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Costa RicaSeite 2: Geschichte, Staat & Politik |
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Historische Entwicklung![]() © SE Das Nationalmonument Guayabo beherbergt die wichtigste und größte archäologische Stätte Costa Ricas ![]() © SE Der Nationalheld Juan Santamaria im Vorgarten des Parlaments in San José |
Die folgende Zeittafel
gibt
einen geschichtlichen Überblick
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| Staat | Costa
Rica ist eine präsidiale
Republik
mit einer zentralistischen Verwaltung. 1889 erfolgte erstmals
die
gewaltfreie Übertragung des Präsidentenamtes an die
in der
Wahl siegreiche Oppositionspartei. Nach dem sechswöchigen
Bürgerkrieg von 1948 wurde 1949 die noch heute
gültige Verfassung
erstellt.An der Spitze der Exekutive
steht der Staatspräsident, der
gleichzeitig Staatsoberhaupt
und Regierungschef ist. Er wird alle vier Jahre direkt vom Volk
gewählt. Die Ernennung der Minister/-innen erfolgt durch den
Präsidenten. Von ihm werden sowohl Gesetze
veröffentlich und
die Ressorts überwacht als auch der Staatshaushalt
aufgestellt.
Der Präsident ernennt die Gouverneure der sieben Provinzen.
Seit
April 2003 ist die einmalige Wiederwahl eines Präsidenten -
nach
einer 8jährigen Pause - möglich.Die Legislative
wird vom
Parlament
(Asamblea
legislativa)
ausgeübt. Die 57 Abgeordneten werden alle
vier Jahre vom
Volk gewählt. Die Abgeordneten können nach einer
4jährigen Pause einmal wiedergewählt werden. Durch
das
Stimmensplitting vieler Wähler/-innen
hatten die meisten Präsidenten keine parlamentarische Mehrheit
hinter sich. Der Kongress kann die Entscheidungen der Regierung mit
einer 2/3 Mehrheit widerrufen. Er verabschiedet den Staatshaushalt und
ernennt die obersten Richter.Die Jurisdiktion
wird vom
obersten Gerichtshof ausgeübt. Er ist das höchste
Rechtssprechungsorgan und letzte Instanz in Zivil- und Strafsachen.
Seit 1989 ist er auch Verfassungsgerichtshof. Die Rechtsordnung beruht
im Wesentlichen auf französischen und spanischen Vorbildern.
Die
sieben Provinzhauptorte haben Gerichte erster Instanz.Die Verwaltung ist in 7 Provinzen, 81 Kantonskreisen und 421 Distrikte (Gemeindebezirke) gegliedert. Die Provinzgouverneure und Kreisdirektoren wurden bis 2002 vom Staatspräsidenten ernannt; die ehrenamtlichen Sprecher der Unterbezirke sind wählbar. Auf beiden Ebenen bestehen gewählte Ratsversammlungen. |
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| Wahlen
und Parteien |
Es
besteht ein allgemeines Wahlrecht ab dem 18. Lebensjahr, seit 1959
besteht Wahlpflicht. Das aktive und passive Wahlrecht für
Frauen
und Schwarze wurde 1949 mit der neuen Verfassung eingeführt.
Alle
vier Jahre werden gleichzeitig
Präsident,
Kongress und Gemeinderäte in einer allgemeinen und geheimen
Wahl
gewählt. Der unabhängige Wahlgerichtshof, Tribunal
Supremo Electoral (TSE) ,
bereitet die Wahlen vor, leitet und
überwacht sie.Die staatliche Parteienfinanzierung mittels Wahlkampfkostenerstattung ist an eine 4%-Klausel gebunden. Viele kleinere Parteien müssen nach dem Wahlkampf ihren Bankrott erklären und werden damit aus dem Register gestrichen. Seit Anfang der 1980er Jahre gab es ein festes Zwei-Parteien-System aus den beiden großen Volksparteien PLN (Mitte/Links, Sozialdemokraten) und PUSC (Konservativ/Liberal, Christdemokraten), die meist abwechselnd die Regierung stellten. Seit der Wahl 2002 wurde dieses System durch die unerwartet starke Partei PAC durchbrochen und zum ersten mal musste per Stichwahl in
einem zweiten Wahlgang der Präsident gewählt werden.
Nur wer
im ersten Wahlgang die Mehrheit und mehr als 40% der Stimmen auf sich
vereinigt, geht ohne Stichwahl als Sieger hervor. Nach der letzten Wahl
vom Februar 2006 ist das Zwei-Parteien-System wohl endgültig
durchbrochen, die Christdemokraten sind nur viert stärkste
Kraft
im Parlament geworden.Am 3. Dezember 2006 fanden zum zweiten Mal nach vier Jahren die Bürgermeisterdirektwahlen
statt. Auf der gemeinsamen
Seite der lokalen
Regierungen
können Sie sich über die Arbeit
der Gemeinden informieren.Am 05. Februar 2006 fanden die letzten Wahlen
für
den
Präsidenten und die zwei Vizepräsidenten sowie
für das
Parlament statt. Bei den Präsidentschaftswahlen (mit insgesamt
14
Kandidaten) kam es dabei zu einem so engen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen
Oscar Arias (40,5%) und Ottón Solís (40,3%), dass
nach
Auszählung von ca. 85% der Stimmen die maschinelle
Auszählung
gestoppt wurde. Zwei Wochen wurde dann per Hand
nachgezählt
und am 07. März stand der Sieger fest: Oscar Arias hatte mit
knapp
1% Vorsprung die Wahl
gewonnen .Die Ergebnisse für die gleichzeitig stattgefundenen Wahlen für die Parlamentsabgeordneten, zu denen 27 Parteien zugelassen waren, sind:
abgerufen
werden. |
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Die jetzige Regierung![]() Foto:
homepage Oscar Arias
Präsident Oscar Arias![]() © SE Als sich Costa Rica auf die Liste der Befürworter des Irakkriegs setzen ließ gab es auf den Straßen von San José viele Proteste und Demonstrationen. |
Der neue
Präsident Oscar Arias Oscar Arias, von der sozialdemokratischen Partei PLN, war vor 20 Jahren schon einmal Präsident von Costa Rica und hat für seine Friedensinitiativen in Mittelamerika den Friedensnobelpreis
bekommen. Die Seite der von ihm gegründeten Stiftung Oscar Arias
für Frieden und menschliche Entwicklung bietet hierzu
ausführliche Informationen .
Er steht für wirtschaftliche
Öffnung und Modernisierung des Landes und hat sich als
wesentliches Ziel die
Ratifizierung
des Freihandelsabkommens mit den USA gesetzt. Er setzte sich mit
einem knappen Vorsprung gegen Ottón
Solis durch. Das ehemalige
Mitglied der PLN, der im Jahr 2000 die Partei der
Bürgeraktion PAC gründete, ging mit einem
linksliberalen
Programm in die Wahl, das
vor allem eine Rückkehr zum Sozialstaat und mehr Investitionen
im
Bildungsbereich beinhaltet. In dem zentralamerikanischen
Freihandelsabkommen mit den USA sieht er eine Gefahr für die
Kleinbauern und die staatlichen Unternehmen.Der Amtsantritt des 65jährigen Präsidenten am 08. Mai 2006 im Nationalstadion wurde von großen Protesten auf der Straße begleitet: mehr als 15 Tausend Costaricanerinnen und Costaricaner gingen auf die Straße, um vor allem gegen den möglichen Beitritt Costa Ricas zum Freihandelsabkommen mit den USA zu protestieren. In der Geschichte des Landes ist es das erste Mal, dass ein Amtsantritt eines Präsidenten von Protesten gegen ihn begleitet wurde. Die Casa Presidencial
informiert
über Schwerpunkte der Regierungsarbeit und gibt Links
zu den
einzelnen Ministerien
und Institutionen.Die Sitzverteilung im neuen Parlament sieht wie folgt aus: ![]() Während bei der Vorgängerregierung unter Abel Pacheco von der PUSC vor allem die ökonomische Reaktivierung und Armutsminderung auf dem Plan der Regierungspolitik
stand, so liegt der
Schwerpunkt der neuen
Regierung vor allem in den Freihandelsabkommen, der
Armutsbekämpfung und der Bildungspolitik.
Die wichtigsten Leitlinien der Regierungspolitik fasst der folgende
ausführliche Artikel
zusammen. Das
Freihandelsabkommen zwischen den Mittelamerikanische
Ländern und der Europäischen Gemeinschaft
war auch
Thema beim Besuch
von Präsident Arias in Deutschland
anlässlich des
Eröffnungsspiels der Fußball
Weltmeisterschaft.In der Außenpolitik gibt es immer wieder Auseinandersetzungen mit dem Nachbarland Nicaragua
über die Nutzung
des
Grenzflusses Río San
Juán, da die
Grenze unüblicherweise
nicht in der Flussmitte verläuft. So gestattet Nicaragua
zwar, dass costaricanische Grenzpolizisten auf dem Fluss (der zur
Gänze zu Nicaragua gehört) patrouillieren
dürfen, aber
unbewaffnet. Costa Rica hält diese Form aber für
ungeeignet
die immer wieder vorkommenden illegalen
Grenzübertritte
einzudämmen. Zu den ungelösten Problemen der
illegalen
Einwanderungen kommen die nicht rückkehrwilligen
Flüchtlinge
aus den 1980er Jahren hinzu. Während des Irak-Krieges hat sich Costa Rica auf die Liste der Befürworter eingetragen und so die Politik von G.W. Busch unterstützt. Diese Entscheidung, die gegen die eigene Verfassung verstößt
(Neutralitätsgebot), wurde von vielen Protesten und Streiks im
Land begleitet.Die Verhandlungen für das Freihandelsabkommen Zentralamerikas mit den USA liefen zur gleichen Zeit. Traditionell bestehen enge Beziehzungen zu den USA, die Costa Rica während der mittelamerikanischen Krisenjahre als "letzte demokratische Bastion" stark unterstützten. Ebenso bildete dieser Ruhepool in der Region mit über 50 Jahren stabiler Demokratie die Basis für Auslandsinvestitionen. Die besonders enge Beziehung zur Republik Taiwan wurde nach über 60 Jahren wohl auf Druck Chinas Mitte 2007 beendet . Nun stehen der Aufnahme von diplomatischen
Beziehungen zur VR China und einer
verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit nichts mehr im Wege
(siehe auch den Artikel "Costa Rica: China kommt" ). Der Bau
einer Öl-Raffinerieanlage durch China wurde im
Herbst 2007 von Präsident Arias bekannt gegeben.Enttäuscht hat Israel auf die Ankündigung regiert, Costa Rica wolle Beziehungen zum "Staat Palästina" aufnehmen. |
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| Aktuelle politische Themen | Das
beherrschende Thema von Politik und Öffentlichkeit sind die Freihandelsabkommen.
Ausführlicheres hierzu siehe im Kapitel unter Wirtschaft
und
Entwicklung. Die Proteste und
Demonstrationen, die diese in vielen
Teilen der Bevölkerung hervorrufen, werden unter der neuen
Regierung von Friedensnobelpreisträger Oscar Arias mit einem verstärkten
Polizeieinsatz
begegnet.Seit Ende 2004 ist die costaricanische Öffentlichkeit schwer erschüttert: in dem sonst so ruhigen Land gibt es schwere Korruptionsvorwürfe, und das gleich gegen mehrere (Ex-)Präsidenten. Im November 2004 mussten zwei ehemalige Präsidenten wegen Bestechungsskandalen in Untersuchungshaft: Rafael Calderón (1990-1994 Präsident) soll Millionen veruntreut haben, die zum Kauf von medizinischen Geräten gedacht waren und in die auch das staatliche Sozialversicherungsinstitut CCSS verwickelt ist (Artikel
hierzu). Miguel
Rodriguez (Präsident von
1998-2002)
soll bei der Vergabe zur Modernisierung des Telefonnetzes
Bestechungsgelder von der französischen
Telekommunikationsgesellschaft Alcatel angenommen haben (Artikel
hierzu). José
María
Figueres,
Präsident von 1994-98, stand ebenfalls lange unter
Korruptionsverdacht
im
Zusammenhang mit der französischen
Telekommunikationsgesellschaft
Alcatel. Im Oktober 2007 wurde er von den Vorwürfen freigesprochen
und kann nun auch wieder einreisen ohne Gefahr zu laufen ebenfalls in
Untersuchungshaft zu kommen. Der letzte
Präsident Abel
Pacheco (2002-2006) ist in einen Korruptionsskandal um nicht
deklarierte
Wahlkampfspenden verwickelt. Der folgende Artikel aus
der
Tageszeitung La Nación fasst den Stand der Dinge zusammen.
Ein
deutschsprachiger Artikel über das Politische
Erdbeben
finden sie hier. Die englischsprachige Wochenzeitung Tico Times
kommentiert das neue Antikorruptionsgesetz
.
Transparency International hat Costa Rica beim Korruptionsindex
für
2006 auf Platz 55 von 163 (je höher die Zahl, desto korrupter)
gesetzt. |
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| Zentral- amerikanische Integration ![]() Waldbedeckung in Zentralamerika |
Das
zentralamerikanische Integrationssystem SICA
(Sistema de
la Integración Centroamericana) ist 1991 gegründet
worden
und bildet den institutionellen Rahmen zur Koordinierung aller
politischen Integrationsbestrebungen in Zentralamerika. Es baut auf die
lange gemeinsame Geschichte und Erfahrungen auf. Vertreten sind hier die Staaten von El Salvador, Honduras, Nicaragua, Guatemala, Costa Rica, Panama und Belize. Die Dominikanische Republik hat einen Beobachterinnenstatus. Die umfassenden und anspruchsvollen Ziele sind die Errichtung einer Region von Frieden, Freiheit, Demokratie und Entwicklung, Solidarität und zentralamerikanischer Identität, aufgebaut auf der Grundlage von Achtung, Schutz und Förderung der Menschenrechte, Rechtssicherheit, Fairness und Gegenseitigkeit sowie verstärkter Berücksichtigung des Umweltschutzgedankens. Das gemeinsame Auftreten nach Außen ist für die politische Zukunft richtungweisend. Costa Rica übt eine starke Zurückhaltung bei den Integrationsbestrebungen, verfolgt aber eine pragmatische, auf wirtschaftliche Zusammenarbeit ausgerichtete Politik. Das SICA besteht aus verschiedenen Hauptorganen, u.a.:
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| Weitere politische Strukturen, Organisationen und Themen | In
Costa Rica
gibt es eine Vielzahl von autonomen
staatlichen Einrichtungen die
eine relative Unabhängigkeit
genießen. Hierzu zählen z.B. die Institute
für Telekommunikation
und
Elektrizität , Sozialversicherungen , Agrarwirtschaft , Tourismus
, Versicherungen
oder
für Lernen und
Weiterbildung . Ein unabhängiger Ombudsmann (Defensor de los habitantes )
ist
wichtiger Ansprechpartner der Einwohner/-innen und berichtet
jährlich dem Parlament. Fälle von Diskriminierung auf
Grund
der Hautfarbe oder Herkunft sind laut einem Länderbericht von amesty international
nicht bekannt.In Costa Rica befindet sich der Sitz des interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte ,
der 1979 auf der Basis der Amerikanischen
Menschenrechtskonvention
gegründet wurde. Bisher haben 25 amerikanische Staaten die
Konvention
ratifiziert. Die USA hat diesen Schritt bisher nicht getan. Bisher sind
über 100 Streitfälle bearbeitet worden.Die Menschenrechtssituation wird im Allgemeinen als stabil angesehen. Die Länderkurzinformation von amesty international gibt
einen
guten Überblick über die allgemeine Situation und
über
die Pressefreiheit sowie über die spezielle Lage von Frauen,
Kindern und indigenen Ethnien. Häusliche Gewalt gegen Frauen
und
Kinder wird zu einem immer größeren Problem im Land.
Kinder
werden häufig Opfer von sexueller Ausbeutung, auch
wenn das
Bewusstsein in der Bevölkerung steigt. Eine sehr detaillierte
Übersicht gibt der costaricanische Bericht
über die
Umsetzung der
Kinderrechtskonvention and das UN-Komitee. Der neueste Bericht des
Projektes "Informe Nacional" beschäftigt sich ebenfalls mit
dem
Thema Sicherheit
und Entwicklung. |
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