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Seite 4: 4. Gesellschaft, Kultur & Religion
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4.1 Makro-soziale Struktur |
Von großer Bedeutung für Kultur und Gesellschaft ist, dass Äthiopien
keine Kolonie war. Es war nur fünf Jahre, 1936 - 1941, von Italien besetzt
und bis Anfang der 1990er Jahre ein weitgehend von der Welt abgeschlossenes und isoliertes Land.
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4.1.1 Ethnizität, Tribalimus |
Äthiopien wird als Vielvölkerstaat mit einer großen Zahl von Ethnien bezeichnet. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt. Sie wird mit mindestens 80 und in anderen Quellen mit bis zu 120 angegeben. Geschätzt wird, dass bis zu 80 Sprachen in 200 Dialekten gesprochen werden. Die größte ethnische Gruppe wird von den Oromo gebildet, die eine kuschitische Sprache sprechen. Sie stellen schätzungsweise 35% der Bevölkerung. Amharen stellen gut 30% der Bevölkerung, die Tigray 7%. Bedeutende Gruppen sind weiterhin die Somali mit 6% und Sidama mit 6%. |
4.1.2 Soziale Lage und soziale Klassen |
Die Gesellschaft und folglich auch die Wirtschaft ist erst am Anfang eines
Diversifizierungsprozesses. Entsprechend groß ist die Gruppe der
wirtschaftlich aktiven Bevölkerung
auf dem Land und gering in der Stadt.
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4.1.3 Stadt - Land Verhältnis |
Etwa 80% der Bevölkerung
leben auf dem Land. Städte sind ein recht neues Phänomen in Äthiopien.
Soziale Strukturen gleichen sogar in der Hauptstadt Addis Abeba der ländlichen,
familien-zentrierten Lebensform. Erst sehr langsam entwickelt sich städtisches Leben.
In Städten leben relativ mehr 20 - 30 Jährige als auf dem Land. Das ländliche
Bevölkerungswachstum liegt bei 1 - 2 %, das städtische bei 4 - 5 %.
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4.1.4 Geschlechter-verhältnis |
Die Rollen von Frauen
sind bestimmt durch traditionelle Institutionen. Heirat, Rolle
als Mutter und Aufgabenzuweisung im Haushalt bestimmen das Leben der Frauen.
Obgleich die Rechte der Frauen in der Verfassung verankert sind, sind kulturelle Barrieren ein wesentlicher Hinderungsgrund für ihre Benachteiligung. Frühe Zwangsverheiratung, Vergewaltigungen und Verstümmelung der Geschlechtsorgane sind ebenso manifeste Benachteiligungen wie ein schwerer Zugang zu Bildung sowie eine völlig unzureichende Repräsentation auf politischer Ebene. |
4.1.5 Altersstrukturen |
Bei einer konstant sehr hohen oder sogar steigenden Geburtenrate besitzt die Pyramide eine sich nach unten exponentiell verbreitende Basis. Dies geht einher mit einer meist geringen Lebenserwartung und einer früh einsetzenden, hohen Sterberate über alle Lebensalter hinweg. Dies ist in Äthiopien der Fall, ebenso wie in vielen anderen afrikanischen Staaten. |
4.2 Bildung |
Das Bildungssystem sieht zehn allgemeinbildende Schuljahre vor.
Nach dem zehnten Schuljahr erfolgt eine Trennung zwischen Schülern, die nach zwei
weiteren Schuljahren zur Hochschulreife geführt und solchen, die in zwei
berufsbildenden Schuljahren auf die Arbeitswelt vorbereitet werden.
Die Alphabetisierungsrate ist gestiegen. Es können inzwischen etwa ein Viertel der Frauen und gut die Hälfte der Männer lesen und schreiben. Die Einschulungsrate lag 2004 bei etwa 70% der Jungen und 50% der Mädchen. |
4.3 Gesundheit und Sozialwesen4.3.1 Gesundheitsversorgung |
Die Gesundheitsversorgung ist in Äthiopien wenig entwickelt, wenn auch in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht wurden. Noch immer kommen nur drei Ärzte auf 100.000 Einwohner. Schätzungsweise nur ¾ der Bevölkerung hat Zugang zu den wesentlichen Medikamenten. Mehr als 15 Kilometer entfernt findet sich der nächstliegende Gesundheitsposten für die Hälfte der Bevölkerung. Malaria ist nach wie vor ein sehr großes Problem. Häufigen Durchfall hat etwa 15% der Bevölkerung. Auf dem Land haben gut 20% Zugang zu sauberem Wasser, wohingegen es in der Stadt 90% sind. Ausführliche Informationen hierzu bei CSA. |
4.3.2 HIV / AIDS |
HIV / AIDS ist in Äthiopien stark verbreitet.
Mehr als 2 Mio Menschen sind betroffen. Davon der überwiegende Teil in der Gruppe der 15 - 24 jährigen. Bei Prostituierten geht man von einer Rate von fast 100% aus. Der Kondomgebraucht ist sehr gering. |
4.4 Kultur4.4.1 Kulturelle Identitäten |
Äthiopien ist eine Gesellschaft mit einer sehr vielfältigen,
in weiten Teilen ungebrochenen und traditionsbewussten Kultur. Von den über
80 verschiedenen ethnischen Gruppen haben wir einen unterschiedlichen Wissensstand.
Das Institute of Ethiopian Studies
an der Addis Ababa University versucht seit 1963, das Wissen über die kulturelle
Identität zusammenzutragen und zu analysieren. Publikationen liegen nur gedruckt vor.
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4.4.2 Kunst |
In Äthiopien werden traditionell
Selbstklinger wie Rasseln, Trommeln, Blas- und Saiteninstrumente benutzt.
Zur Zeit Kaiser Haile Selassie kamen westliche Musikinstrumente nach Äthiopien. In Addis Ababa war Swing beliebt. Heute sind Verbindungen traditioneller Musik mit modernen Musikelementen und Instrumenten beliebt. |
4.5 Religion |
Fast alle Äthiopier glauben an eine höhere Macht, die sie verehren.
Dies prägt ihre Sicht der Dinge und gibt ihnen Orientierung im Alltag.
Äthiopier sind in der Regel tief gläubig. Annähernd 90% der Bevölkerung
sind Teil
organisierter Glaubensgemeinschaften.
Es gibt zwei große Glaubensgemeinschaften. Dies sind überwiegend sunnitische
Muslime (45% - 50%) und orthodoxe Christen (35% - 40%). Ca. 15% der
Bevölkerung sind entweder Anhänger anderer christlicher Kirchen oder aber Animisten.
Äthiopien gilt landläufig als Beispiel der friedlichen Koexistenz von
Glaubensgemeinschaften. Und so findet sich häufig ein friedliches
Zusammenleben von Muslimen und Christen. Die Vergangenheit hat aber auch
gezeigt, dass es lang andauernde, kriegerische Auseinandersetzungen zwischen
Anhängern unterschiedlicher Religionen gab. Auch heute scheint es wieder einen
verstärkten Konkurrenzkampf, der nicht nur verbal ausgetragen wird, um die Gläubigen zu geben.
In der Politik spielen die organisierten Glaubensgemeinschaften keine Rolle. Keine der großen Kirchen ist präsent in der politischen Debatte, noch scheinen die Kirchen hier eine Rolle spielen zu wollen. Reggae wird häufig in Verbindung mit Rastafari gesehen. Rastafari ist eine um 1930 in Jamaika entstandene afro-amerikanische Religion. Sie ist nach Haile Selassie I. benannt. Der Geburtsname Selassies war Ras Tafari Makonnen. Daraus entstand Rastafari. |
4.6 Sport |
In Äthiopien wird viel Sport getrieben. Fußball ist sehr beliebt und 'gekickt'
wird mit so gut wie allem, was nach einem Ball aussieht.
Äthiopien hat viele international sehr erfolgreiche Läuferinnen und Läufer. Und vor allem hat Äthiopien den afrikanischen Läufer aller Läufer hervorgebracht, Abebe Bikila, das Vorbild einer in vieler Hinsicht sehr erfolgreichen, folgenden Läufergeneration. Heute genießt zum Beispiel Haile Gebreselassie auch wegen seiner persönlichen, vorbildlichen Integrität den Status eines Nationalhelden. Es gibt inzwischen regelmäßig stattfindende Laufveranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmern. |
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