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GUATEMALA
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Gesellschaft & Kultur

Guatemala





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Soziale Strukturen

Nach Brasilien ist Guatemala das Land in Lateinamerika mit den größten Gegensätzen zwischen arm und reich: Eine kleine Oberschicht von Weißen und ladinos verfügt über den Großteil des Nationaleinkommens, während über 75% der Gesamtbevölkerung in Armut leben.

Das auf den ersten Blick beeindruckende Bild einer seit Jahrhunderten vermeintlich multikulturellen Gesellschaft  von mehr als 20 verschiedenen indigenen Ethnien , ladinos, Weißen, Garífunas und Asiaten hält einer näheren Betrachtung nicht stand - zu groß sind die kulturellen Unterschiede zwischen den Mayas auf der einen und den ladinos bzw. Weißen auf der anderen Seite, zu offensichtlich ist die Ausgrenzung der indigenen Bevölkerung von den Ressourcen des Landes, der wirtschaftlichen Entwicklung und den politischen Entscheidungsabläufen.


Im Alltag diskriminiert, von der Tourismuswirtschaft werbewirksam instrumentalisiert:
Mayafrauen auf dem Markt in Santiago Atitlán
(© Ralf Wyrwinski)

Mayas und ladinos: Kultur, Abgrenzung und Identität

Kulturelle Identität der Maya

Obwohl die Maya seit Jahrhunderten vielfältigen "westlichen" Einflüssen unterliegen, ist es ihnen gelungen, bis in die Gegenwart wesentliche Teile ihrer Kultur zu bewahren und bestimmte eigene Traditionen mit den fremden Kulturelementen zu neuen und eigenständigen Formen zu verschmelzen.

Bis heute wirken die verschiedenen Mayasprachen in den einzelnen Landesteilen , die mit der Bestellung der milpa verbundenen Riten, die Bekleidung , das zyklische Kalendersystem der Maya, das Popol Vuh, der Nahualismus oder die einem "indigenen Weltbild" vergleichbare "cosmovisión indígena" als identitätsstiftende Elemente für die indigene Bevölkerung.

Weder die katholische Missionierung seit der Kolonialzeit noch das Vordringen protestantischer Sekten als Zeichen religiöser Reorganisation in den letzten Jahrzehnten konnten die Existenz vieler synkretistischer Organisationen der traditionellen Dorfverwaltung wie den cofradías, den typischen "Laienbruderschaften" mit ihrer wichtigen Rolle in der Festökonomie , bisher entscheidend beeinträchtigen.

Die Förderung von Mayasprachen durch Basisorganisationen wie der Academia de Lenguas Mayas de Guatemala  (ALMG) und die (ansatzweise) Ausweitung des bilingualen Unterrichts sprechen eher für die Persistenz der Mayakultur, auch wenn kleinere ethnische Gruppen zahlenmäßig eher abnehmen dürften.

Zusammensetzung der indigenen Bevölkerung im Jahr 2000

Ethnie
Anzahl
Ethnie
Anzahl
Achí
60000
Poqomam
140000
Acateco
42000
Poqomchí
270000
Aguacateco
35000
Qanjobal
220000
Chortí
80000
Qeqchi
900000
Chuj
90000
Quiché
1900000
Garífuna
5000
Sacapulteco
45000
Itzá
2000
Sipakapense
6000
Ixil
140000
Tektiteko
5000
Jacalteco
90000
Tzutujil
160000
Kaqchikel
1100000
Uspanteko
25000
Mam
1200000
Xinca
20000
Mopan
3000
gesamt
6538000

Quellen: Bürstmayr, M. (2003): Apartheidstaat Guatemala. Die indigene Bevölkerung zwischen Widerstand und Unterdrückung. In: Stumpf, M. et al. (Hrsg.): Guatemala - Ein Land auf der Suche nach Frieden. Politik, Geschichte, Kultur, Begegnungen. Frankfurt/Main, S. 207.


Kulturelle Identität der ladinos


Die bewusste Abwendung von diesen Traditionen, die Ablehnung der überlieferten indigenen Verhaltensweisen und eine allgemeine Geringschätzung der Mayakultur  prägen, grob vereinfacht,  die Identität der ladinos, denen sowohl die Mestizen mit "indigenen Wurzeln" als auch die akkulturierten indígenas zuzurechnen sind.

Sie alle haben das idealisierte Modell der "westlichen Kultur" in Sprache, Kleidung, Normen und Konventionen übernommen und bestreiten eine wie auch immer geartete Bedeutung der indígenas für die Entwicklung des Landes. Obwohl sie keine in sich homogene Gruppe ausmachen, interpretieren sie - in Übereinstimmung mit den "Weißen" als den Nachfolgern der hispanischen Eroberer - ihre Lebensform gern als guatemaltekische Nationalkultur; entsprechend bleiben ihnen die Forderungen der Maya nach Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Partizipation mehrheitlich fremd.

Die kulturelle Diskrepanz zwischen indígenas und ladinos gehört auch zu den wichtigsten Themen der guatemaltekischen Kunst und Literatur :
  • Auch die  guatematekische Musik setzt sich mit den verschiedenen gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklungen auseinander:  Salsa, Merengue, Rancheras, Reggae und Rock stehen inzwischen für eine stilistische Vielfalt, die weit über die "traditionellen" Marimbaklänge hinausreicht.

Gesundheit und Sozialwesen

Zugang zu sozialen Dienstleistungen

Obwohl die Maya die Bevölkerungsmehrheit darstellen, haben sie einen wesentlich schlechteren Zugang zu den sozialen Dienstleistungen des Landes als ladinos oder Weiße:
  • Mangel- und Fehlernährung und Infektionskrankheiten (wie z.B. AIDS ) sind in den hauptsächlich von indígenas bewohnten Regionen des westlichen Hochlandes weitaus stärker verbreitet als z.B. im vorwiegend von ladinos bevölkerten Ostteil des Landes;
  • aufgrund fehlender Investitionen in die Infrastruktur sind deutlich weniger indigene Haushalte an die Elektrizitäts- oder Trinkwasserversorgung angeschlossen;
  • durch das Fehlen einschlägiger Institutionen sind indigene Frauen besonders benachteiligt in Fragen der Ausbildung, der Kinderbetreuung und der Gesundheitsvorsorge.

Soziale und wirtschaftliche Teilhabe


Mehr als 80% der indigenen Bevölkerung leben in ländlichen Regionen. Da die Landwirtschaft nach wie vor eine der wichtigsten Einkommensquellen für die Maya darstellt, sind sie von Landmangel und ungerechter Landverteilung besonders betroffen:
  • Armut ist in Guatemala vor allem ländlich und indigen: Über 90% der indigenen Bevölkerung des westlichen Hochlandes leben  von Einkünften weit unter der  Armutsgrenze ;
  • Sehr viele indígenas sind aus wirtschaftlicher Not gezwungen, sich unter oftmals unzumutbaren Arbeitsbedingungen auf den Plantagen an der Pazifikküste oder in den Betrieben der maquiladora-Industrie als billige Arbeitskräfte zu verdingen;
  • Kinderarbeit (Guatemala eingeben) ist unter der indigenen Bevölkerung besonders stark verbreitet;
  • Die indigene Bevölkerung bezieht im Durchschnitt weniger staatliche Unterstützungsleistungen als die nicht-indigenen Gruppe

Bildung und Wissenschaft

Bildungseinrichtungen in Guatemala

Über das Schulwesen in Guatemala und die Konzepte der aktuellen Bildungspolitik informiert das Bildungsministerium . Nach wie stellen vor allem der schlechte Zugang zu Bildungseinrichtungen in den ländlichen Regionen und die mangelhafte Ausbildungsqualität in vielen Einrichtungen große Probleme dar.


Wissenschaftliche Institutionen in Guatemala


Universitäten

Universidad Francisco Marroquín

Universidad de San Carlos de Guatemala

Universidad del Valle de Guatemala

Bibliotheken

Nationalbibliothek

Centro de Investigaciones Regionales de Mesoamérica (CIRMA)

Internationale Institutionen


DAAD

Internationale Schulen

InWEnt (Guatemala eingeben)

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