Bangladesch


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Seite 1: Landesübersicht und Naturraum

Karten

Bangladesch - politische Karte

Bangladesch liegt im Delta der drei großen Flüsse Padma (Ganges), Jamuna (Brahmaputra) und Meghna. Ein Geflecht von 240 Flüssen und Nebenflüssen mit einer Gesamtlänge von über 24.000 Kilometern durchzieht das Land. 30 Prozent des Landes liegen unter zehn Meter über dem Meeresspiegel. 30 bis 80 Prozent des Landes werden alljährlich während des Monsun mit wertvollem Naturdünger in der Größenordnung von 1,5 bis zwei Milliarden Tonnen überschwemmt. Der Schlamm verschafft Bangladesch den Status, eine der fruchtbarsten Schwemmlandebenen der Erde zu sein.

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Lage und Größe

Bangladesch in der Region

Bangladesch liegt am östlichen Rand Südasiens und ist fast völlig von Indien umschlossen. Die gemeinsame Grenze umfasst mehr als viertausend Kilometer. Lediglich im äußersten Südosten grenzt das Land an Myanmar und im Süden an den Golf von Bengalen. Bangladesch bildet den größeren (östlichen) Teil der Landschaft Bengalen.

Bangladesch ist mit einer Fläche von 144.000 qkm ein sehr kleiner Staat (etwa doppelte Fläche Bayerns), zumindest gemessen an seiner Bevölkerungsgröße von etwa 147 Millionen (Stand 2007). Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 743 km, die größte Ost-West-Ausdehnung 461 km. Bangladesch weist mit Ausnahme der Stadtstaaten weltweit die dichteste Besiedlung auf. Was das konkret bedeutet, bemerkt man spätestens in Dhaka. Aber auch in den Dörfern, vor allem auf den Märkten bei Eintreten der Abenddämmerung, erlebt man die Enge unmittelbar.

Impressionen

 

Bangladesch ist arm, wenn man einen Indikator wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf heranzieht. Bangladesch ist aber reich an kostbarem Wasser, fruchtbaren Böden und Kultur. Wer Überlandfahrten unternimmt, ist überwältigt von der Schönheit der Kulturlandschaft. Allerdings werden diejenigen, die schon vor dreißig oder vierzig Jahren im Land umhergereist sind, viele über Jahrhunderte gewachsene Waldflächen vermissen.

Wer das erste Mal in ein Dorf kommt, wird je nach Gemüt über Häuser erschrecken, die in den meisten westlichen Augen eher armselige Hütten sind, oder aber erstaunt sein, wie Menschen unter solch primitiven Umständen einen glücklichen Eindruck machen können. Beschämt mag man sein, wenn die als sehr armer Mensch eingestufte Person dem Gast den proteinreichen Saft der grünen Kokosnuss in ein Glas einschenkt und eine Lieblingsfrucht des Landes, die Mango, serviert. Andererseits mag man sich in seinem ursprünglichen Vor -Urteil bestätigt findet, wenn in der Presse von blutigen Kämpfen um ein Stück Land die Rede ist. So idyllisch scheint das Leben vor allem im Dorf wohl doch nicht zu sein.

Zur Einstimmung auf Bangladesch empfiehlt sich, Impressionen - von Drik Bangladesh zur Verfügung gestellt - auf sich wirken zu lassen. Drik ist eine Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, junge Fotografen des Landes in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Lebensverhältnisse in Bangladesch aus der inländischen Perspektive darzustellen. Die Drik Picture Library ist der sichtbare Ausdruck dieser Anstrengung.

Bangladesch bei Nacht und vom Weltall betrachtet - bemerken Sie den Unterschied zu Belgien? (Anm.: Es handelt sich um Liveaufnahmen, d.h. je nach Tageszeit erleben Sie auch Bangladesch am Tag).

 

Grunddaten

Asian Development Bank, Microsoft Encarta, Fischer Weltalmanach und die CIA liefern Grundinformationen über Bangladesch.

Natürlich gibt es eine Vielzahl weiterer internationaler und nationaler Organisationen, die statistische Daten zum Land bereitstellen. Zu erwähnen sind hier das US Census Bureau und die Weltbank.

Ausgewählte Grunddaten:

Staatsname Volksrepublik Bangladesch
Hauptstadt
Dhaka
Unabhängigkeit
1971
Fläche in qkm
ca. 144.000
Bevölkerung (2008)
rd. 150 Mio.
Lebenserwartung (2006) 62,5 Jahre
BIP (2007) in USD
72 Mrd.
BIP/Kopf (PPP - 2007) 1.300 USD
Währung Bangladesch Taka (BDT)
Wechselkurs Sep 2008 1 Euro = 97 BDT
Int. Tel. Vorwahl
880

 

Naturraum

Bangladesch unterteilt sich in mehrere so genannte Hauptlandschaften:

Das Zwischenstromland und Westbengalen (Ganges-Brahmaputra-Doab) befindet sich im nördlichen Bangladesh und ist weniger von Überschwemmungen betroffen. Die Böden sind trockener und sandiger.

Die Sundarbans (Sumpfwald; Bengali: Shundar-Bon - wunderschöner Wald) befinden sich meerwärts und bilden eine bis zu 300 km breite, inselreiche Seichtwasserküste. Sie sind der natürliche Lebensraum für die Mangroven und anderer Sumpfwaldarten. Hier findet man auch noch die berühmten bengalischen Tiger.

Die Chittagong Hill Tracts im Südosten des Landes gehören zur westbirmanischen Randkette und erheben sich über 1.000 m.ü.M. Hier befindet sich auch der höchste Berg des Landes, der Mount Keokradong (1.234 m).

Die Stromaufschüttungsebene des Ganges-Brahmaputra-Systems, dessen Oberfläche nur selten 50 m.ü.M. übersteigt. Dieses Gebiet, in dem auch Dhaka liegt, wird häufig durch Überschwemmungen heimgesucht; starke Monsunregenfälle wie auch die Schmelzwasserabflüsse aus den Hochgebirgen Innerasiens leisten ihren Beitrag hierzu.

Bangladesch verdankt seiner Existenz der jahrtausendewährenden Deltabildung. Die Flüsse führen viel Schlamm mit sich, der neue Inseln und Landflächen entstehen lässt.

Die größten Flüsse sind der im indischen Uttar Pradesh entspringende Ganges ( Padma), der in Tibet entspringende Brahmaputra (Jamuna) und der Meghna.

Größter See ist der Kaptai-See, der aus einem Wasserenergiekraftwerk in den 1960er Jahren entstanden ist.

Bangladesch weist ein tropisches Klima auf, was man auch an der schnellen Abnutzung der Baumaterialien oder auch an CDs ersehen kann. Die Luftfeuchtigkeit reicht von ca. 60% in der für Europäer angenehmeren Zeit von November bis März bis zu über 95% während der Monsunzeit. Die Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperatur differieren jahreszeitlich stark. Im Sommer (d.h. im April und Mai) herrschen Temperaturen um 35° - 40° C, wobei es Nachts immer noch 25° - 30° C warm ist. Im Winter dagegen liegen die Tagestemperaturen bei 25° C. Nachts, vor allem in Nordbangladesch, kann die Quecksilbersäule auch schon auf 5° C zurückgehen.

Große Unterschiede bestehen in der Niederschlagsmenge nach Regionen (von 1.000 mm im Westen bis 5.000 mm im Nordosten). Bangladesch nimmt bei den Niederschlägen die Spitzenposition auf dem indischen Subkontinent ein. März ist in der Regel der trockenste, der August der feuchteste Monat, wobei Ausnahmen natürlich vorkommen.

Nach dem Monsun wird es in Bangladesch trocken. Von November bis April gibt es normalerweise nur wenige Regentage. Daher ist auch Dürre ein Phänomen in diesem fruchtbaren Land.

 

Ökologische Probleme

Sie werden vermutlich mit dem Flugzeug in Dhaka landen. Willkommen in Bangladesch! Auf den nun folgenden 15 Kilometern Richtung downtown werden Sie schnell einem der größten Umweltprobleme begegnen - die Luftverschmutzung in Dhaka ist im wahrsten Sinne atemberaubend. Mittlerweile sind zwar die unglaublichen Dreckschleudern à la Babytaxis ihren sauberen Brüdern gewichen, die mit Naturgas betrieben werden, doch dafür gibt es nun mehr Busse, für deren Besitzer ASU kein Thema zu sein scheint. Dhaka nimmt weltweit eine traurige Spitzenstellung im Bereich des Bleigehalts in der Luft ein. Was abstrakt klingt, wird schnell konkret, wenn Söhne und Töchter guter Freunde heftige Hustenanfälle bekommen und der ratlose Vater erzählt, dass man lieber heute als morgen die Stadt verlassen und auf das Land ziehen möchte.

Auf dem Land ist die Luft besser, doch auch hier gibt es gewaltige Umweltprobleme.

Im Südwesten liegt der "wunderschöne Wald" bzw. die Sundarbans, die in keiner Publikation der staatlichen Touristenbehörde fehlen. Leider ist dieses rd. 6.000 qkm große Mangrovensumpfgebiet - in Indien kommen noch einmal 4.500 qkm hinzu - schon längst ein reizvoller Standort für die Garnelenfarmen geworden. Mangrovenwälder sterben, damit Salzwassergarnelen gedeihen können.

Die Sunderbans sind im November 2007 zum Fokus der Weltöffentlichkeit geworden, nachdem der Wirbelsturm SIDR Teile des Waldes vernichtet hatte. SIDR tötete mehr als 3.500 Menschen. Hunderttausende verloren ihr Hab und Gut. Besonders hart traf es die Ärmsten der Armen, die nichts hatten, worauf sie zurückgreifen konnten. Zusagen in Millionenhöhe und vor allem eine schnell anlaufende Nothilfe halfen, Menschenleben zu retten. Schon vor SIDR hatte großflächige Evakuierungen und die Unterbringung in die so genannten cyclone shelters dafür gesorgt, dass sich Hunderttausende in Sicherheit bringen konnten.

Nun geht es um die langfristige Rehabilitation. Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten müssen wiederhergestellt werden. Die Menschen sollten schnell wieder auf eigenen Füßen stehen. Dabei werden von internationaler Seite unter anderem neue Kredite gegeben, um Einkommen schaffende Aktivitäten z.B. Reisanbau, Betelanbau, Anbau von Hülsenfrüchten, Fischzucht, Geflügelzucht, Weizen- und Maisanbau, Gärtnerei oder häusliche Tieraufzucht zu fördern.

Mit der schon Realität gewordenen Klimaveränderung und der ebenfalls schon sichtbaren Erhöhung des Meeresspiegels ergeben sich für Bangladesch existentielle Fragen. Kann sich das Land schützen? Klar scheint, dass dies nur mit technischem know-how und vielen Milliarden Euro funktionieren kann. Gegenwärtig denken Entscheidungsträger in Bangladesch und Vertreter der internationalen Gebergemeinschaft über ein milliardenschweres Investitionsprogramm nach, mit dem der südliche Landesteil gegen Wirbelstürme u.a. geschützt werden soll.

Im nördlich von Dhaka gelegenen Madhupur-Wald gibt es ein ähnliches Problem. Was in Reiseführern noch immer als Urwald bezeichnet wird, ist bereits längst zu einem Ort intensiver Besiedlung und Bewirtschaftung geworden. Neben der Natur sind auch diejenigen Verlierer, die vom Wald leben, v.a. die Garo.

Wenn Sie einen Ausflug Richtung Südosten in die Chittagong Hill Tracts unternehmen, werden Sie erneut feststellen müssen, wie schnell die Waldressourcen in Bangladesch zurückgehen.

Auf dem Weg zurück nach Dhaka wird ihr Blick unwillkürlich auf die riesigen Ziegeleien gerichtet sein. In einem fast steinlosen Land wie Bangladesch ist man auf Ziegeln angewiesen. Auch hierfür wird viel Holz benötigt. Die Konsequenz schließt gleichsam den Kreis: noch schnellere Entwaldung, intensivierte Luftverschmutzung in Dhaka und größeres Leid für die Waldvölker.

Arsen - eine Gefahr, die lange unerkannt und später unterschätzt wurde. Mittlerweile weiß man: Es muss schnell, flächendeckend und effektiv gehandelt werden - und die Lösungen müssen kostengünstig sein oder hochsubventioniert an die Gemeinden verteilt werden.

Organische Anbaumethoden? Was selbst in einem reichen Land wie Deutschland noch immer den Geruch von Exklusivität trägt, muss vielen Menschen in Bangladesch wie eine exzentrische Spinnerei vorkommen. Geht es nicht in erster Linie darum, genug Nahrung für eine rasch wachsende Bevölkerung zu produzieren? Sicher, aber man muss gerade deshalb darauf achten, dass die ökologischen Grundlagen nicht zerstört werden? Ökologischer Anbau ist wirtschaftlich rentabel, sozial ausgewogen und - nutzt die Natur nachhaltig.

Bangladesch steht vor einer enormen Herausforderung. Was ist zu tun gegen die Erhöhung des Meeresspiegels im Folge des Klimawandels? Vor allem die so genannten Chars, die Inseln in den großen Flüssen des Landes sind bedroht. Das Thema lenkt den Blick auf die internationale Ebene, denn nicht alle Probleme des Landes sind auch hausgemacht. Klar ist, dass Bangladesch auf umfängliche finanzielle, personelle und technische Hilfe aus dem Ausland angewiesen sein wird, soll die vermutlich größte Herausforderung in der Geschichte des Landes bewältigt werden.

 

Sozialraum




Mit rd. 150 Millionen Einwohnern gehört Bangladesch zu den bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Das derzeitige jährliche Bevölkerungswachstum von rd. 2 % sorgt für ein weiterhin starkes absolutes Bevölkerungswachstum. Bleibt das Wachstum auf dem bisherigen Niveau, so wird das Land bereits im Jahr 2025 über 200 Millionen Menschen beherbergen.

Die Bevölkerung des Landes verteilt sich ungleich. In den trockeneren Gebieten im Nordwesten ist die Bevölkerungskonzentration geringer als in der so genannten Schwemmlandebene. Größter Anziehungspunkt ist mit Abstand die Hauptstadt Dhaka, die nach Schätzungen jährlich um 500.000 Menschen zunimmt. Schon heute liegt die Bevölkerung im Großraum Dhaka bei über 12 Millionen.

Neben der Straße ist im Land der vielen Flüsse auch der Seeweg als Transportmedium zu nennen.

Nationale Symbole


Nationale Gedenkstätte
© Martin Peter Houscht

Der bengalische Tiger ist das Nationaltier Bangladeschs; die Jackfruit ist die Nationalfrucht. Die Nationalhymne beruht auf einem Gedicht des Poeten Rabindranath Tagore. Natürlich gibt es auch einen Nationalvogel, einen Nationalbaum, eine Nationalflagge und andere wichtige nationale Symbole.

Nationalvogel

 

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