INDIEN


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Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaft


Marktszene
© Andheri-Hilfe Bonn

Mit den Anfang der 1990er Jahren eingeleiteten wirtschaftlichen Reformen begann der wirtschaftliche Aufstieg des Landes und eine Hinwendung zu einer sozialen Marktwirtschaft. Heute gehört Indien in Wirtschaftszweigen wie der Informationstechnologie oder in der Forschung, hier ist vor allem die Biotechnologie zu nennen, zu den führenden Ländern in der Welt. Das Land hat zuletzt über 9% Wirtschaftswachstum verbucht und viele Wirtschaftsindikatoren zeigen eine positive Entwicklung.

Ungeachtet der unbestritten großen Erfolge und der Wirtschaftspolitik der seit 2004 im Amt befindlichen Regierung, liegt die Zahl der unter der Armutsgrenze liegenden Inder bei etwa 300 Millionen. Mehr als ein Viertel der indischen Bevölkerung profitiert demnach nicht vom Aufstieg. Die Selbstmordrate ist in manchen Regionen sehr hoch. 80% der Bevölkerung lebt gerade einmal von bis zu zwei US-Dollar am Tag. In Indien gibt es vermutlich nicht nur die neben China weltweit größte Zahl an Globalisierungsgewinnern, auch die Globalisierungsverlierer sind in Indien in erschreckend großer Zahl vertreten. Regionale Unterschiede in der Wirtschaftseinwicklung sind sehr ausgeprägt.

Indiens Bevölkerung ist jung und ist insofern potenziell dynamisch. Doch die Zahl der alten Menschen nimmt zu und die meisten von ihnen werden verstärkt darunter leiden, dass ein modernes soziales Sicherungssystem fehlt.

Was die Wirtschaftssektoren anbelangt, so sind der industrielle Sektor und der Dienstleistungssektor mit Wachstumsraten nahe am zweistelligen Bereich besonders wichtig. Die Landwirtschaft trägt nur noch zu etwa einem Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Andererseits leben die meisten Menschen in Indien noch auf dem Land und sind in der Landwirtschaft tätig. Dies konstituiert eine Armutsschere, die künftig zu verstärkt innenpolitischen Spannungen führen kann. Die Naxaliten oder die Gegner der "Special Economic Zones" in West Bengalen oder generell von Landenteignungen werden vermutlich eher mehr als weniger Anhänger gewinnen.

Gegenwärtig fokussiert Indien eine Verbesserung der Infrastruktur.

 

Entwicklung und Entwicklungs- politik

Menschen in Not
© Martin Peter Houscht


Die Bevölkerung Indiens kann in drei Teile untergliedert werden: eine sehr reiche Oberschicht, eine wachsende wohlhabende Mittelschicht und eine sehr große Zahl an armen und verwundbaren, das heißt für Krisen anfällige Menschen. In keinem anderen Land hungern mehr Menschen als in Indien.

Es ist zu bezweifeln, dass Indien alle Millenniumsentwicklungsziele erreichen kann. Dies gilt vor allem für das wichtige Ziel der Halbierung der Armen auf 18.75 Prozent bis 2015. Aber auch bei der Reduktion der beklagenswert extrem hohen Muttersterblichkeit gibt es bislang keine durchgreifenden Erfolge. HIV/AIDS schließlich ist zu einem sehr ernsten Problem geworden, das nicht nur unmittelbare Konsequenzen für das sechste Millenniumsentwicklungsziel hat, sondern auch auf andere Ziele Einfluss ausübt. Auch ein Erreichen des Umwelt bezogenen Ziels ist vor dem Hintergrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes sehr unsicher.

Die indische Regierung bemüht sich nach Kräften, Armut zu bekämpfen. Im zehnten Fünf-Jahres-Plan (2002-2007) setzt sie auf eine Kombination von Maßnahmen, namentlich integrierte Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Gesundheit, Berufsausbildung, Kredite und Infrastrukturmaßnahmen. Der Aufbau von sozialen Sicherungssystemen und Landreformen gehören ebenfalls zum Programm. Im neuen elften Fünf-Jahres-Plan (2007-2012) werden neben den bekannten Schwerpunkten auch die bestehenden Unterschiedein der Entwicklung ("Bridging Divides. Including the Excluded") und ihre Überwindung diskutiert.

Konkrete Ansätze der indischen Regierung zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der ärmeren Bevölkerungsteile können auch aus der Zusammenfassung des Budgets für das aktuelle Haushaltsjahr 2007/2008 (459 KB) abgeleitet werden.

Rhetorisch ausgefeilte Programme, Pläne und Gesetze stehen auch in Indien harten Realitäten gegenüber: Kinderarbeit, auch die schon seit Jahren gebannten schlimmen Formen derselben, begegnet man in Indien überall. Frauen werden diskriminiert, Ureinwohner von ihrem Land vertrieben und AIDS-Infizierte erhalten statt Hilfe Benzin, um sich anzuzünden.

So wichtig staatliche Programme aufgrund ihrer Reichweite sind, so entscheidend sind die Initiativen der Nichtregierungsorganisationen im Land, denn sie erreichen die "Graswurzel" und sorgen dafür, dass sich Denken und Handeln von Menschen nachhaltig verändern. Wie Organisationen auf verschiedenen Ebenen miteinander zusammenarbeiten können, zeigen die Millionen von Selbsthilfegruppen, die oft von Nichtregierungsorganisationen aufgebaut wurden. Viele von ihnen profitieren vom so genannten "Linkage Banking", das seit den 1990er Jahren von der Nationalbank für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (NABARD) durchgeführt wird.

Arme erlernen den Umgang mit Geld, beginnen zu sparen und nach sechs Monaten entscheiden Banken über die Kreditwürdigkeit der Selbsthilfegruppe auf der Basis der Zuverlässigkeit der eingegangenen Spareinlagen. In diesem Jahr will NABARD rund 100 Millionen Menschen mit Linkage Banking erreichen. Das erfolgreiche Projekt, an dem die GTZ maßgeblich mitgewirkt hat, bietet auch andere Finanzdienstleistungen wie z.B. Versicherungen an. Diese können die Verwundbarkeit vieler Menschen insbesondere vor Krankheit und Verlust von Eigentum erheblich herabsetzen.

Nichtregierungsorganisationen spielen aber auch in anderen Bereichen eine wichtige Rolle: Sie sind Anwälte von Dalits und Ureinwohnern, sie führen Umweltschutz- und Umweltrehabilitationsmaßnahmen durch, arbeiten an der Überwindung von Tabus und gefährlichem Aberglauben z.B. in Bezug auf Lepra oder AIDS. Das Aktivitätsspektrum ist noch wesentlich größer als das an dieser Stelle ausgeführt werden kann.

Der nationale Bericht zur menschlichen Entwicklung geht auf Unterschiede bei der regionalen (innerindischen) Entwicklung ein. Außerdem gibt es zu einzelnen Bundesstaaten Berichte zur menschlichen Entwicklung.

Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen:

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