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Bolivien
Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaft

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Bergbauarbeiter
Bergbauarbeiter

Wirtschaftsindikatoren, Analysen und Statistiken

Die Daten der Weltbank belegen bis 2005 eine langsame Entwicklung    (bis 2005, Pdf-Format).   Die wirtschaftliche Entwicklung weist nun eine höhere Wachstumsrate und einen Staatshaushaltsüberschuß (5,9% des BIPs für 2006) auf.
Die politischen und regionalen Spannungen spiegeln sich auch in der wirtschaftlichen Entwicklung wieder. So war der Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren in der Region Santa Cruz um 1,4% höher als der nationale Durchschnitt, ihr Beitrag zum BIP betrug fast ein Drittel und die Region war für 60% der nationalen Exporte verantwortlich. Auf der anderen Seite ist ihr Beitrag zum Staatshaushalt mit ca. 40% recht hoch.
Am Horizont sind erste Anzeichen für ein weiteres Ansteigen der Preise zu beobachten. Im Jahr 2007 betrug nach der CEPAL die Inflation 8,7%, diese war im letzten Jahrzent halb so hoch.
Die Handelsbeziehungen zwischen Bolivien und Deutschland weisen ein negatives Saldo für das Andenland aus.

Verschuldung

Auch die Verschuldung von ca. 5 Mrd. US $ ist im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt und der Exportkapazität des Landes relativ hoch  .
1997 wurde Bolivien als HIPCs (Heavily indebted poor countries) eingestuft und dem Land wurden 800 Mio US $ erlassen. 2005 folgten ein weiterer Schuldenerlass von 2 Mrd. US $, die für das Land allerdings wenig bedeuten. Siehe zur Schuldenreduktion   . Diese Mittel können für Entwicklungsprojekte eingesetzt werden. Der Artikel der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika CEPAL geht auf diese Problematik für das Jahr 2000 ein (weitere 850 Mio US $ Entlastung) und macht eine Bestandsaufnahme der Wirtschaftsentwicklung für die Jahre 2002/2003 (Pdf-Datei)  . Der Einsatz dieser Mittel in den Gemeinden kann hier eingesehen werden   . Die "Initiative Entwicklung braucht Entschuldung" setzt sich mit dem von Finanzminister der G7 auf dem Gipfeltreffen vom 10./11.Juni 2005 in London getroffene Streichung der Schulden für die 18 ärmsten Länder der Welt, darunter Bolivien, kritisch auseinander   .

Wirtschaftssystem und Wirtschaftsektoren

Mit dem Regierungswechsel von 1985 ging ein grundlegender Wandel der wirtschaftspolitischen Strategie einher. Die Neue Ökonomische Politik (NPE) beinhaltete die Abkehr vom staatskapitalistischen Entwicklungsweg bei gleichzeitiger Hinwendung zu einem neoliberalen Entwicklungsmodell.
Nach dem Index für Wirtschaftsfreiheit ist das bolivianische Wirtschaftssystem jedoch immer noch stark von etatistischen Zügen geprägt  .
Das wirtschaftliche Rückgrat des Landes bildeten traditionell die Landwirtschaft und der Bergbau. Nach dem Einbruch im Zinnabbau 1985 nahm die Bedeutung der weitgehend ineffizienten Landwirtschaft noch zu. Wurden 1980 18% des BIP im Agrarsektor erwirtschaftet, waren es 1989 wieder 32%. 47% aller Erwerbstätigen arbeiteten 1990 in der Landwirtschaft. Im Bergbau waren 1989 dagegen nur noch 34.000 Menschen tätig. Erst Anfang der 90er Jahre erholten sich der jetzt vor allem private Bergbau und der industrielle Sektor von der schweren Krise. 2006 trug der Agrarsektor mit 15,3 % weniger als die Industrie (17%) aber erheblich mehr als der Bergbau sowie die Erdöl- und Erdgasförderung (11%) zum BSP bei. Der Beitrag der Kokablattproduktion mit etwa 12% zur Agrarproduktion ist bedeutend. Annähernd 40 000 Personen sind vorwiegend in den Regionen der Yungas und Chapare beschäftigt. Die Exporte der Landwirtschaft (Soya und Tropenhölzer) lagen mit 21,9 % sogar höher als die des Bergbaus. Für nähere Informationen siehe Daten vom State Department   .
Der Beitrag des "informellen Sektors" ist ebenfalls, bedingt durch die Entlassungen im Bergbau, recht hoch (Artikel von April 1989, noch gültig)  .

Bericht über die menschliche Entwicklung

Der im Human Development Report 2007/2008 vom UNDP ermittelte Human Development Index, der Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard berücksichtigt, weist Bolivien Platz 117 von 177 Ländern zu. Weitere Daten im regionalen Vergleich finden SIe hier   . Das bolivianische Nationale Statistische Institut INE hat eine Studie über Armut auf Gemeindeebene (Pdf-Format, interessant aber umfangreich)   mit Daten bis 2001 publiziert.

Entwicklungs-
zusammenarbeit

Mit einem jährlichen Pro-Kopf- Einkommen von rund 800 US$ ist Bolivien nach wie vor das ärmste Land Südamerikas und eines der ärmsten Länder der Welt. Aktuellen Zahlen zufolge beträgt die rurale Armut 81,7%, während die Zahl der Armen im urbanen Raum bei durchschnittlich 47% anzusiedeln ist (La Razón, 16.12.2004). Zudem verschärfte sich die extrem ungleiche Einkommensverteilung zwischen 1998 und 2003 weiter zu Lasten der unteren Einkommensgruppen. Im Jahr 2002 verfügte die Gruppe der ärmsten 40% lediglich über 9,5% der Gesamteinkünfte, während den 10% der Reichsten 41% des nationalen Einkommens zur Verfügung standen.
Seit 1999 stellen IWF und Weltbank für die Vergabe von Krediten an die antragstellenden Regierungen die Bedingung, dass unter Einbeziehung gesellschaftlicher Gruppen (Kirchen, Unternehmerverbände, NRO, Gewerkschaften) ein länderspezifisches 'Poverty Reduction Strategy Paper' (PSRP) erarbeitet wird. Das PSRP soll dann als verbindliche Vorgabe für Programme zur Armutsbekämpfung dienen. Lesen Sie eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Strategie zur Armutsbekämpfung (Pdf-Dokument) sowie eine PSRP Länderbericht von VENRO zu Bolivien .
Auch die neue bolivianische Regierung von Morales mit dem 2006 bekanntgegebenen nationalen Entwicklungsplan bekennt sich zu den Milleniumszielen. Sehen Sie sich Daten zum Stand der Umsetzung der Millenium Development Goals in Bolivien an.

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Nicht nur in der Strukturanpassung, sondern auch im PRSP-Prozess zählt Bolivien gemeinhin zu den strong performers – zumindest was das Tempo betrifft: Schon zu Beginn des Jahres 2000 legte Bolivien sein Interim-PRSP, wenige Monate später bereits sein PRSP vor, und erreichte noch 2001 den "Completion Point", mit dem ihm der HIPC-II-Schuldenerlass gewährt wurde. Hervorzuheben ist, dass sich das Land von Anfang an nicht nur die Armutsbekämpfung sondern auch die Partizipation (Gesetz zur Volksbeteiligung) auf die Fahnen schrieb.

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Bolivien ist Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit verschiedener bi- und multilateraler Institutionen. Der Anteil der "Official Development Aid ODA" am BSP ist immernoch hoch ( 1994 lag bei 20%, 2003 bei 11.8; Quelle:Human Development Report 2006). Die Interamerikanische Entwicklungsbank ist der größte Kreditgeber in Bolivien.
Zu den Aktivitäten der Weltbank sowie zu ihren Projekten und Programmen . Der Bericht zur Länderstrategie für den Zeitraum 2007 - 2009 verzeichnet respektable Erfolge in der Bekämpfung der Armut und sieht gute Chancen die MDGs zu erreichen . Die Europäische Union hat ebenfalls ein Country Strategy Paper in der Zusammenarbeit mit Bolivien erarbeitet und führt Projekte durch  .
Die US-amerikanische, japanische  , spanische   und schweizerische EZ sind auch stark im Land vertreten  .

Deutsche Entwicklungsorganisationen in Bolivien

Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Bolivien sind: Verwaltungs- und Justizreform, Förderung von zivilgesellschaftlichen Aktivitäten, Wasserver- / Abwasserentsorgung sowie nachhaltige Landwirtschaft. Die KfW, GTZ und DED unterstützen Projekte in diesen Bereichen . Die politischen Stiftungen: die Konrad Adenauer-Stiftung (KAS) und die Hans Seidel Stiftung , unterhalten Büros in La Paz und betreuen vor Ort zahlreiche Projekte. Die Friedrich Ebert Stiftung (FES) ist direkt Vorort präsent. Die CIM leistet personelle Zusammenarbeit mit zahlreichen integrierten Fachkräften. Die Deutsch-Bolivianische Industrie- und Handelskammer (AHK Bolivien), der DED und die GTZ unterzeichneten am 20. November 2006 einen Kooperationsvertrag für das Programm Public Private Partnership (PPP)  . Von Bedeutung ist auch das unter anderem von der GTZ unterstützte Nationale Umweltinformationssystem SIA (Sistema de información del medio ambiente), das Aktivitäten nationaler und ausländischer Organisationen umfaßt  .

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