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Costa Rica

Seite 4: Gesellschaft, Kultur und Religion

Soziale Strukturen




Feiern
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Gefeiert wird viel und gerne, nicht nur im Kreise der Familie & Verwandtschaft, die insgesamt aber einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft hat.
Pura Vida

Wo man auch hinkommt, das "Pura Vida" ist der Leitspruch der Costaricaner/-innen. Er wird genauso zur Begrüßung wie auch als genereller Ausdruck von Freude und Zufriedenheit benutzt. Den Beinamen Ticas und Ticos haben die Costaricaner/-innen bekommen, weil sie bei fast allen Verkleinerungsformen die Endung -ico/-ica benutzen, anstatt dem sonst üblichen -ito/-ita (chico wird so zu chicitico und nicht zu chicito). Eine beeindruckende Fotoserie über das "Cowboyland in den Tropen" hat Nico Vincent zusammengstellt.

Es existiert nach wie vor eine ausgeprägte Mittelschicht, auch wenn die Schere zwischen Armen und Reichen im Land weiter auseinander geht. Um die 22% der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze, 7,5% von weniger als 2 US$ am Tag. Die Lebenserwartung ist mit über 78 Jahren vergleichsweise hoch. Das Bevölkerungswachstum lag 2006 bei 1,4%. Der Anteil der städtischen Bevölkerung liegt bei gut 60%. Das Stadt-Land-Gefälle macht sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar: auf dem Land gibt es das stärkste Bevölkerungswachstum, der Anteil der armen Bevölkerung ist hier höher, aber auch in den Bereichen der Ausbildungschancen, des Gesundheitswesens, der Verdiensthöhe und Arbeitsmöglichkeiten gibt es beträchtliche Unterschiede.
Bei gut vier Millionen Einwohner/-innen stellt die nach wie vor hohe Zahl (rund 500.000, davon ca. 300.000 Illegale) von Flüchtlingen und Asylant/-innen aus den Nachbarländern teilweise ein soziales Problem dar. 

Der Human Development Index (Ein Indikator zum Vergleich des Standes der gesellschaftlichen Entwicklung. In den HDI fließen die Lebenserwartung, die Alphabetisierungsrate und die reale Kaufkraft/Person ein. Er kann zwischen 1 (hoch) und 0 (niedrig) liegen.) lag 2004 bei 0,841 (Platz 48 von 177 weltweit). Damit zählt Costa Rica zu den Ländern mit einer hohen menschlichen Entwicklung. Der Human Development Report von UNDP stellt verschiedenste Indikatoren der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. Eine weitere Zusammenstellung über Indikatoren zur Bevölkerung, Gesundheit und Lebensstandard im Vergleich zu Mittelamerika und der Welt bietet Earthtrend .

Seit 1941 gibt es für Arbeiter/-innen eine staatliche Pflichtversicherung für Rente, Erwerbsunfähigkeit, Hinterbliebenenrente sowie Kranken- und Schwangerschaftsbeihilfen in die sowohl der/die Arbeitnehmer/-in als auch der Arbeitgeber und der Staat einzahlen. Das Rentensystem steckt wie in vielen Ländern auf Grund der demographischen Entwicklung auch in Costa Rica mittelfristig in der Krise.

Menschen im Stadtzentrum von San Jose
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Menschen im Stadtzentrum von San José

Die rechtliche und soziale Stellung der Frauen wurde relativ früh abgesichert. Aber auch in Costa Rica ist der "Machismo" anzutreffen. Die Alphabetisierungsquote bei Frauen (über 15 Jahre) beträgt 95,1%, bei Männern 94,7%. Das geschätzte Einkommen von Männern betrug 2004 rund 12.878 US $ (in ppp), von Frauen nur 5.969. Rund 80% der arbeitenden Frauen sind im Servicebereich tätig. 

Wie in vielen lateinamerikanischen Ländern gibt es auch in Costa Rica eine große Zahl an Teenieschwangerschaften .

Mit rund 80% stellen Kreolen (Nachfahren der spanischen Eroberer) und Mestizen (spanische bzw. weiße und indigene Vorfahren) die größte Bevölkerungsgruppe. Etwa 3% sind Schwarze. Die ursprüngliche indigene Bevölkerung, zu der heute noch acht unterschiedliche Ethnien zählen, stellt heute nur noch ca. 1% der Gesellschaft.

Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Ethnien waren lange Zeit nicht von freundlicher Integrationsbereitschaft geprägt. Der schwarzen Bevölkerung war es erst mit der Verfassung von 1949 überhaupt erlaubt von der karibischen Küste in andere Landesteile zu gehen. Eine Integration begann aber erst langsam mit dem Straßenbau nach Limón in den 1970er Jahren. Der Artikel 'Die schwarzen Diebe und Räuber' beschäftigt sich mit der immer noch nicht statt gefundenen Integration und den Vorurteilen gegen die 'verruchte' Karibikküste.
Der größte Teil der indigenen Bevölkerung lebt heute in den indigenen Territorien, die 1977 eingerichtet wurden. Erst im Jahr 1992 erfolgte in Costa Rica die Reform des Gesetzes, die eine sozial- und kulturpolitische Besserstellung garantieren sollte. Erst seitdem können Indigene z.B. überhaupt Pässe bekommen. Ein Artikel aus der TicoTimes beleuchtet die Situation der Indigenen und Migrant/-innen, die häufig von den Basisversorgungen ausgeschlossen sind. Einen sehr ausführlichen Überblick über die rechtliche Situation der Indigenen gibt das Dokument 'Pueblos Indígenas de Costa Rica: 10 años de Jurisprudencia Constitucional'  . Die zentralamerikanische Indigenen- und Bauernorganisation ACICAFOC bietet umfangreiches Material zum Thema. Hier gibt es eine Übersicht über die verschiedenen indigenen Organisationen im Land.
Bildung Knapp 5% des BIP(2000-2002) bzw. knapp 22% der Regierungsausgaben werden für Bildung ausgegeben. Die Einsparungen durch die Abschaffung des Militärs hat der costaricanische Staat schon sehr früh in das Bildungs- und Gesundheitssystem gesteckt. Costa Rica lag hinsichtlich Alphabetisierungsrate (94,9% in 2004), Einschulung, Hochschulabsolventen und anderen Bildungsindikatoren lange im oberen Bereich Lateinamerikas, inzwischen liegen sie bei dem aggregierten Bildungsindex von UNDP 'nur' noch im lateinamerikanischen Mittel. Inzwischen ist nicht mehr der Landbesitz sondern der Bildungsstand für die soziale Entwicklung entscheidend.
Die Regierung von Oscar Arias hat einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Förderung der Bildungsarbeit gelegt. Um die gesteckten Ziele zu erreichen sollen 8% des BIP für den Bildungshaushalt vorgesehen werden.
Gesetzlich sind neun Jahre Schulpflicht vorgeschrieben (primaria, Einschulung mit sechs Jahren). Nach weiteren drei Jahren (secundaria) kann jede und jeder weiterführende Bildungseinrichtungen, wie z.B. Universitäten, besuchen. Geprägt wird das Bildungssystem von den kostenlosen staatlichen Schulen, die von 90% der Schüler/-innen besucht werden. Daneben gibt es aber auch einige private Schulen, z.B. das deutsche Colegio Humboldt  .
Auf den Seiten des Bildungsministeriums finden Sie z.B. ein Dokument über die Bildungspolitik im Land.
Auf dem Lanic-Server finden Sie eine Linkliste mit den Hochschulen von Costa Rica. Insgesamt gibt es über 20 Hochschulen im Land mit ca. 80.000 Studierenden, die staatliche Universität von Costa Rica (UCR ) ist mit ca. 50.000 Studierenden die mit Abstand größte Universität des Landes, gefolgt von der Universität von Alajuela (UNA ).
Die Business School INCAE   hat sich als Privatschule für höhere Bildung auf die Betriebswirtschaftliche Lehre spezialisiert. Die MBA-Studiengänge haben international einen guten Ruf, was sicherlich auch mit dem guten Kontakt zur Harvard Universität begründet ist.
Gesundheit
Knapp 6% des BIP(2003) wird für das Gesundheitswesen ausgegeben. Die medizinische Versorgung ist relativ gut, insbesondere im Zentraltal. In den übrigen Landesteilen ist die Versorgung mit Krankhäusern und sonstigen medizinischen Einrichtungen uneinheitlich. In den dünner besiedelten und verkehrsmäßig wenig erschlossenen Gebieten fehlt häufig eine ausreichende ärztliche Betreuung. Abgelegene kleine Ortschaften werden meist durch ambulanten Behandlungsstationen (EBAIS) des staatlichen Gesundheitsdienstes versorgt. Große Fortschritte wurden vor allem in der Zeit der 1960er bis 1980er Jahre gemacht, wo z.B. die Kindersterblichkeit von 25% auf 1,8% im Jahr 1990 zurückgegangen ist. Über die Gesundheitsseite des Ministeriums bekommt man einen guten Überblick über das System. 
Über das nationale Versicherungsinstitut INS kann jede/r (unabhängig von Staatsbürgerschaft und Wohnsitz) eine gesetzliche Krankversicherung abschließen.

Die meisten typischen Tropenkrankheiten fehlen in Costa Rica bzw. kommen nur selten vor. Allerdings gibt es insbesondere in der Regenzeit von Mai bis Oktober durch das vermehrte Mückenaufkommen immer wieder Fälle von Malaria (Malaria tertiana) und Dengue. 2007 sagte die Regierung den Karneval in Limon ab auf Grund von erhöhten Dengue-Fällen. Eine Malariaprophylaxe ist i.d.R. nicht notwendig. Verunreinigtes Wasser oder Speisen können diverse Infektionskrankheiten wie z.B. Hepatitis A, Typhus, Amöben, Lambliasis oder Würmer hervorrufen. Da aber 97% (2002) der Bevölkerung Zugang zu sicherem Trinkwasser hat, sind diese Infektionen lange nicht so verbreitet wie in anderen tropischen Ländern.

Kultur und Kunst

Marimbaspieler in der Fußgängerzone
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Costa Rica ist bekannt für Marimba (Xylophon) Musik, die ihre Wurzeln in Afrika hat und nicht nur in der Karibik viel gespielt wird, sondern auch, so wie hier, in der Fußgängerzone von San José.

Die kulturellen Identitäten sind stark durch die Geschichte und die verschiedenen Ethnien beeinflusst. Costa Rica war in vorkolumbianischer Zeit Kreuzweg und Treffpunkt von Wanderungsbewegungen und Kultureinflüssen aus dem mittelamerikanischen Norden und dem kolumbianisch-panamaischen Süden. Durch die spanische Eroberung ist jedoch ein großer Teil dieser Kulturformen unwiederbringlich verloren gegangen.

Insbesondere in den 1960er Jahren wurden viele Museen ausgebaut und lassen ein wachsendes Interesse an der Geschichte vor der spanischen Eroberung erkennen. Auch traditionelles Handwerk wird heute oft auf eigenen Kunsthandwerksmärkten wieder gewürdigt.
Dadurch, dass Costa Rica bis etwas zur Mitte des 19. Jhdts. von der Subsistenzlandwirtschaft geprägt war entwickelten sich andere kulturelle Aktivitäten durch bessere Bildungsmöglichkeiten und einen gewissen Wohlstand vor allem in den letzten 100 Jahren.

Kugeln im Nationalmuseum
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Auf dem Gelände des Nationalmuseums steht eine der mysteriösen Kugeln, von denen man immer noch nicht weiß wie sie hergestellt, wozu sie dienten und vor allem wie sie transportiert wurden.
Viele der Kugeln, die  von den Bruncas geschaffen wurden, fanden sich auf der Isla de Cano, wo das vulkanische Granitgestein aber gar nicht vorkommt.

Nationaltheater
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Das Nationaltheater von San José stammt aus den 1890er Jahren und ist wohl eines der schönsten Gebäude der Stadt. Als Stolz aller Ticos wurde es damals durch eine freiwillige Kaffeeexportsteuer finanziert. 
Im Eingangsbereich findet sich an der Decke das berühmte Kaffee- und Bananen-Gemälde von J. Villa, dass auch den historischen 5-Colones-Schein ziert.


Kunstausstellung
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Das kulturelle Leben der Gegenwart ist sehr vielfältig. Es gibt ein breites Angebot an Veranstaltungen, modernen Künstlerzirkeln, Ausstellungen, Messen oder Galerien.
Auch eine kleine Filmszene scheint sich zu etablieren. So hat der Film 'password', der sich mit dem auch in Costa Rica zunehmendem Sextourismus beschäftigt, auch über die Grenzen hinweg Anklang gefunden.


Das Kultur- und Jugendministerium gibt einen guten Überblick über die Museen, Ausstellungen und Programme  .
Daneben bietet die Wochenzeitung TicoTimes und die Tageszeitung La Nación einen Überblick über die aktuellen Angebote.
Religion


Karfreitagsprozession
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Ca. 90% der CostaricanerInnen bekennen sich zum christlichen Glauben, die meisten von ihnen sind katholisch. In der Osterwoche hat quasi das ganze Land Urlaub und geht z.B. mit auf die Karfreitagsprozessionen.







Medizinalpflanzen auf einem Markt
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Medizinalpflanzen auf einem Markt in San José
Die überwiegende Mehrheit der Costaricaner/-innen bekennt sich zum christlichen Glauben, wobei gut 75% römisch-katholischen und ca. 14% protestantischen Glaubens sind. Die katholische Religionszugehörigkeit hat seit der Kolonialzeit einen zentralen Integrationsfaktor dargestellt. Der Einfluss von protestantischen Freikirchen hat vor allem seit den 1970er Jahren stark zugenommen. Das allgemeine Klima wachsenden religiösen Pluralismus macht das Land in jüngster Zeit auch zum Zielgebiet internationaler Sekten (Moon, Scientology). Einen Überblick über die Religionen gibt die spanische Wikipedia-Seite.

Der christliche Glaube ist dabei im Alltag sehr sichtbar: von Heiligenbildern und Kreuzchen in Bussen, Taxen und Wohnzimmern über größere Ritualen wie Prozessionen zur Heiligenverehrung - so z.B. am 02. August wo die Schutzpatronin von Costa Rica, der Virgen de los Ángeles in der Básilica von Cartago verehrt wird - bis hin zur Osterwoche in der quasi das ganze Land Urlaub hat und entweder mit auf die Karfreitagsprozessionen geht oder an den Strand fährt.

Es lassen sich aber auch Reste von religiösen Symbolen und magischer Geisterwelt der ursprünglichen Bevölkerung finden. Heilpflanzen spielen auch in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Insbesondere bei der schwarzen Bevölkerung lassen sich auch Mischformen aus afrikanischen und indigenen Naturglauben finden die sich im Laufe der Zeit mit Formen des Protestantismus - dem Glauben den die Schwarzen aus Jamaika von der dortigen englischen Kolonialmacht aufgezwungen wurde - vermischt haben.

Die katholische Amtskirche hat seit der Trennung von Kirche und Staat Ende des 19. Jhdts. nur noch eher indirekten Einfluss. Zwischen den Kriegen ist sie allerdings zur Fürsprecherin von sozial-politischen und arbeitsrechtlichen Neuerungen geworden. In den 1950er Jahren gewann sie dann wieder Einfluss auf die Politik und das Bildungswesen. In jüngster Zeit mischt sie sich vor allem - mit eher konservativer Zielrichtung - in Themen wie Familienplanung und Sexualkundeunterricht ein. Aber auch mit kritischen Stellungnahmen zum Freihandelsabkommen oder gegen die Homo-Ehe bezogen die Bischöfe Stellung.
   

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