| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |
Ghana
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
2.1 Geschichte |
2.1.1 BesonderheitenGeschichte im ghanaischen Bewusstsein ist nach wie vor zunächst Geschichte der eigenen ethnischen Gruppe und damit von einem noch nicht vollständig überwundenen Antagonismus untereinander geprägt. Nicht dass sich dies gewaltsam äußern würde, aber fast jeder traditionelle Verband, gleichgültig ob Dorf, Clan oder größere Spracheinheit greift in der Selbstdarstellung auf die häufig historisch belasteten Beziehungen zu Nachbargebieten zurück. Selbst die brutalen Eingriffe Europas in der Zeit des transatlantischen Sklavenhandels (ca. 1600 bis ca. 1850) in die damalige Gesellschaft werden nur bedingt als gemeinschaftsbildendes Element gesehen. Zu groß waren die Abhängigkeiten der afrikanischen Opfer und Täter von den fremden Akteuren. Bis heute ist in der oralen Tradition oder in Gesprächen mit Geschichtskundigen zu erfahren, dass diese oder jene Herrschaftsgruppe an der Unterwerfung ihrer eigenen oder benachbarten Gruppe oder am Menschenhandel beteiligt war. Die gemeinsame Erfahrung der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden britischen Kolonialisierung wird ebenso zwiespältig gesehen: Einerseits wird die Schaffung einer auf Rohstoffe und eines von außen bestimmtem Handels als Fremdherrschaft und Bevormundung vermerkt.. Andererseits sind sich viele Ghanaer der Tatsache bewusst, dass unzählige Innovationen von ihnen aufgegriffen und weiter entwickelt wurden. Beim Beginn der Unabhängigkeit, die Ghana als erste Kolonie Afrikas erreicht hatte, konnte das Land deshalb auf einer im Vergleich zum übrigen Afrika relativ fortgeschrittenen Infrastruktur, einem hohen Bildungsniveau und einem beträchtlichen Selbstbewusstsein aufbauen. Verstärkt wurde dies durch die Förderung einer alle Afrikaner oder Menschen afrikanischer Herkunft umfassenden Idee, dem Panafrikanismus, der bis heute viele politische und ethische Vorstellungen beeinflusst und mit dazu beiträgt, dass Ghana vorrangig als Konfliktvermittler in Afrika präsent ist. 2.1.2 GeschichteEinen kurzen historischen Abriss der Geschichte Ghanas bietet Ihnen die Ghanaweb-Website an. Ghana vor Ankunft der Europäer
Über die Ur- und Frühgeschichte Ghanas ist nur
wenig bekannt und dürfte wohl auch kaum ausreichend erforscht werden
können. Materialien wie Holz, Metall oder Leder verrotten in dem
feucht-warmen Klima in kürzester Zeit. Schriftlichkeit gab es – von
spärlichen Berichten
arabischer Reisender
Mündliche Überlieferungen, frühe Dokumente und linguistische Studien lassen vermuten, dass die heutigen Bewohner Ghanas etwa seit tausend Jahren eingewandert oder eingesickert sind. Erst seit dem 14./15. Jahrhundert haben sich die heutigen Ethnien entlang der Flussläufe und an der Küste angesiedelt. Die meisten Völker des Südens stammen aus weiter östlich gelegenen
Gebieten, vermutlich aus dem heutigen Zentralnigeria, wie etwa die der
Kwa-Sprachfamilie
Aus den nördlichen Savannenzonen, heute Sahelländer, stammen überwiegend die in Nordghana lebenden Völker, insbesondere die Dagomba-Mamprussi, die eng mit den Mossi im heutigen Burkina Faso verwandt sind. Europas Zugriff auf Ghana Seit der Ankunft der Portugiesen auf dem Seeweg nach Indien 1471
wurde Ghana eng in die europäische Ausweitung nach Übersee einbezogen.
Den Portugiesen folgten in wenigen Jahrzehnten Niederländer, Franzosen,
Briten, Schweden und Dänen, und auch das
Kurfürstentum Brandenburg
Alle diese Seefahrernationen hinterließen
Burgen und andere Anlagen
Seit dem 16. Jahrhundert hatte sich für den größten Teil der Küste
der Name "Goldküste" eingeprägt, obwohl die Bezeichnung "Sklavenküste"
Britisches Herrschaftsgebiet Nach mehreren militärischen Expeditionen wurden ab 1874 und 1896
Ashanti und die Nordgebiete Teil der britischen
Goldküste
Die britischen Kolonialambitionen waren jedoch nur durchzusetzen, indem die neuen Herren Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse der Bevölkerung und die bestehenden Staatlichkeiten nahmen. Aus der indischen Kolonialtradition wurde das Herrschaftssystem der Indirekten Herrschaft – indirect rule – übernommen, das traditionellen Herrschern beschränkte Verwaltungsvollmachten einräumte. Damit und durch die fast unvermeidliche Anerkennung neuer städtischer Gruppen wurden in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen die Strukturen geschaffen – kennzeichnend dafür sind der britische Gouverneur Guggisberg und der afrikanische Pädagoge und Schriftsteller Aggrey –, mit denen Ghana in eine neue Phase eintrat. Unabhängigkeitsbewegung und Staatsgründung Diese Epoche war wesentlich von der Person des nachmaligen Staatsoberhauptes, Kwame Nkrumah geprägt. Als Folge der beiden Weltkriege hatte sich die wirtschaftliche und soziale Situation in Ghana dahingehend entwickelt, dass immer mehr Forderungen nach politischer Unabhängigkeit gestellt wurden. Teils ging dies von der städtischen Bevölkerung, teils von traditionellen Herrschern, aber auch von kirchlichen, bäuerlichen oder frühen gewerkschaftlichen Kreisen aus. 1947 übernahm Nkrumah die Leitung der United Gold Coast Convention (UGCC), einer Art Sammelbewegung verschiedener gemäßigter Gruppierungen. Von ihr spaltete sich eine neue Partei, die Convetions People's Party (CPP), die mit dem Ruf nach Unabhängigkeit 1952 eine Selbstverwaltung für das Land erreichen konnte. Am 6. März 1957 wurde Ghana unabhängig, am 1. Juli 1960 erklärte es sich zur Republik im Rahmen des britischen Commonwealth. Das Scheitern Nrumahs Nkrumah versuchte aus dem einheimischen und kolonialen Erbe heraus und mit einem hohen Maß an gesamtafrikanischem Bewusstsein einen neuen Staat und einen neuen Menschen zu schaffen. Seine Hoffnungen scheiterten an den Bedingungen der Weltwirtschaft, am Kalten Krieg und an einer Überforderung der ghanaischen Bevölkerung, die Personenkult, Gleichschaltungstendenzen und eine zunehmende Verschuldung als Belastung empfand. Dies führte am 24. Februar 1966 zum Sturz Nkrumahs durch einen Militärputsch. Die Dominanz des Militärs 1966-2002 Ghana erlebte im folgenden vier unterschiedliche Militärherrschaften:
Die dazwischen existierenden Zivilregierungen (2. Republik 1969-1972 unter K. Busia und 1979-1981 unter H. Limann |
|||||||||||||||||||||||||||||||||
2.2 Staat
|
2.2.1 StaatsformGhana ist seit dem 1. Juli 1960 eine Republik. Die letzte gültige Verfassung von 2001 sieht ein parlamentarisches Mehrparteiensystem und eine starke Position des Präsidenten vor. Staatsoberhaupt ist seit 2001 Präsident John Agyekum Kufuor. 2.2.2 Verfassung und GewaltenteilungDie im Jahre 2001 in einer Volksabstimmung bewilligte Verfassung, stark von der US-amerikanischen beeinflusst, hat sich bewährt. Ghana ist heute eine relativ stabile parlamentarische Demokratie. Die Verfassung bezeichnet die Parteien ausdrücklich als meinungs- und willensbildend im Rahmen des politischen Prozesses. Das Kabinett umfasst nicht nur die Fachminister, sondern auch alle Regionalminister. Ansonsten gibt es keine Vertretung der Regionen, etwa in Form einer zweiten Kammer. 2.2.3 Formaler StaatsaufbauGhana gliedert sich formal in 10 Regionen, die wiederum in Bezirke unterteilt sind. Sie verfügen über beträchtliche Kompetenzen in nahezu allen Lebensbereichen. Im Gegensatz zum Parlament werden die Vertreter der District Assemblies ohne Einfluss der Parteien direkt gewählt. 2.2.5 Recht, Ordnung und staatliche SicherheitRechts- und Sicherheitsfrage sind durch die Verfassung und Einzelgesetze geregelt. Das Rechtssystem besteht aus Zentralen und regionalen Gerichten. Auf der Dorfebene spielt die traditionelle Gerichtsbarkeit noch eine wichtige Rolle. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||
2.3 Innenpolitische Themen |
2.3.1 Machthaber und MachtgruppenWesentliche Träger der politischen Willensbildung und Machtausübung sind die Parteien.Auf nationaler Ebene waren 2003 zehn Parteien registriert. Für die bevorstehenden Wahlen 2008 sind neue Gruppierungen im entstehen oder zu erwarten. Sie sind seit 1992 wieder zugelassen und werden von der Verfassung als meinungs- und willensbildend nachdrücklich genannt.
2.3.2 WahlenDie Wahlen vom Dezember 2004 haben einen klaren Sieg des bisherigen Präsidenten Kufuor erbracht, ebenso die Mehrzahl der Sitze für NPP. Eine Einschätzung von Wahlkampf und Wahl gibt die Deutsche Welle und der österreichische Standard. Für die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen Ende 2008 finden seit langem die Vorbereitungen statt. Es ist zu erwarten, dass es noch mehr zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen NDC und NPP kommt, obwohl sich aus beiden Parteien mehrere Splittergruppen abgespalten haben und nach wie vor erhebliche Auseinandersetzungen um die Kandidaten stattfinden. 2.3.3 Wichtige politische EntscheidungenZu den brisantesten politischen Themen gehört die von Präsident Kufuor angestrebte Bildungsreform, die sich sehr stark an amerikanische Vorbilder anlehnt. Die Versuche erneut das Schulsystem zu ändern sind heftig umstritten. Ein weiterer Konflikt war das im Jahr 2006 beschlossene Wahlrecht für im Ausland lebende Ghanaer. In der Frage der Korruption ist die "Zero-Tolerance" Politik erlahmt. Die Medien und Parlamentsanfragen greifen immer wieder Korruptionsfälle auf. 2.3.4 Politische Auseinandersetzungen und MachtkämpfeSei es wegen der nach wie vor in breiten Kreisen der Bevölkerung existierenden Armut, sei es wegen des sich anbahnenden Wahlkampfes, offensichtlich spielen ethnische Animositäten eine bedeutsame Rolle. Die Kämpfe um die Kandidatenplätze nehmen ebenfalls einen wichtigen Platz ein. Im Augenblick ist ebenfalls die bereits erwähnte Polarisierung zwischen einem gemäßigten und radikalen Kurs zu beobachten. Ein Vorwurf an die Regierung ist häufig festzustellen, der Ausverkauf der Ressourcen des Landes. 2.3.6 Presse und andere MedienBei den ghanaischen Medien überwiegt der Regierungseinfluss, ohne dass jedoch eine strikte Zensur stattfindet. Presse
Radio/Fernsehen Agenturen
Internet
Obwohl bei der Beurteilung der Weltpresse durch Reporter ohne Grenzen Ghana einen relativ hohen Stellenwert hat, scheint es ein Problem mit der starken Regierungsabhängigkeit der Medien zu geben. Offensichtlich sind manche Meldungen nicht immer korrekt. 2.3.7 MenschenrechteGhana fällt verglichen mit den Nachbarländern durch eine relativ hohe Beachtung der Menschenrechte auf. Auf Dorfebene spielen die Chiefs als Schlichter eine wichtige Rolle, vorausgesetzt die zum Teil lähmenden Thron- und Erbstreitigkeiten sind geregelt.Einen deutschsprachigen Überblick über die Menschenrechtssituation bietet der Bericht
Mit etwas anderen Akzenten versehen ist der Bericht des US-Außenministeriums von 2005. Die Commission for Human Rights and Administrative Justice wurde 1991 gegründet und setzt sich als NRO für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Ihre Vorstellungen flossen zum Teil in die Verfassung von 1992 ein. Als ein ungelöstes Problem stellt sich nach wie vor die "Heimsklaverei" dar. In einigen Gebieten Ghanas werden vor allem Mädchen aufgrund der Verschuldung der Eltern von wohlhabenden Personen als Pfand beansprucht oder mit dem Versprechen auf Ausbildung und Jobs ausgebeutet. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||
2.4 Außenpolitische Themen
|
2.4.1 Das Land im regionalen und internationalen KontextDie Entwicklung der ghanaischen
Außenpolitik seit Nkrumah wird von der Library of Congress dokumentiert. Die Hauptakzente sind die Bemühung um eine gesamtafrikanische Kooperation (Afrikanische Union) sowie eine regionale Wirtschaftsunion (ECOWAS
Im Januar 2004 wurde in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder das Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre in Accra-Teshi eingeweiht. Es wird in Zukunft sich erheblich an politischen und militärischen Planungs- und Implementierungsaufgaben der Friedenssicherung in Afrika beteiligen. Im Rahmen der Afrikapolitik der Bundesregierung wird es mit erheblichen Finanzmitteln unterstützt, wobei auch die Bundeswehr mit Beratungs- und Ausbildungsaufgaben eine wichtige Rolle spielt.
Bundespräsident Horst Köhler und Frau Eva Luise Köhler reisten auf Einladung vom Präsident Kufuor, vom 11. bis 12. Januar 2007 zu einem offiziellen Besuch in die Republik Ghana. Neben bilateralen Gesprächen in Accra fand in Kumasi ein Besuch beim Asantehene und eine Diskussion mit Studenten an der University of Science and Technology (KNUST) zum Thema "Brain Drain" statt. Vom 12. bis 14. Januar 2007 richtete der Bundespräsident
gemeinsam mit Präsident Kufuor im KAIPTC im Rahmen der
Afrika-Initiative des Bundespräsidenten das zweite
Afrika-Forum
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington prägen ganz wesentlich das gegenwärtige Verhältnis zu den USA. Eine Kritik an der amerikanischen Politik zu den Ländern der so genannten 3. Welt ist im Augenblick im Gegensatz zu früher nicht erkennbar, dennoch wird trotz offizieller Verlautbarungen durchaus auf eine mögliche Nähe von Terror und Armut hingewiesen. Noch deutlicher wird die ghanaische Presse, wie aus einem Beitrag der Stiftung "Wissenschaft und Politik" hervorgeht. Im amerikanischen Bestreben, das Antiterrornetz möglichst dicht zu verflechten und um einen stärkeren Anteil an den Ölreserven des Golfes von Guinea zu sichern, sind Ghana und andere Länder in ein amerikanisch-afrikanisches Militärprogramm (PDF) eingebunden worden. Wie ein Auszug aus Ghanaweb zeigt, ist diese Militärbeziehung nicht unumstritten. Auch der auf amerikanischen Druck erfolgte Verzicht auf eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Gerichtshof löste in Ghana bittere Reaktionen aus. Präsident Kufuor ist zur Zeit Vorsitzender der Afrikanischen Union und dementsprechend an zahlreichen Konfliktlösungsversuchen und Verhandlungen innerhalb und außerhalb Afrikas beteiligt. So war er unter anderem auch auf dem G-8 Gipfel in Heiligendamm. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
zurück zur vorherigen Seite
|
weiter zur nächsten Seite

| alle Länder | Homepage | |||
| Landesüberblick | Staat & Politik | Wirtsch. & EZ | Gesellsch. & Kultur | Praktisches |