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Jemen
Seite 4: Gesellschaft, Kultur & Religion

Soziale Struktur

97% der Bevölkerung sind Araber, im Norden überwiegend in sesshaften Stämmen lebend. In der Tihama werden afrikanische Einflüsse deutlich. Die vor allem dort lebenden Akhdam sind äthiopischer Herkunft, aber bis heute in der jemenitischen Gesellschaft diskriminiert. Außerdem existiert noch eine Minderheit Somalier sowie muslimischer Inder und Pakistaner im Lande, letztere meist im Stadtgebiet von Aden. Ihre Vorfahren sind während der britischen Kolonialzeit eingewandert. In jüngerer Zeit versuchen vermehrt Somalier als Bootsflüchtlinge nach Jemen zu gelangen. Die Somalier erhalten dabei meist Flüchtlingsstatus und verbleiben in Lagern im Jemen. Eine offiziell nicht genau bekannte Zahl weiterer Flüchtlinge stammt aus Äthiopien, Eritrea und Irak.

Die Bevölkerung des Jemen ist durch einen hohen Anteil junger Menschen gekennzeichnet: 46,2% der Bevölkerung waren 2007 jünger als 14 Jahre, 51,2% zwischen 15-64 und nur 2,6% älter als 65. Davon leben 29,5% in Städten. Die Lebenserwartung liegt bei 62,9 Jahren. Eine Jemenitin bringt – statistisch gesehen – 6,42 Kinder zur Welt (siehe zu Bevölkerung: CIA Factbook).

Frau und Familie

Insbesondere die Traditionen haben über Jahrhunderte dazu geführt, dass die Familie, insbesondere die Großfamilie, einen hohen Stellenwert in der jemenitischen Gesellschaft besitzt. Dennoch leben auch heute noch Männer und Frauen in ihren eigenen Welten. Von einer Unterdrückung der Frau durch die Religion, den Islam, zu sprechen, wäre falsch, zumal dies theologisch nicht verankert ist. Wer den Jemen über viele Jahre kennt, wird auch in dieser Hinsicht Veränderungen feststellen, dass Frauen immer mehr am öffentlichen Leben teilnehmen.


verschleierte Frauen im Jemen (Foto: © Heiner Walther)

verschleierte Frauen im Jemen (Foto: © Heiner Walther)

Bildung

Auch wenn in den Jahren vor und seit der jemenitischen Einheit viel im Bildungsbereich unternommen wurde, sind noch zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden, insbesondere in der Mädchenbildung. Noch im Jahre 2003 lag die Einschulungsrate der Mädchen in der Grundstufe (6-15 Jahre) bei lediglich 62% (Jungen fast 100%)! Gerade die deutsche Entwicklungshilfe (GTZ, DED) engagiert sich auch verstärkt auf diesem Gebiet (Schwerpunkt!). Einen guten Überblick gibt beispielsweise die Seite des Auswärtigen Amtes.

Wer etwas über Hochschulen im Jemen erfahren will, dem sei die Website der Universität Aden (teilweise in englisch) empfohlen, da die der Universität Sanaa (nicht verfügbar Stand: 08.06.2008) und auch des Bildungsministeriums nur in Arabisch einsehbar sind.

Kultur

Der Jemen ist ein altes Kulturland, das seine Wurzeln in den antiken südarabischen Reichen der Sabäer, Minäer und des Hadramaut hat. Noch heute bilden Kultur und Religion (und letztlich auch Geschichte) eine feste Einheit. Viele Traditionen, Sitten und Gebräuche, Verhaltens- und Denkweisen der Bevölkerung - bis in die Politik und Wirtschaft - sind davon beeinflusst worden. Jeder Besucher des Landes ist begeistert von der Vielseitigkeit der Natur, der einmaligen Architektur, insbesondere in Sanaa und Schibam - beide Städte sind Weltkulturerbe - und natürlich den Menschen.

Aufgrund der unterschiedlichen sozialen und zum Teil auch religiösen Verhältnisse, der materiellen Kultur sowie der verschiedenen Wirtschafts- und Siedlungsweisen lässt sich der Jemen in vier Kulturregionen unterteilen:
  • das Gebirgsland mit seinen Hochebenen
  • die Küstenebene am Roten Meer (Tihama)
  • die nordöstlichen Landesteile
  • das Wadi Hadramaut im Osten
Man kann hierbei von einer Stadtkultur (Sanaa) und einer bäuerlichen Dorfkultur sprechen. Letztere ist gekennzeichnet durch viele Aspekte der materiellen Kultur in den handwerklichen Bereichen, in der Agrartechnik, den Stilformen der Architektur, der Kleidung und dem Schmuck.

Die moderne Entwicklung hinterlässt auch am Jemen ihre Spuren, so dass die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit einen tief greifenden Wandel durchläuft, der vor allem die materielle Komponente erfasst hat. Das Fernsehen hat längst seinen Einzug gehalten, doch auch Internet und Handy gehören inzwischen zum Alltag und beeinflussen damit ebenso die ideelle Seite der Menschen.
Alte Traditionen sind dennoch lebendig, wie z.B. die des Märchenerzählers. Aber er hat es schwer gegenüber dem fast ununterbrochen laufenden Fernseher …! Trotz einer vielfältigen Literatur (Lyrik und Prosa) ist bisher wenig in andere Sprachen übertragen und damit bekannt gemacht worden. Inzwischen gibt es von Günther Orth eine erste Anthologie jemenitischer Erzählliteratur in deutscher Übersetzung.

Es existieren keine Theater im Sinne eines festen Hauses, jedoch Theatergruppen, u.a. in Sanaa, Taiz und Aden, die hin und wieder Aufführungen vornehmen. Zur Tradition gehören die täglichen Qat-Sitzungen, die, will man ihnen einen positiven Aspekt abgewinnen, auch bekannt sind für Rezitationen, Gesang und Tanz. Ausländische Orchester u.a. treten in Jemen auf, wie auch jemenitische Musikgruppen im Ausland.


Qat-Händler, Sanaa (Foto: © Heiner Walther)

Qat-Händler, Sanaa (Foto: © Heiner Walther)


Religion

Der Jemen definiert sich in seiner Verfassung als islamischer Staat, wobei Religionsfreiheit garantiert ist. Rechtsgrundlage ist die Scharia. Etwa 35% der Bevölkerung sind Schiiten (Zaiditen), die vor allem im nördlichen Jemen leben. Die Mehrheit sind Sunniten (schafiitischer Richtung). Eine schiitische Minderheit bilden die Ismailiten. Sie leben seit Generationen vorwiegend in der Bergregion um den Ort Manakha, westlich von Sanaa. Gute Grundkenntnisse über den Islam sind deshalb auch Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit im Jemen. Die beste Einführung ist die Intratext-Edition des Korans.

Bis zur Gründung des Staates Israel 1948 lebten etwa 60 000 Juden im Jemen. Zwischen 1949 und 1950 verließ der größte Teil das Land in Richtung Israel. Heute existiert noch eine kleine jüdische Minderheit in den Provinzen Amran und Saada. Sie arbeiten überwiegend als Bauern oder Silberschmiede. Konflikte mit der muslimischen Bevölkerung und dem jemenitischen Staat bestehen nicht. Dennoch dürfte die Zeit kommen, dass dieser Bevölkerungsanteil nicht mehr existent ist. Grund sind permanente Auswanderungen, vor allem in die USA. Kirchen existieren nur in Aden und betreuen die im Jemen lebenden Ausländer. Christliche Jemeniten gibt es nicht.

Leider wird auch in Jemen von einzelnen Kräften der Islam politisch missbraucht. Selbstmordattentäter und terroristische Anschläge gegen Ausländer und staatliche Einrichtungen gehören inzwischen zum Erscheinungsbild des Landes.

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