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Ägypten |
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Wirtschaftssystem und Sektoren
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Ägypten ist ein Land, das weiterhin stark von einer bäuerlichen Gesellschaft geprägt wird, obwohl nur 3% des Landes landwirtschaftlich genutzt werden können. Ein Drittel aller Beschäftigten arbeitet in der Landwirtschaft; knapp ein Fünftel des Bruttoinlandprodukts wird im Agrarsektor erwirtschaftet. Die Urbanisierungsrate liegt heute bei 43%. Die Ägyptische Baumwolle, das sogenannte "weiße Gold", ist aufgrund ihrer langen Fasern die beste Sorte der Welt und gehört zu den wichtigsten Devisenbringern des Landes. Deutschland bezieht nach Erdölprodukten insbesondere Baumwollkleidung und -garne sowie Nahrungsmittel aus Ägypten. Die Deregulierung ist heute im Agrarsektor am weitesten fortgeschritten. Die Bauern können ihre Produkte weitgehend selbstständig auf dem freien Markt anbieten. Die Ernteerträge sind in den letzten Jahren stetig gestiegen, so dass Obst und Gemüse im Überschuss produziert werden. Jedoch muss Getreide weiterhin in großen Mengen importiert werden (insbes. aus den USA). Von einem Erfolg bei der Erhöhung der Agrarexporte wird es wesentlich abhängen, ob die ägyptische Regierung eine Umstrukturierung der Wirtschaft durchführen kann. Gerade die Agrarprodukte sind international wettbewerbsfähig und werden daher von Bauern aus Südeuropa (insbes. Griechenland oder Spanien) als Konkurrenz gefürchtet. Will die EU wirklich einen Beitrag zur Armutsbekämpfung und Stabilität in Ägypten leisten, dann muss sie den Marktzugang insbesondere für Agrarprodukte wesentlich erleichtern. So kommt es zu merkwürdigen Nachrichten, wie der, wonach die Verhandlungen zwischen Ägypten und der EU ins Stocken geraten waren, da man sich über das Exportkontingent für ein paar Tonnen Kartoffeln uneins sei. Erst 2001 unterzeichnete Ägypten einen Kooperationsvertrag mit der Europäischen Union über eine gemeinsame Freihandelszone. Die wichtigsten Devisenquellen Ägyptens sind der Tourismus, die Suezkanal-Gebühren, der Erdöl- und Baumwollexport, sowie die Überweisungen ägyptischer Gastarbeiter aus den reichen Ölländern. Keine dieser Quellen gewährleistet jedoch wirtschaftliche Stabilität. Der Rohölpreis schwankt heftig. 1999 kostete ein Faß 11 US-$. Heute liegt er um die 70 US-$ und hat zur positiven Wirtschaftsentwicklung in Ägypten beigetragen. Auch das Geschäft mit dem Tourismus ist sehr anfällig. Touristen bleiben sofort aus, wenn es zu Terroranschlägen kommt. Die inhaftierten Führer einiger gewaltbereiter Gruppierungen distanzierten sich zwar 2002 in einer vierbändigen Veröffentlichung von Gewalt (NZZ, 27.3.2002 oder Audiodokument), aber neue Gruppen verübten Anschläge im Sinai, der lange für sehr sicher gehalten wurde. Auch die Rücküberweisungen der Gastarbeiter unterliegen saisonalen und politischen Schwankungen. Während des Kriegs zwischen dem Irak und Kuweit 1991 strömten hundertausende ägyptische Gastarbeiter aus beiden Ländern zurück nach Hause. Darüber hinaus erhält Ägypten aufgrund seiner strategischen Rolle in der Region jährlich 1,3 Milliarden US-$ militärische (vgl. World Military Expenditures and Arms Transfers 1999-2000) und 0,8 Milliarden US-$ zivile Hilfe aus den USA, sowie 0,8 Milliarden US-$ von der Europäischen Union. Trotzdem lebten 1995/96 23% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die hohe Bevölkerungszuwachsrate frisst die Gewinne wieder auf. Das Bonn International Center for Conversion (BICC) berichtet über Sicherheit und Rüstungsexporte (PDF) nach Ägypten. Das BICC bietet auch einen Überblick über die Belastung durch Rüstungsimporte und Militärausgaben für die ägyptische Wirtschaft.
© Matthias Könsgen |
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Wirtschafts- indikatoren und Statistiken
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Wirtschaftliche Grunddaten finden Sie im CIA World Fact Book oder in den Länderberichten der Economist Intelligence Unit (allerdings kostenpflichtig). Ein hoher Anteil des ägyptischen BSPs wird insbesondere von Frauen im informellen Sektor erwirtschaftet. Zuverlässige Statistiken über die Zahl der Frauen, die im informellen Sektor "selbständig" oder "mithelfend" erwerbstätig sind, gibt es nicht. Doch dieser Sektor boomt wie kein anderer im Land. Aus diesem Grund fließt diese Wirtschaftsleistung nicht in die offiziellen Statistiken ein. Daher fordert der letzten Arab Human Development Report (AHDR) von 2005 neue Methoden der statistischen Erhebung. Der World Investment Report 2006 (PDF) bietet Informationen zu den ausländischen Direktinvestitionen in Ägypten. Das American Chamber of Commerce in Egypt informiert über Wirtschaftsdaten, Investitionsmöglichkeiten und die ägyptische Wirtschaftspolitik. Das Egyptian Center for Economic Studies (ECES) und das Economic Research Forum (ERF) bieten fundierte Studien zu einzelnen ökonomischen Aspekten. Karima Korayem zieht in dieser Reihe eine Bilanz des 1991 implementierten Economic Reform and Structural Adjustment Program (ERSAP). Die Wirtschaftsbilanz ist für Ägypten derzeit sehr positiv. Diese Einschätzung der Wirtschaftslage wird vom Auswärtigen Amt geteilt. Seit 2003 wurden Kapitalbilanzüberschüsse erwirtschaft und die Devisenreserven erreichten 26 Milliarden US-$. Steuer- und Zollreformen wurden durchgeführt und die Inflationsrate (2006: 5,2%) sinkt. Die Bundesagentur für Aussenwirtschaft spricht von einem Wirtschaftswachstum von 5%. Sie schätzt, dass die deutsche Wirtschaft die neuen Chancen im Warenhandel jedoch noch zu wenig ausschöpft. Auch in Ägypten engagiert sich die VR China zunehmend offensiver. Das bfai aktualisiert seine Wirtschaftsdaten kompakt (PDF) ständig. Die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer bietet ebenfalls aktuelle Wirtschaftsinformationen. |
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Wirtschaftspolitik |
In der SWP-Studie Herrschaftssicherung in Ägypten. Zur Rolle von Reformen und Wirtschaftsoligarchen (Juli 2007) behandeln Thomas Demmelhuber und Stephan Roll insbesondere die ökonomische Strukturanpassung seit 2004 und den zunehmende Einfluss von Großunternehmern auf die politische Agenda. Während der Privatisierungsprozess oberste Priorität erhält, ist eine politische Liberalisierung nicht in Sicht. Die Autoren behandeln auch die Verfassungsänderungen von 2007 ausführlich. |
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Entwicklung und Entwicklungs-
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Trotz der zahlreichen Kriege, entwicklungspolitischen Rückschläge, ständigen innenpolitischen Kehrtwendungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen, die Ägypten in den letzten 50 Jahren durchlebt hat, hat das Land enorme Entwicklungsfortschritte in der Grundversorgung (Nahrungsmittelversorgung, Zugang zu sauberem Wasser, Grundschulbildung) seiner Bevölkerung und in der Infrastruktur gemacht. Nur 2% der Ägypter haben keinen Zugang zu einem Gesundheitsdienst (vgl. UNDP 2005). Die weibliche Alphabetenrate stieg von 12,5% 1960 auf 54,2% 2001. Das durchschnittliche Heiratsalter betrug 1969 für Frauen 19,8 Jahre und im Jahr 2001 24,1 Jahre. Das Bruttonationaleinkommen lag 2004 bei 1250 US-$ pro Person. Ägypten wird daher als Developing Country kategorisiert (s. BMZ). UNDP bietet eine Zusammenfassung der Indikatoren für menschliche Entwicklung Ägyptens im Vergleich zu anderen Ländern an.
Quelle: Egypt Human Development Report 2003. UNDP 2003, S. 125 und International Telecommunications Union 2003 Während der Anteil der in absoluter Armut lebenden Bevölkerung in Kairo mit 0,75% angegeben wird, sind es insgesamt für Oberägypten 6,3%. Zwar wurde schon 1952 ein kostenloser Schulbesuch für alle Kinder eingeführt, aber noch 1995 konnten nur 73% der Kinder in ländlichen Gebieten eine Schule besuchen, da sie zum Lebensunterhalt der Familien beitragen mussten. In den Großstädten werden dagegen schon fast 90% der Kinder eingeschult (INP 1996). Laut staatlicher Statistik arbeitet jedes fünfte Kind im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. Eine annotierte Online-Bibliographie zu Armut und Armutsbekämpfung (PDF) u.a. in Ägypten hat Gerda Hansen vom GIGA in Hamburg zusammengestellt. |
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Deutsche EZ
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Informationen über die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland finden Sie über die Deutsche Botschaft in Kairo. Die Deutsche Botschaft hat auch eine Übersicht über deutsche Institutionen in Ägypten aus Wirtschaft, Kultur und Presse erstellt. Die GTZ arbeitet seit 1956 mit Ägypten. Das Land gehört zu den Schwerpunktpartnern deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Die GTZ ist dabei sowohl in technischen als auch in sozio-kulturellen Projekten aktiv. Zu den Schwerpunkten der Arbeit vor Ort gehört der Aufbau einer sozialen Marktwirtschaft, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie die Wasserwirtschaft. 2005 veröffentlichte die GTZ in Eschborn eine Broschüre über die Entwicklungszusammenarbeit in islamisch geprägten Ländern. Auch für das BMZ gehört Ägypten zu den strategisch wichtigen Partnern. Die KfW stellt ihr FZ-Engagement in Ägypten (PDF) dar. Die letzten deutsch-ägyptischen Regierungsverhandlungen fanden im September 2006 statt. Die deutschen EZ-Mittel belaufen sich demnach auf 214,45 Millionen Euro. Markus Loewe vom DIE hat die sozialen Sicherungssysteme (PDF) in Ägypten untersucht sowie die Relevanz der Millennium Development Goals (MDGs) (PDF, 5 MB) für die Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas. InWent bietet eine aktuelle Studie zur Reform des Wassersektors in der MENA Region (PDF). Alle politischen Stiftungen sind in Ägypten vertreten. Die Heinrich Böll Stiftung betreut Ägypten von ihrem Nahost-Büro in Ramallah. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung betreut ihre Projekte von Berlin. |
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