Wirtschaft
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Der von der asiatischen Entwicklungsbank herausgegebene Asian Development Outlook 2008 informiert über wichtige volkswirtschaftliche Entwicklungen in Bangladesch, z.B. Export & Import, Verschuldung, Direktinvestitionen, Geldpolitik, Auftreten von Armut. Was letzteres anbetrifft, so lebt noch immer jeder zweite Bangladeschi in Armut.
Bangladesch hat in den vergangenen vier Jahren jeweils Wachstumsraten von rund 6% erzielen können. Besonders der industrielle Sektor und hier die Bekleidungsindustrie konnten ungeachtet des ausgelaufenen Multifaserabkommens einen großen Beitrag hierzu leisten. Immer wichtiger werden die Auslandsüberweisungen der vor allem im Nahen Osten beschäftigten bangladeschischen Auslandsarbeiter. Sie liegen mit geschätzt über sieben Milliarden US-Dollar (das sind 9% des BIP) im vergangenen Haushaltsjahr um ein Vielfaches höher als die Nettomittelflüsse aus der Entwicklungszusammenarbeit. Was die Wirtschaftssektoren anbelangt, so liegt der Anteil der Dienstleistungen bei rund 52%, gefolgt vom industriellen Sektor mit 27%. Die Landwirtschaft trägt nur noch zu etwa einem guten Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Andererseits leben die meisten Menschen in Bangladesch noch auf dem Land und sind in der Landwirtschaft tätig. Diese Diskrepanz konstituiert eine Armutsschere. Das im Gefolge der Metropolisierung und Globalisierung auch ökonomische Chancen entstehen, zeigt das Beispiel spezialisierter Müllsammler. Nach Angaben des UNDP-Berichts zur menschlichen Entwicklung (2007/08) rangiert Bangladesch an 140. Stelle des so genannten Human Development Index'. Während die so genannte Einkommensarmut nur langsam, d.h. um rund ein Prozent jährlich zurückgeht, sieht es bei den "weichen" Entwicklungsindikatoren Bildung und Gesundheit besser aus. Allerdings liegt die Müttersterblichkeit mit mehr als 300 Todesfällen auf 100.000 immer noch auf einem erschreckend hohen Niveau. Die Zwischenbilanz bei den Millenniumsentwicklungszielen aus der Sicht der Menschen ist dementsprechend "gemischt". Bangladesch rangiert mittlerweile in der Gruppe der "medium human development" Länder. Dies ist kein kleiner Erfolg für ein Land mit nach wie vor rasch wachsender Bevölkerung und Problemen, die sich aus der Deltalage heraus ergeben. Die von der asiatischen Entwicklungsbank herausgegebenen Quarterly Economic Updates geben Auskunft über Entwicklungspotenziale und wirtschaftliche Kernprobleme Bangladeschs. Die Bank aktualisiert auch regelmäßig wichtige Entwicklungsindikatoren. Die Menschen in Bangladesch leiden noch immer unter den drastischen Preiserhöhungen insbesondere für Grundnahrungsmittel und für Brennstoff. Zuletzt gingen die Preise wegen der erhöhten Nachfrage im Fastenmonats Ramadan hoch. Nach Schätzungen der Weltbank sind über 4 Millionen Menschen auf Grund der Teuerung unter die Armutsgrenze gedrückt worden. Lesen Sie auch den Bericht State of the Bangladesh Economy in FY2008, herausgegeben vom Centre for Policy Dialogue, Dhaka, der sich vor allem mit den nach wie vor beklagenswert niedrigen geringen Absorptionskapazität hinsichtlich externer (Entwicklungs-)Gelder.
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Entwicklung und Entwicklungs- politik |
Ein Blick auf die Statistiken zeigt die Fortschritte, die im sozialen Bereich seit der Unabhängigkeit des Landes erzielt werden konnten. Allerdings ist dies nicht einer überdurchschnittlich effektiven Entwicklungsverwaltung oder innovativen Politikentwürfen zu verdanken, sondern den zahlreichen NROen im Land, die bis heute wichtige, im Grunde staatliche Leistungen v.a. im Gesundheits- und Bildungssektor erbringen und dabei finanzielle Hilfen von ausländischen Gebern erhalten. Die Weltbank stellt in ihrer aktuellen Country Assistance Strategy 2006-2009 zunehmende Einkommensdisparitäten fest und orientiert sich dabei am Gini-Koeffizient. Wer über das reine Zahlenmaterial hinausgeht und sich mit konkreten Vorfällen vor Ort befasst, findet eine große Zahl an Mechanismen, die Ungerechtigkeit erzeugen. Ein Beispiel ist die Verteilung von so genanntem khas land. Für solches, im öffentlichen Besitz befindliches Land, dazu zählen z.B. neu aufgeschüttete Landmassen, existieren genaue Verteilungsbestimmungen. Doch meist erhalten die Bessergestellten das Land bzw. reißen es an sich. Immer wichtiger wird das Thema Governance. Am 16.10.2005 wurde die Armutsstrategie des Landes unter dem Titel "Unlocking the Potential. National Strategy for Accelerated Poverty Reduction" verabschiedet, in der die Regierung darlegt, wie sie die Millenniumsentwicklungsziele erreichen will. Das 367 Seiten starke Dokument zeichnet eine Agenda, bestehend aus acht Punkten, für die Armutsbekämpfung. Zu den genannten Punkten zählen Beschäftigung, Muttergesundheit und Ernährung, Bildung, Hygiene, lokale Regierung und Strafjustiz.
Die Vergabe von Mikrokrediten gehört zu den wichtigen Instrumenten der Armutsbekämpfung. Zu den Pionieren der Mikrokredite gehört in Bangladesch zweifelsohne die Grameen Bank. Mittlerweile hat sie bei den zahlreich vertretenden Nichtregierungsorganisationen im Land Nachahmer gefunden. Auch diese geben nun Kredite an die jeweiligen Zielgruppen und helfen dabei, Klein- und Kleinstunternehmen zu starten. Ende 2006 wurde dem Gründer der Bank, Muhammad Yunus, und der Grameen Bank der Friedensnobelpreis verliehen. Kritisch anzumerken ist, dass der alleinige Einsatz von Mikrokrediten die strukturellen Ursachen der Armut nicht beseitigt. Imran Matin untersucht die entwicklungspolitischen Maßnahmen der größten NRO des Landes (BRAC), die die so genannten hard core poor fokussieren. Gerade diese Gruppe fällt häufig durch das Netz der Mikrokreditprojekte. Matin macht in seinem Beitrag klar, dass Armut ein weites Spektrum umfasst. Der soziale Abstieg vollzieht sich oft schnell in Bangladesch, wozu auch Naturkatastrophen beitragen. Dabei sind nicht nur Überflutungen zu nennen, sondern auch Dürreperioden, wie sie oft zwischen November und April im Land auftreten. Der Geograf Bimal Kanti Paul analysiert die Reaktionen der Bevölkerung auf die Dürre von 1994/95. Grundlage hierfür bietet eine Befragung von 301 Haushalten im nördlichen Bangladesch im Sommer 1995. Binayak Sen und David Hulme setzen sich in der Studie Chronic poverty in Bangladesh mit der Situation der chronisch und extrem armen Menschen in Bangladesh auseinander. Korruption ist allgegenwärtig im Land. Sie benachteiligt vor allem die armen Haushalte, da diese oft nicht die Mittel zur Bestechung aufbringen können. Schlechtere Versorgung mit Gesundheits- und Erziehungsdienstleistungen, fehlender Zugang zu Krediten oder fehlende bzw. unzuverlässige Stromversorgung sind einige wichtige Folgen. Frauen in Bangladesch: Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index. Daraus abgeleitet werden zwei Gender-sensitive Indizes: der Gender-Related Development Index und ein Gender Empowerment Measure. Eine gute Übersicht über die Situation der Frauen bietet der Artikel Women, Islam, and the State von Tazeen Mahnaz Murshid, der auf die vielfältigen Benachteiligungen von Frauen in der Gesellschaft hinweist und auf ihre Ursachen eingeht.
Lesen Sie den erschütternden Bericht über Frauen- und Kinderhandel. Leider ist beides üblich, v.a. der Handel Richtung Indien und Pakistan. Gleichermaßen erschütternd und interessant sind Berichte zu den Themen Gewalt gegen Frauen und Säureattentate. Eine starke Frau, die sich für Opfer von Säureattentaten einsetzt, wurde am 19. März 2006 für ihre Arbeit mit dem Menschenrechtspreis der deutschen Sektion von ai ausgezeichnet. Monira Rahman und die von ihr gegründete Acid Survivors Foundation betreuen Säureopfer und sensibilisieren Öffentlichkeit wie Politik für die Notwendigkeit, entschieden gegen die Praxis der Säureattentate wie gegen die Attentäter selbst vorzugehen. Mittlerweile wird über einen erfreulichen Rückgang bei den Säureattentaten berichtet. Kinderarbeit ist oft Ausdruck von Armut. Es gibt nach Schätzungen über 460 Berufe, 65 davon werden als gefährlich eingestuft, in denen Kinder beschäftigt sind. Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen: Andheri-Hilfe Bonn
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