|
Kamerun
Seite 1: Landesüberblick & Naturraum
|
Land der Vielfalt
|
"Afrique en miniature" "Afrika im Kleinen", so bezeichnete der französische Geograf Jean-Claude Bruneau Kamerun. Geografisch zu Zentralafrika zählend, ist das Land doch vielmehr Bindeglied zwischen den beiden geografischen Großregionen West- und Zentralafrika, was sich in Flora, Fauna, Bevölkerung und Kultur widerspiegelt. "Kamerun erscheint wie eine Kreuzung, an der sich der ganze schwarze Kontinent ein Stelldichein zu geben scheint: das Afrika des Regenwalds und das der Savanne; das Afrika der Bantu- und der Sudanvölker; das Afrika der Moslems, der Christen und der Animisten; das französischsprechende, das englischsprechende, ja sogar das arabischsprechende Afrika." (Jean-Claude Bruneau) |
|
1.1 Übersichts- karten, weitere Karten
Von Süd nach Nord: Die Fotos lassen sich durch Anklicken vergrößern:
Limbe, Küste  © www.kamerun-tourismus.de
Kribi, Küste  © www.bp-reiseberichte.de
Mt. Cameroon, Bergregenwald  © www.kamerun-tourismus.de
Grenze Äquatorial Guinea, Tieflandregenwald  © www.bp-reiseberichte.de
Pangar, Feuchtsavanne  © www.kamerun-tourismus.de
Adamaoua, Trockensavanne  © www.kamerun-tourismus.de
Waza Nationalpark, Dorngrassavanne  © www.kamerun-tourismus.de
|
1.1.1 Landeskarten, politisch und topographisch 
© Wikipedia
Hier gibt es eine weitere Übersichtskarte.

© University of Texas 1998

© Nasa
Eine physische Karte von Kamerun
Diese interaktive Karte ermöglicht es, sich in bestimmte Landesregionen "hineinzuzoomen".
1.1.2 Andere thematische Karten
Die FAO bietet diverseste thematische Landeskarten zu Topografie, Verwaltung, Bevölkerung, Klima, natürlicher Vegetation, landwirtschaftlichen Fragestellungen etc.
Ein interaktiver Forstatlas bietet Übersichtskarten und interaktive Karten .
Von IRD (Institut de Recherche et de Développement, Paris) und INC (Institut National de Cartographie, Yaoundé) wurde ein
Atlas de la province Extrême Nord Cameroun herausgegeben, mit Spezialkarten zu den Themen:
Geomorphologie, Archäologie, Böden und Bodennutzung, Infrastruktur etc.
Außerdem wurde einiges älteres Kartenmaterial wieder neu aufgelegt wie der Atlas régional Sud-Cameroun , der z.B. soziokulturelle Karten und Karten zu Bevölkerungsentwicklung und der Raumnutzung Yaoundés bietet.
Karten zur Sprachenvielfalt Kameruns bietet das SIL (Summer Institute of Linguistics, Dallas). Selbst wenn die SIL-Sprachenklassifizierung unter Sprachwissenschaftlern nicht unumstritten ist, die SIL eine zu enge Auffassung bei der Klassifikation unterstellen, geben die Karten doch einen guten Eindruck der Sprachenvielfalt Kameruns.
Sprachenkarte Northern Cameroon
Sprachenkarte Southwestern Cameroon
Sprachenkarte Southwestern Cameroon Detail
Sprachenkarte Southeastern Cameroon
|
|
1.2 Lage und Größe des Landes
|
Geografische Grunddaten
Mit seinen rund 475.000 km² ist das Staatsgebiet der Republik Kamerun um ein Drittel größer als das der Bundesrepublik Deutschland. Es erstreckt sich zwischen 2° und 13° nördlich des Äquators vom Golf von Guinea bis zum Tschadsee, was einer Entfernung von über 1200 km entspricht. Die größte Ost-Westausdehnung beträgt ca. 800 km. Zugang zum Meer besitzt Kamerun über seine 400 km lange Küste entlang der Bucht von Bonny (ehemals Bucht von Biafra), die Teil des Golfs von Guinea ist. Der Nachbarstaat mit der längsten gemeinsamen Grenze ist Nigeria, dann folgen der Tschad, die Zentralafrikanische Republik, Kongo, Gabun und Äquatorialguinea. Wie bei vielen afrikanischen Ländern veränderten sich die Staatsgrenzen vor allem im Laufe der Kolonialgeschichte. Für Grenzkorrekturen gibt es aber auch Beispiele aus jüngster Zeit wie die unlängst, vor allem in der Tschadseeregion, vorgenommenen "Grenzbereinigungen" zwischen Nigeria und Kamerun und auch der Bakassikonflikt belegen. |
|
1.3 Impressionen
|
1.3.1 Bilder Einen Eindruck von der Vielfältigkeit Kameruns geben folgende Seiten:
Le Cameroun en Images (Auswahl einzelner Orte)
Cameroun Découverte (Auswahl einzelner Orte und Regionen)
Photos du Cameroun (Nordkamerun in Schwarzweissphotos)
Photos from Cameroon (Photos vom Süden (Douala, Yaoundé) und Westen des Landes, mit erklärenden Texten.)
Kamerun Fotogalerie (Photoreise von Süd nach Nord, mit erklärendem Text)
1.3.2 Videos Folgende Seiten bieten Kurzvideos zu Landesthemen:
Kinder-, Jugendfilme zur Problematik der Regenwaldabholzung:
Schätze aus dem Regenwald
Greenpeace-Aufforstungsprojekt von Jugendlichen 
Bio-Kakaoernte
Fairtrade-Baumwolle 
Impressionen einer Autofahrt durch Douala
Zerstörung eines Armenviertels in Yaoundé
|
|
1.4 Grunddaten
|
Statistiken Eine Übersicht zu aktuellen Landesdaten gibt index mundi oder das CIA Factbook oder auch das Auswärtige Amt . Originallandesstatistiken liefert das INS (Institut National de la Statistique du Cameroun) , wo auch die Jahresstatistik 2006 einzusehen ist.
Vergleiche mit anderen, vorwiegend frankophonen, Ländern Afrikas lassen sich auf der Seite von AFRISTAT (Observatoire Economique et Statistique d´Afrique Subsaharienne) ziehen.
Die Weltbank Länderdaten der letzten Jahre.
Allgemein ist davon auszugehen, dass statistische Daten für Kamerun eher relative und keine absolute Gültigkeit haben.
Wenn nicht anders vermerkt, stammen die in den Landesinformationsseiten verwendeten Daten aus den Angaben des INS (Institut National de la Statistique du Cameroun).
|
|
1.5 Naturraum
Mt. Cameroon  © W.Handy
Nyong  © www.kamerun-tourismus.de
Mayo Kaliao, Trockenzeit  © www.kamerun-tourismus.de
Vulkanschlote Rhumsiki, Regenzeit  no ©
Vulkanschlote Rhumsiki, Trockenzeit (Harmattan)  ©www.bp-reiseberichte.de |
1.5.1 Landschaftsräume
Das Relief Kameruns gliedert sich in eine, räumlich mehr oder weniger ausgeprägte, flache Küstenregion, die sich in einzelnen Schichtstufen zum Südkamerunplateau erhebt. Nördlich anschließend steigt das Niveau zur Adamaouahochfläche nochmals an. Weiter Richtung Norden fällt dieses zentrale Hochland zur Tschadseeebene hin wieder ab. Im Westen des Landes erhebt sich ein vulkanisches Bergland, dessen Ausläufer bis in die nördlichen Mandaraberge reichen. Höchster und imposantester Gipfel dieses Gebirgszugs ist der 4095 m hohe Kamerunberg (Mont Cameroun, Mount Cameroon, Mount Fako, Mongo ma Ndemi) , dessen Vulkanmassiv direkt aus dem Meer aufragt und der in den Jahren 1999 und 2000 mit Ausbrüchen in die Schlagzeilen geriet.
Die bedeutsamsten Wasserreservoirs Kameruns sind die westliche Bergregion und das Adamaouaplateau. Hier entspringen wichtige Flüsse Kameruns wie Sanaga, Wouri und Benoué. Sanaga und Wouri münden in den Atlantik, der Benoué bietet eine, in der Regenzeit bis Garoua schiffbare, Verbindung zum Niger. Während der wasserreiche Süden von vielen Flüssen durchzogen wird, sind die temporär wasserführenden "Mayos" (fulfulde: Fluss) für den Norden des Landes typisch. Die großen Flüsse Sanaga und Benoué, wie auch deren Zuflüsse, sind für die Elektrizitätsgewinnung des Landes von großer Bedeutung, aber gerade die unzähligen mittleren und kleinen Wasserläufe sind für Fischfang, Kleintransporte oder Sandgewinnung unschätzbar wichtig.
An natürlichen Seen sind die Kraterseen des westlichen Berglandes und der Tschadsee zu nennen. Die beiden Vulkanseen Monoun und Nyos wurden durch plötzliche Kohlendioxidaustritte in den Jahren 1984 und 1986, die zu zahlreichen Opfern unter der Bevölkerung führten, als sogenannte "killer lakes" berühmt und berüchtigt.
Über die Geschichte dieser beiden Seen und den Stand des derzeit laufende Entgasungsprojekts berichtet eine Seite des Physikers Michel Halbwachs von der Universität von Savoyen.
Die Zukunft des Tschadsees , zu dem Kamerun momentan noch einen Wasserzugang hat, gerät aufgrund der zunehmenden Diskussion zum Klimawandel wieder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit.
Kamerun verfügt über viele große Stauseen, deren Aufgabe zum einen in der Regulierung der Wasserstände von Sanaga und Benoué für die Elektrizitätsgewinnung liegt, zum anderen dienen sie vor allem im Norden als Wasserreservoirs für Bewässerungsprojekte und die Trinkwasserversorgung.
1.5.2 Klima- bzw. Ökozonen
Kameruns Klima ist tropisch, mit Anteilen an Äquatorialklima und tropischem Wechselklima (Klimaklassifikation nach Neef), hinzu kommen die Höhenstufen, die am Kamerunberg bis in die alpine Stufe reichen.
Eine differenziertere Klimaklassifikation ergibt für Kamerun einen Bereich, der von immerfeuchtem tropischem Regenwaldklima im Süden (Trockenzeit 0-2 Monate) über sommerfeuchtes Savannenklima im Zentrum (Trockenzeit 3-5 Monate) bis zum tropischen Trockensavannenklima im Norden (Trockenzeit 5-8 Monate) reicht (nach Koeppen).
Darüberhinaus gibt es klimatische Extremstandorte wie die Region westlich des Kamerunbergs, die mit enormen Regenmengen von über 11 000mm/Jahr zu den niederschlagsreichsten Gebieten der Welt zählt.
Die lokalen Klimabedingungen sind von geografischer Breite, der Entfernung zum Meer und der Höhenlage abhängig.
Einen Klimaquerschnitt durchs Land, von Süd nach Nord, bieten die Klimadiagramme der wichtigsten Städte des Südens und Nordens:
Douala , Yaoundé , Ngaoundéré , Garoua .
1.5.3 Vegetationszonen, Flora und Fauna
Die Vielfalt der Öko- und damit auch Vegetationszonen spiegelt sich in der reichen Tier- und Pflanzenwelt Kameruns wider. Einen Beitrag zum Erhalt dieses faszinierenden Artenreichtums Kameruns leisten viele Schutzgebiete, Biosphärenreservate und Nationalparks . Das Biosphärenreservat Dja , der Korup und der Waza Nationalpark sind nur einige Beispiele.
Die Mangrovensäume an der Küste zeichnen sich durch hochspezialisierte Pflanzen- und Tiergesellschaften aus.
Tiefland- und Bergregenwälder beherbergen zahlreiche, vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie z.B. verschiedene Primaten oder Baumarten .
Je nach Feuchteregime finden sich unterschiedliche Savannenformen: von der feuchten Baumsavanne über Hochgras- und Kurzgrassavanne bis zur kargen Dorngrassavanne, die nur noch vereinzelt Bäume wachsen läßt. In den Nationalparks der Savannengebiete finden Elefanten, Giraffen, Löwen und verschiedene Antilopenarten Zuflucht.
|
|
1.6 Ökologische Probleme
Bushmeat und Holzraubbau  © Steve Morgan
|
1.6.1 Übernutzung der natürlichen Waldressourcen
Kamerun gilt noch als waldreiches Land, ca. 38% des Landes sind waldbedeckt. Aber: jedes Jahr geht dem Land 1% der Waldfläche verloren!
Kameruns Tiefland- und Bergregenwälder werden zerstört , - zum einen durch die kommerzielle Holzernte, einem Geschäft an dem vor allem europäische Firmen maßgeblich verdienen,
- zum anderen durch die Umwandlung von Wald- in Agrarfläche und die Jagd auf "bushmeat".
Aber nicht nur der Wald der feuchten Tropen ist bedroht. Brennholznutzung, Überweidung und Ackerbau lassen auch die Baumbestände der Savannengegenden schrumpfen.
Eine "neue" (1994) Forstgesetzgebung sollte eine nachhaltige Waldnutzung sicherstellen. Im Hinblick auf eine Eindämmung des Raubbaus am Tropenwald muss von einem Scheitern des Forstgesetzes gesprochen werden.
Die Folgen sind, um nur einige Aspekte zu nennen, der Verlust von Lebensraum für Mensch (z.B. die existenzbedrohende Situation der Pygmäenvölker ) und Tier, Erosion, Bodendegradation und Klimaveränderungen.
Trotz oder gerade wegen dieser prekären Situation gehen die Bemühungen weiter, diese Entwicklung zu bremsen, wie der jüngst abgeschlossene Kooperationsvertrag zwischen Kamerun und CIFOR (Center for International Forestry Research) deutlich macht.
1.6.2 Desertifikation
Ökologisches Hauptproblem des Nordens ist die Boden- und Vegetationsdegradation, die teils anthropogen bedingt ist (Übernutzung durch Beweidung, Zerstörung der Baumbestände für Feuerholznutzung oder Viehfuttergewinnung, Ackerbau mit immer kürzeren Brachezeiten), teils durch Klimaveränderungen (Häufung von Dürreperioden, Nachlassen bzw. andere Verteilung der Niederschläge, Verkürzung der Regenzeitdauer) hervorgerufen wird.
Immer wiederkehrende Überschwemmungen stellen nur die andere Seite der gleichen Medaille dar.
Nachlassende Bodenfruchtbarkeit, Bodenversalzung und Erosion führen zu regelmäßigen Hungerkrisen , Armut und Bevölkerungsmigration sind die Folgen.
Mögliche Auswirkungen des Klimawandels für Kamerun werden bereits erörtert. Ein Grundsatzpapier des CEEPA (Centre for Environmental Economics and Policy in Africa/World Bank Institute) zur
Anfälligkeit der Wasserressourcen Nordkameruns gegenüber dem Klimawandel geht u.a. davon aus, daß der Tschadsee im Jahre 2060 nicht mehr existieren wird.
Eine Prognose für die Wasserversorgung des gesamten Landes gibt das CEEPA Diskussionspapier zu Klimawandel, Hydrologie und Wasserressourcen Kameruns .
1.6.3 Artenrückgang
Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind in Kamerun vom Aussterben bedroht.
Die Mangrove , ein Ökosystem mit wichtiger Funktion sowohl als Laichgebiet und "Fischkinderstube", als auch für den Küstenschutz, der im Zeitalter des Klimawandels immer wichtiger wird, ist durch Feuerholznutzung stark gefährdet.
Arten des Berg- und Flachlandregenwalds, aber auch der Savanne, werden durch Abholzung oder Jagd an den Rand des Aussterbens gedrängt.
Ein Programm zum Schutz und Management der Biodiversität soll die in den Pufferzonen von Schutzgebieten lebende Bevökerung in den Artenschutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen einbinden.
|
|
1.7 Sozial- geografische Gegebenheiten
Baka  no ©
Fulbéreiter  © www.bp-reiseberichte.de
Piste Trockenzeit  © www.kamerun-tourismus.de
CAMRAIL  © www.kamerun-tourismus.de
Hafen von Douala: Holzhafen  © Markus Mauthe
|
1.7.1 Demografie, Bevölkerungsstruktur
Allgemeine demografische Grunddaten:
Kameruns Bevölkerung zählt inzwischen mehr als 16 Millionen. Laut INS (Institut National de la Statistique) Jahresstatistik 2006 wurde 2006 die 17 Millionenmarke (geschätzt) bereits erreicht. Ca. 50% der Bevölkerung leben inzwischen in Städten, wobei der große Urbanisierungsschub bereits in den 90-er Jahren erfolgte.
Aber auch außerhalb der Städte ist die Bevölkerungsverteilung je nach Region sehr unterschiedlich. So gibt es im Norden sowohl dichtbesiedelte Gebiete mit Einwohnerzahlen von 90 E/km², wie z.B. in den Mandarabergen, als auch dünnbesiedelte Gebiete, wie das Adamaouaplateau, mit durchschnittlich weniger als 5 Einwohnern/km².
Das Bevölkerungswachstum beträt 2,7%. Die Lebenserwartung liegt für Männer bei ca. 59, für Frauen bei ca. 64 Jahren (INS 2003 geschätzt; laut UNICEF 2005: 46 Jahre!). Die Kindersterblichkeit liegt bei 74 Todesfälle/1000 Lebendgeborenen (2004 geschätzt). Der Anteil der "unter 20-Jährigen" an der Gesamtbevölkerung beträgt über 50%. Der "Durchschnittskameruner" ist somit knapp über 18 Jahre alt.
"Afrika im Kleinen" spiegelt sich auch in der ethnischen Vielfalt Kameruns wieder. Bantuvölker (z.B. Ewondo, Bulu, Bassa) und Pygmäen (Baka) besiedeln vorwiegend den Süden, Semibantu (z.B. Bamilekevölker) vorwiegend den Westen des Landes und Sudanvölker, Peul/Fulbé, ja sogar Araber sind im Norden Kameruns vertreten. Die Städte Kameruns bieten einen ethnischen Querschnitt, da dort alle Bevölkerungsgruppen des Landes anzutreffen sind.
Über die Anzahl der in Kamerun lebenden Völker gehen die Zahlen auseinander. Während in der SIL (Summer Institut of Linguistics)Sprachenliste für Kamerun 279 Sprachen verzeichnet sind, mit Sprecherzahlen zwischen 300 und 700 000 Personen, findet man in den meisten anderen Quellen die Angabe "über 200 Landessprachen". Deutlich wird auf den Sprachenkarten (siehe 1.1 Übersichtskarten, andere thematische Karten ) die sehr kleinräumige Sprachenverteilung in den Mandarabergen und im Hochland der Nord-West Provinz. Daneben gibt es Sprachen mit weit überregionaler Bedeutung, wie das Fulfuldé im Norden des Landes und das "Pidgin" in den anglophonen Provinzen Süd-West und Nord-West.
Als Amtssprachen wurden auf Grund der geschichtlichen Entwicklung (zwei getrennte Verwaltungsmandate nach dem ersten Weltkrieg) Französisch und Englisch bestimmt, wobei die beiden anglophonen Provinzen Nord-West und Süd-West etwa 20% der Bevölkerung Kameruns stellen.
1.7.2 Städte und andere Siedlungsformen
Hauptstadt des Landes und zweitgrößte Stadt ist Yaoundé mit knapp über 1 Mill. Einwohnern. Wirtschaftsmetropole und größte Stadt Kameruns ist die Hafenstadt Douala mit ca. 1,5 Mill. Einwohnern. Weitere wichtige Städte Kameruns mit Bevölkerungszahlen über 100 000 sind zumeist gleichzeitig auch die Hauptstädte der insgesamt 10 Landesprovinzen. Außerdem gibt es über 50 Städte mit Einwohnerzahlen zwischen 10 000 und 100 000.
Trotzdem ist für die meisten Kameruner, auch wenn sie in der Stadt leben, "das Dorf", "le village", "the village" Heimat und Zentrum der Familie.
Neben der seßhaften Bevölkerung gibt es in Kamerun (teilweise auch nur saisonal) nomadisierende Bevölkerungsgruppen wie die Mbororo oder die Pygmäen.
1.7.3 Verkehrswege
Die Strassen Kameruns (ca. 50 000km) sind nur zu 10% befestigt. Asphaltstrassen finden sich vor allem in und um die wichtigen Städte, regional konzentrieren sie sich im Süden. Auf den gut ausgebauten Strecken sind die Expressbusverbindungen für den Personenverkehr sehr wichtig. Bis jetzt gibt es keine durchgehend asphaltierte Fernverbindung zwischen dem Süden und Norden des Landes. Das erschwert die Versorgungslage im Norden, vor allem während der Regenzeit, wenn die LKWs in den aufgeweichten Pisten steckenbleiben.
Eine weitere, relativ verläßliche Verbindung zwischen den beiden Landesteilen ist die Eisenbahn . Hauptverbindung der inzwischen privatisierten CAMRAIL ist die 1000km lange Schmalspurstrecke, die von Douala über Yaoundé nach Ngaoundéré führt und für einige Landesteile die einzige Verbindung zur "Außenwelt" darstellt. Besonders wichtig ist die Eisenbahnverbindung für den Frachtverkehr, ca. 40% des Frachtverkehrs Kameruns findet über den Güterverkehr der Bahn statt.
Flugverbindungen in Kamerun sind seit Jahren sehr unzuverlässig, da sich die nationale staatliche Fluggesellschaft CAMEROON AIRLINES in permanenten Schwierigkeiten befand.
Im März 2008 wurde der Flugbetrieb von CAMEROON AIRLINES endgültig eingestellt . Ab Oktober 2008 soll eine neu gegründete Fluglinie CAMAIR-Co die Flüge wieder aufnehmen. Diese Krise betrifft vor allem die kamerunischen Binnenverbindungen zwischen dem Süden (Douala, Yaoundé) und dem Norden (Ngaoundéré, Garoua, Maroua), aber auch die internationalen Flugverbindungen von Douala und Yaoundé.
Wichtige Schifffahrtswege, auch für etwas größere Schiffe, sind der Unterlauf des Benoué (bis Garoua) und der Unterlauf des Sanaga (bis Edea). Für kleinere Boote sind viele Flüsse des Landes von regionaler Bedeutung. Hervorzuheben sind Sanaga, Wouri und Logone, der eine schiffbare Verbindung nach N´Djamena bietet.
Wichtigster Seehafen ist der Hafen der Wirtschaftsmetropole Douala. Über ihn wird fast der ganze Import und Export des Landes abgewickelt.
|
|
1.8 Landesname, Nationale Symbole
Nationalflagge 
Nationalwappen 
© www.flaggenlexikon.de
Fussball BRD-Kamerun 
© www.borussiafotos.de
|
1.8.1 Herkunft des Landesnamens
Als die Flotte des portugiesischen Seefahrers Fernão do Pó, der im Auftrag des portugiesischen Königs den Golf von Guinea erforschte, in der Mündung des Wouri ankerte, nannten die Seeleute den Fluss auf Grund der vielen Krabben, die sie vorfanden, "Rio de camarões", "Krabbenfluss". Daraus machten spanische Seeleute "Rio dos camarones", was die Deutschen dann zu "Kamerun" verballhornten. Kamerun bezeichnete also zuerst den Fluss Wouri, dann die Region um Douala und schließlich (ab 1901) das ganze Land.
1.8.2 Nationalflagge
Die Nationalflagge veränderte sich im Laufe der kamerunischen Geschichte mehrfach. In ihrer jetzigen Form, als Trikolore, mit den drei senkrechten Streifen in den panafrikanischen Farben Grün, Rot und Gelb, mit einem gelben Stern im roten Feld, existiert sie seit dem 20.Mai 1975 (20.Mai 1972 Gründung der Vereinigten Republik Kamerun). Grün steht wahlweise für die Hoffnung bzw. den Regenwald, Rot für die Souveränität bzw. das Blut der "Märtyrer" (der kamerunischen Unabhängigkeit), Gelb für den Reichtum bzw. den Sahel, der "goldene" Stern steht für die Vereinigung von anglophonem und frankophonem Landesteil.
1.8.3 Nationalwappen
Ebenso wie die Flagge, wurde auch das Wappen mehrmals umgestaltet. Das aktuelle Staatswappen stammt aus dem Jahr 1986. Das Wappen zeigt einen Schild in den Landesfarben, eine blaue Landeskarte, den Stern der Vereinigung und die Waagschalen der Gerechtigkeit. Hinter dem Schild kreuzen sich zwei Liktorenbündel. Das Landesmotto: "Frieden, Arbeit, Vaterland" ist in den zwei offiziellen Landessprachen in einem Halbkreis oberhalb des Wappens angeordnet. Unterhalb des Wappens die Landesbezeichnung in Französisch und, etwas kleiner darüber, in Englisch.
1.8.4 Nationalhymne
Der "Chant de Ralliement" bzw. "Rallying Song" wurde schon 1957 offiziell eingeführt und bereits lange vor der Unabhängigkeit verwendet. Die Melodie der Nationalhymne und deren Text waren eine Gemeinschaftsarbeit von Samuel Minkio Bamba (1911-?), René Djam Afame (1910-1981) und Moïse Nyatte Nko´o (1910-1978). Der englische Text stammt von Bernard Nsokika Fonlon (1924-1986). 1978 wurde der Text neu überarbeitet.
1.8.5 Fussballnationalmannschaft
Fussball ist d e r kamerunische Nationalsport . Egal ob im abgelegenen Regenwalddorf der Ostprovinz oder unter der brennend heißen Sonne des Nordens, überall findet sich ein Platz, um dem Ball nachzujagen. Und bei den Spielen der "Lions indomptables" , der "unzähmbaren Löwen" werden Anglophone und Frankophone, "Nordisten" und "Südisten" tatsächlich zu Kamerunern. |
|
|
|