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3. Wirtschaft & Entwicklung

Äthiopien



Flagge

3.1 Wirtschaft

3.1.1 Wirtschaftssystem & seine Sektoren

Die Wirtschaftsstruktur ist von der Landwirtschaft geprägt. Der Landwirtschaftssektor ist der größte Sektor und beschäftigt gut 85% der Bevölkerung. Er hat einen Anteil von 40% am BIP und besteht aus überwiegend kleinräumiger Subsistenzwirtschaft, Wanderfeldbau und Pastoralisten.

Dienstleistungen tragen mit rund 50% zum BIP bei. Der Industriesektor bleibt trotz Investitionen schwach und trägt nur rund 10% zum BIP und weniger als 15% zu den Exporten bei. Es handelt sich weitgehend um Leichtindustrie (Nahrungsmittel, Textilien, Lederverarbeitung). Die Situation der äthiopischen Wirtschaft ist durch ein sehr diskontinuierliches Wirtschaftswachstum und hohem Handelsbilanzdefizit (über 1.100 Mio US$) gekennzeichnet.

Eine moderne Infrastruktur ist nur in Ansätzen vorhanden, entwickelt sich aber mit Geberhilfe recht schnell. Die Infrastruktur ist auch im afrikanischen Vergleich sehr gering. Dies gilt sowohl für Strassen, Elektrizität, Telekommunikation sowie Wasserver- und -entsorgung.

Markt

3.1.2 Wirtschaftsindikatoren, Analysen, Statistiken

Der Index of Economic Freedom, ein Maß mit 10 Kriterien, ordnet Äthiopien an Stelle 124 in der Welt und verzeichnet - wie in den letzten Jahren auch schon - eine leichte Verschlechterung. Äthiopien belegt Platz 26 unter 40 Sub-Sahara Afrika Staaten und hat einen Freiheitsgrad von 53,2 zu 60,2 im Vergleich zum Weltdurchschnitt.

Transpancy International ordnet Äthiopien auf Platz 138 gleich auf mit Pakistan, Paraguay und Syrien. Im Jahr 2006 lag Äthiopien noch auf Platz 130.

Im Ibrahim Index of African Governance, der sich explizit mit Wirtschaftsindikatoren befasst, liegt Äthiopien auf Platz 27 von 48 in Afrika.

3.1.3 Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftpolitik ist Teil der Agricultural Development Led Industrialisation Strategie Entwicklungsstrategie der äthiopischen Bundesregierung. Alle Politiken leiten sich davon ab. Die Strategie wird unter 3.2.2 Inländische Entwicklungsanstrengungen erläutert.

3.1.4 Produkte und Produktionsweisen

Äthiopien wird neben dem Jemen als die Heimat des Kaffee Arabica bezeichnet. Bereits 1500 n.Chr. war Kaffee in Äthiopien ein Handelsgut. Im späten 16. Jahrhundert breitete sich der Kaffeeanbau vom Süd-Westen in Richtung Norden aus. Im frühen 17. Jahrhundert gab es bereits Pflanzungen in der Nähe des Tana-Sees. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Kaffee in vielen Teilen des Nord-Westens kultiviert. In Äthiopien wird Kaffee unterschiedlich benannt. So heißt Kaffee bunna (Amharisch), bun (Tigrigna), buna (Oromifa), bona (Kefficho) oder etwa kawa (Guragigna). Äthiopien beheimatet noch heute in großer Vielfalt wilde Kaffeesträucher. Es wird schätzungsweise eine Fläche von 400.000 ha von (wild wachsenden und kultivierten) Kaffeebäumen bedeckt. Mit einer Jahresproduktionsmenge von ca. 200.000t ist das Land siebtgrößter Kaffeeproduzent und neuntgrößter Exporteur.



kaffee_rauch


Neben Kaffe spielt für den internen Markt Getreide, Baumwolle, Zucker sowie Vieh eine große Rolle. All diese Bereiche sind auf einem geringen Produktionsstand. Die vor einigen Jahren begonnene Blumenproduktion wurde allerdings auf Weltmarkniveau aufgebaut und betrieben. Blumen werden für den Export produziert. Die verarbeitende Industrie produziert vor allem Nahrung, Kleidung, Chemie, Metall und Zement.

Ausführliches Datenmaterial findet sich bei der CSA und der Weltbank.

3.1.5 Handel

Deutschland, Japan und Italien sind die wichtigsten Absatzmärkte für äthiopische Produkte, von denen Kaffee ca. 40% ausmacht, gefolgt von Leder/Lederprodukten, Kat, Ölsaaten, Gold und Lebendvieh. Unter den Herkunftsländern äthiopischer Importe liegen Italien, China und Indien an vorderer Stelle. Wichtigste Importgüter sind Konsumgüter (30%), Investitionsgüter (30%), Treibstoffe (20%) und Halbfertigprodukte (20%). Die EU ist mit einem Anteil von ca. 30% an den äthiopischen Importen und an den Exporten beteiligt. Im Welthandel spielt Äthiopien keine Rolle. Die Exporte waren seit 1983 von US$ 391 Mio. auf 2003 US$ 483 Mio. gestiegen und sind damit im internationalen Vergleich vernachlässigbar klein. Dies hat sich geändert. 2006/2007 betrugen die Exporte 1172 Mio. US$, die Importe 5124 Mio US$, das Außenhandelsdefizit stieg entsprechend auf fast 4 Mrd. US$.



Speisenzubereitung

3.1.6 Öffentliche und private Investitionen, Staatsverschuldung

Der Staat ist der größte Investor. Die äthiopische Regierung bezeichnet die Wirtschaftsordnung als marktwirtschaftlich. Sie hält Äthiopien aber noch nicht reif für eine Liberalisierung. Es wurden eine Reihe von Reformen unternommen, aber noch immer ist der Staat im industriellen und Dienstleistungssektor durch staatliche Monopolunternehmen (Luftverkehr, Telekommunikation, Energieversorgung) und parteinahe Unternehmensgruppen der dominante Akteur. Erst langsam entwickelt sich ein Privatsektor im modernen Sinne.

Der Staatshaushalt ist defizitär und kann nur durch externe sowie Binnenverschuldung zur Deckung gebracht werden. Der Birr ist nicht voll konvertibel. Äthiopien ist von den Leistungen internationaler Geber, insbesondere der Weltbank und der EU, abhängig. Sie finanzieren ca. 40% des 17 Mrd. ETB-Staatshaushalts. Äthiopien hat im Juni 2004 den HIPC-Completion Point erreicht und eine milliardenschwere Schuldenentlastung erhalten.



Bank

3.2 Entwicklung und Entwicklungspolitik

3.2.1 Millenium Development Goals

Armut und Hunger sind bestimmende Themen. 2005 waren wieder mindestens 4 Mio. Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die für die Bevölkerung entscheidende Landwirtschaft kann die Ernährung auch in guten Jahren nicht sichern. Äthiopien gehört zu den ärmsten Länder der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 170 US$. In den übrigen Ländern Subsahara-Afrikas liegt es bei durchschnittlich 480 US$. Es wird angenommen, dass dreiviertel der Bevölkerung weniger als 2 US$ pro Tag zur Verfügung haben. Der Hunger hat neben der geringen Leistungsfähigkeit des Staates seine Gründe in einem hohen Bevölkerungswachstum (2,5 - 3%) und Dürreperioden. Reformschritte, wie die Liberalisierung des Agrarmarktes, Preisfreigabe für Agrarprodukte und deren freie Vermarktung, haben zu einem deutlichen Anstieg der landwirtschaftlichen Produktion geführt. Durch regelmäßige Überarbeitung des Investment Codes von 1996 versucht die Regierung, Äthiopien als attraktives Land für Investitionen zu präsentieren. Potentielle ausländische Investoren zögern jedoch bei der Entscheidung. Als Hindernis wird von in- und ausländischen Investoren insbesondere die in der Verfassung verankerte Unzulässigkeit privaten Grundbesitzes angegeben. Mit der Erfüllung der MDG kommt Äthiopien nur langsam voran. Die Vereinten Nationen, deren Statistikamt und weitere Organisationen, wie die Weltbank , geben umfänglich Auskunft zum Stand der Erreichung der MDG.

3.2.2 Inländische Entwicklungs-anstrengungen

Die äthiopische Regierung betreibt ein umfangreiches Reform- und Entwicklungsprogramm.

Der Entwicklungsansatz der Regierung beruht auf der Strategie des Agricultural Development Led Industrialisation. Mit ihr wird versucht, Armut primär durch Steigerung der Einkommen der ländlichen Bevölkerung zu bekämpfen. Durch diesen breitenwirksamen und arbeitsintensiven Ansatz sollen Grundlagen für die Schaffung bzw. Stärkung der äthiopischen Industrie gelegt werden. In diesem Zusammenhang hat die Wirtschaftsentwicklung in den letzten Jahren einen besonderen Stellenwert bekommen. Die äthiopische Regierung bezeichnet die von ihnen geprägte Wirtschaftsordnung als marktwirtschaftlich. Sie geht aber nicht davon aus, dass der Entwicklungsstand des Landes bereits jetzt eine liberale Wirtschaftsordnung zulässt. Entsprechend hat sie zwar eine Reihe von Reformschritten unternommen (Privatisierung, Freigabe der Preise, Zulassung von Privatunternehmen, z.B. auch im Banken- und Versicherungssektor), übt jedoch weiterhin durch staatliche Monopolunternehmen (u.a. Luftverkehr, Telekommunikation, Energieversorgung) und parteinahe Unternehmensgruppen beherrschenden Einfluss auf die Wirtschaft aus.



Kaffeeverarbeitung

3.2.3 Ausländische Entwicklungs-anstrengungen, multi- und bilaterale

Äthiopien erhält in sehr großem Umfang Unterstützung von bi- und multilateralen Gebern. Die äthiopische Regierung versucht mittels des Ministry of Capacity Building die Geberaktivitäten zu koordinieren.

Zu den großen EZ - Akteuren gehören:
EU
WB
UNDP
JICA
DFID

3.2.4 Deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen

Äthiopien ist Schwerpunktland der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Seit Beginn der Kooperation mit Deutschland wurden gut 1,3 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt.
Es gibt im Moment drei Schwerpunktbereiche. Dies sind:
Kapazitätsaufbau zur Wirtschaftsentwicklung
Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen für Ernährungssicherung
Kapazitätsaufbau im Regierungs- und Verwaltungssystem


Von besonderer Bedeutung in der äthiopisch-deutschen Zusammenarbeit ist das Engineering Capacity Building Program. Mit einem hohen Personalaufwand wird dieses Programm unter äthiopischer Führung gefahren. Die Äthiopier streben eine weitere Erhöhung, vor allem der CIM Experten im Bereich der beruflichen Bildung, an.

Während die äthiopische Seite die Unterstützung der Deutschen auf das ECBP konzentrieren möchte und eine Wirkungserhöhung anstrebt, ist die deutsche EZ auch an der Weiterführung der bisherigen Programme in anderen Sektoren interessiert.

In Äthiopien sind viele deutsche Nichtregierungsorganisationen tätig.
Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einiger staatlicher Organisationen:
InWEnt
GTZ
KFW
DED
FES
CIM

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