Das Schlagwort:"Armut ist weiblich", kann für Kamerun wie folgt ergänzt werden: "Armut ist weiblich, ländlich und bewohnt den Norden."
Die Millenium Development Goals für Kamerun wurden wie folgt festgesetzt: Halbierung von Hunger und Armut, Grundschulausbildung für alle Kinder, keine Genderdisparität in der Schulausbildung, Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit, Aufhalten der HIV-und Malariaverbreitung, Zugang zu Trinkwasser und die Etablierung eines Handels-und Finanzsystems, das an die Erfordernisse eines Entwicklungslandes angepasst ist.
3.2.2 Nationale Entwicklungsanstrengungen
Das Programme National de Développement Participatif (PNDP) ist ein Programm der kamerunischen Regierung für partizipative Entwicklung, das sich an die ländliche Bevölkerung wendet und das von Weltbank, der KfW Entwicklungsbank und der Agence Française de Développement (AFD) mitgetragen wird.
3.2.3 Ausländische Entwicklungsanstrengungen
Das Weltbankentwicklungskonzept, das Comprehensive Development Framework (CDF) , das einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt,- indem Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik und -geschichte sowie die Struktur eines Landes berücksichtigt werden, findet auch in Kamerun seine Anwendung. Die Weltbank engagiert sich momentan mit 18 Projekten.
Die UN-Organisation IFAD (International Fund for Agricultural Development) engagiert sich ebenfalls mit einem IFAD Landesprogramm in der Armutsbekämpfung.
Die Kanadische Entwicklungsagentur (CIDA/ACDI) arbeitet in den "üblichen" Sektoren: z.B. Gesundheit (HIV/AIDS), Wasserversorgung, ländliche Entwicklung, Good Governance und Zivilgesellschaft.
Die African Development Bank Group finanziert Projekte z.B. im Gesundheitsbereich oder zur Verbesserung der Infrastruktur.
3.2.4 Deutsche und europäische Entwicklungsorganisationen
Der DED feierte im Jahr 2005 das 40. Jubiläum seines Engagements in Kamerun.
Das Landesbüro des DED arbeitet im Bereich HIV/AIDS, Management natürlicher Ressourcen und Dezentralisierung.
Die Webseite der GTZ in Kamerun liefert Informationen zu Arbeitsschwerpunkten und einzelnen Projekten.
Der Evangelische Entwicklungsdienst arbeitet ebenfalls in Kamerun und unterstützt, neben z.B. Projekten zur Stärkung der Zivilgesellschaft, unter anderem die Kampagne der kamerunischen NRO ACDIC (Association Citoyenne de Defense des Interets Collectifs) , die u.a. gegen den Import von Geflügelresten aus Europa nach Afrika kämpft.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, die einher ging mit der Gründung von Filialen des Vereins in vielen kamerunischen Städten, ist es gelungen, die Importe gefrorener Hähnchen zurückzudrängen.
Auf der Seite der KfW Entwicklungsbank in Kamerun können die aktuellen Projekte der finanziellen Zusammenarbeit eingesehen werden
Die Agence Française de Développement unterhält Projekte u.a. im Bereich Regenwaldschutz, Bodenschutz, Infrastruktur und Bildung.
Der niederländische Entwicklungsdienst SNV arbeitet u.a. in einem Projekt mit Baka Pygmäen.
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